Nikon 1 V1 im Vorab-Test: Edel-Schnappschuss-Kamera mit Wechselobjektiven

Ausstattung

Wir nehmen die Kamera in die Hand und sehen uns mit einer ganzen Reihe von Automatiken konfrontiert. Auf dem Moduswahlschalter gibt es lediglich vier Optionen, und wie gesagt: manuelle oder halbautomatische Aufnahmemodi fehlen. Dafür entdecken wir aber einen Modus, der mit einem an eine Welle erinnernden Icon beschriftet ist und auf den Namen Bewegter Schnappschuss hört. Hier schießt die Kamera neben einem Foto einen einsekündigen Full-HD-Videoclip mit 60 Bildern pro Sekunde, der allerdings mit 24 fps wiedergegeben wird und somit in einer leichten Zeitlupe resultiert. Die Idee ist sehr interessant, und das Ergebnis macht einen guten Eindruck. Die Verwendungsmöglichkeiten des so eingefangenen Materials sind im Gegensatz zu dem von Fotos allerdings eher eingeschränkt.

Als nächstes folgt auf dem Moduswahlschalter der Smart Photo Selector. Hier schießt die Kamera 20 Fotos in schneller Folge und sucht anhand von Gesichts- und Lächelerkennung, Fokusanalyse & Co. das beste heraus. Zusätzlich speichert die Kamera noch vier weitere Aufnahmen, aus denen der Fotograf ebenfalls auswählen kann. So stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass man das Objekt der Begierde zum richtigen Zeitpunkt eingefangen hat. Das funktioniert in der Praxis recht gut: Die Kamera sortiert Fotos aus, bei denen Gesichter verdeckt sind oder Personen gerade blinzeln. Sobald der Fotograf den Auslöser antippt, um zu fokussieren, beginnt die V1 bereits mit der Aufnahme im Hintergrund. Nach dem vollständigen Durchdrücken begutachtet sie dann auch Aufnahmen, die vor dem Auslösen eingefangen wurden. So soll sichergestellt werden, dass dem Fotografen zu langsame Reflexe nicht das perfekte Bild verhageln.

Der dritte Punkt auf dem Moduswahlschalter ist von einem grünen Kamerasymbol gekennzeichnet. Hier lassen sich beispielsweise die diversen Serienbildmodi aktivieren. Die Nikon V1 verfügt über den neuen Bildprozessor Expeed 3, der bis zu 600 Megapixel pro Sekunde verarbeiten kann. Nachdem der Bildsensor 10 Megapixel auflöst, kommt man so nach Adam Riese auf eine maximale Serienbildgeschwindigkeit von 60 fps bei voller Pixelzahl, die die V1 auch tatsächlich erreicht. Hier sind dann allerdings Belichtung, Weißabgleich und Fokus fix und werden nach dem ersten Foto nicht mehr angepasst. Außerdem laufen die Pufferspeicher nach 30 Fotos voll – und dann ist erst einmal Pause. Die Kamera ist aber erstaunlich schnell wieder einsatzbereit – die Verschnaufpause dauert nur ein paar wenige Sekunden. Mit auf zehn Fotos pro Sekunde gedrosselter Serienbildgeschwindigkeit bietet die Nikon V1 dann schließlich auch einen kontinuierlichen Autofokus. Im 10-fps-Modus laufen die Puffer laut Nikon nach 34 Aufnahmen in Serie voll.

Von der Seite betrachtet wirkt die Nikon V1 etwas dicklich - und nicht so schlank wie manch ein Konkurrent.
Von der Seite betrachtet wirkt die Nikon V1 etwas dicklich – und nicht so schlank wie manch ein Konkurrent.

Außerdem gibt es unter diesem Punkt schließlich auch tatsächlich manuelle Einstellungsmöglichkeiten. Allerdings muss man sich dafür erst jedes Mal durch die Menüs wühlen. Und die Umsetzung ist auch eher dürftig. So regelt man im manuellen Modus beispielsweise die Blende mit dem Einstellrädchen um das Vier-Wege-Pad und die Verschlusszeit mit der kleinen Wippe neben der F-Taste oberhalb der Daumenablage. In den halbautomatischen Programmen Blenden- und Belichtungspriorität regelt aber immer wie Wippe jeweils Blende und Belichtungszeit. Das mag auf den ersten Blick nicht tragisch klingen, kann aber, wenn es ganz schnell gehen muss, durchaus für Verwirrung sorgen und damit einen Schnappschuss kosten. Da ist man dann im Zweifelsfall wohl mit der Automatik besser beraten. Die Einstellung für die ISO-Empfindlichkeit ist übrigens ebenfalls tief in den Menüs verborgen. Dafür gibt es dort drei verschiedene ISO-Automatiken, die Werte zwischen ISO 100 und ISO 400, 800 beziehungsweise 1600 einsetzen.

Immerhin reagieren die Dialoge erfreulich flott und sind hübsch und übersichtlich gestaltet. Allerdings schickt auch die V1 den Fotografen gerne mal auf die eine oder andere Schnitzeljagd durch die Menüs. Steht ein bestimmter Parameter aufgrund einer anderen Einstellung gerade nicht zur Verfügung, ist er einfach ausgegraut. Versucht man ihn trotzdem durch Bestätigen mit Ok auszuwählen, erklärt die Kamera bereitwillig, dass dieser Parameter eben gerade nicht zur Verfügung steht. Aber wieso – das verrät sie nicht. Schade.

Zu guter Letzt folgt auf dem Moduswahlschalter noch der Videomodus. Die maximale Auflösung beträgt beim Filmen 1920 mal 1080 Pixel. Die Nikon V1 fängt wahlweise 30 Voll- oder 60 Halbbilder pro Sekunde ein. Mit auf 1280 mal 720 Pixel reduzierter Auflösung sind auch 60 Vollbilder pro Sekunde möglich. Drückt der Fotograf während der Videoaufnahme auf den Fotoauslöser, schießt die Kamera ein 8-Megapixel-Foto – und filmt weiter. Hier macht sich die Rechenleistung der Bord-Hardware bezahlt. Als Codec kommt übrigens H.264 zum Einsatz. Der Sensor ist übrigens nicht beweglich aufgehängt. Damit müssen die Objektive die Aufgabe der Bildstabilisierung übernehmen. Und zumindest das 10-bis-30-Millimeter-Kitobjektiv schlägt sich hier den ersten Eindrücken nach hervorragend. Wer sich im Videomodus mit drastisch reduzierter Auflösung zufriedengibt, kann übrigens auch Videos mit wahlweise 400 oder 1200 fps aufnehmen.

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