Sony NEX-5N im Test: superkompakte Systemkamera für Videofreaks

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 17:57 Uhr

Pro
  • gute Foto- und hervorragende Videoqualität
  • sehr kompakt
  • beweglich aufgehängter Touchscreen
Con
  • teilweise umständliche Bedienung
  • Display im Sonnenlicht nicht gut ablesbar
  • durchschnittliches Kitobjektiv
Hersteller: Sony Listenpreis: ab 660 Euro (mit 18-55mm-Objektiv)
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,7 von 10 Punkte
Fazit:

Wer nach einer vergleichsweise günstigen EVIL-Kamera sucht, die sehr ordentliche Fotos und ausgezeichnete Videos aufnimmt, sollte die Sony Alpha NEX-5N definitiv auf die Liste schreiben. Allerdings empfehlen wir, die Kamera vor dem Kauf auszuprobieren: Bedienung und Haptik sind Geschmackssache.

Kleines Gehäuse, große Bildqualität: Kompakte EVIL-Kameras sollen die Vorzüge von Digicams mit denen von DSLRs kombinieren. Die NEX-5N ist bereits Sonys viertes Modell in dieser Digicam-Klasse. Wir haben den Winzling bereits ausführlich getestet.

Sony [1] hat bereits vor etlichen Monaten einen Nachfolger seiner ersten Systemkamera NEX-3 auf den Markt gebracht: die NEX-C3 [2]. Zur IFA war dann auch das andere NEX-Modell mit der Nummer 5 [3] an der Reihe, und Sony hat die NEX-5N vorgestellt. Die wichtigsten Updates betreffen den Anschluss für einen elektronischen Aufstecksucher, einen neuen 16-Megapixel-Bildsensor sowie einen verbesserten Videomodus, der jetzt den AVCHD-2.0-Codec nutzt.

Design & Ausstattung

Am Design hat sich gegenüber der Vorgängerin kaum etwas geändert. Das Gehäuse verfügt über einen relativ großen Griff, liegt aber nicht so sicher in der Hand, wie wir es uns wünschen würden – es gibt auf der Rückseite einfach sehr wenig Platz für den Daumen der rechten Hand, um die Kamera richtig zu greifen. Man sollte die Kamera vor dem Kauf auf jeden Fall einmal in die Hand nehmen. Fotografen mit großen Händen könnten das Gehäuse möglicherweise zu klein und unhandlich finden. Die Bedienelemente dagegen sind großzügig ausgeführt. Die NEX-5N macht einen soliden und hochwertig verarbeiteten Eindruck.

Sonys NEX-Interface muss man mögen. Herzstück der Oberfläche sind zwei Tasten auf der Rückseite der Kamera, die je nach gerade gewähltem Modus ihre Funktion ändern. Zwischen den beiden Buttons befindet sich ein Drehrädchen mit mittiger Ok-Taste. Das Drehrädchen dient gleichzeitig auch als Vier-Wege-Pad und zum Aufrufen der Einstellungen von Serienbildmodus, Selbstauslöser, Autofokusfeld und Belichtungskorrektur sowie zum Anpassen der auf dem Display dargestellten Informationen. Soweit nichts neues, wenn man Sonys alte NEX-Kameras kennt.

Der Bildschirm auf der Rückseite der Sony NEX-5N ist im Gegensatz zu dem der Vorgängerin berührungsempfindlich. [4]
Der Bildschirm auf der Rückseite der Sony NEX-5N ist im Gegensatz zu dem der Vorgängerin berührungsempfindlich.

Bei der NEX-5N ist jedoch das Display erstmals berührungsempfindlich. Und damit wird es nun möglich, die gewünschten Einstellungen direkt auf dem Bildschirm auszuwählen. Aber leider ist das Interface nicht immer unbedingt für die Touchbedienung geeignet – manche Schaltflächen sind schon sehr klein und damit mit dem Finger nicht präzise zu treffen. Und dann braucht man gelegentlich mehrere Versuche, bis die Kamera die Eingabe erkennt. Auf der anderen Seite ermöglicht das berührungsempfindliche Display Features wie Touch-to-Focus. Alles in allem gefällt uns Panasonics Touchscreen-Interface, wie es bei der Lumix DMC-GF3 und der Lumic DMC-G3 zum Einsatz kommt, besser.

