LG Optimus Speed PU990 (2x) im Test: erstes Android-Handy mit Dual-Core-Prozessor

von Daniel Schraeder am , 20:31 Uhr

Pro
  • extrem schnelle Reaktion auf Nutzereingaben
  • gute Ausstattung
  • aktuelles Android mit großer App-Auswahl
  • großes Display, hervorragender Touchscreen
Con
  • Crapware vorinstalliert
  • Materialeindruck könnte besser sein
  • Zweifinger-Zoom verhält sich merkwürdig
Hersteller: LG Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das LG Optimus Speed ist das erste Dual-Core-Handy in Deutschland. In der Praxis bedeutet das quasi unfassbar flotte Reaktionen, flüssiges Scrollen mit aktivem Turbo, ruckelfreie Video- und Flash-Wiedergabe und und und. Auch ansonsten haben die Entwickler hier ganze Arbeit geleistet: So ein gutes LG-Smartphone hatten wir noch nie in den Händen.

Das schnellste Handy der Welt ist da – und hört auf den passenden Namen Optimus Speed. Unter der Haube verbirgt sich ein Dual-Core-Prozessor von Nvidia, dazu gibt es eine gehobene Smartphone-Ausstattung und ein paar hübsche Extras wie die 8-Megapixel-Kamera oder den HDMI-Eingang. Der Verkauf soll noch in diesem Monat anlaufen. Wir haben das Gerät bereits getestet.

LG [1]-Smartphones haben noch immer einen etwas zweifelhaften Ruf, doch dem wollen die Koreaner jetzt ein Ende setzen. Schon das vor kurzem getestete Mittelklasse-Handy mit Googles Android [2]-Betriebssystem, Optimus One, konnte überzeugen. Und jetzt mischt der Hersteller auch die mobile Oberklasse auf: Das Optimus Speed ist der Auftakt in eine neue Generation. Im Inneren arbeitet erstmals eine CPU mit zwei Rechenkernen.

Das Smartphone [3] soll noch in diesem Monat in den Handel kommen. Preisvergleichsdienste im Internet listen das Modell bereits für unter 500 Euro.

Design

Zu den auffälligsten Merkmalen des Optimus Speed gehört seine absolute Unauffälligkeit. Man kann sich durchaus damit blicken lassen, wird aber vermutlich nur von Insidern neidische Blicke ernten – denn die wissen, was sich unter der Haube verbirgt. Das soll nicht heißen, dass das LG hässlich wäre. Im Gegenteil, die Oberseite ist komplett von einer durchgehenden Scheibe aus Echtglas bedeckt. Das sieht gut aus und fühlt sich angenehm wertig an. An den seitlichen Rändern verjüngt sich die Scheibe und läuft so leicht abgerundet in den Rahmen – ein schönes Stilmittel.

Unter dem berührungssensitiven Glas verbirgt sich das 4 Zoll große LC-Display. Oberhalb der Anzeige haben links die üblichen Sensoren für Umgebungshelligkeit und Annäherung ihren Platz gefunden, während rechts die frontseitige Kamera für Videotelefonate und eine Spiegelfunktion ihren Platz gefunden hat. Eine vorinstallierte App zeigt auf Wunsch einfach ein Live-Bild der Kamera – das hilft beim Auftragen des Make-Ups. Solange die Anzeige nicht aktiv ist, kann man sich aber auch so im Glas spiegeln. Einen Ansatz des Herstellers, für eine Entspiegelung der Oberfläche zu sorgen, können wir nicht erkennen. Das stört gelegentlich im Freien, doch die Hintergrundbeleuchtung ist stark genug ausgelegt, um dieses Manko zumindest teilweise wieder auszugleichen.

Ganz oben gibt es eine trapezförmige Aussparung im Glas, hinter der sich der Lautsprecher befindet. Unterhalb der Anzeige sind die vier typischen Android-Buttons für Menü, Home, Zurück und Suchen in Form von Soft-Touch-Tasten ausgeführt. Die Symbole der Buttons lassen sich auch bei ausgeschalteter Beleuchtung gut erkennen, aber das ist eigentlich nicht einmal nötig: Im Gegensatz zu den Samsung [4]-Smartphones mit berührungsempfindlichen Schaltflächen aktiviert sich das weiße Licht hinter der Beschriftung bei jeder Nutzereingabe, also auch auf dem Display. Samsung hingegen schaltet das Licht erst zu, wenn es eigentlich schon zu spät ist: nämlich bei der Berührung einer der Soft-Touch-Tasten.

