Olympus E-5 im Test: blitzschnelle Profi-DSLR mit toller Bedienung und kleinem Sensor

von Stefan Möllenhoff am , 17:05 Uhr

Pro
  • ausgezeichnete Bildqualität
  • interessante Art-Filter
  • durchdachte Bedienung
  • dreh- und schwenkbares Display
  • sehr schneller Autofokus
  • anpassbare Bedienung
Con
  • starkes Bildrauschen ab ISO 3200
  • Speicherkartenslots nicht konfigurierbar
  • schießt nur 5 Bilder pro Sekunde
  • teuer
Hersteller: Olympus Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,3 von 10 Punkte
Fazit:

Mit der E-5 bringt Olympus eine fantastische Spiegelreflexkamera auf den Markt, die sich in puncto Geschwindigkeit und Bedienung ganz an die Spitze stellt. Allerdings gibt es für die Anschaffungskosten der Olympus-DSLR auch schon die ersten Vollformat-DSLRs - und die haben insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen deutlich die Nase vorne.

Auf den ersten Blick wirkt die auf der Photokina 2010 vorgestellte Olympus E-5 schon zu ihrem Marktstart veraltet: Mit 12 Megapixeln, 720p-Videomodus und ISO 6400 holt man keinen müden Hund mehr hinterm Sofa hervor. Allerdings fotografiert man nicht mit dem Datenblatt, sondern mit der Kamera – und bereits beim ersten Anfassen macht die E-5 mächtig Eindruck. Wie es um Geschwindigkeit, Bildqualität und Bedienung bestellt ist, verrät der Testbericht.

In den letzten zwei Jahren gab es von Olympus im DSLR-Bereich fast keine Neuheiten. Der Hersteller konzentrierte sich mit seinen Pen-Kameras E-P1 [1], E-P2 [2], E-PL1 [3] und E-PL2 [4] in erster Linie auf das EVIL-Segment. Dass Olympus das Bauen von Spiegelreflexkameras nicht verlernt hat, will der japanische Konzern mit der E-5 beweisen. Die Kamera beerbt das bereits rund drei Jahre alte Profi-Modell E-3 [5].

Design

Dass die E-5 ein Profi-Modell ist, fällt auf den ersten Blick auf: Wann immer wir die Kamera aus dem Kamerarucksack genommen haben, der häufigste Kommentar lautete: „Boah, ist die riesig“. Und ja, die Olympus-DSLR ist groß und sperrig. Und stabil, so stabil, dass man Häuser daraus bauen kann. So scheint es zumindest. Das 800 Gramm schwere Gehäuse besteht aus einer Magnesium-Legierung und ist gegenüber Staub und Spritzwasser geschützt. Sämtliche Klappen und Türchen über Anschlüssen schließen solide und weisen vertrauenserweckend dicke Dichtungen auf. Wenn man die Olympus E-5 im Regen stehen lässt, sie wird es verzeihen.

Der Handgriff ist sehr bequem und sorgt für ein sicheres Gefühl beim Fotografieren – nicht zuletzt aufgrund der griffigen Beschichtung. In Reichweite des rechten Ringfingers befindet sich die Abblendtaste, der rechte Zeigefinger springt je nach Bedarf zwischen dem Auslöser und Rändelrad hin und her. Der Daumen macht es sich auf einer großzügigen Ablage bequem und erreicht problemlos ein zweites Einstellrädchen auf der Rückseite.

Auf der Oberseite der Kamera sitzen – wie erwähnt – ganz vorne ein Rändelrädchen und dahinter der Auslöser. Wiederum dahinter befinden sich vier Tasten in einer Reihe: Von rechts nach links finden sich hier Knöpfe für ISO-Empfindlichkeit, Belichtungskorrektur, Weißabgleich und Display-Beleuchtung. Der zuletzt genannte Button aktiviert die Hintergrundbeleuchtung des oberseitigen Kontroll-Displays, das die gewählten Einstellungen für Blende, Belichtungszeit, ISO-Empfindlichkeit, Autofokusfeld sowie die Zahl der verbleibenden Fotos und den Akkustand anzeigt.

