Schon getestet: Apples neues iPhone 4S mit Siri, Dual-Core-CPU und 8-Megapixel-Kamera

von Christoph H. Hochstätter, Daniel Schraeder, Joachim Kaufmann, Kent German und Stefan Möllenhoff am , 13:02 Uhr

Pro
  • schnellere CPU und GPU
  • herausragende Kamera
  • viele Neuerungen mit iOS 5
  • intelligente Siri-Spracheingabe
Con
  • es wird Zeit für ein größeres Display
  • weder LTE noch NFC
  • teuer
Hersteller: Apple Listenpreis: ab 629 Euro
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 8,7 von 10 Punkte
Fazit:

Das iPhone 4S ist nicht mehr die Antwort auf alle Smartphone-Fragen, spielt aber nach wie vor ganz vorne mit. Zwar wirkt das Display im Vergleich zur Konkurrenz inzwischen ganz schön klein, und es fehlen Highend-Features wie NFC und LTE. Aber die geniale Kamera, die raffinierte Spracheingabe und das hervorragende iOS-Betriebssystem machen das Handy zu einer hervorragenden Alternative zu Android und Windows Phone 7.

Zum ersten Mal, seit Apple Smartphones baut, hat ein neues Modell das Licht der Welt – beziehungsweise der Öffentlichkeit – nicht im Juni erblickt. Die zeitliche Verzögerung hat für mächtig Zunder in der Gerüchteküche gesorgt. Prompt erhoffte sich die Mehrheit der Kunden und Medien ein komplett neues Modell: ein iPhone 5 mit größerem Display, mit neuem Design, mit allem und scharf. Damit war eine Enttäuschung bei der Vorstellung des iPhone 4S schon vorprogrammiert. Das soll schon alles sein?

Aber lassen wir die Kirche im Dorf. Das iPhone 4 gehört optisch längst nicht zum alten Eisen. Na klar, ein hübsches neues Gehäuse wäre schön gewesen und ein größeres Display wünschenswert. Auf der anderen Seite hätte man es sich fast denken können – schließlich gab es schon einmal nur ein minimales Update der inneren Werte. Wer erinnert sich noch an das iPhone 3GS?

Unterm Strich könnte man sagen, dass das 4S einem ohnehin schon überdurchschnittlich guten Smartphone [1] gesunde Verbesserungen einverleibt. Nun gibt es das von einem Teil der Zielgruppe lang erwartete 64-GByte-Modell, eine bessere Kamera, von der alle etwas haben, einen schnelleren Prozessor und Siri – den persönlichen Assistenten, den Roboter-Freund, den Laufburschen. Dazu gibt es auch ein neues iOS mit vielen frischen Funktionen und Verbesserungen – und davon profitieren auch Besitzer etwas älterer Hardware.

Unterm Strich sollte die Kaufentscheidung vor allem von den Konditionen abhängen. Mindestens 629 Euro will Apple [2] für das Gerät – und das ist ein großer Haufen Kohle. Für einen Besitzer eines iPhone 4 wird es sich kaum lohnen, nur für ein paar mehr Megapixel und Siri so viel Geld auf den Tisch zu legen. Aber wenn der Vertrag des Providers ohnehin ausläuft, bietet es sich durchaus an, auf die neue Version des iPhones zurückzugreifen. Unabhängig davon sollte man im Hinterkopf behalten: Ein iPhone 5 kommt bestimmt. Vielleicht schon im nächsten Juni.

Design

Optisch lässt sich das neue 4S von seinem Vorgänger nicht unterscheiden. Das ist nicht schlecht, denn das iPhone 4 gehört immer noch mit zu den attraktivsten und wertigsten Geräten. Auch, wenn die Konkurrenz inzwischen flachere Geräte baut, sind wir damit zufrieden. Allerdings, und das hören wir immer wieder: Das iPhone 3G liegt aufgrund seiner runderen Form angenehmer in der Hand. Die harten Kanten des 4ers stören den einen oder anderen Nutzer.

