Nikon 1 V1 im Vorab-Test: Edel-Schnappschuss-Kamera mit Wechselobjektiven

von Stefan Möllenhoff am , 21:08 Uhr

Die spiegellosen Systemkameras dürfen der derzeit wohl größte Trend im Bereich Digital Imaging sein. So ziemlich jeder namhafte Digicam-Hersteller hat mindestens ein Modell im Angebot. So ziemlich jeder? Nein, die Marktriesen Canon und Nikon hielten sich bislang vornehm zurück. Bislang, denn heute ist Nikon mit der 1-Serie nachgezogen. Wir hatten bereits die Gelegenheit, die Nikon V1 auszuprobieren.

Dass Nikon heute eine spiegellose Systemkamera vorstellen würde, war kein großes Geheimnis. In den letzten Monaten mehrten sich die Gerüchte im Internet. Doch die technischen Daten waren rar gesät, und so schafft es der japanische Hersteller, trotzdem für eine mächtige Überraschung zu sorgen.

Nach eigenen Angaben arbeitet Nikon bereits seit fünf Jahren an dem System. Vor fünf Jahren war noch keine einzige EVIL-Kamera in Sicht. Und das hinterlässt Spuren, denn das Nikon-1-System ist nicht nur eine weitere Wechselobjektiv-Knipse von einem weiteren Hersteller, sondern beschreitet ganz eigene Wege. Ob das gut oder schlecht ist, haben wir versucht, heute anhand eines Testgeräts herauszufinden.

Beim Bildsensor geht Nikon eigene Wege. Während Sony [1], Samsung [2], Olympus und Panasonic auf Chips setzen, die auch schon bei DSLRs der Hersteller zum Einsatz kamen, hat Nikon für die V1 – und die ebenfalls heute vorgestellte J1 – einen komplett neuen CMOS-Sensor entwickelt. Der Chip ist mit Abmessungen von 13,2 mal 8,8 Millimetern (Formatfaktor: 2,7) ein gutes Stück kleiner als die Lichtfänger der Konkurrenten – und damit dürften sich neue Möglichkeiten ergeben, was kompakte Bauweise angeht.

Design

Soweit jedenfalls die Theorie. Denn in der Praxis ist die Nikon V1 alles andere als kompakt. Der Body ist deutlich größer als die aktuellen Systemkamera-Minis Panasonic Lumix DMC-GF3 [3], Sony Alpha NEX-C3 [4] oder Olympus E-PL3. Und auch bei den Optiken macht sich der Unterschied nicht bemerkbar. Das dreifach vergrößernde 10-bis-30-Millimeter-Kit-Zoomobjektiv ist zwar kleiner als Sonys Standardzoom-Linse, aber deutlich größer als Panasonics neues 14-bis-42-Millimeter-PowerZoom der X-Serie [5]. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem 30-bis-110-Millimeter-Telezoom.

Das Pancake ist erwartungsgemäß winzig, bringt aber keinen deutlichen Größenvorteil gegenüber der Konkurrenz. Und die zehnfach vergrößernde 10-bis-100-Millimeter-Linse bewegt sich schon fast in Bazooka-Dimensionen. Die ebenfalls heute vorgestellte Nikon J1 ist etwas kleiner, aber immer noch nicht auf dem Niveau der kompaktesten Konkurrenten.

Beim ersten Blick auf die Rückseite der Kamera denken wir uns: Die hat ja erfreulich viele Tasten, um direkt auf diverse manuelle Einstellungsmöglichkeiten zuzugreifen. Beim zweiten Blick stellen wir fest, dass wir mit grob der Hälfte der Bezeichnungen nichts anfangen können. Und dass etliche Knöpfe fehlen, mit denen wir fest gerechnet hätten. Es gibt zwar ein Modusrädchen, doch P, A, S und M [6] sucht man hier vergeblich. Stattdessen sind hier eine weiße Videokamera, eine grüne Fotokamera, eine weiße Fotokamera mit einem Plus und ein erst einmal nicht identifizierbares Symbol zu sehen.

Wer viel mit anspruchsvolleren Kameras fotografiert, dürfte auf der Rückseite der V1 ein paar Bedienelemente vermissen. [7]
Wer viel mit anspruchsvolleren Kameras fotografiert, dürfte auf der Rückseite der V1 ein paar Bedienelemente vermissen.