Links neben dem Display sitzt die massive Spiegelhutze. Beim Blick durch das Guckloch auf der Rückseite wird klar, wieso die Wölbung auf der Oberseite der Kamera so gewaltig ausfällt: Der optische Sucher ist erfreulich groß, sehr hell und bietet ein 100-prozentiges Bildfeld. Außerdem finden auf der Hutze auch noch der Zubehörschuh sowie der integrierte Blitz ihren Platz. Links des Suchers befinden sich zwei Tasten zum Konfigurieren von Aufnahmemodus und Autofokus – drückt man sie beide gleichzeitig, poppt das Menü zum Einstellen der Belichtungsreihenfunktion auf. Weiter vorne sitzen noch zwei Knöpfe zum Aufrufen der Blitzeinstellungen sowie zum Öffnen des integrierten Blitzes.

Auffällig bei der E-5 ist, dass es kein Modusrädchen gibt. Wenn man vorher DSLRs wie die Canon EOS 60D und die Nikon D7000 in den Händen hatte, ist das kurzzeitig ungewohnt. Aber nach 100 Bildern vermisst man das Rädchen nicht mehr. Szenenprogramme und dergleichen haben – so augenscheinlich die Philiosophie von Olympus – bei einer Kamera dieser Klasse nichts verloren. Beim Druck auf die Taste für den Aufnahmemodus stehen lediglich die üblichen PASM-Modi sowie Bulb und ein konfigurierbarer Slot zur Verfügung.

Modusrädchen? Fehlanzeige. Der "Mode"-Knopf dient zum Wechseln des Belichtungsprogramms.
Modusrädchen? Fehlanzeige. Der „Mode“-Knopf dient zum Wechseln des Belichtungsprogramms.

Das auffälligste Element auf der Rückseite ist das 3,0 Zoll große, dreh- und schwenkbar aufgehängte Display. Es lässt sich um 180 Grad nach vorne klappen und rotiert um 270 Grad um die eigene Achse. Das ist bei Aufnahmen über Kopf, aus der Hüfte und um die Ecke eine große Hilfe. Der Bildschirm löst 640 mal 480 Pixel auf und lässt sich dank seiner Helligkeit auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch gut ablesen. Im Gegensatz zur Vorgängerin E-3 gibt es unterhalb des Displays keine Tasten mehr.

Links über dem Bildschirm befinden sich zwei mit Menu und Info beschriftete Knöpfe – sie rufen das Hauptmenü auf beziehungsweise wechseln durch verschiedene Displaydarstellungsmodi. Rechts neben dem optischen Sucher sitzt das bereits erwähnte Einstellrädchen. Weiter unten gibt es einen Button zum Aktivieren des Live-View-Modus, darüber eine Taste für den Belichtungsspeicher.

Rechts neben dem Bildschirm finden sich ein Vier-Wege-Pad mit mittiger Ok-Taste, zwei Knöpfe für Wiedergabe und Löschen sowie ein robuster Ein/Aus-Schalter. Ganz rechts oben auf der Ecke gibt es zwei weitere Buttons – einer dient zum Starten der Videoaufnahme beziehungsweise zum Festlegen des Autofokus-Messfelds. Beim anderen Knopf handelt es sich um eine frei belegbare Funktionstaste.

Apropos belegen: Die Funktionen des Vier-Wege-Pads, der Fokus-Messfeld-Wahltaste und der Abblendtaste lassen sich ebenfalls festlegen. Zur Auswahl stehen hier etwa sofortiger Weißabgleich, Qualitätseinstellung, manuellen Fokus aktivieren, Belichtungsmodus ändern oder bei gedrückter Taste beim Drücken des Auslösers eines von vier frei definierbaren Profilen verwenden.