Wir können auch ohne die Funktionen leben, die die Gerüchteküche für ein iPhone 5 versprochen hat – also ohne einen breiteren, berührungsempfindlichen Home-Button und eine geschwungene Rückseite. Der einzelne Knopf unter der Anzeige erledigt seinen Job seit Jahren gut, und dank des planen Rückens liegt das Gerät perfekt und stabil auf dem Tisch. Auch die Glasrückseite gefällt uns gut – allerdings haben wir in der Zwischenzeit schon einige Apple-Handys gesehen, die durch einen Todessturz den vorzeitigen Exitus hingelegt haben. Eine Schutzhülle reduziert diese Gefahr gravierend.

In Sachen Design ist das iPhone 4S mit seinem Vorgänger praktisch identisch. Wir hätten uns lediglich ein größeres Display gewünscht. [3]
In Sachen Design ist das iPhone 4S mit seinem Vorgänger praktisch identisch. Wir hätten uns lediglich ein größeres Display gewünscht.

Allerdings wirkt die iPhone-Anzeige mit ihren 3,5 Zoll inzwischen einfach ziemlich klein im Vergleich zu den Konkurrenten. Lange Zeit hatte sich bei den Androiden 3,7 Zoll als Standard etabliert, seit einiger Zeit haben die Top-Modelle gar 4,3 Zoll große Displays – und in der vergangenen Woche hat HTC [4] sein erstes Android [5]-Phone mit 4,7 Zoll vorgestellt. Das ist zwar zu viel für den Durchschnittsnutzer, finden wir, aber nichtsdestotrotz wirkt das iPhone daneben einfach winzig. Und es kostet deutlich mehr.

Unterm Strich beeindruckt uns das Retina genannte Display aber immer noch. Obwohl sich auch in puncto Auflösung seit über einem Jahr nichts mehr getan hat, ist Apple hier immer noch Rekordhalter – mit Abstand. 960 mal 640 Pixel gibt es sonst nirgends, und in Kombination mit der vergleichsweise kleinen Diagonale der Anzeige sorgt das für eine wahnsinnig scharfe Darstellung. Allerdings macht es dann doch nur eingeschränkt Spaß, unterwegs einen 90minütigen Film auf dem kleinen Monitor des Apple-Handys anzusehen.

Einen winzigen Unterschied zwischen dem iPhone 4S und seinem Vorgänger gibt es dann doch noch: Wer genau hinsieht, erkennt beim Edelstahl-Rahmen eine zusätzliche Trennung zwischen den Bestandteilen. Hier ist ja die Antenne integriert, was bei der Markteinführung des ersten Modells schon für Probleme gesorgt hat: Wer sein iPhone 4 auf eine bestimmte Weise in der Hand hält, verschlechtert den Empfang signifikant. Das 4S verfügt nun über zwei Antennensegmente – und die Elektronik entscheidet, welche gerade den besseren Empfang ermöglicht.

Das virtuelle Keyboard des iPhone 4S ist mit dem des Vorgängers identisch. [6]
Das virtuelle Keyboard des iPhone 4S ist mit dem des Vorgängers identisch.

Siri

Das neue Killer-Feature ist der sprachgesteuerte Assistent namens Siri. Er ersetzt die derzeitige Sprachsteuerung des iPhones nicht komplett – sie ist weiterhin vorhanden. Aber Siri kann deutlich mehr, als einfach nur einen Anruf per Sprachbefehl starten.

Siri führt Befehle aus und beantwortet Fragen. So kann man beispielsweise nach dem Wetter fragen oder sich die Adresse eines Kontaktes vorlesen lassen, eine Erinnerung oder einen Wecker einstellen, eine Route in Google [7] Maps abfragen oder sich für Trivialwissen interessieren. Der Nutzer spricht dabei mit einer Roboter-Frauenstimme, die sich nicht austauschen lässt. Zum Start der Funktion wird der Home-Button einfach lange gedrückt. Für die Funktion ist eine Internet-Verbindung notwendig.

