Nintendo 3DS im Test: mobile Spielekonsole mit 3D-Display ohne Brillenpflicht

von Luke Westaway und Stefan Möllenhoff am , 17:03 Uhr

Pro
  • 3D-Effekt funktioniert sehr gut
  • schießt 3D-Fotos
  • bequeme Bedienung
  • tolle Ausstattung
Con
  • enttäuschende Akkulaufzeit
  • niedrige Fotoauflösung
Hersteller: Nintendo Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Die 3D-Funktion steckt bei der Nintendo 3DS im Namen - und ist das wohl spektakulärste Feature. Aber darüber hinaus hat die mobile Gaming-Maschine tonnenweise Features zu bieten und sorgt für einen Spielspaß, der uns Schwächen wie den schlappen Akku schnell vergessen lässt.

Heute Standard, 2004 Revolution: Bei ihrem Marktstart war die Nintendo DS die erste Konsole, die das Steuern von Spielen mittels Touchscreen erlaubte. Am 25. März 2011 wird es Zeit für den nächsten Quantensprung. Denn dann bringt Nintendo mit der 3DS die erste Konsole auf den Markt, die ein dreidimensionales Spielerlebnis bietet. Und das, ohne dass eine nervige Shutter- oder Polarisationsbrille erforderlich wäre. Wie sich der Gaming-Bolide in der Praxis schlägt, zeigt der Test.

Die beiden großen Hersteller mobiler Spielekonsolen heißen Sony [1] und Nintendo. Und beide bringen in diesem Jahr eine neue Generation auf den Markt. Sonys Next Generation Portable (NGP) setzt auf brachiale Rechen- und Grafikleistung mit Quad-Core-CPU und -GPU. Nintendo hingegen verzichtet darauf, die 3DS mit Power vollzustopfen und buhlt stattdessen mit innovativen Features um die Gunst mobiler Zocker. Wir fühlen uns ein wenig an das Duell PlayStation 3 gegen Wii erinnert. Hier hatte Nintendo die Oberhand.

Design

In Sachen Design ist die Nintendo 3DS ihren Vorgängern sehr ähnlich: Die mobile Konsole lässt sich – ganz wie ein Mini-Notebook [2] – aufklappen und zeigt dann ihre zwei Displays. Im geschlossenen Zustand ist die Gaming-Maschine 13,5 mal 7,4 mal 2,0 Zentimeter groß und bewegt sich damit auf dem Niveau ihrer Schwestern DS Lite und DSi. Mit 227 Gramm dürfte sie bei ihrem Besitzer nicht für Schlagseite sorgen, wenn sie in der Jackentasche mitreist. Das Gehäuse fühlt sich wertig und solide an.

Ein paar Kleinigkeiten haben wir am Design auszusetzen. Der Deckel macht einen recht schweren Eindruck, und das Scharnier fühlt sich nicht gerade solide an. Wenn man die Konsole bei heftigen virtuellen Schlachten hin- und herreißt, dann klappt das Display gelegentlich etwas weiter auf oder zu – und möglicherweise ist dann der 3D-Effekt dahin. Der Netzanschluss der 3DS ist außerdem sehr nah an der rechten Schultertaste angebracht. Während die Konsole an der Steckdose hängt, ist die Strippe beim Spielen etwas im Weg.

Auf der linken Seite der Konsole befinden sich SD-Kartenslot und Lautstärkeregelung. [3]
Auf der linken Seite der Konsole befinden sich SD-Kartenslot und Lautstärkeregelung.

Die Nintendo 3DS wird in Deutschland in Schwarz und in Blau erhältlich sein. Unser Testgerät ist blau und sieht klasse aus. Der metallisch glänzende Bolide wirkt futuristisch und edel. Jedenfalls so lange, bis er mit Fingerabdrücken übersät ist – was nicht allzulange dauert.

Im Inneren des 3DS stecken zwei Displays. Unten gibt es einen 3,0 Zoll großen, resistiven Touchscreen mit einer Auflösung von 320 mal 240 Pixeln. Der obere Bildschirm ist etwas breiter, misst 3,53 Zoll in der Diagonale und löst 800 mal 240 Pixel auf. Allerdings bekommt jedes Auge nur 400 mal 240 Bildpunkte zu sehen, was die scheinbar hohe Pixelzahl dann schon wieder relativiert. Dennoch: Gegenüber den alten Konsolen hat sich die Auflösung trotzdem gesteigert. Die Vorgängerin DSi schafft gerade einmal 256 mal 192 Pixel. An Sonys NGP mit ihren 960 mal 544 Pixeln reicht Nintendo aber bei weitem nicht heran. Auf der rechten Seite der Konsole befindet sich ein Slider, mit dem sich die Intensität des 3D-Effekts einstellen lässt – von stark bis 2D.

