Voigtländer Nokton 25mm f/0.95 im Test: Nachtsichtgerät für Micro-Four-Thirds-Kameras

von Alexandra Savvides, Leonard Goh und Stefan Möllenhoff am , 18:01 Uhr

Pro
  • extrem hochwertig verarbeitet
  • sehr weiches Bokeh
  • praktisch keine Vignettierungen
  • sehr gutes Preisleistungsverhältnis
Con
  • weder Automatik noch Autofokus verfügbar
  • bei F0,95 extrem exaktes Fokussieren erforderlich
Hersteller: Voigtländer Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 9,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das Nokton 25mm f/0.95 ist ein beeindruckendes Objektiv für das Micro-Four-Thirds-Format und damit für Olympus' und Panasonics Systemkameras. Bei offnener Blende ermöglicht die Optik extrem kurze Verschlusszeiten und bringt mit der winzigen Schärfentiefe für traumartig wirkende Fotos auf die Speicherkarte. Bei höheren Blendenzahlen punktet die manuelle Linse dagegen mit hervorragender Schärfe.

Das Nokton 25mm f0,95 von Voigtlander wagt sich in gewaltige Lichtstärken vor – und ermöglicht damit Fotos, die mit der Standardausstattung nicht möglich sind. Die größte Öffnung von F0,95 bedeutet gegenüber den bei Micro-Four-Thirds-Kameras mitgelieferten F3,5-bis-F5,6-Kitobjektiven einen Lichtgewinn von vier Blenden. Das bedeutet, dass die Kamera mit einer sechzehnmal kürzeren Verschlusszeit auskommt. Wo das eine Objektiv also für ein helles Foto zwei Sekunden lang belichten muss, knipst das andere mit 1/8 Sekunde gerade noch freihändig durch die Gegend. Unsere Kollegen von CNET Australien hatten die Gelegenheit, die lichtgewaltige Micro-Four-Thirds-Linse zu testen.

Derzeit gibt es nur ein anderes ähnlich lichtstarkes Objektiv für den Massenmarkt: das 8000 Euro teure Leica Noctilux-M 50mm f/0.95. Im Vergleich dazu ist das Voigtlander Nokton 25mm f0,95 ein echtes Schnäppchen – es kostet gerade einmal 900 Euro. Die Lichtstärke ist ein extrem wichtiger Punkt bei Objektiven. Und meistens auch ein extrem teurer. Natürlich gibt es noch weitere Parameter wie Abbildungsleistung, Verarbeitungsqualität und Fokusgeschwindigkeit, die eine Rolle spielen, aber die größte Blendenöffnung ist eben doch ein zentraler Aspekt.

Macht große Augen: Das Nokton-Objektiv bietet eine größte Blendenöffnung von F0,95.
Macht große Augen: Das Nokton-Objektiv bietet eine größte Blendenöffnung von F0,95.

Ein schönes Beispiel sind Canons 50-Millimeter-Festbrennweiten-Objektive. Die Linse mit Blende F1,8 wechselt bereits für weniger als 100 Euro den Besitzer, F1,4 kostet 350 Euro und F1,2 ganze 1400 Euro. Noch mehr können Sport- und Tierfotografen ein Liedchen davon singen. Canons 400-Millimeter-Linse kostet mit F5,6 1200 Euro, mit F4,0 5700 Euro und mit F2,8 schon fast fünfstellig.

Design und Ausstattung

Wenn man sich nicht gerade auf Leica-Territorium bewegt, dann gibt es eigentlich selten Anlass zur Schwärmerei, was die Wertigkeit von Objektiven angeht. Das gilt nicht für die von Cosina in Japan gebaute Voigtländer-Optik. Das Gehäuse besteht komplett aus Metall und fühlt sich fantastisch verarbeitet an. Mit 410 Gramm bringt die Linse übrigens fast doppelt so viel Gewicht auf die Waage wie die leichtesten Micro-Four-Thirds-Kameras von Olympus und Panasonic.

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In diesem unscheinbaren Karton wird das Nokton-Objektiv geliefert (zum Vergrößern auf die Bilder klicken).

Wir haben das Nokton-Objektiv mit der Panasonic Lumix DMC-GF2 ausprobiert – eine hervorragende Kombination. Obwohl die Kamera ziemlich klein ist, liegt sie mit der Optik noch gut in der Hand und wirkt keinesfalls zu kopflastig. Der Blenden- und der Fokusring sind extrem griffig und lassen sich leichtgängig, aber nicht zu leichtgängig drehen. Vorne befindet sich der Blendenring, der sauber einrastet und von der maximalen Lichtstärke F0,95 bis F16 reicht.

Dieses Foto zeigt die Panasonic Lumix DMC-GH2 mit dem Nokton-Objektiv. Für eine Festbrennweite ist es ganz schön groß.
Dieses Foto zeigt die Panasonic Lumix DMC-GH2 mit dem Nokton-Objektiv. Für eine Festbrennweite ist es ganz schön groß.