Bei unserer ersten Bekanntschaft mit Siri zur Vorstellung des iPhone 4S bei Apple in Cupertino haben wir das Handy nach dem Wetter, der Entfernung zwischen zwei Städten und der Hauptstadt von Kanada gefragt sowie eine Erinnerung gesetzt. Die meisten Antworten konnte das System flott und richtig geben, aber Kanadas Hauptstadt war offensichtlich ein Problem für den digitalen Assistenten: Er hatte nicht genug Informationen.

Siri könnte bald der neue beste Freund eines jeden iPhone-Besitzers sein. [8]
Siri könnte bald der neue beste Freund eines jeden iPhone-Besitzers sein.

Beim nächsten Versuch haben wir Siri nach dem besten Fast-Food in der Nähe unseres Büros gefragt, nach der Uhrzeit in Hong-Kong – und ob CNET.com-Moderator Brian Tong der coolste Typ auf dem Planeten ist. Erwartungsgemäß waren die ersten beiden Punkte für Siri in den USA kein Problem, aber die Frage nach unserem Kollegen hat die Software nicht verstanden. Sie war ohnehin nicht gerade ernst gemeint. Übrigens: Eine konkrete Antwort nach dem besten Essen in der Nähe des Büros gab es nicht. Stattdessen zeigt das iPhone dann eine Liste von Fast-Food-Restaurants an, die nach Nutzerwertung geordnet sind. Als Datenquelle dient in den USA Yelp, ein Qype-Konkurrent. Hierzulande ist die Datenbasis von Yelp leider noch nicht so groß, und einen Vertrag mit Qype hat Apple nicht – damit kann der digitale Assistent zumindest derzeit noch nicht auf ein so großes Wissen zurückgreifen wie jenseits des großen Teichs. Aber Apple will die Funktionen mit lokalen Partnern bald nachreichen.

Insgesamt sorgt Siri vor allem am Anfang für Unterhaltung. Man kann ja auch sinnlose Fragen stellen – und bekommt erfreulich oft Antworten, die für einen Lacher sorgen. Auf die Frage nach dem Sinn des Lebens hat Siri gleich mehrere Antworten parat – und ja, eine davon lautet tatsächlich 42. Heiraten will Siri uns allerdings nicht, aber immerhin: Auch diese Frage wird verstanden. In der Praxis ist der digitale Assistent auch tatsächlich eine praktische Hilfe – beispielsweise, wenn man Auto fährt. Wer sich künftig im Büro akustisch ausrechnen lässt, wieviele Euro 500 Dollar gerade sind, wird allerdings wohl schnell von seinen Kollegen des Raumes verwiesen – dafür werden wir wohl noch solange auf die Tastatur zurückgreifen, bis das iPhone Gedanken lesen kann. Aber ob wir das wohl wollen?

Derzeit befindet sich Siri noch in der Beta-Phase. Wie gesagt, vor allem hierzulande fehlt es auch noch an Informationsquellen. Dennoch gefällt uns die Funktion.

Kamera

Bereits die Digicam des iPhone 4 lieferte für ein Handy ausgezeichnete Ergebnisse – insbesondere mit Third-Party-Apps. Aber die im iPhone 4S integrierte Knipse ist deutlich besser. Die 8-Megapixel-Kamera bietet Autofokus, Blitz, F2,4-Objektiv und einen rückseitig belichteten CMOS-Bildsensor, der gegenüber seinem Vorgänger eine 73 Prozent bessere Lichtausbeute ermöglichen soll. Außerdem ist ein sogenannter Hybrid-IR-Filter vor dem lichtempfindlichen Chip angebracht, der laut Apple für akkuratere Farben sorgen soll. Hinter dem Begriff versteckt sich wohl ein gewöhnlicher kombinierter Antialiasing-und-Infrarot-Filter – also nichts Besonderes. Aber man muss seine Produkte ja gut vermarkten. Das iPhone 4S soll außerdem gegenüber seinem Vorgänger eine um 33 Prozent beschleunigte Auslöseverzögerung besitzen. Der in der A5-CPU integrierte Bildprozessor ermöglicht laut Hersteller einen um 26 Prozent verbesserten automatischen Weißabgleich. Eine Gesichtserkennungsfunktion ist ebenfalls mit von der Partie.