Ein Druck auf die Ok-Taste in der Mitte des Vier-Wege-Pads aktiviert das interaktive Info-Display. Der Fotograf kann die hier dargestellten Aufnahmeparameter nun bequem mit den Richtungstasten auswählen und an seine Bedürfnisse anpassen. Hier finden sich Standards wie ISO-Empfindlichkeit, Weißabgleich, Blitzbelichtungskorrektur und Autofokusmodus, aber auch exotischere Punkte wie Gradation, Bildstabilisator, Speicherkarte und Weißabgleich-Feintuning.

Der optische Sucher steht gut einen Zentimeter nach hinten über das Display hinaus. Damit verschmiert der Fotograf den Bildschirm nicht ständig mit der Wange.
Der optische Sucher steht gut einen Zentimeter nach hinten über das Display hinaus. Damit verschmiert der Fotograf den Bildschirm nicht ständig mit der Wange.

Die Bedienung der E-5 begeistert uns auf Anhieb. Und dank den zahlreichen frei belegbaren Tasten und Aufnahmeprofilen kann man sich hervorragend auf schnell wechselnde Aufnahmesituationen vorbereiten. Sowohl die vielen Buttons, die Direktzugriff auf verschiedene Aufnahmeeinstellungen gewähren, als auch die tiefgreifenden Menüs sind übersichtlich gestaltet und geben größtenteils keine Rätsel auf. Eine kleine Hilfe-Funktion, die die Bedeutung der verschiedenen Unterpunkte erklärt, wäre dennoch nett gewesen.

Auf der linken Seite der Kamera gibt es eine große Gummiabdeckung, hinter der sich Mikrofon-Einfang, HDMI-Ausgang, USB-Port, AV-Out und Netzanschluss befinden. Weiter vorne sitzen noch Blitzsynchron- und Kabelfernsteuerungsbuchsen. Leider sind die Schraub-Abdeckungen sehr klein und nicht am Gehäuse befestigt – früher oder später gehen sie unweigerlich verloren. Rechts am Gehäuse befindet sich eine große, solide Klappe, die einen SD-, SDHC- und SDXC- sowie einen CompactFlash-Slot beherbergt. Leider bietet die E-5 lediglich die Möglichkeit, komplett zwischen den Speicherkarten zu wechseln. RAW-Fotos auf das eine, JPEG-Bilder auf das andere Medium abspeichern ist beispielsweise nicht möglich. Hoffentlich bessert der Hersteller hier noch per Firmware-Update nach.

Die Olympus E-5 bringt außerdem eine integrierte Wasserwaage mit. Diese ist im Live-View-Modus auf dem rückseitigen Display sichtbar oder wird nach dem Antippen des Auslösers im optischen Sucher dargestellt. Apropos optischer Sucher: Hier finden sich Anzeigen für Belichtungsmessung, Verschlusszeit, Blendenzahl, Belichtungsprogramm, verbleibende Bilder, Bildstabilisator, ISO-Empfindlichkeit und Akkustand.

Auf der Unterseite der Kamera bringt Olympus den selbstverständlich aus Metall gefertigten Stativanschluss sowie das solide wirkende Fach für den Stromspeicher unter. Der Lithium-Ionen-Akku BLM-5 soll ausreichend Power für 870 Aufnahmen bereitstellen.

