Was machen A, S, M & Co.?: So funktionieren die Aufnahmemodi von digitalen Kameras

Automatik

Beschreibung: Hier nimmt die Kamera das Ruder in die Hand – der Fotograf muss nur noch auf den Auslöser drücken. Klingt fantastisch? Ist es aber nicht immer. Denn leider liegen Kameras auch im Jahr 2011 bei der Einschätzung des Motivs noch gelegentlich daneben. Schwierigkeiten gibt es insbesondere bei kontrastreichen Szenerien, schnell bewegten Objekten oder schlechten Lichtverhältnissen.

Anwendungsgebiete: Sehr wenige – bei Tageslicht dürften die Ergebnisse allerdings in der Regel zufriedenstellend sein. Bei Gegenlicht, bewegten Objekten, wenig Licht und dergleichen sollte man die Finger von der Automatik lassen.

Einstellungsmöglichkeiten: Üblicherweise gibt es nur ein paar einfache Optionen zu Bildgröße, Blitz & Co. Im Idealfall steht eine Belichtungskorrektur zum Anpassen der Helligkeit zur Verfügung.

Intelligente Automatik

Beschreibung: Die meisten aktuellen Kompaktkameras bieten eine intelligente Automatik, die das Motiv analysiert und einem von verschiedenen Szenenprogrammen zuordnet. Der Vorteil gegenüber der „normalen“ Automatik besteht darin, dass in der Regel mehr Aufnahmeparameter auf das Motiv hin angepasst werden. Beim Sonnenuntergang werden die Farben intensiver, bei Portraits visiert der Autofokus gezielt Gesichter an, bei kontrastreichen Motiven greifen diverse Algorithmen ein, die Details retten – etwa Nikons D-Lighting oder Canons i-Contrast. Üblicherweise liefert die intelligente Automatik bessere Ergebnisse als die „dumme“ Automatik. Bei vielen Kameras verstecken sich die Automatik und die intelligente Automatik auf dem Moduswahlschalter hinter dem gleichen Icon. Die „intelligente Automatik“ ist eine etwas fortschrittlichere Version des Modus-Dinosauriers.

Anwendungsgebiete: Die intelligente Automatik bietet sich an, wenn der Fotograf keine Zeit hat, das zum Motiv passende Szenenprogramm händisch auszuwählen oder nicht weiß, welcher Modus jetzt der beste ist. Wenn das Motiv in eine der drei Schubladen „Portrait“, „Landschaft“ oder „Makro“ passt, gibt es hier in der Regel zuverlässig gute Ergebnisse. Manche Kameras können zwischen Tag und Nacht und zwischen ruhigen Erwachsenen und herumspringenden Kindern unterscheiden und passen die Aufnahmeparameter entsprechend an.

Einstellungsmöglichkeiten: In der Regel finden sich auch hier nur ein paar einfach Optionen wie bei der normalen Automatik. Liegt die intelligente Automatik bei der Bildhelligkeit daneben, hilft die – hoffentlich vorhandene – Belichtungskorrektur weiter. Daher lohnt es sich immer, die gerade geschossenen Aufnahmen in der Kamera auf korrekte Helligkeit zu kontrollieren.

Szenenprogramm

Beschreibung: Hier gibt es eine Reihe von Voreinstellungen für bestimmte Aufnahmesituationen. Wählt der Anwender beispielsweise „Portrait“ aus, öffnet die Kamera die Blende soweit wie möglich, um den Hintergrund unscharf abzubilden, aktiviert die Gesichtserkennung, um den Autofokus auf die Person(en) zielen zu lassen und drosselt – wenn möglich – die ISO-Empfindlichkeit. Im Wesentlichen handelt es sich bei den verschiedenen Szenenprogrammen um Automatiken, bei denen der Nutzer die Kamera auf eine bestimmte Richtung schiebt.

Anwendungsgebiete: Wer mit den Ergebnissen der Automatiken in bestimmten Aufnahmesituationen – etwa bei Nacht, am Strand oder auf der Skipiste – nicht zufrieden ist, findet hier möglicherweise Abhilfe, ohne allzu tief in die Materie einsteigen zu müssen.

Einstellungsmöglichkeiten: Meistens bieten die Szenenprogramme ähnlich viele beziehungsweise wenige Anpassungsmöglichkeiten wie die Automatik oder die intelligente Automatik. Bei manchen Szenenprogrammen sind möglicherweise sogar die Einstellungen zu Blitz und Belichtungskorrektur festgelegt und lassen sich nicht ändern.

Programm (P)

Beschreibung: Der Programm-Modus ist die Automatik für kreative Köpfe. Die Digicam übernimmt die beiden wichtigsten Einstellungen – Verschlusszeit und Blende – und überlässt dem Fotografen alle übrigen Aufnahmeparameter.