Um das Glas auf der Oberseite zieht sich ein schlanker Rahmen aus Kunststoff im Metall-Look. Schade, echtes Metall hätte die gefühlte Wertigkeit verbessert – aber eben auch das Gewicht und die Kosten in die Höhe getragen. So wird man sich wohl daran gewöhnen müssen, dass das Gerät im Laufe der Zeit ein paar Gebrauchsspuren in dem verglichen mit Metall weichen Material aufzeigen wird.

Auf der Oberseite haben von links nach rechts die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse, der Mini-HDMI-Ausgang sowie der Ein-Aus-Lock-Taster ihren Platz gefunden. Der HDMI-Anschluss verbirgt sich hinter einer Plastikkappe, die von einem Gummistöpsel am Verlorengehen gehindert wird. Untypisch: Die Lautstärkeregler sind nicht als Wipptaster ausgeführt, sondern als zwei einzelne Knöpfe. Sie sind rechts oben angebracht und gut erfühl- und erreichbar.

Während die linke Geräteseite komplett „nackt“ ist, gibt es unten zwei Aussparungen, die uns an Stereo-Lautsprecher erinnern. Dem ist aber nicht so: Nur unter dem rechten Gitter quäkt es, links hat sich das Mikrofon versteckt. In der Mitte befindet sich der Micro-USB-Anschluss zum Aufladen sowie zum Übertragen von Daten.

Die Rückseite wird komplett vom Akkudeckel eingenommen. Er besteht aus Kunststoff und ist in dunkler Farbe zwischen braun und schwarz mit einem leichten Perleffekt lackiert. Das Material wirkt leicht gummiert, der Effekt ist aber nicht ganz so griffig wie beispielsweise bei HTC [5] – im wahrsten Sinne des Wortes. Dennoch liegt das Gerät gut in der Hand. Eine Leiste aus Aluminium mit dreidimensional eingeprägtem Google [6]-Logo sorgt für Akzente. Das ist allerdings Geschmackssache: Nicht jeder Kollege in der Redaktion findet das Element gelungen. Die Leiste hebt sich oben um etwa zwei Millmeter an. Hier haben die Linse der 8-Megapixel-Kamera nebst LED-Fotolicht ihren Platz gefunden. Allerdings fehlt die entsprechende App, um die Leuchte auch als Taschenlampe zu nutzen. Das ist ein unnötiger Negativpunkt auf der Liste. Bleibt nur zu hoffen, dass ein findiger Programmierer nach dem Verkaufsstart eine entsprechende App im Market verfügbar macht – oder das LG in diesem Punkt mit einem Software-Update nachlegt.

Ausstattung

Das Optimus Speed hat alles an Bord, was in ein Smartphone der Oberklasse gehört. Zur Kommunikation steht WLAN nach dem aktuellen n-Standard zur Verfügung, es gibt Quad-Band-GSM, UMTS samt Up- und Downloadturbo HSPA sowie den Kurzstreckenfunk Bluetooth. GPS und Kompass ermitteln Position und Richtung für Google Maps und Navigationsprogramme.

Das Display ist mit einer Diagonale von 4,0 Zoll und einer Auflösung von 800 mal 480 Pixeln ebenfalls auf hohem Niveau. Dass es noch besser geht, zeigt beispielsweise das iPhone 4 mit kleinerer Diagonale (3,5 Zoll) und höherer Pixelzahl (960 mal 600). Das Ergebnis ist eine höhere Pixeldichte – und damit eine schärfere Darstellung. Auf der anderen Seite kann man aber auch mit der gleichen Auflösung ein beeindruckenderes Bild erzeugen – etwa mit einem Super-AMOLED-Pixel wie beim Samsung Galaxy S. Dennoch, schlecht ist die Anzeige nicht. Wie bereits erwähnt stören uns manchmal die Spiegelungen, außerdem könnten die Schwarzwerte und die Betrachtungswinkelempfindlichkeit ein Stück besser sein.

Die rückseitige Kamera nimmt Fotos mit einer Auflösung von 8 Megapixeln auf. Die Bilder geraten ganz ordentlich, auch wenn sie etwas ausgewaschen und farblos wirken. Interessantes Detail: Im Akkudeckel hat LG noch eine Kunststoffabdeckung für die Linse untergebracht. Deren Qualität dürfte aber besser sein, denn Fotos gelingen sichtlich besser, wenn man den Deckel vom Handy nimmt.