Ausstattung

Hersteller Canon Nikon Olympus Olympus
Modell EOS 7D [6] D300s [7] E-3 [5] E-5
Preis (Markt) 1250 Euro 1150 Euro 1070 Euro 1800 Euro
Preis (UVP) 1649 Euro 1829 Euro 1749 Euro 1999 Euro
Bildsensor CMOS (22,3 x 14,9 mm) CMOS (23,6 x 15,8 mm) Live MOS (17,3 x 13,0 mm) Live MOS (17,3 x 13,0 mm)
Formatfaktor 1,6 1,5 2,0 2,0
Auflösung 18 Megapixel 12 Megapixel 10 Megapixel 12 Megapixel
Farbtiefe 14 bit 14 bit 12 bit 12 bit
Empfindlichkeiten ISO 100 – 12.800 ISO 100 – 6400 ISO 100 – 3200 ISO 100 – 6400
Autofokus 19 Punkte (19 Kreuzsensoren) 51 Punkte (15 Kreuzsensoren) 11 Punkte (11 Doppel-Kreuzsensoren) 11 Punkte (11 Doppel-Kreuzsensoren)
Belichtungsmessung 63 Zonen 1005-Pixel-Matrix 49 Messpunkte 49 Messpunkte
Serienbildmodus 8 fps 7 fps 5 fps 5 fps
Bildstabilisator optisch (via Objektiv) optisch (via Objektiv) mechanisch (im Gehäuse) mechanisch (im Gehäuse)
Videofunktion 1080/30p/25p/24p; H.264 720/24p; MJPEG nein 720p/30p; MJPEG
Mikrofoneingang ja ja nein ja
Display 3,0 Zoll; fest 3,0 Zoll; fest 2,5 Zoll: dreh- und schwenkbar 3,0 Zoll: dreh- und schwenkbar
Sucher 100% Abdeckung, 0,63-fache effektive Vergrößerung 100% Abdeckung, 0,63-fache effektive Vergrößerung 100% Abdeckung; 0,58-fache effektive Vergrößerung 100% Abdeckung; 0,58-fache effektive Vergrößerung
Abmessungen 14,8 x 11,1 x 7,4 cm 14,7 x 11,4 x 7,4 cm 14,3 x 11,7 x 7,5 cm 14,3 x 11,7 x 7,5 cm
Gewicht 820 g 840 g 810 g 800 g

Die Olympus E-5 bringt einen überarbeiteten 12-Megapixel-Live-MOS-Sensor mit. Im Vergleich zu den lichtempfindlichen Chips von aktuellen Sony [8]-, Nikon- und Canon-DSLRs, die allesamt mindestens 16 Megapixel auflösen, wirkt das fast etwas veraltet. Doch die niedrigere Auflösung ergibt Sinn: Der Four-Thirds-Sensor ist etwas kleiner als die APS-C-Lichtfänger in den konkurrierenden Spiegelreflexkameras. Und so sind die Pixel letztendlich ähnlich groß wie bei den Rivalen. Der sogenannte Pixel-Pitch ist bei Olympus E5 und Canon EOS 7D identisch, bei der Nikon D7000 ist er einen Tick größer.

Hinter dem Sensor steckt ein neuer Bildprozessor namens TruPicV+. Zusammen mit dem Sensor soll er dafür sorgen, dass die E-5 den Canons, Sonys und Nikons dieser Welt in Sachen Bildqualität dann eben doch davonzieht. Eines steht schon einmal fest: Was die Serienbildgeschwindigkeit angeht, bildet Olympus derzeit mit fünf Bildern pro Sekunde das Schlusslicht.

Auch beim Videomodus hinkt die E-5 hinterher. Während die Konkurrenz bereits in Full-HD filmt, beträgt die maximale Auflösung bei Olympus 1280 mal 720 Pixel. Das dürfte vielleicht Independent-Filmer abschrecken, die ihre Werke mit 1920 mal 1080 Bildpunkten kreieren möchten. Den Durchschnittsfotografen, der ab und zu vielleicht mal ein kleines Hobby-Filmchen drehen möchte, hingegen nicht. Erfreulich ist hier, dass es im Videomodus volle manuelle Einstellungsmöglichkeiten gibt.

Der 12-Megapixel-Sensor ist beweglich aufgehängt und reduziert durch Korrekturbewegungen die Verwacklung. Bei Canon und Nikon ist der Sensor hingegen starr und der Bildstabilisator im Objektiv untergebracht. Olympus‘ Ansatz hat den Vorteil, das der Verwacklungsschutz unabhängig von der Linse funktioniert – also auch bei Festbrennweiten und alten Optiken, die praktisch nie über einen Bildstabilisator verfügen.