ISO-Empfindlichkeit, Art der Belichtungsmessung, Blitzeinstellungen? Fehlanzeige. Dafür gibt es aber beispielsweise eine mit „F“ beschriftete Taste auf der Rückseite, die ein vom Aufnahmemodus abhängiges Menü aufruft. In der Automatik legt der Fotograf hier beispielsweise die Verschlussart fest – mechanisch oder elektronisch – und bestimmt anschließend die Serienbildgeschwindigkeit. Rechts neben der F-Taste gibt es eine kleine Wippe zum Zoomen in Fotos und zum Festlegen diverser Einstellungen. Aber dazu später mehr.

Weiter unten gibt es ein Vier-Wege-Pad mit umliegendem Einstellrädchen und mittiger Ok-Taste. Die vier Richtungstasten des Vier-Wege-Pads dienen auch zum direkten Aufrufen der Einstellungen von Autofokus, Selbstauslöser, Belichtungskorrektur und Belichtungs- sowie Fokusspeicher. Rund um das Pad gibt es vier Buttons für Display, Wiedergabe, Menü und Löschen.

Gut, alles ist etwas ungewohnt, und wir finden uns erst einmal nicht zurecht. Aber das dürfte vielen potenziellen Käufern, die von einer reinen Automatik-Knipse umsteigen, nicht ähnlich gehen, wenn sie irgendeine Systemkamera das erste Mal in den Händen halten. Immerhin: Das 3-Zoll-Display ist ganz „normal“ und bietet mit 640 mal 480 Pixeln (921.000 Subpixeln) eine gute Auflösung. Der Bildschirm ist hell, kontrastreich und auch im Sonnenlicht noch recht gut abzulesen. Oberhalb der Anzeige befindet sich ein elektronischer Sucher mit einer Auflösung von 1.440.000 Subpixeln, also 800 mal 600 Bildpunkten. Das Mini-Display gefällt uns sehr gut, reicht allerdings nicht ganz an Sonys aktuelle elektronische Sucher heran, die in der A77V [8] und NEX-7 [9] zum Einsatz kommen.

Auf der Oberseite des Gehäuses gibt es keine allzu großen Überraschungen. Hier bringt der Hersteller Ein/Aus-Schalter, Auslöser und eine dedizierte Taste für den Videomodus unter. Einen integrierten Popup-Blitz, wie ihn die J1 bietet, sucht man hier übrigens vergeblich. Dafür gibt es auf der linken Oberseite einen proprietären Zubehörschuh. Das zum Marktstart der Kamera verfügbare Zubehör umfasst ein Blitzgerät und einen GPS-Receiver. Anschaffungskosten: jeweils 150 Euro.

Das Gehäuse ist hochwertig verarbeitet und fühlt sich sehr wertig an – dafür dürfte unter anderem wohl auch das mit 383 Gramm inklusive Akku nicht gerade niedrige Gewicht verantwortlich sein. Der kleine angedeutete Handgriff auf der Vorderseite und die texturierte Daumenablage auf der Rückseite sorgen für einen recht sicheren Sitz in der Hand – jedenfalls, wenn nicht das Zehnfach-Zoomobjektiv auf dem Bajonett steckt.

Der Handgriff auf der Vorderseite der Kamera ist zwar klein, bietet aber dennoch ausreichend Halt. [10]
Der Handgriff auf der Vorderseite der Kamera ist zwar klein, bietet aber dennoch ausreichend Halt.

Links am Gehäuse befindet sich eine kleine Klappe, die USB-Anschluss, HDMI-Port und Mikrofoneingang beherbergt. Die Fächer für Akku und Speicherkarte befinden sich auf der Unterseite der Kamera. Der Stromspeicher ist übrigens dem der ausgewachsenen DSLR Nikon D7000 [11] sehr ähnlich. Dass die für eine kompakte Digicam vergleichsweise dicke Kapazität nur für 400 Fotos ausreicht, verwundert etwas. Aber gut, schlecht ist der Wert ja immer noch nicht. Bei der D7000 gibt’s aber eben eine Reichweite von 1050 Aufnahmen. Hauptverantwortlich für den Unterschied dürften die beiden Displays der V1 sein, von denen eins ständig im Betrieb ist. Die DSLR dagegen hat den optischen Sucher.

