Olympus E-PL2 im Test: individualisierbare EVIL-Kamera mit beschleunigtem Autofokus

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 17:02 Uhr

Pro
  • hervorragende Bildqualität
  • sehr gute Anpassbarkeit
  • deutlich kürzere Auslöseverzögerungen als die E-PL1
Con
  • langsame Bildverarbeitung
  • starke Rolling-Shutter-Effekte im Videomodus
Hersteller: Olympus Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,7 von 10 Punkte
Fazit:

Die Olympus E-PL2 vereint kompakte Abmessungen mit einer ausgezeichneten Bildqualität und einem flexiblen und gut ausgestatteten Wechselobjektivsystem. Mit den endlich deutlich schnelleren Auslöseverzögerungen hat der japanische Hersteller außerdem den größten Kritikpunkt der Vorgängermodelle deutlich verbessert.

So böse sie auch klingen, EVIL-Kameras werden höchstens einer Spezies gefährlich: den digitalen Spiegelreflexkameras. Denn in den kompakten Gehäusen stecken die gleichen oder sehr ähnliche Bildsensoren wie in den ausgewachsenen DSLRs. Aufgrund des Verzichts auf den Spiegelkasten lassen sich die Systemkameras allerdings signifikant kompakter bauen. Wir haben Olympus vierte Generation der spiegellosen Pen-Serie, die E-PL2, bereits ausführlich getestet.

E-P1 [1], E-P2 [2], E-PL1 [3] und jetzt die E-PL2 – optisch sind sich die Kameras alle relativ ähnlich. Und auch beim Funktionsumfang lautet die Devise eher Evolution statt Revolution. Die E-PL2 steigert im Vergleich zu ihrer Vorgängerin die Empfindlichkeit auf ISO 6400, bringt ein größeres und höher auflösendes LC-Display mit und bietet mehr Optionen bei den Art-Filter-Bildeffekten. Und vor allem soll die E-PL2 nun endlich Gas geben und in puncto Auslöseverzögerung auf die Konkurrenz aufschließen. Wir sind gespannt.

Design & Ausstattung

Wie gesagt, beim Design hat sich im Vergleich zur E-PL1 nicht besonders viel getan. Uns gefällt das komplett schwarze Gehäuse besser als bei der Vorgängerin – aber das ist sicherlich Geschmackssache. Die Kamera ist nach wie vor bemerkenswert gut verarbeitet und fühlt sich extrem hochwertig an. Einen Sturz vom Schreibtisch hat die Digicam ohne Probleme und Konsequenzen weggesteckt. Wenn die Kamera mit der neuen 14-bis-42-Millimeter-Kitlinse auf dem Tisch steht, kippelt sie etwas seltsam hin und her. Beim Fotografieren merkt man davon allerdings nichts, wenn man die Digicam nicht gerade bei Langzeitbelichtungen mangels Stativ irgendwo auf den Boden stellen möchte.

Das grundsätzliche Tastenlayout ist unverändert. Oben auf dem Gehäuse gibt es einen Moduswahlschalter, der die üblichen manuellen und halbautomatischen Modi sowie eine Automatik, einen Videomodus und Olympus‘ Art Filter bereithält. Im Automatikmodus und im Videomodus steht außerdem der sogenannte Live Guide zur Verfügung, ein benutzerfreundliches Interface, das unerfahrene Fotografen mit Tipps und Tricks versorgt. Apropos Videomodus: Wer Clips einfangen möchte, muss die Kamera nicht erst in den Filmbetrieb versetzen – dafür gibt’s auf der Rückseite eine dedizierte Taste zum Starten der Videoaufnahme.

Der wohlproportionierte Griff auf der rechten Seite sorgt dafür, dass die Olympus E-PL2 sehr gut in der Hand liegt. Links ist der aufgeklappte Blitz zu sehen. [4]
Der wohlproportionierte Griff auf der rechten Seite sorgt dafür, dass die Olympus E-PL2 sehr gut in der Hand liegt. Links ist der aufgeklappte Blitz zu sehen.

