Canon EOS 1100D im Test: unspektakuläre Einsteiger-DSLR mit sehr guter Bildqualität

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 17:11 Uhr

Pro
  • ausgezeichnete Bildqualität
  • gute Akkulaufzeit
Con
  • nicht besonders schnell
  • winziger optischer Sucher
  • rudimentäre Ausstattung
Hersteller: Canon Listenpreis: 450 Euro (inkl. 18-55mm-Objektiv)
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,1 von 10 Punkte
Fazit:

Die Canon EOS 1100D ist eine grundsolide Einsteigerkamera. Für das gleiche Geld gibt es jedoch auch bessere Alternativen, die einfach etwas mehr zu bieten haben - beispielsweise in puncto Geschwindigkeit und Ausstattung.

Digitale Spiegelreflexkameras – die Königsklasse der Fotografie. Das Werkzeug, mit dem die Profis arbeiten. Wer hier einsteigen möchte, muss aber weder Profi noch besonders reich sein: Ambitionierte Amateure bekommen bei Canon bereits für weniger als 450 Euro eine DSLR inklusive Objektiv. Wir haben das Einsteigermodell ausführlich getestet.

Canon hat die letzten Jahre bei seinen günstigen digitalen Spiegelreflexkameras eine eher außergewöhnliche Politik verfolgt: Anstatt die Modelle in verschiedene Klassen einzuteilen, hat der Hersteller einfach die alten DSLRs weiterhin verkauft und im Preis nach unten sinken lassen, bis sie schließlich im Einsteigersegment angekommen sind. Die letzte echte Einsteiger-EOS ist die 1000D [1], die inzwischen schon drei Jahre auf dem Kasten hat. Und irgendwie wirkt leider auch die Nachfolgerin 1100D so, als wäre sie von 2008 – und nicht von 2011.

Design & Ausstattung

Auch wenn sie nicht das Schwergewicht in ihrer Klasse ist, kommt die Canon EOS 1100D für eine Einsteiger-DSLR doch ganz schön massig daher. Der gummierte Griff sorgt für einen bequemen Sitz in der Hand. Aber leider fühlt sich das Gehäuse ansonsten ziemlich plastikartig und nicht besonders edel an.

Auf der Rückseite befindet sich ein 2,7 Zoll großes Display mit einer Auflösung von 320 mal 240 Pixeln (230.000 Subpixel). Nach den heutigen Standards ist die Anzeige klein und niedrig auflösend – und sorgt dafür, dass die Kamera alt wirkt. Bei heller Sonneneinstrahlung ist der Bildschirm schwer abzulesen.

Mit dem vergleichsweise kleinen Display sieht die EOS 1100D einfach irgendwie alt aus. [2]
Mit dem vergleichsweise kleinen Display sieht die EOS 1100D einfach irgendwie alt aus.

Rechts daneben sitzen die Bedienelemente, die übersichtlich und funktional angeordnet sind. So ziemlich in der Mitte gibt es ein Vier-Wege-Pad, dessen Richtungstasten auch zum Aufrufen von ISO-Empfindlichkeit, Serienbildmodus, Weißabgleich und Autofokusmodus dienen. Rund herum bringt Canon einen ganzen Haufen weitere Tasten unter: für Belichtungskorrektur, Live-View/Videoaufnahme, Menü, Schnell-Menü, Wiedergabe und Display. Leider fallen die Buttons allesamt etwas flach aus und bieten wenig haptisches Feedback. Lediglich die beiden Knöpfe für Belichtungsspeicher und Autofokuspunkt-Auswahl, die unter dem rechten Daumen sitzen, bieten einen merklichen Hub – allerdings wirken sie dafür recht wabbelig.

Auf der linken Seite der EOS 1100D befindet sich ein HDMI-Anschluss. So finden die Fotos ihren Weg ohne Umweg über den Rechner auf den Fernseher. [3]
Auf der linken Seite der EOS 1100D befindet sich ein HDMI-Anschluss. So finden die Fotos ihren Weg ohne Umweg über den Rechner auf den Fernseher.

