Samsung UE46D7090 getestet: erwachsener 3D-Fernseher im superschlanken Design

von Ian Morris und Pascal Poschenrieder am , 17:51 Uhr

Pro
  • herausragende Bildqualität
  • tolles Design
  • exzellente Online-Funktionen
Con
  • hoher Preis
  • unzuverlässiges integriertes WLAN
Hersteller: Samsung Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 9,5 von 10 Punkte
Fazit:

Der 46 Zoll große Samsung UE46D7090 ist ein fantastischer LED-Fernseher. Er beherrscht die 3D-Darstellung wie kein zweiter und hat obendrein nahezu jedes nur vorstellbare Feature an Bord. Allerdings wirkt sich das auf den Preis aus, der zum noch für den März angepeilten Marktstart bei rund 2000 Euro liegen wird.

Samsung gehört seit vielen Jahren zu den Vorreitern auf dem TV-Markt. Ultraflache LCD-Fernseher, LED-Technik, Online-Features und vieles mehr – immer war der Hersteller ganz vorne mit dabei. Das gilt seit 2010 auch für dreidimensionalen Filmgenuss. Nun bringt der Konzern einen 3D-TV der zweiten Generation auf den Markt. Wir haben den UE46D7000 ausführlich getestet.

Jedes Jahr kommen Dutzende neuer TV-Geräte auf den Markt. Ein Großteil davon landet in unseren Testlabors. Um uns wirklich zu beeindrucken, braucht ein neues Modell dadurch mehr als nur ein weiteres mehr oder weniger nützliches Online-Widget oder einen etwas höheren Kontrast.

Doch als wir Samsungs neuen LED-TV UE46D7090 aus seinem Karton wuchten, hagelt es sofort Komplimente. Der 46-Zöller mit Full-HD-Auflösung ist nämlich nicht nur ultraflach, der durchsichtige Rahmen rund um das Panel ist zudem so dünn, dass wir ihn fast übersehen. Obendrein wartet der Fernseher mit einem tollen Bild auf und hat nahezu jedes nur erdenkliche Feature an Bord – natürlich inklusive 3D-Darstellung. Der UE46D7090 soll noch im März zur unverbindlichen Preisempfehlung von 1999 Euro im Handel erhältlich sein. Für seine 40 und 55 Zoll großen Geschwister der D7090-Serie veranschlagt Samsung [1] 1599 beziehungsweise 2799 Euro.

Design – weniger ist mehr

Bei der Entwicklung des Gehäuses hat Samsung wirklich beeindruckende Arbeit geleistet. Während bisherige Fernseher vorallem flach waren, besitzt der UE46D7090 obendrein einen unglaublich schlanken Displayrahmen. Er ist – ausgenommen die Bildschirmeinfassungen einiger Prototypen und OLED-Screens – der dünnste, den wir je gesehen haben.

Noch dazu besteht der äußere Teil des Rahmens aus durchsichtigem Plexiglas, was den Effekt weiter verstärkt. Der innere Bereich ist aus dem üblichen schwarzen Kunststoff. Schaltet man den Fernseher ein, wirkt er eher wie ein im Raum schwebendes Bild als ein normaler TV. Hängt der UE46D7000 an einer Wand, sieht er wie ein Poster und nicht wie ein Fernseher aus.

Der Displayrahmen der D7090-Serie ist am Rand durchsichtig.
Der Displayrahmen der D7090-Serie ist am Rand durchsichtig.

Keine Angst vor Geistern

Sowohl LCD- als auch Plasma-Fernseher eignen sich bis dato nicht optimal für die Wiedergabe von 3D-Material. Plasmas sind zu dunkel, da nach dem Passieren der 3D-Brillen fast nichts mehr der ohnehin verhältnismäßig geringen Helligkeit der Screens übrig bleibt. LCDs leiden hingegen nicht unter zu geringer Lichtausbeute, dafür kommt es bei allen bisher von uns getesteten Modelle zu störenden Ghosting-Effekten. Dabei treten besonders bei schnellen Bewegungen Geisterbilder auf, die auf die vergleichsweise langen Schaltzeiten von LCD-Bildschirmen zurückzuführen sind.