Bereits bei den ersten Fotos stellen wir eine deutliche Verbesserung gegenüber der iPhone-4-Kamera fest. Die Farben gelingen strahlender, und die Aufnahmen wirken schärfer und weniger pixelig. Trotz der gesteigerten Auflösung schlägt sich die Kamera in dunklen Umgebungen besser als beim Vorgänger. Allerdings neigt der integrierte Blitz nach wie vor dazu, das Motiv zu intensiv zu beleuchten.

Der Kamerasucher bietet nun ein Raster an. Das ist beim horizontalen oder vertikalen Ausrichten der Kamera sowie beim Befolgen der Drittel-Regel eine große Hilfe. [10]
Der Kamerasucher bietet nun ein Raster an. Das ist beim horizontalen oder vertikalen Ausrichten der Kamera sowie beim Befolgen der Drittel-Regel eine große Hilfe.

In Sachen Bedienung hat sich an der Kamera eigentlich nichts verändert. Es gibt auf dem Display nach wie vor einen Schieber zum Wechseln zwischen Foto- und Videomodus. Darunter sitzt immer noch der virtuelle Auslöser. Neu hinzugekommen ist eine kleine Optionen-Schaltfläche, die zwischen dem Modusumschalter und dem Blitz-Icon sitzt. Hier lassen sich eine Zwei-mal-zwei-Raster und eine HDR-Automatik aktivieren. Mit aktivierter HDR-Funktion schießt die Kamera bei jedem Druck auf den Auslöser drei unterschiedlich belichtete Fotos und kombiniert diese zu einer einzigen Aufnahme mit erhöhtem Dynamikumfang. Insbesondere bei kontrastreichen Motiven bleiben so in sehr hellen und sehr dunklen Bildteilen mehr Details erhalten. In der folgenden Bildergalerie gibt es eine Reihe von Testfotos sowie Vergleiche zu den beiden Vorgängern des iPhone 4S und dem Samsung [11] Galaxy S2.

Das auf dem iPhone 4S vorinstallierte iOS-5-Betriebssystem bietet außerdem ein paar neue Möglichkeiten bei der Bildbearbeitung. Geschossene Fotos lassen sich zuschneiden und rotieren. Außerdem gibt es eine Funktion zum Eliminieren des Rote-Augen-Effekts und eine automatische Farbkorrektur. Beide Features erfordern lediglich einen Fingertipp und liefern beeindruckend gute Ergebnisse. Wir freuen uns über diese Neuerungen, hätten uns allerdings schon vor Jahren ein paar einfache Bildbearbeitungsfunktionen beim iPhone gewünscht. Und auch jetzt hätten wir nichts gegen ein paar zusätzliche Möglichkeiten. Aber gut – im Zweifelsfall heißt es eben: There’s an app for that.

[13] [14]

Das iPhone 4 (links) schießt zwar schöne Fotos, kann mit seinem neueren Bruder iPhone 4S (rechts) allerdings nicht mehr mithalten.

Mit iOS 5 kommen ein paar weitere von der Fangemeinde herbeigesehnte Kamera-Features hinzu. So gibt es rechts unten auf dem Lockscreen nun beispielsweise ein Icon, dass sofort die Fotoapp startet – und den Sperrcode umgeht. So soll das iPhone 4S endlich richtig schnappschusstauglich werden. Wenn man den Code nicht eingetippt hat, kann man nur Fotos schießen und die gerade eingefangenen Aufnahmen löschen. Das Fotoalbum durchblättern ist zum Schutz der Privatsphäre des iPhone-Besitzers nicht möglich – dafür muss man dann doch wieder das Passwort eingeben.

Die Videofunktion hat ebenfalls einen Sprung nach vorne gemacht. Das iPhone 4S fängt Full-HD-Clips mit 1920 mal 1080 Pixeln und 30 Vollbildern pro Sekunde ein. Außerdem gibt es einen digitalen Bildstabilisator. Die Clips sehen scharf aus und bilden auch schnell bewegte Objekte flüssig ab. Bild und Ton sind synchron.