Zusätzlich zum microSD-Speicherkartenslot, der Medien mit einer Kapazität von bis zu 32 GByte aufnimmt, stehen 8 GByte interner Speicher zur Verfügung. Wie bei Android üblich ist diese Kapazität aufgeteilt: Circa 6 GByte stehen für Nutzerdaten, also Fotos, Musik, Downloads, Dokumente & Co. zur Verfügung. Die übrigen 2 GByte sind dem System und den Apps vorbehalten.

Nett: Der empfindliche Touchscreen erkennt Gesten mit bis zu zehn Fingern gleichzeitig. Entsprechende Apps, die das auch ausnutzen, sind zwar noch Mangelware – aber das hat zumindest Potential für Spiele im Rockband-Stil. Die berührungssensitiven Eingaben werden übrigens hervorragend erkannt – so muss das sein. Nur beim Zwei-Finger-Zoom in Fotos verhält sich die Vergrößerung etwas merkwürdig, man gewöhnt sich aber dran. Und in Anbetracht der Tatsache, dass sich der Effekt bei anderen Apps wie Google Maps nicht wiederholt, scheint das wohl ein Software-Problem der Galerie-Ansicht zu sein.

Softwareseitig läuft übrigens Android 2.2 auf dem Gerät – also die fast aktuellste Version von Googles Smartphone-Betriebssystem. Bislang ist nur ein Gerät mit 2.3 überhaupt am Markt – und das ist ein offizielles Google-Phone. LG hat ein Update auf die neuere Version angekündigt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Koreaner dieses Versprechen auch zeitnah umsetzen. Die Oberfläche erinnert uns an Samsungs TouchWiz-Interface. Sie ist im Vergleich zu HTC Sense deutlich näher am Google-Standard angelehnt, bringt demgegenüber aber ein paar Verbesserungen mit. Unter anderem stehen im Drop-Down-Menü der Notification Bar, die über neue E-Mails, verpasste Anrufe und so weiter informiert, Buttons zum Aktivieren der wichtigsten Funktionen wie GPS, WLAN oder Bluetooth zur Verfügung. Wer möchte, kann die Oberfläche in Form des sogenannten Launchers aber auch gegen eine Alternative aus dem Android Market austauschen. Ein vorinstalliertes Programm hilft sogar bei der Wahl des Standard-Launchers.

Ansonsten hat LG noch ein paar mehr oder weniger nette Programme installiert, darunter Polaris Office, das Office-Dokumente nicht nur anzeigt, sondern auch Editieren ermöglicht, oder den LG App Advisor. Dieses kleine Tool hilft Android-Neulingen, indem es ein paar Apps empfiehlt. Dass sich eine Sicherheitssoftware von F-Secure auf dem Gerät eingenistet hat, macht uns nur teilweise glücklich. Viren & Co. sind derzeit bei Android kein Thema, nützlicher sind da schon die Funktionen, das Smartphone im Verlustfall löschen oder orten zu können. Doch vergleichbare Sicherheitsprogramme, die auf neuen PCs vorinstalliert sind, nerven mit penetranten Registrierungsaufforderungen. Das konnten wir hier noch nicht beobachten, und die Gratis-Lizenz läuft immerhin ein Jahr. Aber wehret den Anfängen – wir hoffen, dass das nicht der Anfang der sogenannten Crapware-Problematik bei Smartphones ist und die Handys künftig ab Werk vollgestopft sind mit eingeschränkten Programmen, die um Bezahlung betteln.

Der eine oder andere potentielle Käufer könnte sich dadurch abschrecken lassen, dass das LG weder ein Vier-Wege-Pad noch einen Trackball, optischen Sensor oder ähnliches zu bieten hat. Per Touchscreen lässt sich der Cursor beispielsweise beim Tippen von Text zwar relativ gut an eine bestimmte Stelle führen, doch ganz so gut wie bei der Zoom-Funktion vom iPhone oder den neuesten HTC-Androiden gefällt uns das hier nicht. Und: Gelegentlich ist der Trackball einfach nötig. Wer beispielsweise im Android Market nach einer bestimmten App gesucht hat und die letzte Suchanfrage bearbeiten möchte, hat keine Möglichkeit, sie auszuwählen und zu editieren: Beim Fingertipp in die Liste startet das Programm die identische Suche gleich noch einmal. Mit einem Trackball könnte man die letzte Anfrage markieren und dann editieren.