Der UE46D7090 schafft dieses LCD-Problem fast komplett aus der Welt und stellt somit eine gravierende Verbesserung im Bezug auf die 3D-Leistung bisheriger Samsungs-Modelle dar – und das, obwohl der Hersteller auch bisher schon zu den besten 3D-Performern gehörte.

Das nervigste Problem – Geisterbilder – tritt beim UE46D7090 deutlich schwächer auf als bei Samsung-3D-Fernsehern aus dem letzten Jahr. Wir sehen uns den Film Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen an und stellen fest, dass vertikale Linien in den meisten Szenen überhaupt nicht mehr unter Ghosting-Effekten leiden. Dennoch machen wir auch beim neuen Modell hier und da einige Geisterbilder aus – es besteht also weiterhin Raum für Verbesserungen. Allerdings hat der Hersteller das Problem so gut im Griff, dass es den meisten Zusehern nicht mehr auffallen wird.

3D-Brillen – bequemer, aber nicht Gucci

Samsung optimiert aber nicht nur die 3D-Darstellung des Screens. Auch bei den Brillen hat sich der Hersteller etwas Neues überlegt. Der UE46D7090 synchronisiert die Sehhilfen nicht mehr via Infrarot sondern mittels Bluetooth. Das ist zwar schlecht für Käufer, die darauf gehofft haben, die alten Samsungs-Brillen mit dem neuen Modell benutzen zu können, doch dafür ist die Verbindung nun stabiler und reißt auch dann nicht ab, wenn die Sichtverbindung zwischen Transmitter und Brille unterbrochen ist. Außerdem wird sich nahezu niemand schon nach einem Jahr wieder einen neuen Samsung-TV kaufen – außer er hat im Lotto gewonnen. Und dann hat er vermutlich auch genug Geld für neue Brillen.

Samsungs Active-Shutter-Brillen sind die komfortabelsten auf dem Markt, auch wenn die passiven LG [2]-Sehhilfen noch leichter sind und dadurch angenehmer auf der Nase sitzen. Die neuen Samsung-Brillen wiegen weniger als die alten Modelle. Der Tragekomfort ist ausgezeichnet, sodass die Brillen auch nach dem zweiten oder dritten Film in Folge noch nicht drücken. Allerdings sieht man mit den 3D-Sehhilfen immer noch aus wie Steve Urkel [3].

Außerdem reflektiert die Beschichtung auf den Gläsern der neuen Brillen sehr stark. Das bedeutet, dass in einem normal beleuchteten Raum bereits derart starke Spiegelungen auftreten, dass wir klar sehen können, was hinter uns passiert. Doch zum Glück lässt sich dieses Problem sehr leicht beheben: einfach das Licht dimmen. Dadurch verbessert sich zudem der gesamte 3D-Eindruck, da das Bild verhältnismäßig heller wirkt.

Der UE46D7090 erkennt, wenn er keine 3D-Inhalte mehr zugespielt bekommt und schaltet die Brillen dann umgehend ab. Dadurch spart Samsung Strom, wodurch die Batterielaufzeit der Sehhilfen trotz Bluetooth in etwa der der alten Modelle entspricht. Das automatische Abschalten kann jedoch auch stören: Bei unseren Tests wechseln wir immer wieder zwischen verschiedenen 3D-Videos hin und her und müssen jedes Mal die Brillen neu einschalten. Das wird zwar für die wenigsten Käufer ein großes Problem darstellen, dennoch sollte man es im Hinterkopf behalten und daran denken, wenn man sich wundert, warum das gerade eingelegte 3D-Material nur in zwei Dimensionen darstellt wird.

