Sony Tablet S im Test: feingeschliffenes Multimedia-Tablet mit Android Honeycomb

von Donald Bell am , 19:18 Uhr

Pro
  • ausgefallenes Design
  • PlayStation-Zertifizierung
  • DLNA-Streaming für Musik und Video
  • integrierte Universalfernbedienung
Con
  • proprietärer Ladeadapter
  • teuer
  • kein HDMI-Anschluss
Hersteller: Sony Listenpreis: ab 479 Euro (16 GByte, WLAN)
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,7 von 10 Punkte
Fazit:

Sonys Tablet S hat gegenüber der breiten Masse an Honeycomb-Geräten einige Vorteile zu bieten, beispielsweise PlayStation-Zertifizierung, DLNA-Streaming, integrierte Universalfernbedienung und ausgefallenes Design. Allerdings ist der japanische Hersteller vergleichsweise spät dran - Honeycomb gibt es schon seit neun Monaten, und der Nachfolger Ice Cream Sandwich steht bereits in den Startlöchern.

Es gibt fast keinen Bereich der Unterhaltungselektronik, in dem Sony nicht präsent ist. Mit diesem Hintergrund hat der japanische Hersteller eigentlich die optimalen Voraussetzungen, um dem iPad von Apple mit einem eigenen Tablet das Wasser abzugraben. Ob das dem Sony Tablet S gelingt, verrät der Testbericht.

Es gibt das Sony [1] Tablet S in drei verschiedenen Versionen: zweimal ohne UMTS und einmal mit UMTS. Die beiden nur per WLAN mit der Außenwelt kommunizierenden Varianten bringen wahlweise 16 oder 32 GByte Speicher mit und wechseln für 479 beziehungsweise 579 Euro den Besitzer. Die Ausführung mit mobilem Internet verfügt über 16 GByte Speicherkapazität und soll ab Ende November für 599 Euro erhältlich sein.

Design

Das Sony Tablet S fällt auf. Die ungewöhnliche Keilform verleiht dem Gerät ein futuristisches Aussehen und sorgt dafür, dass das Tablet besser in der Hand liegt als die flache Konkurrenz. Außerdem ist der Formfaktor dafür verantwortlich, dass das Display weniger spiegelt und es sich bequemer tippt, wenn das Gadget auf dem Tisch liegt. Im Gegenzug ist das Gehäuse dafür auch nicht so flach wie etwas das des Apple [2] iPad 2 oder Samsung [3] Galaxy Tab 10.1. Das Sony Tablet S wiegt rund 600 Gramm und wirkt solider als das Galaxy Tab 10.1, ist aber materialtechnisch nicht ganz auf dem Niveau des Apple-Rivalen.

Einen Netzadapter dieses Kalibers erwarten wir eher von einem ausgewachsenen Notebook.
Einen Netzadapter dieses Kalibers erwarten wir eher von einem ausgewachsenen Notebook [4].

Auf den Seiten des Tablets befinden sich Ein/Aus-Schalter, Tasten zur Lautstärkeregelung, Kopfhöreranschluss, Micro-USB-Anschluss und SD-Kartenleser. Der Micro-USB-Port eignet sich übrigens nicht zum Aufladen des Tablets – dafür gibt es an der Unterseite des Gehäuses eine spezielle Buchse. Der USB-Anschluss dient ausschließlich zum Übertragen von Daten. Apropos Datenübertragung: An Bord des Tablet S ist eine App zum Übertragen von auf SD-Karten gespeicherten Fotos und Videos auf das Tablet. Und mehr kann der Slot dann auch nicht. Hier eingelegte Speichermedien lassen sich nicht wie bei diversen Konkurrenten zur Speichererweiterung nutzen. Damit ist man auf 16 beziehungsweise 32 GByte Kapazität festgenagelt.

Eine weitere interessante Entscheidung hat Sony beim Display getroffen: Das Tablet S setzt im Gegensatz zu den allermeisten Honeycomb-Geräten nicht auf eine Diagonale von 10,1, sondern auf 9,4 Zoll. Trotzdem fühlen wir uns niemals irgendwie eingeengt – daran dürfte auch die mit 1280 mal 800 Pixeln hohe Auflösung nicht ganz unschuldig sein. In puncto Höhe und Breite bewegt sich Sonys Flachmann übrigens in sehr ähnlichen Sphären wie das iPad 2. Beim Bildschirm kommt die von den Bravia-Fernsehern des Herstellers bekannte TruBlack-Technologie zum Einsatz, die für verbesserte Kontraste sorgt, indem die Reflexionen zwischen Panel und darüberliegender Glasscheibe minimiert werden.