Man muss Sony zu Gute halten, dass der Hersteller gegenüber den ersten NEX-Kameras Fortschritte gemacht hat, was die Bedienung angeht. So gibt es seit einem Firmware-Update mehr Möglichkeiten, was die Individualisierung der Kamera angeht. Für unseren Geschmack reicht das allerdings immer noch nicht aus – wir wünschen uns einfach mehr Tasten und Knöpfe für direkten Zugriff auf die wichtigsten Aufnahmeparameter. Wer meistens im Automatikmodus fotografiert, wird sich daran sicherlich nicht stören. Fotografen, die viel an den Aufnahmeeinstellungen herumdrehen, werden das Interface jedoch früher oder später verfluchen. Auch hier gilt: Try before you buy.

Auf der Oberseite des Gehäuses befinden sich Ein/Aus-Schalter, Auslöser und - leicht nach hinten versetzt - eine Taste zum Starten der Videoaufnahme. [5]
Auf der Oberseite des Gehäuses befinden sich Ein/Aus-Schalter, Auslöser und – leicht nach hinten versetzt – eine Taste zum Starten der Videoaufnahme.

Die Sony NEX-5N bringt eine Reihe von interessanten Aufnahmefunktionen mit, darunter beispielsweise die Mehrfachaufnahme-Modi HDR-Automatik und Schwenkpanorama. Außerdem an Bord sind ein Verfolgungs-Autofokus und eine Peaking-Funktion fürs manuelle Fokussieren. Darüber hinaus bringt Sony noch eine Reihe von Spezial- und Farbeffekten in der Kamera unter. Im Videomodus stehen volle manuelle Einstellungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Das rückseitige 3,0-Zoll-Display ist mit 921.000 Subpixeln (640 mal 480 Bildpunkten) zwar hochauflösend, aber leider in hellen Umgebungen nicht mehr besonders gut abzulesen. Immerhin: Der Bildschirm ist flexibel aufgehängt und lässt sich somit meistens in einer Art und Weise kippen, die störende Reflexionen mindert. Wer viel bei Tageslicht fotografiert, sollte aber trotzdem den neu zur NEX-5N vorgestellten elektronischen Aufstecksucher in Betracht ziehen.

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten technischen Daten der NEX-5N im Vergleich mit ihren Schwestern.

Tabelle anzeigen: Sonys NEX-Kameras im Vergleich [6]

Tabelle anzeigen: Sonys NEX-Kameras im Vergleich [6]

Hersteller Sony Sony Sony Sony Sony Hersteller
Modell NEX-C3 NEX-3 NEX-5 Alpha NEX-5N Alpha NEX-7 Modell
Preis (günstigstes Kit) 485 Euro 350 Euro 430 Euro 660 Euro 1350 Euro Preis (günstigstes Kit)
Bildsensor CMOS (23,5 x 15,6 mm) CMOS (23,4 x 15,6 mm) CMOS (23,4 x 15,6 mm) CMOS (23,5 x 15,6 mm) CMOS (23,5 x 15,6 mm) Bildsensor
Auflösung 16,2 Megapixel 14,2 Megapixel 14,2 Megapixel 16,1 Megapixel 24,3 Megapixel Auflösung
Empfindlichkeiten ISO 200 – 12.800 ISO 200 – 12.800 ISO 200 – 12.800 ISO 100 – 25.600 ISO 100 – 16.000 Empfindlichkeiten
Formatfaktor 1,5 1,5 1,5 1,5 1,5 Formatfaktor
Serienbildgeschwindigkeit 2,5 fps 2,3 fps 2,3 fps 3 fps (10 fps mit fixer Blende) 3 fps (10 fps mit fixer Blende) Serienbildgeschwindigkeit
Sucher optional (optisch) optional (optisch) optional (optisch) optional elektronisch (0,5-Zoll-OLED mit 1024 x 768 Pixeln) Sucher
Autofokus Kontrast-AF mit 25 Messfeldern Kontrast-AF mit 25 Messfeldern Kontrast-AF mit 25 Messfeldern Kontrastmessung, 25 Punkte Kontrastmessung, 25 Punkte Autofokus
Belichtungsmessung 49 Zonen 40 Segmente 40 Segmente 1200 Zonen 1200 Zonen Belichtungsmessung
Verschlusszeiten 30 – 1/4000 s, Bulb 30 – 1/4000 s, Bulb 30 – 1/4000 s, Bulb 1/4000 – 30 s; bulb 1/4000 – 30 s; bulb Verschlusszeiten
Blitz Aufsteckblitz im Lieferumfang Aufsteckblitz im Lieferumfang Aufsteckblitz im Lieferumfang optional (im Lieferumfang) integriert Blitz
Display 3 Zoll, beweglich, 921.000 Pixel 3 Zoll, beweglich, 921.000 Pixel 3 Zoll, beweglich, 921.000 Pixel 3,0 Zoll, schwenkbar, 640 x 480 Pixel 3,0 Zoll, schwenkbar, 640 x 480 Pixel Display
Touchscreen nein nein nein ja nein Touchscreen
Bildstabilisator optisch optisch optisch optisch optisch Bildstabilisator
Videofunktion 720p, H.264 720p, H.264 1080i, AVCHD 1080/50p, AVCHD 2.0 1080/50p, AVCHD 2.0 Videofunktion
Mikrofoneingang ja ja ja ja ja Mikrofoneingang
Kopfhörerausgang nein nein nein nein nein Kopfhörerausgang
Max. Akkulaufzeit (CIPA) 400 Fotos 330 Fotos 330 Fotos 430 Fotos 350 Fotos Max. Akkulaufzeit (CIPA)
Abmessungen 11,0 x 6,0 x 3,3 cm 11,7 x 6,3 x 3,3 cm 11,8 x 5,9 x 3,8 cm 11,1 x 5,9 x 3,8 cm 12,0 x 6,7 x 4,3 cm Abmessungen
Gewicht 225 g 239 g 229 g 210 g ca. 340 g Gewicht