Ausstattung

Wir nehmen die Kamera in die Hand und sehen uns mit einer ganzen Reihe von Automatiken konfrontiert. Auf dem Moduswahlschalter gibt es lediglich vier Optionen, und wie gesagt: manuelle oder halbautomatische Aufnahmemodi fehlen. Dafür entdecken wir aber einen Modus, der mit einem an eine Welle erinnernden Icon beschriftet ist und auf den Namen Bewegter Schnappschuss hört. Hier schießt die Kamera neben einem Foto einen einsekündigen Full-HD-Videoclip mit 60 Bildern pro Sekunde, der allerdings mit 24 fps wiedergegeben wird und somit in einer leichten Zeitlupe resultiert. Die Idee ist sehr interessant, und das Ergebnis macht einen guten Eindruck. Die Verwendungsmöglichkeiten des so eingefangenen Materials sind im Gegensatz zu dem von Fotos allerdings eher eingeschränkt.

Als nächstes folgt auf dem Moduswahlschalter der Smart Photo Selector. Hier schießt die Kamera 20 Fotos in schneller Folge und sucht anhand von Gesichts- und Lächelerkennung, Fokusanalyse & Co. das beste heraus. Zusätzlich speichert die Kamera noch vier weitere Aufnahmen, aus denen der Fotograf ebenfalls auswählen kann. So stehen die Chancen gar nicht schlecht, dass man das Objekt der Begierde zum richtigen Zeitpunkt eingefangen hat. Das funktioniert in der Praxis recht gut: Die Kamera sortiert Fotos aus, bei denen Gesichter verdeckt sind oder Personen gerade blinzeln. Sobald der Fotograf den Auslöser antippt, um zu fokussieren, beginnt die V1 bereits mit der Aufnahme im Hintergrund. Nach dem vollständigen Durchdrücken begutachtet sie dann auch Aufnahmen, die vor dem Auslösen eingefangen wurden. So soll sichergestellt werden, dass dem Fotografen zu langsame Reflexe nicht das perfekte Bild verhageln.

Der dritte Punkt auf dem Moduswahlschalter ist von einem grünen Kamerasymbol gekennzeichnet. Hier lassen sich beispielsweise die diversen Serienbildmodi aktivieren. Die Nikon V1 verfügt über den neuen Bildprozessor Expeed 3, der bis zu 600 Megapixel pro Sekunde verarbeiten kann. Nachdem der Bildsensor 10 Megapixel auflöst, kommt man so nach Adam Riese auf eine maximale Serienbildgeschwindigkeit von 60 fps bei voller Pixelzahl, die die V1 auch tatsächlich erreicht. Hier sind dann allerdings Belichtung, Weißabgleich und Fokus fix und werden nach dem ersten Foto nicht mehr angepasst. Außerdem laufen die Pufferspeicher nach 30 Fotos voll – und dann ist erst einmal Pause. Die Kamera ist aber erstaunlich schnell wieder einsatzbereit – die Verschnaufpause dauert nur ein paar wenige Sekunden. Mit auf zehn Fotos pro Sekunde gedrosselter Serienbildgeschwindigkeit bietet die Nikon V1 dann schließlich auch einen kontinuierlichen Autofokus. Im 10-fps-Modus laufen die Puffer laut Nikon nach 34 Aufnahmen in Serie voll.

Von der Seite betrachtet wirkt die Nikon V1 etwas dicklich - und nicht so schlank wie manch ein Konkurrent. [13]
Von der Seite betrachtet wirkt die Nikon V1 etwas dicklich – und nicht so schlank wie manch ein Konkurrent.

Außerdem gibt es unter diesem Punkt schließlich auch tatsächlich manuelle Einstellungsmöglichkeiten. Allerdings muss man sich dafür erst jedes Mal durch die Menüs wühlen. Und die Umsetzung ist auch eher dürftig. So regelt man im manuellen Modus beispielsweise die Blende mit dem Einstellrädchen um das Vier-Wege-Pad und die Verschlusszeit mit der kleinen Wippe neben der F-Taste oberhalb der Daumenablage. In den halbautomatischen Programmen Blenden- und Belichtungspriorität regelt aber immer wie Wippe jeweils Blende und Belichtungszeit. Das mag auf den ersten Blick nicht tragisch klingen, kann aber, wenn es ganz schnell gehen muss, durchaus für Verwirrung sorgen und damit einen Schnappschuss kosten. Da ist man dann im Zweifelsfall wohl mit der Automatik besser beraten. Die Einstellung für die ISO-Empfindlichkeit ist übrigens ebenfalls tief in den Menüs verborgen. Dafür gibt es dort drei verschiedene ISO-Automatiken, die Werte zwischen ISO 100 und ISO 400, 800 beziehungsweise 1600 einsetzen.