Im Videomodus ist der Stabilisator übrigens deaktiviert. Hier versucht Olympus, Verwacklungen digital zu vermeiden und schiebt anstelle des Bildsensors den auf dem Chip ausgelesenen Bereich hin und her. Das funktioniert in der Praxis erfreulich gut. Der Verwacklungsschutz lässt sich wahlweise abschalten, ausschließlich in horizontaler oder in vertikaler oder in beiden Richtungen aktivieren. Wer beispielsweise ein vorbeiflitzendes Rennauto im Querformat fotografieren und die Kamera dazu mitziehen möchte, sollte den horizontalen Stabilisator deaktivieren, um Verzögerungen zu vermeiden.

Die Olympus E-5 bietet eine recht flexible Belichtungsreihenfunktion. Sie schießt wahlweise zwei, drei, fünf oder sieben Bilder mit Helligkeitsabständen von maximal 1,0 (zwei, drei und fünf Fotos) beziehungsweise 0,7 Blenden (sieben Fotos). Schade: größere Abstände sind nicht möglich. Dafür gibt es neben den Helligkeits-Belichtungsreihen auch ISO-Reihen, Blitzbelichtungsreihen und Weißabgleichreihen.

Wer häufig schnell zwischen verschiedenen Einstellungen wechseln muss, freut sich über die vier MySet-Slots. Hier lassen sich verschiedene Blöcke an Einstellungen ablegen und jederzeit nach einem Druck auf Mode mit dem Daumen auf dem rückseitigen Rändelrädchen auswählen.

Die Olympus E-5 bietet eine ganze Reihe von verschiedenen Bildstilen. Es gibt die recht gewöhnlichen Profile Vivid, Natural, Muted und Portrait, einen Slot für benuterspezifische Farbeinstellungen, eine Schwarzweißfunktion und i-Enhance. Letztere Einstellung sorgt für kräftigere Farben. Außerdem bietet die DSLR noch zehn verschiedene Art Filter, die allesamt für nette Effekte sorgen. Neu hinzugekommen ist der Filter Dramatischer Effekt – die Ergebnisse erinnern an etwas überdrehte HDR-Fotos, sehen aber recht interessant aus. Daneben gibt es noch die Filter Pop Art, Soft Focus, Blasse Farben, Weiches Licht, Monochrom Film, Lochkamera, Diorama, Crossentwicklung und Zartes Sepia.

Ob dieser Bildbearbeitungsschnickschnack in einer Kamera in dieser Preisklasse etwas verloren hat, darüber lässt sich trefflich streiten. Aber eines steht fest: Uns hat’s im Test Spaß gemacht, mit den verschiedenen Filtern herumzuspielen. Zumal die Effekte für wirklich sehr schöne Ergebnisse sorgen. Natürlich kann man die Fotos auch später am Rechner mit Photoshop & Co. bearbeiten. Aber gerade bei Schnappschüssen macht man’s in der Praxis dann eben doch nicht. Leider ist es nicht möglich, die Intensität der einzelnen Programme einzustellen. Und gerade bei den aufwändigeren Effekten muss man durchaus ein paar Sekunden Verarbeitungszeit pro Foto einkalkulieren. Die Filter funktionieren übrigens auch im Videomodus, sorgen allerdings teilweise für ein recht starkes Flimmern. Wer sich an den Effekten stört, kann sie in den Tiefen des Hauptmenüs übrigens auch komplett abschalten – dann tauchen sie nicht zusammen mit den Bildstilen auf.

Wer sich im Flugzeug langweilt, kann sich auch bei nicht vorhandenen Fotomotiven mit der E-5 die Zeit vertreiben. Nein – Spiele gibt’s leider nicht. Aber dafür einen recht fortgeschrittenen Bildbearbeitungsmodus. Bei den JPEG-Fotos lassen sich beispielsweise Gegenlicht, Hautunreinheiten oder rote Augen korrigieren, das Seitenhältnis und die Sättigung ändern. Auf Wunsch kann man die Bilder auch in Schwarzweiß oder Sepia konvertieren und zurechtstutzen. Nett ist auch die Möglichkeit, bis zu vier Aufnahmen zu überlagern. Zwar gibt’s insgesamt recht viele verschiedene Möglichkeiten, doch diese bieten nicht allzu feinfühlige Einstellungsmöglichkeiten.