Außerdem gibt’s ein paar Neuerungen bei Olympus‘ Art Filtern, einer Sammlung von digitalen Bildeffekten. Die Art Filter bieten jetzt jeweils ein paar Möglichkeiten zur Feinanpassung an. Außerdem lassen sich im sogenannten Art Frame die Effekte auch nachträglich in der Kamera auf bereits geschossene Fotos anwenden. So lassen sich beispielsweise auch zwei Filter miteinander kombinieren. Wenn man die Spezialeffekte bereits während der Aufnahme aktiviert hat, sinkt die Bildwiederholrate auf dem Display gewaltig – der Bildprozessor bricht hier unter der Rechenlast ein. Hier ist die auf Wunsch aktivierbare Vorschau mit geringerer Qualität eine große Hilfe – sie macht die Art Filter deutlich brauchbarer.

Das Einstellrädchen um das Vier-Wege-Pad auf der Rückseite ermöglicht ein schnelles Konfigurieren der Aufnahmeparameter. [5]
Das Einstellrädchen um das Vier-Wege-Pad auf der Rückseite ermöglicht ein schnelles Konfigurieren der Aufnahmeparameter.

Anstelle von vier Pfeiltasten auf der Rückseite verfügt die E-PL2 jetzt über ein kleines Vier-Wege-Pad mit umliegendem Einstellrädchen. Das sieht besser aus und erlaubt eine flüssigere Bedienung, allerdings könnte das Pad für Menschen mit großen Fingern zu fummelig sein. Am besten nimmt man die Kamera vor dem Kauf einmal in die Hand und probiert sie aus.

Beim Display hat Olympus einen großen Schritt nach vorne gemacht. Der Bildschirm ist von 2,7 auf 3,0 Zoll angewachsen und bietet mit 480 mal 320 Pixeln eine doppelt so hohe Auflösung wie die Vorgängerin. Die Anzeige ist hell, scharf und eignet sich beispielsweise deutlich besser zum manuellen Fokussieren. Über dem Bildschirm sitzt der Zubehörschuh. Unmittelbar dahinter gibt es einen weiteren Anschluss, der etwa einen auf dem Schuh aufgesteckten elektronischen Sucher mit Bilddaten versorgt oder Positionsdaten vom Pen-Pal-Bluetooth-Modul bezieht und in die EXIF-Informationen der Fotos einbaut.

Auf der rechten Seite der Kamera befindet sich ein HDMI-Ausgang. So kann man die geschossenen Fotos ohne Umweg über den PC in voller Pracht auf dem HD-Fernseher bewundern. [6]
Auf der rechten Seite der Kamera befindet sich ein HDMI-Ausgang. So kann man die geschossenen Fotos ohne Umweg über den PC in voller Pracht auf dem HD-Fernseher bewundern.

Die E-PL2 bietet eine ganze Reihe von Funktionen für anspruchsvolle Fotografen – allerdings erst nach einem Blick ins Handbuch. Denn die erweiterten Features verstecken sich im Custom Menu, das erst aktiviert werden möchte. HDR-Fans können sich über die erweiterte Belichtungsreihenfunktion freuen, die jetzt bis zu sieben unterschiedlich belichtete Fotos schießt. Nahezu jede Taste auf dem Gehäuse lässt sich außerdem umbelegen. Auf Wunsch fügt die E-PL2 Copyright-Informationen zu den Bildern hinzu. Außerdem lassen sich für die verschiedenen Belichtungsmessmethoden spezifische Belichtungskorrekturfaktoren einstellen. Außerdem gibt es vier Slots, unter denen sich benutzerspezifische Aufnahmeeinstellungen ablegen lassen. Und das sind nur einige Beispiele für die umfangreichen Settings, die die Kamera zu bieten hat. Eine vollständige Liste aller Funktionen findet sich im Handbuch auf der Webseite des Herstellers. Derzeit ist leider nur die englische Bedienungsanleitung [7] verfügbar.