Konnektivität

Eine der großen Enttäuschen beim iPhone 4S dürfte wohl die mangelnde LTE-Unterstützung sein. Gut, besonders verbreitet ist der UMTS-Nachfolger noch nicht. Aber wenn man sich ein sündhaft teures Smartphone kauft, dann möchte man es auch mindestens zwei Jahre – und nicht schon morgen neidisch auf das schneller surfende Samsung-Handy vom Kumpel gucken.

Auf der anderen Seite hat Apple natürlich auch seine Gründe dafür. Wie bei allen mobilen Geräten ist die Akkulaufzeit auch beim iPhone 4S ein heikles Thema. Und anscheinend hat der Hersteller beschlossen, dass man mit einem integrierten LTE-Modem hier einfach auf keinen grünen Zweig kommt. Außerdem setzt Apple traditionell nicht auf sich gerade entwickelnde Technologien, sondern entweder auf Etabliertes oder schafft selbst neue Standard. Als Apple das erste iPhone vorgestellt hat, waren 3G-Netze bereits recht verbreitet – das iPhone 3G kam jedoch erst ein Jahr später auf den Markt.

Unter der Haube gibt es zum ersten Mal bei einem Handy den neuen Bluetooth-Standard 4.0 [15]. Er ermöglicht besonders energiesparendes Zubehör wie einen Pulsmesser, der mit einer einfachen Knopfzelle eineinhalb Jahre bei einer Benutzung von circa 1,5 Stunden am Tag durchhalten soll.

iOS 5

Das iPhone 4S bringt alle Features mit, die bei einem Oberklasse-Smartphone zum guten Ton gehören – nicht nur auf der Hard-, sondern auch auf der Softwareseite. Dazu gehören Kalender, Wettervorhersage und Aktienkursanzeige, Google Maps inklusive Kompass, Notizen, E-Mail & Co. Für multimediale Unterhaltung unterwegs ist der iPod weiterhin integriert, der jetzt allerdings zwei Icons im Hauptmenü hinterlegt – eines für Musik und eines für Videos.

Zwar ist iOS 5 kein so umfangreiches Upgrade wie das im Juni 2010 erschienene iOS 4. Es bietet aber einige längst fällige und spannende Verbesserungen. Einige liegen im Verborgenen und verbessern die Nutzererfahrung, während andere die Art und Weise verändern, wie man sein Smartphone benutzt.

Benachrichtigungen: Anstatt von Pop-up-Menüs, die einen bei der Arbeit unterbrechen, bietet iOS 5 ein Notification Center. Es kombiniert Benachrichtigungen, verpasste Anrufe, Software-Updates, einen Börsenticker sowie das aktuelle Wetter. Man kann darauf zugreifen, indem man auf dem Screen von oben nach unten wischt. Auch auf dem Lockscreen erscheinen Benachrichtigungen.

Wählt man mit dem Finger einen Eintrag aus, gelangt man direkt zum jeweiligen Feature. Über ein kleine X auf der rechten Seite kann man ihn löschen. Zwar hat Apple die Implementierung des Benachrichtigungscenters bei Android abgeschaut, trotzdem ist die Möglichkeit, alles an einem Platz zu sehen, eine willkommene Neuerung von iOS 5.

Newsstand: Diese App ist der zentrale Ort für Zeitungsabonnements. Das Konzept ähnelt dem von iBooks. Auch das Newsstand-Icon erinnert an ein Zeitungsregal. Wenn man im App Store in einem neuen Channel ein Abo abschließt, werden neue Ausgaben im Hintergrund automatisch übermittelt. Man muss also nicht selbst aktiv werden.

Twitter: Erfreulicherweise können Anwender jetzt Fotos auf Twitter posten, ohne dazu die Bildergalerie oder die Kameraanwendung verlassen zu müssen. Das ist eine deutliche Verbesserung, da man bisher zwischen verschiedenen Anwendungen hin- und herspringen musste. Es ist möglich, einem Tweet den Ort hinzuzufügen, Twitter mit der Kontaktliste zu synchronisieren und direkt aus YouTube, Safari und Maps zu twittern.