Leistung

Sieht man einmal vom Serienbildmodus ab, ist die E-5 schnell. Sehr schnell. Laut Olympus soll sie das derzeit schnellste Autofokus-Modul der Welt besitzen. Wir machen die Probe aufs Exempel. Bei guten Lichtverhältnissen braucht die Digicam gerade einmal knapp 0,2 Sekunden, um auf das Motiv zu fokussieren und es abzulichten. Im Zwielicht verschlechtert sich die Auslöseverzögerung auf immer noch vergleichsweise sehr flotte 0,4 Sekunden. Damit zeigt sie den Konkurrenten Canon EOS 7D und Nikon D300s die Rücklichter.

Bis nach dem Betätigen des Einschalters das erste Foto im Kasten ist, vergehen durchschnittliche 0,9 Sekunden – das kann die Konkurrenz von Canon und Nikon wiederum etwas besser. Zwischen zwei JPEG-Fotos vergehen 0,3 Sekunden, zwischen zwei RAW-Fotos genemigt sich die E-5 eine Verschnaufpause von 0,4 Sekunden. Das ist flott und auf dem Niveau der Marktbegleiter.

Der Serienbildmodus hinkt mit 4,8 gemessenen Aufnahmen pro Sekunde allerdings ein Stück hinterher. Die Nikon D300s [7] schafft im Test 6,8, die Canon EOS 7D [6] sogar 7,3 Fotos pro Sekunde. Wer nicht gerade professionelle Sportfotos schießen möchte, dürfte in den meisten Fällen allerdings auch mit den 4,8 fps gut klarkommen.

Der Kontrast-Autofokus im Live-View-Modus ist sehr langsam. Er trifft bei kontrastreichen Motiven zwar recht gut ins Ziel, lässt sich hier aber auch viel Zeit. Das ist allerdings bei den meisten Spiegelreflexkameras nicht anders. Lediglich Sony hat hier mit diversen Hybrid-Autofokus-Modi die Nase etwas vorne.

Bildqualität

Die Olympus E-5 bietet eine fantastische Bildqualität – allerdings nur, solange genug Licht vorhanden ist. Bei ISO 100 bis 400 sehen die Fotos hervorragend aus und überzeugen mit feinen Details und hervorragenden Farben. Ab ISO 800 tritt ein sichtbares Bildrauschen auf, aber auch mit ISO 1600 sind die Aufnahmen durchaus noch brauchbar und leisten sich keine signifikanten Einbrüche bei der Farbwiedergabe. ISO 3200 und ISO 6400 eignen sich nur noch für Notfälle.

Wir hatten die Gelegenheit, die Olympus E-5 mit dem 12-bis-60-Millimeter-Objektiv (F2,8 bis F4,0) zu testen. Die Optik bietet bereits bei großen Blendenöffnungen eine hervorragende Schärfe. Auch in puncto Haptik und Verarbeitung überzeugt die Linse, die mit Anschaffungskosten von rund 1000 Euro jedoch alles andere als ein Schnäppchen ist.

Die Fotos der Olympus-DSLR sehen sehr schön aus. Belichtungsmessung und Weißabgleich liefern zuverlässig ausgezeichnete Dienste und sorgen für lebendige und natürliche Aufnahmen. Der Autofokus bringt die Schärfe zuverlässig an die richtige Stelle.

Normalerweise gehen wir auf die verschiedenen Farbprofile und -spielereien von digitalen Spiegelreflexkameras nicht allzu genau ein. Doch die Art Filter der E-5 sind definitiv erwähnenswert. Olympus bringt zehn verschiedene Effekte in der DSLR unter, die die Bilder beispielsweise wie Fotos von Spielzeug, wie mit analogem Schwarzweißfilm geschossen oder einfach nur sehr alt und vergilbt wirken lassen. Wer sich ein besseres Bild von den Art Filtern machen möchte, findet in der folgenden Bildergalerie unter anderem ein paar Testfotos mit den Spezialeffekten.