Hersteller Olympus Panasonic
Modell E-PL2 Lumix DMC-GF2
Preis (inkl. 14-42mm-Kitobjektiv) 520 Euro 540 Euro
Bildsensor CMOS (17,3 x 13,0 mm) CMOS (17,3 x 13,0 mm)
Auflösung 12 Megapixel 12 Megapixel
Optischer Zoom (Kitobjektiv) 3-fach 3-fach
Brennweitenbereich (Kitobjektiv) 28 – 84 mm 28 – 84 mm
Lichtstärke (Kitobjektiv) F3,5 – F5,6 F3,5 – F5,6
Belichtungszeiten 1/4000 – 60 s 1/4000 – 60 s
Bildstabilisator mechanisch optisch (via Objektiv)
Empfindlichkeiten ISO 200 – 6400 ISO 100 – 6400
Max. Fotoauflösung 4032 x 3042 Pixel 4000 x 3000 Pixel
Max. Videoauflösung 1280 x 720 Pixel @ 30 fps 1920 x 1080 Pixel @ 50 fps
Dateiformate JPEG, RAW (Foto), MJPEG (Video) JPEG, RAW (Foto), AVCHD (Video)
Manuelle Einstellungen P, A, S, M P, A, S, M
Display 3,0 Zoll (480 x 320 Pixel) 3,0 Zoll (480 x 320 Pixel), Touchscreen
Sucher nein nein
Zubehörschuh ja ja
Speichermedien SD, SDHC, SDXC SD, SDHC, SDXC
Stromversorgung Lithium-Ionen-Akku Lithium-Ionen-Akku
Akkulaufzeit (CIPA) 280 Fotos 300 Fotos
Anschlüsse USB, AV, HDMI USB, AV, HDMI
Mikrofon Mono Stereo
Abmessungen (Body) 11,5 x 7,3 x 4,2 cm 11,3 x 6,8 x 3,3 cm
Gewicht (Body) 317 g 265 g

Leistung

Eine der größten und positivsten Überraschungen, die uns Olympus mit der E-PL2 beschert hat, betrifft die Geschwindigkeit. Wirklich blitzschnell ist die Kamera zwar immer noch nicht, aber immerhin ist die Geschwindigkeit des Autofokus inzwischen auf dem Niveau der Konkurrenz angekommen. Die Bildverarbeitungszeiten sind jedoch nach wie vor etwas lahm.

In konkreten Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Bis die Kamera bei guten Lichtverhältnissen auf das Motiv scharfgestellt und das Foto geschossen hat, vergehen 0,4 Sekunden. Im Zwielicht verlängert sich die Auslöseverzögerung auf 0,7 Sekunden. Bis nach dem Betätigen des Einschalters das erste Foto im Kasten ist, vergehen 0,8 Sekunden.

Zwischen zwei JPEG-Bildern genehmigt sich die Kamera jedoch eine etwas zähe Verschnaufspause von 1,3 Sekunden. Im RAW-Modus steigt der Wert auf 1,4 Sekunden, mit zugeschaltetem Blitz auf 1,7 Sekunden. Der Serienbildmodus stemmt 3,1 Fotos pro Sekunde, allerdings ist der Autofokus immer noch nicht schnell genug, um mit bewegten Motiven mitzuhalten.

Bildqualität

Wie bei praktisch allen Kameras im Consumer-Bereich liefert die Empfindlichkeit ISO 6400 kaum mehr brauchbare Ergebnisse. Allerdings handelt es sich beim Spitzenwert zumeist eher um ein Marketing-Werkzeug als um eine ernsthaft brauchbare Einstellung – vergleiche Canons und Nikons Rennen um die sechsstelligen Empfindlichkeiten bei der 1D Mark IV und der D3s [8]. Alles in allem weist die E-PL2 jedoch ein sehr gutes Rauschverhalten auf. Es kommt zwar nicht an den derzeitigen Klassenprimus Sony [9] NEX-5 heran, doch die aktuellen Panasonic-Modelle lässt Olympus hinter sich.

Bis einschließlich ISO 800 haben wir nichts an den Fotos auszusetzen. Bei ISO 1600 gehen die ersten Details verloren und die Bilder verlieren an Schärfe. Bei ISO 3200 wird ein erstes Farbrauschen sichtbar. Erfreulicherweise erhält die E-PL2 bei höheren ISO-Empfindlichkeiten noch erstaunlich viele Details in dunklen Bildbereichen.

Alles in allem liefert die E-PL2 eine sehr gute Bildqualität und übertrifft ihre Vorgängerin E-PL1 in diesem Punkt deutlich. Die Rauschunterdrückungsalgorithmen scheinen die Aufnahmen etwas weniger nachzuschärfen und sorgen so für natürlicher wirkende Fotos. Solange das Motiv nicht von extrem feinen Details lebt, liefert sogar ISO 3200 noch recht brauchbare Ergebnisse. Die Farbwiedergabe bleibt ausgezeichnet. Im Vergleich zur E-PL1 sorgt die automatische Belichtungsmessung der E-PL2 für etwas hellere Fotos unter gleichen Lichtbedingungen.