Anwendungsgebiete: Wer sich bei ISO-Empfindlichkeit, Belichtungskorrektur, Belichtungsmessung und Konsorten zu Hause fühlt, kann mit der Programm-Funktion komplexe Aufnahmesituationen meistern, in denen die anderen Automatiken versagen.

Einstellungsmöglichkeiten: Hier lässt sich alles außer Blende und Belichtungszeit einstellen. Gelegentlich gibt es die Möglichkeit, Blende und Belichtungszeit bei konstant bleibender Helligkeit gegeneinander zu verschieben.

Zeitpriorität (Blendenautomatik, S, Tv)

Beschreibung: In diesem Modus legt der Fotograf die Belichtungszeit fest, und die Kamera passt die Blende dementsprechend an. Wenn die Empfindlichkeit auf „Auto“ gestellt ist, hilft die Kamera auch mit dem ISO-Wert nach.

Anwendungsgebiete: Die Zeitpriorität eignet sich für alle Situationen, in denen besonders lange oder besonders kurze Verschlusszeiten erforderlich sind – etwa bei Langzeitaufnahmen vom Nachthimmel oder bei Actionfotos.

Einstellungsmöglichkeiten: In der Zeitpriorität lässt sich alles außer der Blendenöffnung einstellen.

Blendenpriorität (Zeitautomatik, A, Av)

Beschreibung: In diesem Modus legt der Fotograf die Blende fest, und die Kamera passt die Belichtungszeit dementsprechend an. Wenn die Empfindlichkeit auf „Auto“ gestellt ist, hilft die Kamera auch mit dem ISO-Wert nach.

Anwendungsgebiete: Die Blendenpriorität kommt zum Einsatz, wenn der Fotograf die Tiefenschärfe aktiv beeinflussen möchte. Bei Portraitfotos etwa lassen kleine Blendenzahlen den Hintergrund unscharf erscheinen, bei Architekturfotos sorgen hohe Blendenzahlen für eine große Tiefenschärfe – und damit für scharfe Blumenkästen vom ersten bis zum letzten Stockwerk.

Einstellungsmöglichkeiten: Hier lassen sich alle Aufnahmeparameter mit Ausnahme der Verschlusszeit einstellen.

Manuell (M)

Beschreibung: Im manuellen Modus hat der Fotograf komplett freie Hand. Damit gibt es die meisten Freiheiten, aber natürlich auch viele Möglichkeiten, Fehler zu machen. Üblicherweise zeigt die Kamera an, ob die gewählten Aufnahmeparameter eine korrekte Belichtung ergeben oder nicht. Im Zweifelsfall kann man immer auf einen der drei vorherigen Modi umschalten, sich die Aufnahmeparameter ansehen, die die Kamera wählen würde, und den manuellen Modus dann dementsprechend anpassen.

Anwendungsgebiete: Der manuelle Modus ist die richtige Wahl, wenn sich der Fotograf volle manuelle Einstellungsmöglichkeiten wünscht. Auch wenn bei einer Reihe von Fotos immer exakt die gleiche Belichtung zum Einsatz kommen soll, muss dieser Betrieb gewählt werden – etwa bei der händischen Aufnahme von Panorama-Fotos.

Einstellungsmöglichkeiten: Alles

Bulb

Beschreibung: Bulb ist eine Variation des manuellen Modus, bei der der Verschluss genau so lange offen bleibt, wie der Fotograf den Auslöser gedrückt hält. Bei Langzeitbelichtungen verhindert eine Kabelfernbedienung Fingerkrämpfe. Gelegentlich hat der Bulb-Modus einen eigenen Auswahlpunkt auf dem Moduswahlschalter, manchmal lässt er sich durch Aufdrehen der Belichtungszeit auf den maximalen Wert aktivieren.

Anwendungsgebiete: Bei Langzeitbelichtungen mit Verschlusszeiten von mehreren Minuten hilft der Bulb-Modus weiter. Außerdem ist es bei Feuerwerksfotos beispielsweise hilfreich, den Verschluss zum exakt richtigen Zeitpunkt wieder zu schließen und so eine Reihe von Effekten punktgenau aufs Bild zu bringen. Bei unserem Kurzzeitfotografie-Bastelprojekt hat der Bulb-Modus ebenfalls gute Dienste geleistet.

Einstellungsmöglichkeiten: Alles

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Was machen A, S, M & Co.?: So funktionieren die Aufnahmemodi von digitalen Kameras

  • Am 11. Mai 2011 um 07:54 von D. Eichhorn

    Szenenprogramme
    Was sind denn "Szenenprogramme"? Der (Fach-)Terminus für das was da beschrieben wird heißt doch korrekt und zutreffend "Motivprogramme". Mit einer Fotokamera (Stehbildkamera) nimmt man bekanntlich "Motive" auf und keine "Szenen". Zu schade dass in die recht anschaulichen Erklärungen falsche Begriffe aus grottenschlechten Übersetzungen übernommen wurden. Mit einem Blick in GUTE – zugegeben rare – Fachliteratur hätte sich das vermeiden lassen.

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