Obwohl die Olympus E-5 im Gegensatz zu den meisten aktuellen Video-DSLRs lediglich 1280 mal 720 Bildpunkte aufnimmt, sehen die Videos sehr ordentlich aus. Wie die Fotos auch überzeugen sie mit schönen Farben und ausgewogener Belichtung.

Fazit

Die Olympus E-5 macht Spaß: Der Autofokus arbeitet extrem schnell und präzise, und die Fotos können sich absolut sehen lassen. Außerdem macht das wetterfeste Metallgehäuse einen hervorragend verarbeiteten Eindruck und überzeugt mit einer durchdachten Bedienung. Allerdings gibt es einen heftigen Dämpfer. Die Spiegelreflexkamera bewegt sich mit ihren Anschaffungskosten von rund 1800 Euro in einem Preisbereich, in dem bereits Vollformat-Kameras wie die Canon EOS 5D Mark II [10], die Nikon D700 [11] oder die Sony Alpha DSLR-A900 [12] den Besitzer wechseln – zumal von diesen drei genannten Modellen in naher Zukunft Updates anstehen.

Und Vollformatsensoren haben genau dort ihre Stärke, wo die Olympus E-5 merklich hinterherhinkt: wenig Licht. Oberhalb von ISO 1600 lässt die Fotoqualität signifikant nach, und bereits deutlich günstigere Spiegelreflexkameras wie die Sony Alpha DSLR-A580 [13] stehen hier noch deutlich besser da.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41547021/olympus-e-5-im-test-blitzschnelle-profi-dslr-mit-toller-bedienung-und-kleinem-sensor/

URLs in this post:

[1] E-P1: https://www.cnet.de/tests/digicam/41005877/olympus_e_p1_im_test_tolle_bildqualitaet__schwache_performance.htm

[2] E-P2: https://www.cnet.de/tests/digicam/41529256/olympus_e_p2_im_test_teure_micro_four_thirds_nachfolgerin.htm

[3] E-PL1: https://www.cnet.de/tests/digicam/41530162/olympus_e_pl1_im_test_langsame_micro_four_thirds_kamera_mit_toller_bildqualitaet.htm

[4] E-PL2: https://www.cnet.de/galerie/41544288/ces_2011_evil_kamera_olympus_e_pl2_im_blick.htm

[5] E-3: https://www.cnet.de/tests/digicam/39189226/enorm_benutzerfreundliche_dslr_kamera_olympus_e_3.htm

[6] EOS 7D: https://www.cnet.de/tests/digicam/41524646/canon_eos_7d_im_test_neue_massstaebe_in_puncto_geschwindigkeit.htm

[7] D300s: https://www.cnet.de/tests/digicam/41502575/nikon_d300s_im_test_schnelle_profil_dslr_mit_toller_bildqualitaet.htm

[8] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[9] Beispielfotos: die Bildqualität der Olympus E-5: https://www.cnet.de/41547020/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-olympus-e-5/?pid=1#sid=41547021

[10] Canon EOS 5D Mark II: https://www.cnet.de/tests/digicam/41000767/vollformat_dslr_mit_hd_videofunktion_canon_eos_5d_mark_ii.htm

[11] Nikon D700: https://www.cnet.de/tests/digicam/39201308/hervorragende_profi_dslr_fuer_vollformataufnahmen_nikon_d700.htm

[12] Sony Alpha DSLR-A900: https://www.cnet.de/tests/digicam/41000764/24_megapixel_im_vollformat_sony_alpha_dslr_a900.htm

[13] Sony Alpha DSLR-A580: https://www.cnet.de/tests/digicam/41544890/sony_alpha_dslr_a580_im_test_tolle_spiegelreflexkamera_mit_fehlendem_feinschliff.htm