Nikon 1 V1 im Vorab-Test: Edel-Schnappschuss-Kamera mit Wechselobjektiven

Leistung

Die Nikon V1 ist die erste spiegellose Systemkamera, die über einen Phasenvergleichs-Autofokus verfügt. All ihre Konkurrenten setzen auf einen Kontrast-Autofokus, der das Objektiv – einfach gesagt – immer durch den gesamten Brennweitenbereich fährt und schließlich dort stehenbleibt, wo die meisten Kanten erkannt werden. Phasenvergleichs-Fokussysteme kommen bei Spiegelreflexkameras zum Einsatz und „messen“ quasi die Entfernung zum Motiv und stellen die Optik direkt auf die korrekte Distanz ein.

Das Phasenvergleichs-Fokussystem ist bei der V1 in den Bildsensor integriert. Insgesamt gibt es 73 Messfelder – mehr haben nicht mal die Profi-DSLRs von Canon und Nikon zu bieten. Der Autofokus steht übrigens nicht nur im Fotomodus, sondern auch im Videomodus zur Verfügung. Damit ist Nikon nach Sony erst der zweite Hersteller, der eine Kamera mit Phasenvergleichs-Autofokus während des Filmens anbietet.

Der Nikon-Pressemitteilung zufolge soll die V1 den schnellsten Autofokus überhaupt haben: Schneller als alles, was der Markt so hergibt. Die Fußnote zu der Aussage erklärt, dass mit dem Kitobjektiv und im Weitwinkel gemessen wurde. Wir konnten diese Behauptung zwar noch nicht im Testlabor überprüfen, aber eines steht schon einmal fest: Die Nikon V1 ist – insbesondere im Weitwinkel – wirklich extrem schnell und erreicht durchaus das Niveau einiger professioneller DSLRs. Bei höheren Brennweiten lässt die Lichtstärke der Optik allerdings nach, und die Phasenvergleichs-Sensoren auf dem CMOS-Chip bekommen weniger Licht ab. Und dann wird der Autofokus leider etwas langsamer.

Bildqualität

Ein sehr spannender Faktor an der Nikon V1 wird die Bildqualität sein. Schließlich sieht sich die Kamera in ihrem Preissegment Modellen wie der NEX-C3 gegenüber, die hier mächtig vorgelegt haben. Und dann kommt Nikon aber mit dem deutlich kleineren und niedriger auflösenden Sensor daher. Kann das gut gehen? Leider hatten wir noch nicht die Gelegenheit, die Kamera unseren Standardtests zu unterziehen und können die Bildqualität damit noch nicht endgültig beurteilen. Auch mit den RAW-Dateien können wir mangels Adobe-Camera-RAW-Unterstützung noch nichts viel anfangen.

Bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten sehen die Fotos der Nikon V1 erfreulich kontrastreich und klar aus. Die Farben sind angenehm, der automatische Weißabgleich macht einen soliden Eindruck. Die magische Grenze des Sensors, was das Bildrauschen angeht, scheint bei ISO 1600 zu liegen. Bis zu dieser Schwelle weisen die Bilder zwar bei allen Empfindlichkeiten eine bei voller Vergrößerung sichtbares Rauschen auf, aber die Farben bleiben weitgehend konstant, was bei verkleinerter Betrachtung noch für einen guten Sichteindruck sorgt. Wer genauer hinsieht, kann ab ISO 800 immer stärker nachlassende Details beobachten. Bei ISO 3200 und 6400 schließlich verschieben sich die Farben merklich, und die Qualität fällt deutlich ab.

Dieses Bild zeigt, wie sich die Fotoqualität der Nikon V1 bei steigenden ISO-Empfindlichkeiten entwickelt.
Dieses Bild zeigt, wie sich die Fotoqualität der Nikon V1 bei steigenden ISO-Empfindlichkeiten entwickelt.

Das 10-bis-30-Millimeter-Kitobjektiv macht in puncto Abbildungsqualität einen ordentlichen Eindruck. Allerdings hat das von uns ausprobierte Exemplar in den Bildecken mit Farbsäumen zu kämpfen, wenn dort Übergänge mit hohen Helligkeitsunterschieden auftreten. Im Weitwinkel bringt es außerdem eine merkliche tonnenförmige Verzeichnung auf die Aufnahmen. Wir hatten leider bislang noch keine Gelegenheit, die anderen Objektive ausführlicher auszuprobieren.

Fazit

Auch wenn es der Preis vermuten lässt: Die Nikon V1 ist keine semiprofessionelle Kamera – und das will sie auch gar nicht sein. Stattdessen soll die Digicam von jedem Einsteiger bedienbar sein, und trotzdem semiprofessionelle Ergebnisse liefern. Und hier hat der Hersteller, so wie es aussieht, durchaus seine Hausaufgaben gemacht. Es stellen sich bloß zwei Fragen: Sind Hobbyknipser bereit, für eine Edel-Schnappschuss-Knipse so viel Geld auf den Tisch zu legen? Und wenn ja, wird die umständliche manuelle Bedienung von Blende, Belichtungszeit und Fokus nicht abschrecken? Denn spätestens wenn die V1 ihren Besitzer mit tollen Ergebnissen von der Fotografie begeistert und sich dieser ernsthafter mit dem Thema auseinandersetzen möchte, wird er die Buchstaben A, S und M auf dem Modusrädchen schmerzlich vermissen.

Update: Die Nikon V1 hat natürlich manuelle Einstellungsmöglichkeiten zu Blende und Belichtungszeit – wie es auch im vorherigen Verlauf des Artikels beschrieben wird. Allerdings sind diese nicht direkt erreichbar, sondern in den Menüs vergraben und damit nur umständlich und zeitraubend zu erreichen. Wir haben einen Satz im Fazit dementsprechend angepasst.

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