Beim Telefonieren schlägt sich das Facebook-Phone erstaunlich gut. Vor allem auf der Handy-Seite ist der Klang hervorragend, klar und frei von nervigen Störgeräuschen. Der Teilnehmer am anderen Ende der Leitung würde sich sicherlich über einen etwas weniger blechernen Klang freuen, aber unterm Strich ist die Leistung dennoch hervorragend.

Das gilt jedoch nicht für die Kamera. Viel Farbrauschen trifft auf wenig Details. Im Himmel tauchen gerne einmal bunte Flecken auf, grüne Grasflächen verkommen zu einem Matsch. Um den Freunden im Netzwerk schnell zu zeigen, dass man gerade vor Schloss Neuschwanstein steht oder die vierte Mass auf dem Oktoberfest getrunken hat, reicht die Qualität locker aus. Ausdrucken im DIN-A4-Format oder Ansehen im Vollbild auf dem Computer sollte man aber nur in Notfällen machen.

Auch beim Lautsprecher würden wir uns über mehr Lautstärke und Volumen freuen. Insgesamt können wir mit dem Ergebnis zwar leben, toll sieht aber anders aus. Wenn das Chacha auf dem Tisch liegt, fällt das Ergebnis übrigens bedeutend besser aus, denn dann wird der Schall vom Tisch reflektiert und wird kräftiger und satter.

Facebook

Zu den Besonderheiten des Chacha gehört seine Facebook-Integration. Da müssen sich sowohl HTC als auch der Betreiber des Social Networks schon etwas einfallen lassen, denn „Facebook kann ja jedes Smartphone“. Oder?

Das Chacha jedenfalls zeichnet sich durch eine explizite Taste aus, die mit dem berühmten f versehen ist. Wann immer es etwas zu sharen gibt, fängt der Knopf an zu blinken. Wenn man beispielsweise ein Foto schießt, blinkt der Knopf – und ein Druck lädt das Bild ins Netzwerk hoch, um es den Freunden zu präsentieren. Man surft auf einer Webseite – und der Button blinkt: Ein Druck stellt den Link sichtbar ins Profil. Und so weiter. Solange der Button nicht blinkt, bringt ein Knopfdruck den Nutzer ins Menü, um beliebigen Text auf seine Wall zu posten.

Beim ersten Start der Kamera-App fragt das Chacha gar, ob es nicht gleich alle Fotos ins soziale Netzwerk hochladen soll. Das lässt sich natürlich abschalten, zeigt aber gleich auf Anhieb, für wen und welche Nutzung dieses Handy gedacht ist. Dazu passt die hervorragende Integration des Facebook-Chats, der auf Wunsch bei neuen Nachrichten – wie eine SMS – per Vibration, Blinken der Status-LED oder Klingelton über neue Messages informiert.

Aber, um eine häufig gestellte Frage von Facebook-Freaks gleich zu beantworten: Einen eigenen Facebook-Client gibt es hier nicht. Auf dem HTC läuft die gleiche FB-Software wie auf jedem anderen Android-Smartphone – mit den gleichen Vor- und Nachteilen. Einige Funktionen des Social Networks lassen sich hierüber nicht nutzen, andere nur eingeschränkt: darunter das Anstubsen anderer User, das Bearbeiten von Facebook-Pages oder das Markieren von Beiträgen. Dem Durchschnittsnutzer fällt das zwar kaum auf, Vielnutzer stören sich daran aber durchaus. Das zeigt auch ein Blick in die Kommentare zur Facebook-App im Android Market.

Fazit

Das HTC Chacha geht durchaus in die Blackberry-Richtung: Es ist ein perfektes Messaging-Phone. Allerdings richtet es sich nicht an E-Mail-, sondern an Facebook-Junkies. Wer im sozialen Netzwerk daheim ist, mehr über den Facebook-Chat kommuniziert als per Telefon, wer schon fast nicht mehr schlafen kann, ohne die letzten Status-Updates seiner Freunde gecheckt zu haben – der ist hier genau richtig. Die hervorragende Tastatur ist perfekt, um mehr oder weniger wichtige Mitteilungen aus dem Alltag sofort weiterzugeben, die Kamera reicht für Schnappschüsse aus und die Oberfläche ist ideal, um zwischendurch noch Nachrichten im Internet zu lesen oder zwischendurch ein schnelles Spiel zu zocken, um der Langeweile den Garaus zu machen.

Für den professionellen Alltagseinsatz ist das Chacha hingegen nichts. Das liegt vor allem am kleinen Display, das auch aufgrund seines Querformats diverse Kompromisse erfordert. Bei E-Mails und Webseiten wird nur wenig Inhalt dargestellt, und Menüs und Texte erscheinen häufig ziemlich klein auf der Anzeige.

Knapp 300 Euro erscheinen im Vergleich zu ähnlich ausgestatteten und meist deutlich teureren Phones auch wie ein fairer Deal. Wer auf der Suche nach einem Schnäppchen ist, sollte allerdings unbedingt auch einen Blick auf das Motorola Flipout werfen – es kommt ebenfalls mit Android, Touchscreen und Tastatur. Restposten sind derzeit ohne Vertrag schon für um die 100 Euro zu haben.

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