Wer ausschließlich das Display und den Live-View-Modus zum Fotografieren nutzt, wird sich daran kaum stören. Aber der optische Sucher fällt bei der 1100D so klein aus, dass man glatt Platzangst bekommen könnte. Das Guckloch ist so winzig und bietet eine so geringe Vergrößerung wie schon lang kein Sucher bei irgendeiner Canon-Kamera mehr. Die neun winzigen Autofokuspunkte verschwinden in kontrastreichen und bunten Motiven gerne einmal. Wir müssen in der Praxis häufiger mal den Auslöser antippen, um den mittleren Fokuspunkt zu finden – und damit unser Motiv anzuvisieren.

Die EOS 1100D bringt übrigens keine Möglichkeit zur Spot-Belichtungsmessung [4] mit. Nachdem Canon üblicherweise für die Belichtungsmessung ohnehin schon recht große Felder verwendet, wäre man bei der Spot-Belichtungsmessung aber vermutlich ohnehin schon dort, wo die Konkurrenz mit mittenbetonter Messerung landet.

Mit der Umsetzung des Videomodus können wir uns nicht so recht anfreunden. Um Clips einzufangen, muss man auf dem Moduswahlschalter das entsprechende Programm auswählen, das sich unnötigerweise auch noch genau am Ende der PASM-Modi befindet. Nachdem sich das Rädchen nicht um 360 Grad rotieren lässt, dreht man sich bei häufigeren Wechseln zwischen Video- und halbautomatischem Foto-Modus die Finger wund. Der Videomodus selbst kann ebenfalls nicht so richtig überzeugen: Die Auflösung ist auf 1280 mal 720 Pixel begrenzt. Außerdem gibt es nur die Möglichkeit zur Belichtungskorrektur und keinen Autofokus. Die Qualität geht für gelegentliche YouTube-Clips in Ordnung. Wunder wie bei den größeren, zurecht bei Indie-Filmern sehr beliebten Canon-DSLRs darf man hier aber nicht erwarten.

Die Taste für den Blitz befindet sich nicht mehr wie bei den meisten Canon-DSLRs auf der linken Seite der Spiegelhutze, sondern auf der rechten Oberseite. Nachdem der Knopf auch noch schwarz auf schwarz beschriftet ist und bündig mit dem Gehäuse abschließt, mussten wir im Handbuch nachsehen, um ihn zu finden.

Ich sehe was, was Du nicht siehst, und das ist die Taste für den Blitz. Canon hat den Button bei der 1100D gut versteckt. [5]
Ich sehe was, was Du nicht siehst, und das ist die Taste für den Blitz. Canon hat den Button bei der 1100D gut versteckt.

Der Speicherkartenslot ist ebenfalls gewandert – von der rechten Seite auf die Unterseite des Gehäuses. Er befindet sich jetzt zusammen mit dem Akku hinter einer Klappe. Das ist zwar nicht unüblich, aber leider ziemlich lästig. Wenn die DSLR auf einem Stativ montiert ist, muss man sie zum Wechseln der Speicherkarte jedes Mal abschrauben.

Immerhin – gelegentlich blitzt hier und dort auch bei der sich nach 2008 anfühlenden 1100D ein Hauch von 2011 durch: Die Kreativautomatik soll Einsteigern das Leben einfacher machen. Hier sind die Einstellungsmöglichkeiten auf Blitz, Serienbildmodus & Co. reduziert, und die Blende heißt Hingergr. unscharf. Spektakulär sieht anders aus. Der einzige Vorteil in Sachen Ausstattung, den die Canon EOS 1100D gegenüber ihrer direkten Konkurrentin Nikon D3100 mitbringt, ist die Belichtungsreihenfunktion. Allerdings fällt diese mit maximal drei Bildern mit einem Belichtungsabstand von bis zu zwei Blenden auch nicht gerade umfangreich aus.

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten technischen Daten der Canon EOS 1100D im Vergleich mit ein paar direkten DSLR-Rivalen. Eine vollständige Beschreibung aller Funktionen findet sich im digitalen Handbuch auf der Webseite des Herstellers [6].