3D-Effekt

Die Nintendo 3DS nutzt eine Parallaxenbarriere [4], um den 3D-Effekt zu erzeugen, der keine Brille braucht. Im Wesentlichen handelt es sich bei der Parallaxenbarriere um eine Schicht mit dünnen Schlitzen, die über dem Bildschirm liegt. Diese leicht schräg ausgerichteten Schlitze sorgen dafür, dass jeder Pixel nur von einem Auge zu sehen ist. Das bedeutet allerdings auch, dass der Gamer exakt gerade auf die Anzeige blicken muss – ansonsten geht der Effekt verloren. Und dieser Sweet Spot [5] ist relativ klein.

Mit diesem Schieber lässt sich die Intensität des 3D-Effekts regulieren. [6]
Mit diesem Schieber lässt sich die Intensität des 3D-Effekts regulieren.

Wir haben autostereoskopische Displays mit dieser Technologie schon häufiger gesehen – etwa bei LGs Optimus 3D [7] oder bei Fujifilms Real 3D W3 [8]. Die Nintendo 3DS hat jedoch den besten brillenlosen Stereobildschirm, den wir bislang gesehen haben. Der 3D-Effekt erreicht eine beeindruckende Tiefe. Bei dem Flugsimulator Pilotwings Resort beispielsweise verschwinden weit entfernte Objekte erstaunlich „tief im Display“. Erfreulicherweise sieht das Bild immer scharf aus und wirkt niemals unruhig oder verschwommen.

Alles in allem ist der 3D-Effekt beeindruckend. Jeder, der sich die Nintendo 3DS hier in der Redaktion angesehen hat, war von der Tiefendarstellung beeindruckt. Ein paar Probanden hatten allerdings mit schmerzenden Augen zu kämpfen. Aber wie gesagt, der 3D-Effekt lässt sich ja auch komplett abschalten. Am besten gefällt uns die Darstellung auf dem Display, wenn der 3D-Schieber auf etwa 70 bis 80 Prozent steht.

Sweet Spot

Der größte Nachteil der Parallaxenbarriere ist der relativ geringe Bereich, in dem der Effekt funktioniert. Wir müssen die Nintendo 3DS mittig, ruhig und mit konstanter Entfernung vor unseren Kopf halten. Bewegen wir uns drei bis vier Zentimeter zur Seite, ist die Tiefendarstellung bereits dahin.

Dieser Sweet Spot ist wohl für wackelige Zugfahrten noch ausreichend groß. Wer allerdings mit dem Auto über Feldwege brettert, schaltet die räumliche Darstellung besser ganz aus. Sobald der 3D-Effekt zusammenbricht, wirkt das Bild auf einmal sehr dunkel und doppelt – nicht gerade ideal, wenn man dem Endgegner gegenübersteht.

Die Nintendo 3DS verfügt über integrierte Lage- und Beschleunigungssensoren, die sicherlich auch bei dem einen oder anderen Spiel Verwendung finden werden. Allerdings verträgt sich das nicht unbedingt mit dem 3D-Effekt: Bei nur ansatzweise wilden Fuchteleien ist die räumlich Darstellung eben wieder dahin. Übrigens ist es praktisch nicht möglich, dass zwei oder gar noch mehr Personen den 3D-Effekt gleichzeitig bewundern.

Controller-Layout

Was die Bedienelemente angeht, hat sich bei der 3DS im Vergleich zur Vorgängerin nicht besonders viel getan. Rechts neben dem unteren Display befinden sich vier in einer Raute angeordnete A-, B-, X- und Y-Tasten. Der Power-Button sitzt gefährlich nah an den Knöpfen, schaltet die Konsole aber immerhin bei versehentlicher Betätigung nicht ab, sondern öffnet lediglich ein Menü.

Die Bedienelemente auf der Vorderseite lassen sich allesamt gut erreichen und machen einen wertigen Eindruck. [9]
Die Bedienelemente auf der Vorderseite lassen sich allesamt gut erreichen und machen einen wertigen Eindruck.