Immerhin reagieren die Dialoge erfreulich flott und sind hübsch und übersichtlich gestaltet. Allerdings schickt auch die V1 den Fotografen gerne mal auf die eine oder andere Schnitzeljagd durch die Menüs. Steht ein bestimmter Parameter aufgrund einer anderen Einstellung gerade nicht zur Verfügung, ist er einfach ausgegraut. Versucht man ihn trotzdem durch Bestätigen mit Ok auszuwählen, erklärt die Kamera bereitwillig, dass dieser Parameter eben gerade nicht zur Verfügung steht. Aber wieso – das verrät sie nicht. Schade.

Zu guter Letzt folgt auf dem Moduswahlschalter noch der Videomodus. Die maximale Auflösung beträgt beim Filmen 1920 mal 1080 Pixel. Die Nikon V1 fängt wahlweise 30 Voll- oder 60 Halbbilder pro Sekunde ein. Mit auf 1280 mal 720 Pixel reduzierter Auflösung sind auch 60 Vollbilder pro Sekunde möglich. Drückt der Fotograf während der Videoaufnahme auf den Fotoauslöser, schießt die Kamera ein 8-Megapixel-Foto – und filmt weiter. Hier macht sich die Rechenleistung der Bord-Hardware bezahlt. Als Codec kommt übrigens H.264 zum Einsatz. Der Sensor ist übrigens nicht beweglich aufgehängt. Damit müssen die Objektive die Aufgabe der Bildstabilisierung übernehmen. Und zumindest das 10-bis-30-Millimeter-Kitobjektiv schlägt sich hier den ersten Eindrücken nach hervorragend. Wer sich im Videomodus mit drastisch reduzierter Auflösung zufriedengibt, kann übrigens auch Videos mit wahlweise 400 oder 1200 fps aufnehmen.

Objektive

Wie bereits erwähnt, hat Nikon zusammen mit den beiden Kameras V1 und J1 vier neue Objektive vorgestellt. Alle Optiken machen einen edlen und hochwertig verarbeiteten Eindruck. Das Standard- und das Telezoom-Objektiv decken die bei Systemkameras im Einsteigerbereich üblichen Brennweitenbereiche ab: 10 bis 30 und 30 bis 110 Millimeter beziehungsweise 27 bis 81 und 81 bis 297 Millimeter im Kleinbildäquivalent. Die Lichtstärke des Standardzooms ist mit F3,5 bis F5,6 durchschnittlich, die 30-bis-110-Millimeter-Linse ist mit einem Öffnungsverhältnis im Weitwinkel von F3,8 etwas lichtstärker als die meisten direkten Konkurrenten.

Das Pancake-Objektiv ist – wie es sich gehört – ordentlich flach und bietet eine Brennweite von 10 Millimetern. Leider ist es mit einem größten Öffnungsverhältnis von F2,8 nicht besonders lichtstark, aber das ist wohl der kompakten Bauform geschuldet. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 250 Euro halten sich die Anschaffungskosten immerhin erfreulicherweise in Grenzen.

Am anderen Ende der Fahnenstange steht das Zehnfach-Zoom-Objektiv. Es ist vergleichsweise riesig – und bietet einen Motorzoom. Damit dürfte es insbesondere für Videofilmer interessant sein. Laut Nikon soll der 10-Megapixel-CMOS-Chip eine überdurchschnittliche Bildqualität bieten. Und es gibt ja einen Mikrofoneingang. Möglicherweise könnte die V1 also eine ähnliche Laufbahn einschlagen wie Panasonics GH1 und GH2.

Das Zehnfach-Zoomobjektiv ist ein ganz schöner Brummer. [14]
Das Zehnfach-Zoomobjektiv ist ein ganz schöner Brummer.

Einen etwas faden Beigeschmack bei den Objektiven hinterlässt lediglich die Tatsache, dass die kleinste derzeit verfügbare Brennweite bei 10 Millimetern liegt, was im Kleinbildäquivalent 27 Millimetern entspricht – und damit nicht besonders weitwinkelig ist. Aber gut, Nikon verspricht, zeitnah viele weitere Linsen. Wer sich an der Objektivauswahl stört: Nikon hat einen Adapter vorgestellt, mit dem sich die DSLR-Objektive fürs DX- und FX-Format an der V1 und J1 nutzen lassen.