Safari: Die mobile Version von Apple Webbrowser hat jetzt die auf der WWDS 2010 angekündigte Reader-Funktion. Anstatt sich an komplizierte Layouts unterschiedlicher Websites gewöhnen zu müssen, zeigt Reader mehrseitige Artikel in einer RSS-ähnlichen Ansicht an. Werbeanzeigen werden herausgefiltert, Fotos bleiben aber drin. Die Schriftgröße lässt sich verändern und man kann den kompletten Text an einen Kontakt senden. Unter iOS 4 hat das nur mit einem Link geklappt.

Reader ist eine praktische Funktion, um seltsam formatierte Websites anzuzeigen. Auch bei Sites, von denen es keine Mobilvariante gibt, profitiert man davon. Allerdings filtert Reader manchmal etwas zuviel heraus. So würde ich gerne die Kommentare zu einem Artikel sehen – die hält das Tools jedoch offenbar für überflüssig. Eine weitere Safari-Neuerung ist die Möglichkeit, eine Website zu einer Liste hinzuzufügen, um sie später zu lesen. Die Liste ist auf jedem iOS-Gerät verfügbar.

Wischt man mit dem Finger von oberen Displayrand nach unten, taucht die Mitteilungszentrale auf dem Display auf. [17]
Wischt man mit dem Finger von oberen Displayrand nach unten, taucht die Mitteilungszentrale auf dem Display auf.

Erinnerungen: Diese praktische Neuerung ermöglicht einem die Speicherung mehrerer Aufgabenlisten mit Datum für jeden Eintrag. Man kann also Erinnerungen so kategorisieren, dass sie auftauchen, wenn man an einen Ort kommt – oder einen anderen verlässt, etwa das Büro. Das Feature basiert auf GPS. Wenn man beispielsweise die Erinnerung zu Hause anrufen, wenn ich die Arbeit verlasse angelegt hat, nutzt die App die GPS-Daten, um festzustellen, ob man unterwegs ist, und sendet die Erinnerung per Push. Erinnerungen können mit mehreren Geräten geteilt werden. Die Synchronisation auf dem Mac erfolgt über iCal mit CalDAV, unter Windows mit Exchange. Die App hat einen eigenen scrollbaren Kalender, in dem man neue Aufgaben anlegen und Erinnerungen eintragen kann.

Wir haben ortsbasierte Erinnerungen getestet. Tatsächlich wurden wir mit Das iPad nicht vergessen erinnert, nachdem wir das Büro verlassen haben – nach ein paar hundert Metern. Es ist auch möglich, Aufgaben mit Erinnerungen anzulegen, die irgendwann in der Zukunft fällig werden, ohne ein genaues Datum festzulegen.

Mail: Die iOS-Mail-App unterstützt jetzt Rich-Text-Formatierungen, das Flagging von Nachrichten sowie das Verschieben von Adressen zwischen den Feldern An, CC und BCC per Drag-and-Drop. Zudem kann man jetzt im Body der Nachricht statt nur in den Adressfeldern und in der Betreff-Zeile suchen.

PC Free and iCloud: Als eine der größten iOS-Neuerungen bringt PC Free Softwareupgrades und die Geräteaktivierung Over-the-Air. Wie unter Android, Windows Phone 7 und Backberry-OS-5-Geräten muss man das Gerät zur Inbetriebnahme nicht mit einem Rechner verbinden. Zur Aktivierung eines iPhone sind immer noch einige Schritte notwendig, aber sie ist einfach und verläuft am Ende doch recht zügig. Es waren aber einige Versuche nötig, bis unsere Apple-ID erkannt wurde. Man braucht für die Einrichtung des 4S nicht unbedingt WLAN, aber es hilft.

Beim drahtlosen Update von Apps werden nur die Änderungen übertragen, was die Dauer verkürzt. Zudem ist es möglich, das Gerät per iCloud zu synchonisieren, zu sichern und wiederherzustellen. Man findet auch in den Apps neue Funktionen, etwa das drahtlose Bearbeiten von Fotos, die Verwaltung von E-Mail-Ordnern sowie das Anlegen und Löschen von Fotos.