Leistung

Die Sony NEX-5N ist vernünftig schnell, enttäuscht aber angesichts der kürzlichen Fortschritte von Olympus und Panasonic ein wenig. Bis nach dem Betätigen des Einschalters das erste Foto im Kasten ist, vergehen 1,2 Sekunden. Das ist zwar keine Katastrophe, aber im Vergleich mit der Konkurrenz dennoch recht langsam. In Sachen Auslöseverzögerung befindet sie sich auf einem Niveau mit den anderen EVIL-Kameras: Bei guten Lichtverhältnissen benötigt die Kamera 0,3 Sekunden, um auf das Motiv zu fokussieren und das Bild einzufangen. Im Zwielicht verschlechtert sich der Wert auf 0,6 Sekunden.

Bei den Verarbeitungszeiten kommt die Sony NEX-5N allerdings ein wenig ins Stolpern. Im Einzelbildmodus vergeht zwischen zwei Fotos eine glatte Sekunde. Mit zugeschaltetem Blitz genehmigt sich die Kamera eine Verschnaufpause von 1,3 Sekunden. Bei hohen ISO-Empfindlichkeiten fallen diese Auszeiten länger aus. Im Serienbildmodus mit kontinuierlichem Autofokus schafft die Sony NEX-5N 3,3 Fotos pro Sekunde. Das reicht fürs Ablichten von herumtobenden Kindern und Haustieren aus, wenn man das eine oder andere unscharfe Foto in Kauf nimmt.

Das Kitobjektiv ist um ein Vielfaches dicker als das Gehäuse der NEX-5N. [7]
Das Kitobjektiv ist um ein Vielfaches dicker als das Gehäuse der NEX-5N.

Bildqualität

Die Sony NEX-5N überzeugt mit sehr schönen Fotos und bietet ein für diese Kameraklasse hervorragendes Rauschprofil. Die JPEG-Fotos sehen bis ISO 400 sauber und artefaktfrei aus. Bei ISO 800 sorgt die Rauschunterdrückung für ein leichtes Verschmieren von feinen Details. Aber auch bei ISO 1600 sind die fokussierten Bereiche noch erfreulich detailreich abgebildet. Artefakte sind nur in peripheren Bildbereichen zu sehen. Leider kann Adobe Camera RAW die Rohdatenfotos der NEX-5N derzeit noch nicht öffnen. Es wird jedoch interessant sein, ob sich hier dann noch etwas herausholen lässt.

Alles in allem ist die Bildqualität der der Sony NEX-C3 [2] sehr ähnlich. Der einzige wirkliche Unterschied liegt darin, dass die Programmautomatik die Fotos scheinbar eine Drittelblende dunkler belichtet, aber das war es dann auch schon. In Sachen Dynamikbereich liefert die Sony NEX-5N eindrucksvolle Ergebnisse. Wir sind beispielsweise in der Lage, aus einem mit Blitz total überstrahlten Gesicht noch Details zu ziehen und das an sich misslungene Foto in eine brauchbare Aufnahme zu verwandeln.

Die Farbwiedergabe ist gut. Die Fotos sehen realitätsnah und ansehnlich, aber nicht übersättigt aus. Auch bei sehr satten Farben hat die Sony NEX-5N keine Probleme. Hier bleiben im jeweiligen Farbkanal erfreulich viele Details erhalten.