Ausstattung

Auf dem Sony Tablet S läuft Googles Android [5]-Betriebssystem in der Version 3.1 (Honeycomb). Damit sind alle Annehmlichkeiten von Gmail bis Google [6] Talk ab Werk verfügbar. Außerdem sind die Medien-Streaming-Dienste Video Unlimited und Music Unlimited vorinstalliert. Die beiden Services sollen ab Anfang Oktober starten. Darüber hinaus mit an Bord sind Sonys eigene eBook-Reader-Software sowie natürlich Google Books. Zu guter Letzt sind außerdem beide Sony-Tablets PlayStation-zertifiziert. Das bedeutet, dass mittels eines Emulators ausgewählte PlayStation-One- und PlayStation-Portable-Titel spielbar sind. Auf dem Tablet S sind Crash Bandicoot und Pinball Heroes vorinstalliert, weitere Games kosten Geld.

Auch für das Streamen von Medien hat Sony ein paar interessante Features an Bord. So lassen sich Fotos, Videos und Musik an DLNA-kompatible Lautsprecher, Computer und Fernseher streamen. Im Prinzip handelt es sich dabei um eine Antwort auf Apples AirPlay, nur dass Sonys Variante eine breitere Kompatibilität zu Dritthersteller-Hardware aufweist.

Nachdem der japanische Hersteller den Touchscreen-Flachmann in erster Linie im Wohnzimmer beziehungsweise im Heimkino liegen sieht, ist es eigentlich nur logisch, eine Universal-Fernbedienung in das Gehäuse zu integrieren. Und das ist richtig gelungen. Gegen Sonys Lösung sieht die im Android-Konkurrenten Vizio VIA integrierte Zappe ganz schön schwach aus. Allerdings räubert das Tablet S auch im eigenen Hause: Im Wesentlichen hat der Hersteller die Oberfläche der Universalfernbedienung RMN U1 Wi-Fi [7] auf die Android-Flunder gepackt und liefert damit eine absolut praxistaugliche Lösung – macht aber das eigene, gut 300 Euro teure Produkt auf einen Schlag quasi obsolet.

Sonys Tablet S verfügt über eine integrierte Universal-Fernbedienung.
Sonys Tablet S verfügt über eine integrierte Universal-Fernbedienung.

Nicht nur bei den Fernsehern und bei den Universalfernbedienungen, sondern auch bei den Kameras hat Sony geräubert: In dem Tablet steckt nämlich ein rückseitig belichteter Exmor-R-Bildsensor mit einer Auflösung von 5 Megapixeln, der erstaunlich gute Fotos liefert. In der Bildergalerie sind eine Reihe von Testaufnahmen zu bewundern. Außerdem sind die Widgets an Bord, die man von Dashs Chumbys [8] her kennt – oder auch nicht. Auf jeden Fall verwandeln diese das Tablet in einen raffinierten Hightech-Bilderrahmen, wenn es beispielsweise in dem optional für 35 Euro erhältlichen Dock steht.

Leistung

Was die Leistung angeht, liefert Sonys Tablet etwas gemischte Ergebnisse ab. Wie die folgende Tabelle zeigt, kann das TruBlack-Display nicht ganz mit den Klassenbesten mithalten, was Helligkeit und Kontrast angeht. Schön anzusehen ist das Display aber trotzdem.

Kriterium Sony Tablet S Samsung Galaxy
Tab 10.1
[10]
Apple iPad 2 [11] LG Optimus Pad [12] HP TouchPad [13]
Max. Helligkeit 393 cd/m2 336 cd/m2 432 cd/m2 424 cd/m2 292 cd/m2
Standard-Helligkeit 160 cd/m2 336 cd/m2 176 cd/m2 143 cd/m2 85 cd/m2
Max. Schwarzwert 0.47 cd/m2 0.30 cd/m2 0.46 cd/m2 0.52 cd/m2 0.38 cd/m2
Standard-Schwarzwert 0.19 cd/m2 0.30 cd/m2 0.19 cd/m2 0.18 cd/m2 0.11 cd/m2
Kontrastverhältnis 842:1 1,120:1 926:1 794:1 772:1
Kontrastverhältnis
(max. Helligkeit)
836:1 1,120:1 939:1 815:1 768:1