Die Videoqualität ist zufriedenstellend, aber nicht großartig. Immerhin stehen ein paar manuelle Einstellungsmöglichkeiten und die Art Filter im Videomodus zur Verfügung. Allerdings machen sich bei sämtlichen bewegten Motiven deutliche Rolling-Shutter-Effekte bemerkbar. Das neue 14-bis-42-Millimeter-Objektiv arbeitet aufgrund einer innen im Objektiv untergebrachten Fokussierung leiser als die alte Kitoptik. Dennoch: Der kontinuierliche Autofokus ist leider immer noch weder besonders zuverlässig noch schnell. Vorne am Objektiv gibt es ein Gewinde, um Filter und anderes Zubehör aufzuschrauben.

Fazit

Mit der E-PL2 merzt Olympus eine der ganz großen Schwächen der älteren spiegellosen Modelle aus: die maue Geschwindigkeit. Für die Sportfotografie ist die Kamera allerdings immer noch zu langsam – wie im übrigen alle Digicams mit Kontrast-Autofokus. Die Bildqualität bewegt sich auf dem Niveau von DSLR-Kameras im gleichen Preissegment und ist deutlich besser als bei Highend-Kompaktkameras mit fixen Optiken, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen.

Aufnahmegeschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zum ersten Foto   
Zeit zwischen zwei Fotos (RAW)   
Zeit zwischen zwei Fotos (JPEG)   
Auslöse- verzögerung (Zwielicht)   
Auslöse- verzögerung (Tageslicht)   
Olympus E-PL2

0.8 
1.4 
1.3 
0.7 
0.4 
Panasonic Lumix DMC-GF2 [11]

1.7 
0.9 
0.7 
0.7 
0.4 
Sony Alpha NEX-5 [12]

0.4 
0.9 
0.9 
0.8 
0.4 
Olympus E-P2 [2]

1.6 
2 
1.9 
1.1 
0.9 
Olympus E-PL1 [3]

1.8 
2.1 
1.9 
1.4 
0.9 

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)
Olympus E-PL1 [3]

3.3 
Olympus E-PL2

3.1 
Olympus E-P2 [2]

3.1 
Sony Alpha NEX-5 [12]

2.6 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41550048/olympus-e-pl2-im-test-individualisierbare-evil-kamera-mit-beschleunigtem-autofokus/

URLs in this post:

[1] E-P1: https://www.cnet.de/tests/digicam/41005877/olympus_e_p1_im_test_tolle_bildqualitaet__schwache_performance.htm

[2] E-P2: https://www.cnet.de/tests/digicam/41529256/olympus_e_p2_im_test_teure_micro_four_thirds_nachfolgerin.htm

[3] E-PL1: https://www.cnet.de/tests/digicam/41530162/olympus_e_pl1_im_test_langsame_micro_four_thirds_kamera_mit_toller_bildqualitaet.htm

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41550048/olympus_e-pl2_oben.jpg

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41550048/olympus_e-pl2_hinten.jpg

[6] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41550048/olympus_e-pl2_seite.jpg

[7] englische Bedienungsanleitung: http://www.olympusamerica.com/cpg_section/cpg_support_manuals.asp?id=1552

[8] 1D Mark IV und der D3s: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/kaufberatung/41532449/die_schnellsten_dslrs_der_welt_nikon_d3s_und_canon_eos_1d_mark_iv_im_vergleich.htm

[9] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[10] Beispielfotos: die Bildqualität der Olympus E-PL2: https://www.cnet.de/41550041/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-olympus-e-pl2/?pid=1#sid=41550048

[11] Panasonic Lumix DMC-GF2: https://www.cnet.de/tests/digicam/41540205/panasonic_lumix_dmc_gf2_angetestet_kompakte_evil_kamera_mit_touchscreen.htm

[12] Sony Alpha NEX-5: https://www.cnet.de/tests/digicam/41531875/sony_nex_5_im_test_geschwindigkeit_und_rauschen_top__farbwiedergabe_flop.htm