Aber leider liefert die NEX-5N nicht ganz die Bildschärfe, die wir uns wünschen würden. Hier ist das 18-bis-55-Millimeter-Kitobjektiv nicht ganz unschuldig, dass möglicherweise eine bessere Vergütung vertragen könnte, damit die Fotos klarer aussehen. Wir haben die Kamera auch mit der 18-bis-200-Millimeter-Linse ausprobiert, und bessere Ergebnisse erhalten.

Die Videos der NEX-5N sehen sehr gut aus und überzeugen mit hellen und gesättigten Farben sowie einer relativ guten Kantenschärfe. Außerdem treten keine Rolling-Shutter- oder Moiré-Effekte auf. Die 60p-Bildrate sorgt dafür, dass bewegte Szenen ruckelfrei wiedergegeben werden. Bei sehr chaotischen Motiven, etwa bei einer Wasserfontäne, sind ein paar Kompressionsartefakte zu sehen, die auf dem Fernseher nicht weiter auffallen, aber bei der anspruchsvolleren Videobearbeitung stören könnten. Dynamikbereich und Detailwiedergabe sind besser als bei vielen Sony-Camcordern im gleichen Preisbereich. Der Autofokus arbeitet beim Filmen flott und leise.

Allerdings hat die Sony NEX-5N derzeit einen Bug, der die Videofreude etwas trübt: Auf den Filmchen ist bei niedrigem Umgebungslärm ein seltsames Klicken zu hören. Das ist nicht nur bei unserem Testgerät, sondern offensichtlich bei allen Kameras der Fall, wenn man sich so durch diverse Foren liest. Sony hat das Problem inzwischen bestätigt, aber noch keine weiteren Informationen oder einen Lösungsvorschlag bekanntgegeben. Mit drastischen Überhitzungsproblemen hat die Sony NEX-5N jedenfalls nicht zu kämpfen – nach knapp 30 Minuten ununterbrochener Aufnahme war die Kamera zwar recht warm, hat sich allerdings nicht zum Selbstschutz abgeschaltet. Im Death Valley bei 50 Grad im Schatten könnte das allerdings anders aussehen.

Fazit

Die NEX-5 war bereits eine ansprechende Kamera, und beim Nachfolger hat Sony ein paar Schwächen ausgemerzt. Allerdings hat die NEX-5N inzwischen mit härteren Konkurrenten zu kämpfen. Insbesondere die Panasonic Lumix DMC-GF3 [9] bietet ein stringenteres Interface und reagiert schneller. Die Sony-Kamera steht dafür in Sachen Bildrauschen bei hohen ISO-Empfindlichkeiten besser da.

Alles in allem ist die Sony NEX-5N eine solide Kamera mit – abgesehen von dem Klick-Problem – extrem guter Videoqualität und interessanter Ausstattung. Wer nicht regelmäßig Sportszenen ablichtet, dürfte außerdem auch am Autofokus nichts auszusetzen haben. Allerdings sollte man die Digicam vor dem Kauf definitiv einmal im Laden ausprobieren. Denn das Interface und die Haptik sind Geschmackssache, und beim Fotografieren sollte man sich ja schließlich mit seiner Ausrüstung wohlfühlen, sonst liefert auch die beste Kamera keine schönen Bilder.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] NEX-C3: https://www.cnet.de/tests/digicam/41554909/testbericht/sony_nex_c3_im_test_tolle_evil_kamera_mit_gewoehnungsbeduerftiger_bedienung.htm

[3] NEX-Modell mit der Nummer 5: https://www.cnet.de/tests/digicam/41531875/testbericht/sony_nex_5_im_test_geschwindigkeit_und_rauschen_top__farbwiedergabe_flop.htm

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556074/sony_nex-5n_hinten.jpg

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556074/sony_nex-5n_oben.jpg

[6] Tabelle anzeigen: Sonys NEX-Kameras im Vergleich: #

[7] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556074/sony_nex-5n_seite.jpg

[8] Testfotos: die Bildqualität der Sony NEX-5N: https://www.cnet.de/41556049/testfotos-die-bildqualitaet-der-sony-nex-5n/?pid=1#sid=41556074

[9] Panasonic Lumix DMC-GF3: https://www.cnet.de/tests/digicam/41554575/testbericht/panasonic_lumix_dmc_gf3_im_test_dslr_bildqualitaet_im_kompaktkamera_gehaeuse.htm