Interessant ist übrigens noch, dass keines der vier neu vorgestellten Objektive über einen Ring zum Fokussieren verfügt. Um händisch scharfzustellen, muss der Fotograf auf dem Vier-Wege-Pad die Fokusmodus-Einstellung aufrufen und den manuellen Fokus auswählen. Anschließend aktiviert ein Druck auf die Ok-Taste in der Mitte des Fokusrädchens die Fokuswahl. Die Entfernung stellt man schließlich über die Wippe rechts oben über der Daumenablage ein. Die Kamera richtet sich nicht an Leute, die viel an den Feinheiten drehen wollen – mehr gibt’s hier wohl nicht zu sagen.

Leistung

Die Nikon V1 ist die erste spiegellose Systemkamera, die über einen Phasenvergleichs-Autofokus verfügt. All ihre Konkurrenten setzen auf einen Kontrast-Autofokus, der das Objektiv – einfach gesagt – immer durch den gesamten Brennweitenbereich fährt und schließlich dort stehenbleibt, wo die meisten Kanten erkannt werden. Phasenvergleichs-Fokussysteme kommen bei Spiegelreflexkameras zum Einsatz und „messen“ quasi die Entfernung zum Motiv und stellen die Optik direkt auf die korrekte Distanz ein.

Das Phasenvergleichs-Fokussystem ist bei der V1 in den Bildsensor integriert. Insgesamt gibt es 73 Messfelder – mehr haben nicht mal die Profi-DSLRs von Canon und Nikon zu bieten. Der Autofokus steht übrigens nicht nur im Fotomodus, sondern auch im Videomodus zur Verfügung. Damit ist Nikon nach Sony erst der zweite Hersteller, der eine Kamera mit Phasenvergleichs-Autofokus während des Filmens anbietet.

Der Nikon-Pressemitteilung zufolge soll die V1 den schnellsten Autofokus überhaupt haben: Schneller als alles, was der Markt so hergibt. Die Fußnote zu der Aussage erklärt, dass mit dem Kitobjektiv und im Weitwinkel gemessen wurde. Wir konnten diese Behauptung zwar noch nicht im Testlabor überprüfen, aber eines steht schon einmal fest: Die Nikon V1 ist – insbesondere im Weitwinkel – wirklich extrem schnell und erreicht durchaus das Niveau einiger professioneller DSLRs. Bei höheren Brennweiten lässt die Lichtstärke der Optik allerdings nach, und die Phasenvergleichs-Sensoren auf dem CMOS-Chip bekommen weniger Licht ab. Und dann wird der Autofokus leider etwas langsamer.

Bildqualität

Ein sehr spannender Faktor an der Nikon V1 wird die Bildqualität sein. Schließlich sieht sich die Kamera in ihrem Preissegment Modellen wie der NEX-C3 gegenüber, die hier mächtig vorgelegt haben. Und dann kommt Nikon aber mit dem deutlich kleineren und niedriger auflösenden Sensor daher. Kann das gut gehen? Leider hatten wir noch nicht die Gelegenheit, die Kamera unseren Standardtests zu unterziehen und können die Bildqualität damit noch nicht endgültig beurteilen. Auch mit den RAW-Dateien können wir mangels Adobe-Camera-RAW-Unterstützung noch nichts viel anfangen.

Bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten sehen die Fotos der Nikon V1 erfreulich kontrastreich und klar aus. Die Farben sind angenehm, der automatische Weißabgleich macht einen soliden Eindruck. Die magische Grenze des Sensors, was das Bildrauschen angeht, scheint bei ISO 1600 zu liegen. Bis zu dieser Schwelle weisen die Bilder zwar bei allen Empfindlichkeiten eine bei voller Vergrößerung sichtbares Rauschen auf, aber die Farben bleiben weitgehend konstant, was bei verkleinerter Betrachtung noch für einen guten Sichteindruck sorgt. Wer genauer hinsieht, kann ab ISO 800 immer stärker nachlassende Details beobachten. Bei ISO 3200 und 6400 schließlich verschieben sich die Farben merklich, und die Qualität fällt deutlich ab.