Auf der anderen Seite des Bildschirms sitzen ein Vier-Wege-D-Pad sowie ein analoger Joystick. Unterhalb des Touchscreens gibt es Select-, Home- und Start-Taste. Oben auf dem Gehäuse sitzt rechts und links jeweils eine Schultertaste. Die Tasten fühlen sich allesamt hochwertig an und überzeugen mit klaren Druckpunkten. Der analoge Stick ist mit einer erfreulich griffigen Beschichtung versehen. Was die Bedienung angeht, sind wir sehr zufrieden. Einzig die Schultertasten dürften einen Tick größer ausfallen.

3D-Kamera

Oben auf dem Deckel der Nintendo 3DS befinden sich zwei Kameras zum Schießen von 3D-Fotos. Sowohl während der Aufnahme als auch danach lässt sich die Intensität des Tiefeneffekts anpassen. Die dreidimensionalen Bilder sind beeindruckend. Allerdings ist es sehr enttäuschend, dass Nintendo keine hochauflösenderen Kameras verbaut hat – 0,3 Megapixel beziehungsweise 640 mal 480 Bildpunkte erinnern an die Steinzeit der Unterhaltungselektronik. Eine weitere, ebenso niedrig auflösende Kamera befindet sich auf der Innenseite direkt oberhalb des 3D-Displays.

Die Fotos landen auf der SD-Karte, die der Nutzer in den Slot auf der linken Seite der 3DS eingeschoben hat. Betrachtet man die 3D-Bilder auf dem Rechner, wirken sie verschwommen und sehr pixelig. Großartige Ergebnisse darf man hier nicht erwarten – die Aufnahmen sind selbst von Handykameras meilenweit entfernt.

Die zahlreichen „lustigen“ Fotoeffekte versuchen, etwas über die schlechte Bildqualität hinwegsehen zu lassen. So lassen sich beispielsweise zwei Menschen in eine Person verwursten, indem die 3DS mit der front- und mit der rückseitigen Kamera beide gleichzeitig fotografiert. Und wenn man ins Mikrofon der tragbaren Konsole pustet, dann verteilt sich glitzernder Staub auf den Bildern. Naja. Aber wer sich über solche Features freut, wird sich herzlich wenig dafür interessieren, ob die Kamera 0,3 oder 30 Megapixel auflöst.

Augmented Reality

Auf der Konsole sind eine ganze Reihe von Augmented-Reality-Games vorinstalliert, die eindrucksvoll zeigen, was technisch möglich ist. All diese Spiele nutzen ein paar im Lieferumfang enthaltene Karten, die quasi als Anker für die überlagerte Realität dienen. Man legt also eine der Karten auf den Tisch, startet eines der AR-Spiele und zielt mit der Konsole auf die Karte. Auf dem Bildschirm ist zunächst einfach nur das Bild zu sehen, das die im Deckel integrierten Kameras einfangen. Doch Sekunden später wächst aus dem Tisch auf einmal ein Drache heraus, der den Spieler angreift. Oder Mario hüpft auf dem Nachtkästchen durch die Gegend.

Diese Karten dienen als Anker, um virtuelle Inhalte in die Realität zu verpflanzen - beispielsweise Mario aufs Nachtkästchen. [10]
Diese Karten dienen als Anker, um virtuelle Inhalte in die Realität zu verpflanzen – beispielsweise Mario aufs Nachtkästchen.

Am beeindruckendsten ist hier die Tatsache, dass sich die virtuellen Objekte von allen Seiten bewundern lassen, wenn man die Konsole um sie herumschwenkt. Bleiben wir bei dem Beispiel mit dem Drachen: Der Spieler muss eine Reihe von Zielen abschießen, die sich auf der Haut des Fabelwesens befinden – auf dem Bauch und auf dem Rücken. Man ist also gezwungen, regelrecht um den Tisch herumzutanzen.

Von den Augemented-Reality-Spielen darf man sich allerdings nicht zu viel erwarten. Großartige Handlungsstränge gibt’s hier nicht, stattdessen handelt es sich in erster Linie um Demonstrationen, die Entwicklern zukünftiger Games aufzeigen, was machbar ist. Und das tun sie auf eindrucksvolle Art und Weise.

Software

Die Benutzeroberfläche der 3DS ist weitgehend intuitiv. Unser einziger Kritikpunkt betrifft hier die Tutorials, die beim ersten Starten von Apps auftauchen – und sich blöderweise nicht abbrechen lassen.

Ansonsten findet sich an allen Enden und Ecken Nintendos typischer Charme. Fröhliche Avatare und hilfsbereite Tippgeber in Tierform hüpfen von spielerischer Musik untermalt durch die Gegend und sorgen dafür, dass sich Wii-Besitzer sofort zu Hause fühlen.