Hersteller Canon Canon Nikon Pentax
Modell EOS 1100D EOS 500D D3100 K-x
Preis (günstigstes Kit) 440 Euro 540 Euro 450 Euro 445 Euro
Bildsensor CMOS (22,2 x 14,7 mm) CMOS (22,3 x 14,9 mm) CMOS (23,6 x 15,8 mm) CMOS (23,5 x 15,6 mm)
Auflösung 12,2 Megapixel 15,1 Megapixel 14,2 Megapixel 12,4 Megapixel
Empfindlichkeiten ISO 100 – 6400 ISO 100 – 12.800 ISO 100 – 12.800 ISO 100 – 12.800
Formatfaktor 1,6x 1,6x 1,5x 1,5x
Serienbildgeschwindigkeit 3,0 fps 3,5 fps 3,0 fps 4,7 fps
Sucher 95% Abdeckung; 0,50x Vergrößerung 95% Abdeckung; 0,54x Vergrößerung 95% Abdeckung; 0,53x Vergrößerung 96% Abdeckung; 0,57x Vergrößerung
Autofokus 9 Punkte, alles Kreuzsensoren 9 Punkte, mittiger Kreuzsensor 11 Punkte, mittiger Kreuzsensor 11 Punkte, 9 Kreuzsensoren
Belichtungsmessung 63 Zonen, iFCL 35 Zonen 420-Pixel-Matrix 16 Segmente
Verschlusszeiten 1/4000 – 30 Sekunden; Bulb 1/4000 – 30 Sekunden; Bulb 1/4000 – 30 Sekunden; Bulb 1/6000 – 30 Sekunden; Bulb
Display 2,7 Zoll; 230.000 Pixel 3,0 Zoll; 921.000 Pixel 3,0 Zoll; 230.000 Pixel 2,7 Zoll; 230.000 Pixel
Bildstabilisator optisch (via Objektiv) optisch (via Objektiv) optisch (via Objektiv) mechanisch (via Sensor)
Videofunktion 720/30p, H.264 1080/20p 1080/24p, H.264 720/24p, MJPEG
Max. Akkulaufzeit (CIPA) 700 Fotos 400 Fotos 550 Fotos 1100 Fotos (Lithium-AA-Batterien)
Abmessungen 13,0 x 10,0 x 7,8 cm 12,9 x 9,8 x 6,2 cm 12,4 x 9,6 x 7,5 cm 12,3 x 9,2 x 6,8 cm
Gewicht 495 g 480 g 505 g 515 g

Leistung

Im Großen und Ganzen schlägt sich die Canon EOS 1100D in Sachen Geschwindigkeit recht typisch für eine Kamera in dieser Kategorie. Enttäuschend ist allerdings, dass die Serienbildgeschwindigkeit gegenüber der drei Jahre alten Vorgängerin 1000D abgenommen hat. Hier bewegt sich die DSLR im direkten Vergleich mit ihren Konkurrenten am unteren Ende der Skala.

Bis nach dem Einschalten das erste Foto im Kasten ist, dauert es 0,4 Sekunden. Bei idealen Lichtverhältnissen benötigt die Kamera 0,3 Sekunden, um auf das Motiv scharfzustellen und das Bild einzufangen. Bei Motiven mit niedrigen Kontrasten verschlechtert sich die Auslöseverzögerung auf 0,6 Sekunden. Zwischen zwei Aufnahmen genehmigt sich die 1100D Verschnaufpausen von 0,5 Sekunden im JPEG- und 0,6 Sekunden im RAW-Modus. Mit zugeschaltetem Blitz ändert sich erfreulicherweise nichts an diesen Werten.

Im Serienbildmodus schafft die Canon 1100D nur 2,9 Aufnahmen pro Sekunde und ist damit genauso langsam wie die Nikon D3100. In der Praxis reicht das fürs gelegentliche Knipsen von herumtobenden Kindern und Haustieren dann aus, wenn sie sich einigermaßen vorhersehbar bewegen. Und man muss einfach damit rechnen, eben den einen oder anderen Augenblick zu verpassen. Im Live-View-Modus ist der Autofokus – wie zu erwarten war – sehr langsam.

Bildqualität

Die größte Stärke der Canon EOS 1100D ist die Bildqualität, die insbesondere angesichts der niedrigen Anschaffungskosten sehr gut ausfällt. Bei mittleren Empfindlichkeiten zwischen ISO 400 und 3200 schlägt sie sich exzellent. Die JPEGs beginnen, bei ISO 800 etwas körnig auszusehen, was der Qualität aber praktisch keinen Abbruch tut. Bei ISO 1600 wirken die Aufnahmen schließlich sichtbar weicher. Aber auch mit ISO 3200 lassen sich die Aufnahmen noch problemlos für kleine Abzüge oder für Facebook & Co. verwenden, wenn man über ein leichtes Farbrauschen und ein paar Hotpixel [7] hinwegsehen kann.