High-Definition-Qualität

High-Definition-Inhalte kommen auf dem UE46D7090 einfach nur fantastisch herüber. Wir sehen uns sowohl normale TV-Sendungen in HD, als auch einige Blu-ray-Filme an und sind begeistert. Auch als wir unsere Playstation 3 anschließen, überzeugt uns der Samsung-TV.

HD-Fernsehen kommt zwar durch die geringe Bitrate nicht an die Blu-ray-Qualität heran, im Vergleich zu normalem SDTV sieht es trotzdem deutlich besser aus. Das Bild ist detailreich, und die Farben wirken hell und lebendig. Die Werkseinstellung ist für unseren Geschmack jedoch etwas zu grell. Dank zahlreicher Optionen haben wir das Bild jedoch schon nach wenigen Minuten angepasst. Farben inklusive der schwierigen Hauttöne stellt der UEC46D7090 nun sehr akkurat dar. Wer eher auf super-intensive Grün- und Rottöne steht, erreicht das dank der guten Menüs und vielen Einstellungsmöglichkeiten auch problemlos.

Blu-ray-Filme hauen uns geradezu vom Hocker. Von Schwarz-Weiß-Szenen bis hin zu farbenfrohen tropischen Sonnenaufgängen stellt der UE46D7090 alles brillant dar. Zwar wirkt das hochwertige Material auf jedem HD-Fernseher gut, so schön wie bei diesem Modell sieht es jedoch nur auf wenigen Fernsehern aus.

Die Hintergrundbeleuchtung von Samsungs D7090-Serie verbirgt sich im Rahmen um das Display.
Die Hintergrundbeleuchtung von Samsungs D7090-Serie verbirgt sich im Rahmen um das Display.

Lichthöfe

Samsung ist der Meinung, dass die Zukunft in einer LED-Hintergrundbeleuchtung liegt, die im Rahmen rund um das Panel anstatt dahinter angeordnet ist. Dieses System spart Strom, kostet weniger und produziert nun dank lokalem Dimmen nahezu genauso gute Schwarzwerte. Wir legen einen Film ein, schalten das Licht aus und stellen nach genauer Inspektion des Bildes fest, dass Samsung damit tatsächlich richtig liegt.

Trotzdem ist die LED-Hinterleuchtung noch nicht perfekt. An einigen Stellen am Rand des Panels scheinen die LEDs leicht durch, was zu Lichthöfen führt. Letztere sind jedoch im Vergleich zu Samsungs LED-TVs aus dem Jahr 2010 schwächer. Außerdem schaltet das neue System beim Dimmen der Hintergrundbeleuchtung schneller. Das Ergebnis sind Schwarzwerte, die näher an die Plasma-Konkurrenten herankommen als bisherige LED-Modelle.

Trotzdem kommt auch der UE46D7090 in puncto Schwarzwerte bei weitem noch nicht an einen guten Plasma-TV heran. Echte Filmfans sollten das beim Kauf eines LED-TVs immer im Hinterkopf behalten. Wer auf 3D verzichten kann und eher ein Gerät fürs Heimkino als fürs Wohnzimmer sucht, ist mit einem Plasma immer noch am besten beraten.

Blu-ray-Bild im 80er-Stil

Unsere bisherigen Klagen über absurde Bildverarbeitungsmodi hat Samsung weitgehend ignoriert. Allerdings hat uns der Konzern unterrichtet, dass die von vielen Testern verhassten Modi mit ultraweicher Bewegungsdarstellung bei den meisten Käufern gut ankommen.

Trotzdem, wir mögen das übliche Film-Ruckeln. Es ist deutlich akzeptabler als Artefakte, die durch die Zwischenbildberechnung auftreten. Letztere sorgen dafür, dass jeder Film wie eine Billig-TV-Show aus den 80er Jahren wirkt. Doch das ist – wie gesagt – Geschmackssache. Wen das leichte Ruckeln zu stark stört, der wird mit den Bildverarbeitungsmodi dieses TVs sicher glücklich.