Dieses Bild zeigt, wie sich die Fotoqualität der Nikon V1 bei steigenden ISO-Empfindlichkeiten entwickelt. [15]
Dieses Bild zeigt, wie sich die Fotoqualität der Nikon V1 bei steigenden ISO-Empfindlichkeiten entwickelt.

Das 10-bis-30-Millimeter-Kitobjektiv macht in puncto Abbildungsqualität einen ordentlichen Eindruck. Allerdings hat das von uns ausprobierte Exemplar in den Bildecken mit Farbsäumen zu kämpfen, wenn dort Übergänge mit hohen Helligkeitsunterschieden auftreten. Im Weitwinkel bringt es außerdem eine merkliche tonnenförmige Verzeichnung auf die Aufnahmen. Wir hatten leider bislang noch keine Gelegenheit, die anderen Objektive ausführlicher auszuprobieren.

Fazit

Auch wenn es der Preis vermuten lässt: Die Nikon V1 ist keine semiprofessionelle Kamera – und das will sie auch gar nicht sein. Stattdessen soll die Digicam von jedem Einsteiger bedienbar sein, und trotzdem semiprofessionelle Ergebnisse liefern. Und hier hat der Hersteller, so wie es aussieht, durchaus seine Hausaufgaben gemacht. Es stellen sich bloß zwei Fragen: Sind Hobbyknipser bereit, für eine Edel-Schnappschuss-Knipse so viel Geld auf den Tisch zu legen? Und wenn ja, wird die umständliche manuelle Bedienung von Blende, Belichtungszeit und Fokus nicht abschrecken? Denn spätestens wenn die V1 ihren Besitzer mit tollen Ergebnissen von der Fotografie begeistert und sich dieser ernsthafter mit dem Thema auseinandersetzen möchte, wird er die Buchstaben A, S und M auf dem Modusrädchen schmerzlich vermissen.

Update: Die Nikon V1 hat natürlich manuelle Einstellungsmöglichkeiten zu Blende und Belichtungszeit – wie es auch im vorherigen Verlauf des Artikels beschrieben wird. Allerdings sind diese nicht direkt erreichbar, sondern in den Menüs vergraben und damit nur umständlich und zeitraubend zu erreichen. Wir haben einen Satz im Fazit dementsprechend angepasst.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[3] Panasonic Lumix DMC-GF3: https://www.cnet.de/tests/digicam/41554575/testbericht/panasonic_lumix_dmc_gf3_im_test_dslr_bildqualitaet_im_kompaktkamera_gehaeuse.htm

[4] Sony Alpha NEX-C3: https://www.cnet.de/tests/digicam/41554909/testbericht/sony_nex_c3_im_test_tolle_evil_kamera_mit_gewoehnungsbeduerftiger_bedienung.htm

[5] 14-bis-42-Millimeter-PowerZoom der X-Serie: https://www.cnet.de/tests/peripherie/41555790/preview/panasonics_powerzoom_objektiv_angetestet_superflache_14_42mm_optik_fuer_micro_four_thirds.htm

[6] P, A, S und M: https://www.cnet.de/praxis/wochenend/41552817/page/4/was_machen_a__s__m_co__so_funktionieren_die_aufnahmemodi_von_digitalen_kameras.htm

[7] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556050/nikon_v1_hinten.jpg

[8] A77V: https://www.cnet.de/tests/digicam/41555670/preview/sony_alpha_slt_a77v_angetestet_rasante_24_megapixel_slt_kamera_mit_genialem_sucher.htm

[9] NEX-7: https://www.cnet.de/galerie/41555471/sony_alpha_nex_7_evil_kamera_mit_24_megapixel_aps_c_sensor.htm

[10] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556050/nikon_v1_oben.jpg

[11] Nikon D7000: https://www.cnet.de/tests/digicam/41541495/testbericht/nikon_d7000_im_test_ausgezeichnete_mittelklasse_dslr_fuer_ambitionierte_fotografen.htm

[12] Nikon V1 angetestet: erste EVIL-Kamera mit Phasenvergleichs-Autofokus: https://www.cnet.de/41556063/nikon-v1-angetestet-erste-evil-kamera-mit-phasenvergleichs-autofokus/?pid=1#sid=41556050

[13] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556050/nikon_v1_seite.jpg

[14] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556050/imgp6995.jpg

[15] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556050/iso-vergleich.jpg