Am Fokusring befinden sich Entfernungsangaben in Fuß und Meter, die dem Fotografen verraten, in welcher Entfernung sich der Fokuspunkt gerade befindet. Die Naheinstellgrenze beträgt 17 Zentimeter. Das Filtergewinde misst 52 Millimeter. Unser einziger Kritikpunkt am Design betrifft die Linsenabdeckung, die recht locker auf dem Objektiv sitzt.

Das Nokton ist ein vollständig manuelles Objektiv und arbeitet nicht mit den diversen Automatikmodi der Kamera zusammen – im Falle der GF2 also nicht mit Panasonics intelligenter Automatik. Der Programmmodus funktioniert jedoch. In den Exif-Daten der Bilder werden keine Werte für Verschlusszeit oder Blende gespeichert, sondern lediglich die ISO-Empfindlichkeit.

Das aus Metall gefertigte Objektiv wirkt so solide wie ein kleiner Panzer.
Das aus Metall gefertigte Objektiv wirkt so solide wie ein kleiner Panzer.

Das Nokton 25mm f0,95 verfügt – wie der Name schon verrät – über eine Brennweite von 25 Millimetern. Auf einer Micro-Four-Thirds-Kamera mit Formatfaktor 2,0 entspricht das einer Kleinbildäquivalent-Brennweite von 50 Millimetern. Die Irisblende des Objektivs verfügt über zehn Lamellen.

Bildqualität

Wer gerne mit der Schärfentiefe spielt, wird am liebsten nur noch mit voll geöffneter Blenden fotografieren wollen. Allerdings ist es hier gar nicht so einfach, die Schärfe korrekt zu treffen – die Fokuslupe auf dem Display ist eine große Hilfe. Bei F0,95 liegt die Schärfentiefe teilweise im Zentimeterbereich. Wenn sich die Entfernung zwischen Fotograf und Motiv dann nur einen Hauch verändert, war’s das mit dem Foto.

Bei voll geöffneter Blende bringt das Nokton-Objektiv an Übergängen mit hohen Helligkeitsunterschieden deutliche Farbsäume auf die Fotos. [3]
Bei voll geöffneter Blende bringt das Nokton-Objektiv an Übergängen mit hohen Helligkeitsunterschieden deutliche Farbsäume auf die Fotos (zum Vergrößern aufs Bild klicken).

Wer bei Tageslicht mit weit geöffneter Blende fotografieren möchte, sollte sich einen Neutraldichtefilter anschaffen, da selbst bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten teilweise kürzere Verschlusszeiten erforderlich sind, als sie die Kamera zu leisten vermag. Der ND-Filter reduziert einfach die ins Objektiv einfallende Lichtmenge, ohne einen Einfluss auf die Bildwirkung zu nehmen. Blendenöffnung und Schärfentiefe werden nicht beeinflusst.

Die beste Schärfe erzielt das Nokton, wenn es abgeblendet ist. Zwischen F5,6 und F8,0 liefert das Objektiv von Bildecke zu Bildecke eine beeindruckende Klarheit. Das Bokeh ist sehr weich, sehr sanft und wirkt fast etwas traumartig. Selbst bei maximal geöffneter Blende von F0,95 tritt kaum eine Vignettierung – also Randabschattung – auf.

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Diese beiden mit F0,95 geschossenen Fotos zeigen, wie gering die Schärfentiefe ist (zum Vergrößern auf die Bilder klicken).

Im Dunkeln kann unsere Panasonic Lumix DMC-GF2 mit der Nokton-Linse schon fast als Nachtsichtgerät durchgehen. Der riesigen Blendenöffnung sei Dank ist auf dem Display auch bei sehr wenig Licht noch viel zu erkennen.

Weitere Beispielbilder

Die folgenden Fotos sind mit dem Nokton f/0,95 in Kombination mit der Olympus E-P1 entstanden und wurden nicht bearbeitet.


Bei diesem Foto beträgt die Blendenöffnung F0,95.


Bei diesem Foto beträgt die Blendenöffnung F16.


Bei diesem Foto beträgt die Blendenöffnung F8,0.


Bei diesem Foto beträgt die Blendenöffnung F16.


Bei diesem Foto beträgt die Blendenöffnung F0,95.


Bei diesem Foto beträgt die Blendenöffnung F0,95.

Fazit

Das Nokton F0,95 beeindruckt. Es ist hervorragend verarbeitet, überzeugt mit einer tollen Bedienung und liefert hervorragende Fotos. Für Automatik-Fotografen eignet sich das Objektiv allerdings nicht – man muss sich eben auf etwas Gefrickel mit dem manuellen Fokus einstellen. Aber die Mühe lohnt sich.

Spezifikationen

  • Peripherie-Typ - Objektiv
  • Kommunikation - keine

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41549361/voigtlaender_nokton_25mm_f0_95_farbsaeume.jpg

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41549361/voigtlaender_nokton_25mm_f0_95_gh2_testfoto_01.jpg

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41549361/voigtlaender_nokton_25mm_f0_95_gh2_testfoto_02.jpg