Dicker Sound trotz flachem Design

Der UE46D7090 sieht so aus, als hätte Samsung die Lautsprecher einfach komplett weggelassen. Doch der Hersteller hat uns versichert, dass der TV Treiber an Bord hat – und siehe da: Beim ersten Einschalten des Fernsehers hören wir tatsächlich etwas.

Normalerweise sind die in Flachbild-TVs eingebauten Treiber nicht das Gelbe vom Ei. Für gewöhnlich fehlt es ihnen an Kraft, wodurch sie keine Bässe produzieren und bei aufgedrehter Lautstärke anfangen zu surren oder zu dröhnen. Trotz seines flachen Gehäuses trifft das nicht auf den UE46D7090 zu. Seine Bässe werfen uns zwar auch nicht vom Stuhl, der Klang ist jedoch für normales Fernsehen und den einen oder anderen Film völlig ausreichend.

Wir hören uns von Blu-ray-Filmen bis hin zu über das Internet gestreamter Musik alles an, was wir in die Finger bekommen. Dabei haben wir nie das Bedürfnis, den Sound stummzuschalten und panisch nach Kopfhörern zu suchen. Trotzdem empfehlen wir auch hier den Kauf eines separaten Sound-Systems.

30.000 Online-Videos dank Maxdome

Dieser Fernseher überzeugt auch durch seine Online-Features. Er greift auf die wohl umfangreichsten Online-Angebote zu, die es bei einem TV je gab.

Der Internet@TV genannte Dienst ermöglicht beim UE46D7090 nicht mehr nur den Zugriff auf TV-Widgets wie Wetterinfos, Börsenkurse und Nachrichten sowie die Kommunikation via Facebook, Twitter und Skype. Hinzu kommt nun auch ein echter Webbrowser. Das Besondere: Während des Surfens läuft das TV-Programm in einem kleinen Fenster weiter. Letzteres gilt nun auch für Twitter-Nachrichten, die im Stil der Ticker von NTV und N24 während des Fernsehens durchlaufen.

Noch dazu kooperiert nun endlich auch Samsung mit einer Online-Videothek. Dank Maxdome-Zugriff via TV streamen Käufer des UE46D7090 Filme aus einer Auswahl von über 30.000 Inhalten über das Internet ins Wohnzimmer. Dabei sind laut Samsung viele Titel bereits jetzt in HD-Auflösung verfügbar.

Doch so beeindruckend die Online-Features des UE46D7090 auch sind, das integrierte WLAN-Modul überzeugt uns ganz und gar nicht. Nachdem wir rund eine Stunde erfolglos versuchen, eine kabellose Verbindung herzustellen, geben wir entmutigt auf und stöpseln den TV via Kabel ans Netzwerk an.

Fazit

Der UE46D7090 ist flach, schick und bietet eine tolle SD- und HD-Bildqualität. Zudem haben wir bisher kein 3D-Bild gesehen, das nur annähernd mit dem dieses Fernsehers mithalten kann. Doch das hat seinen Preis – und für 2000 Euro erwarten wir einfach, dass auch das integrierte WLAN problemlos seinen Dienst leistet.

Nichtsdestotrotz handelt es sich um ein tolles Allround-Paket. Besonders die endlich ausgereifte Darstellung von dreidimensionalen Inhalten sowie die erwachsenen Online-Funktionen haben uns zur guten Bewertung bewogen. Das einzige, was uns wirklich am UE46D7090 stört: Wir müssen ihn nach dem Test wieder zurückschicken.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41549850/samsung-ue46d7090-getestet-erwachsener-3d-fernseher-im-superschlanken-design/

URLs in this post:

[1] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[2] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[3] Steve Urkel: http://en.wikipedia.org/wiki/Steve_Urkel