Bei der JPEG-Verarbeitung lässt die 1100D kaum Wünsche offen. Auch wenn wir uns mit den RAW-Aufnahmen abmühen, signifikant bessere Ergebnisse können wir nicht herausholen – sondern nur etwas andere, indem wir beispielsweise etwas Dynamik gegen weniger Rauschen eintauschen.

Was die Farbwiedergabe angeht, schlägt sich die DSLR ebenfalls sehr gut. Bei Aufnahmen im Schatten sorgt der Weißabgleich allerdings für etwas zu kühle Ergebnisse. Und der Picture Style Standard übertreibt es bei Schärfe und Sättigung etwas. Hier hilft die Einstellung Neutral weiter. An Belichtungsautomatik und Ausleuchtung der Fotos gibt es nichts auszusetzen.

Im Standard-Picture-Style ist die Schärfe auf „+3“ eingestellt. In Kombination mit dem 18-bis-55-Millimeter-Kitobjektiv liefert die Kamera hier sehr scharfe Aufnahmen – wie gesagt: schon fast zu scharfe. Aber das lässt sich ja anpassen. Das Standard-Zoomobjektiv bildet Lichtpunkte, die nicht im Fokusbereich liegen, schön weich ab und überzeugt mit sanftem Bokeh. Die tonnenförmige Verzeichnung im Weitwinkel fällt erfreulicherweise nicht sonderlich ausgeprägt aus. Wie die meisten günstigen Linsen hat jedoch auch das Kitobjektiv der 1100D mit Farbsäumen zu kämpfen, die sich immerhin eher auf die Bildränder konzentrieren.

Fazit

Die Canon EOS 1100D ist eine grundsolide Kamera. Allerdings dürfte sie es nicht leicht haben, sich gegen die direkten Konkurrenten Nikon D3100 [9] und Pentax K-x [10] durchzusetzen, die mit Kitobjektiv nur unwesentlich teurer sind, aber einfach etwas mehr fürs Geld bieten. Auch den Titel „günstigste DSLR“ kann sich Canon nicht auf die Fahne schreiben. Hier ist Nikon mit der älteren D3000 [11] ganz vorne – die Kamera wechselt derzeit für gut 340 Euro inklusive Objektiv den Besitzer. Wenn es unbedingt Canon sein soll, würden wir die rund 100 Euro teurere EOS 500D [12] empfehlen, die merklich schneller ist, mehr Ausstattung bietet und über einen besseren optischen Sucher verfügt.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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URLs in this post:

[1] 1000D: https://www.cnet.de/tests/digicam/39196858/mittelpraechtiges_dslr_einsteigermodell_canon_eos_1000d.htm

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41554705/canon_eos_1100d_hinten.jpg

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41554705/canon_eos_1100d_seite.jpg

[4] Spot-Belichtungsmessung: http://de.wikipedia.org/wiki/Spotbelichtungsmesser

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41554705/canon_eos_1100d_oben.jpg

[6] Webseite des Herstellers: http://www.canon.de/Support/Consumer_Products/products/cameras/Digital_SLR/EOS_1100D.aspx?type=download&page=1

[7] Hotpixel: http://de.wikipedia.org/wiki/Hotpixel

[8] Beispielfotos: die Bildqualität der Canon EOS 1100D: https://www.cnet.de/41554707/beispielfotos-die-bildqualitaet-der-canon-eos-1100d/?pid=1#sid=41554705

[9] Nikon D3100: https://www.cnet.de/tests/digicam/41539842/testbericht/nikon_d3100_im_test_gemaechliche_einsteiger_dslr_mit_toller_bildqualitaet.htm

[10] Pentax K-x: https://www.cnet.de/tests/digicam/41528863/testbericht/pentax_k_x_im_test_flinke_einsteiger_dslr_mit_hd_videomodus.htm

[11] D3000: https://www.cnet.de/tests/digicam/41501672/testbericht/nikon_d3000_guenstige_einsteiger_dslr_im_praxistest.htm

[12] EOS 500D: https://www.cnet.de/tests/digicam/41003589/testbericht/dslr_fuer_full_hd_videos_canon_eos_500d_im_test.htm