Leider verliert das Interface durch die gelegentlich recht langen Ladezeiten ein bisschen. Diese machen sich insbesondere beim schnellen Wechseln zwischen unterschiedlichen Programmen bemerkbar. Aber wer den Großteil seiner 3DS-Zeit mit Spielen und nicht mit dem Menüsystem verbringt, wird sich daran wohl kaum ernsthaft stören. Aber ganz so flott und elegant wie beim iPhone geht’s halt eben nicht.

StreetPass

Ein weiteres cooles Feature, das fest in die Konsole integriert ist, hört auf den Namen StreetPass. Wenn sich die Gaming-Maschine im Standby-Modus befindet und sich jemand anderes mit einer ebenfalls schlafenden 3DS nähert, kommunizieren die beiden miteinander – und machen sich bemerkbar. Hauptsächlich findet die Funktion derzeit beim Multiplayer-Daddeln Verwendung. Dafür gibt’s einen ganzen Haufen vorinstallierte Minispiele, die das Feature unterstützen. Wir sind gespannt, wofür Entwickler StreetPass bei zukünftigen Games nutzen werden.

Bei einem dieser Minispiele geht es etwa darum, mit den Miis – also den Avataren der anderen 3DS-Benutzer – Puzzleteile auszutauschen. Wenn man sich dann irgendwann durch ausreichend große Menschenmassen gewühlt hat, ist das Puzzle irgendwann komplett. Wir empfehlen das Oktoberfest zum Sammeln. StreetPass Quest kreiert eine Art Rollenspiel aus allen anderen Miis, die man bislang getroffen hat.

Akkulaufzeit

Zwei Bildschirme, einer Touchscreen, einer mit 3D-Darstellung, Bewegungs- und Lagesensoren, WLAN und so weiter und so fort. Die Nintendo 3DS kann mit ihrer umfassenden Ausstattung leider in Sachen Akkulaufzeit nicht mit ihrer Vorgängerin DS Lite mithalten, die ein beeindruckendes Durchhaltevermögen an den Tag legt. Mit aktiviertem WLAN und hoher Bildschirmhelligkeit geht der 3DS nach etwa drei Stunden daddeln die Puste aus. Klar, desaströs ist diese Akkulaufzeit nicht. Aber eben auch meilenweit von hervorragend entfernt. Einen Transatlantikflug oder eine Zugfahrt von München nach Berlin übersteht die Konsole nicht.

Eine gute Nachricht zum Schluss gibt es noch für Besitzer der älteren DS- und DSi-Konsolen: Die 3DS ist abwärtskompatibel. Alle alten Spiele funktionieren auch mit der neuen Gaming-Maschine. Der 3D-Effekt steht hier dann allerdings nicht zur Verfügung.

In den Kartenslot auf der Rückseite der Konsole passen Cartridges mit DS- und DSi-Spielen. [11]
In den Kartenslot auf der Rückseite der Konsole passen Cartridges mit DS- und DSi-Spielen.

Fazit

Das zentrale neue Feature der Nintendo 3DS ist das autostereoskopische 3D-Display. Aber keine Angst: Der Tiefeneffekt bildet nicht das Grundgerüst der Konsole. Er ist eher das Sahnehäubchen auf einem exzellenten Gerät, das mit derart vielen Funktionen vollgestopft ist, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll, wenn man den Boliden aus dem Karton hebt. Ein paar Kritikpunkte – etwa die schlappe Akkulaufzeit oder die miese Kameraauflösung – gibt es hier und dort sicherlich, aber der enorme Charme der Konsole macht die Schwächen wieder wett. Kurz und knapp: Die Nintendo 3DS macht einfach Spaß und ist ihren Preis definitiv wert.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41550001/nintendo_3ds_seite.jpg

[4] Parallaxenbarriere: http://en.wikipedia.org/wiki/Parallax_barrier

[5] Sweet Spot: http://de.wikipedia.org/wiki/Sweet_Spot

[6] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41550001/nintendo_3ds_3d-schieber.jpg

[7] LGs Optimus 3D: https://www.cnet.de/galerie/41548838/lg_optimus_3d_ausprobiert_smartphone_mit_3d_display.htm

[8] Fujifilms Real 3D W3: https://www.cnet.de/blogs/alpha/kameras/41536371/fujifilm_real_3d_w3_zweiaeugige_digicam_fuer_3d_hd_videos.htm

[9] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41550001/nintendo_3ds_controller.jpg

[10] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41550001/nintendo_3ds_ar-karten.jpg

[11] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41550001/nintendo_3ds_seite2.jpg