Leistung

Hier trumpft das Optimus Speed auf – und macht seinem Namen alle Ehre. Der Dual-Core-Prozessor im Inneren sorgt für Reaktionszeiten, die kaum spür- oder messbar sind. Den Unterschied zu anderen aktuellen Android-Smartphones merkt man allerdings kaum – bis man wieder zu einem langsameren Gerät zurück wechselt. Kurz und knapp, genau so muss das sein. Das Scrollen durch die Homescreens und Apps, das Zoomen von Fotos und Karten, das Starten von Apps, das Surfen im Netz, alles flutscht.

Dieses Ergebnis lässt sich nicht nur in Worte fassen, sondern auch in Zahlen. Im Fall des Rightware Browsermark sind das knapp 43.000 Punkte – zum Vergleich, das iPhone 4 kommt auf gute 30.000, das HTC Desire mit Android 2.2 ebenfalls. Damit überragt das Optimus Speed auch den bisherigen Top-Kandidaten Galaxy S von Samsung, der mit seinem Single-Core-Prozessor auf knapp 39.000 Punkte kommt – der gemessene Unterschied fällt in diesem Punkt sogar niedriger aus als gedacht. Aber hier geht es ohnehin nur um die Verarbeitung von JavaScript, was sich in der Praxis bei der Geschwindigkeit von komplexen Webseiten auswirkt.

Die Systemleistung lässt sich mit dem Quadrant-Benchmark ermitteln, der unter anderem die Geschwindigkeit von Speicherzugriffen, Berechnungen und 2D- sowie 3D-Darstellungen misst. Das Ergebnis kann sich mehr als nur sehen lassen: Das Optimus Speed ist demnach mit 2519 Punkten fast doppelt so schnell wie das HTC Desire mit Android 2.2.

In puncto Telefonie enttäuscht das LG nicht. Die Netzversorgung ist auf üblichem Niveau, Verbindungsabbrüche hatten wir im Test nicht und an der Sprachqualität haben wir nichts auszusetzen. Das gilt im übrigen auch für den Lautsprecher, dem es natürlich an Bass fehlt – denn das dafür nötige Volumen ist in einem Handy einfach nicht vorhanden. Doch die Lautstärke kann sich sehen lassen: Man kann ohne Probleme einen mittelgroßen Raum beschallen und damit beispielsweise in Gruppen Youtube-Videos betrachten.

Wer in Anbetracht der hohen Leistung fürchtet, dass das Handy den Akku schnell leert, kann sich beruhigt zurücklegen. Zwar speichert der 1500-mAH-Akku nicht überdurchschnittlich viel Energie und auch insgesamt ist das Gerät nicht gerade ein Laufzeitwunder, aber der Stromspeicher geht hier nicht schneller zur Neige als bei vergleichbaren Smartphones mit einem Prozessorkern. Bei intensiver Nutzung hält der Akku einen Tag durch – das ist wenig im Vergleich zu „normalen Handys“, aber in dieser Klasse üblich. Schmankerl wie das große Display, der flotte Internet-Zugang per HSPA oder WLAN, Bluetooth, GPS & Co. fordern hier eben ihren Tribut.

Fazit

Unterm Strich bleibt ein Lob für LG. Das Optimus Speed ist nicht perfekt, aber überdurchschnittlich gut, hervorragend ausgestattet und so dermaßen schnell, dass die Bedienung einfach richtig viel Spaß macht. In Kombination mit dem großen App-Angebot von Android hat man hier einen tollen Begleiter zur Hand, wenn man sich auf Google & Co. einlassen möchte.

LG hat hier also sein Meisterstück abgeliefert. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass die Freude auch lange genug anhält. Denn die Konkurrenz schläft nicht, und auf der größten Handymesse der Welt, dem Mobile World Congress, werden die Konkurrenten ihre neuen Flaggschiffe in Stellung bringen – und sich ebenfalls den Dual-Core-Prozessoren bedienen. Doch bis die vorgestellten Produkte tatsächlich erhältlich sind, könnte noch einige Zeit verstreichen. Und in dieser Zeit heißt das schnellste Smartphone im Markt Optimus Speed.

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