Außerdem hat Sony den Webbrowser dahingehend optimiert, so dass er Bilder priorisiert herunterlädt. Damit wirkt es, als würden die Seiten schneller laden, auch wenn sie es in Wirklichkeit nicht tun. Es gibt nur schneller überhaupt etwas zu sehen. Wie beim TruBlack-Display ist das an sich eine schöne Sache, tritt bei objektiven Messungen allerdings nicht als Vorteil hervor.

Die Kamera des Tablet S ist erstaunlich gut. Die 5-Megapixel-Fotos sehen so lebendig und klar aus, wie wir es bislang von keinem anderen Tablet gesehen haben. Außerdem gibt es willkommene Extras wie Makromodus, manuelle Belichtungskorrektur und Motivprogramme, die für die Flexibilität sorgen, die man bei diesem Preis erwarten darf.

Sony gibt die Akkulaufzeit für das Tablet S bei gemischter Benutzung mit acht Stunden an. Um einen komplett leeren Stromspeicher mit Energie zu betanken, dauert es etwa fünf Stunden. Der Stecker hält sich übrigens nicht besonders in der Ladebuchse fest und rutscht gerne einmal heraus. Aber immerhin: Wenn man über das Kabel stolpert, ruiniert man nicht gleich das Tablet. Leider sorgt das proprietäre Design aber auch dafür, dass man ein neues teures Ladegerät bei Sony kaufen muss, wenn man das Original verliert – auch wenn das unwahrscheinlich ist. Denn schließlich ist das Ladegerät riesig, schwer und klobig. So etwas erwarten wir eher bei einem Notebook.

Fazit

Sony ist mit dem Tablet S ein einzigartiges Gadget gelungen. Nicht nur bei dem Design, sondern in vielerlei Hinsicht wird deutlich, wie viel Arbeit und Liebe zum Detail der Hersteller in das Touchscreen-Gerät gesteckt hat. Außerdem nutzen die Japaner ihre Möglichkeiten und bringen sowohl technische Errungenschaften aus anderen Produktbereichen als auch PlayStation- und Multimedia-Inhalten in dem raffinierten Gehäuse unter.

Aber ob das Tablet S ein Erfolg wird? Schwer zu sagen. Schließlich ist Sony etwas spät dran – Honeycomb gibt es schon seit neun Monaten, und der Nachfolger Ice Cream Sandwich steht wohl in den Startlöchern. Außerdem hat HP gerade erst dem gesamten Markt mit seinem 100-Euro-TouchPad buchstäblich den Teppich unter den Füßen weggezogen. Ansehen sollte man sich das Tablet S auf jeden Fall – und möglicherweise wird man dem Charme erliegen. Unser Tipp lautet allerdings: noch etwas abwarten, wie sich der Markt in diesem Herbst und Winter neu sortiert.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[3] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[4] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[5] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[6] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[7] Universalfernbedienung RMN U1 Wi-Fi: http://www.sony.de/product/tpa-universal-remote-controls/rmn-u1

[8] Dashs Chumbys: http://dash.chumby.com/

[9] Sony Tablet S: 9,4-Zoll-Androide mit außergewöhnlichem Design: https://www.cnet.de/41556019/sony-tablet-s-9-4-zoll-androide-mit-aussergewoehnlichem-design/?pid=1#sid=41556026

[10] Samsung Galaxy
Tab 10.1: https://www.cnet.de/tests/handy/41554832/testbericht/samsung_galaxy_tab_10_1_im_test_ultraflaches_android_tablet.htm

[11] Apple iPad 2: https://www.cnet.de/tests/handy/41550283/testbericht/apple_ipad_2_im_test_flacher__flotter__fliegengewicht.htm

[12] LG Optimus Pad: https://www.cnet.de/tests/handy/41554212/testbericht/lg_optimus_pad_im_test_8_9_zoll_tablet_mit_3d_kamera_honeycomb.htm

[13] HP TouchPad: https://www.cnet.de/tests/handy/41554501/testbericht/hp_touchpad_im_test_ipad_killer_mit_einer_handvoll_apps_und_webos.htm