Um das iOS-Gerät mit iTunes auf dem Rechner zu synchronisieren, reicht es, im selben Netzwerk zu sein und das Smartphone mit Energie zu versorgen. Unter Einstellungen – Allgemein kann man auf dem iPhone iTunes Wi-Fi-Sync auswählen. Mit Sync Now lässt sich das Backup von Fotos, Musik und Kalenderdaten per iTunes anstossen.

Game Center: Zu den Neuerungen für Spieler gehören Profilfotos, die Möglichkeit zum Vergleich von Punkten, das Einsehen von Freunden auf der Liste von Freunden, empfohlene Freunde und Spiele sowie die Unterstützung rundenbasierter Spiele. Die Möglichkeit, Spiele im Game Center kaufen zu können, lässt es mehr zu einer interessanten Anlaufstelle werden als zuvor. Aber es scheint so, als bliebe das Game Center ein Social-Connector hinter den Kulissen.

iMessage: Apple orientiert sich mit seiner Instant-Messaging-App, die zwischen allen iPhones funktioniert, an Blackberry. Wie mit dem Blackberry Messenger (BBM) kann man eine unlimitierte Zahl von Textnachrichten, Fotos und Videos mit Freunden, der Familie und Kollegen austauschen. Und das Beste: Im Gegensatz zu SMS kosten die Messages nichts: Es handelt sich einfach um Datenverkehr.

Zudem bietet der Messenger Gruppenchats, einen Indikator, der zeigt, dass jemand tippt, Bestätigungen für Versand und Lesen, Verschlüsselung sowie die Synchronisation mit mehreren Geräten. Wir sind ein wenig enttäuscht, dass die Location- und Contact-Sharing-Features nicht direkt aus iMessage kommen. Man muss die Vorgänge in der jeweiligen App anstoßen. Um beispielsweise einen Kontakt zu senden, ist es erforderlich, auf den Homescreen zu gehen, die Kontakte zu öffnen, eine Person auszuwählen, den Share-Button zu klicken und iMessage auszuwählen.

Find my Friends: Diese Funktion hat Apple gemeinsam mit dem iPhone 4S vorgestellt. Die App ist ausschließlich für iOS 5 zu haben und zeigt die Position von Freunden und Familienmitgliedern in Echtzeit auf der Karte an – vorausgesetzt, die jeweiligen Teilnehmer haben ihr Einverständnis gegeben. Das ist also die Apple-Version von Googles Latitude. Zum Hinzufügen von anderen iPhone-Nutzern ist deren iTunes-ID nötig.

Cards: Eine neue Grußkarten-App ist in iOS 5 enthalten. Dabei kann man eine Postkarte auf seinem Smartphone entwerfen und via Internet an Apple versenden. Dort werden Foto und Gruß zu Papier gebracht und per Snail-Mail, also klassischer Briefpost, an den Empfänger verschickt. Die App an sich ist kostenlos, dafür fallen Gebühren beim Versenden von Postkarten an. Der Versand erfolgt allerdings aus den USA – und damit fallen Gebühren für Post nach Deutschland mit circa 4,50 Euro relativ happig aus. Schade.

Persönliches Wörterbuch: Ein neues Keyboard-Feature erlaubt die Einrichtung eines eigenen Wörterbuchs. Man kann jetzt Tastenkombinationen für Phrasen unter Einstellungen – Allgemein – Tastatur vornehmen. In der Option Tastenkombination hinzufügen könnten wir etwa “bis später” der Kombination “bs” zuordnen. Wenn wir nun “bs” in einer E-Mail oder einem anderen Text tippen, wird die Phrase ausformuliert.

Alternative Route: Ein weiteres neues Feature, das vor allem auf Reisen nützlich ist, hört auf den Namen Alternative Route. In der Karten-App bekommt man seine Wegbeschreibung wie gewohnt. Zusätzlich werden aber noch zwei weitere Fahrstrecken angeboten – für den Fall das es Stau gibt oder eine Baustelle auf der Strecke liegt. Tippt man eine Fahrstrecke an, wird die Fahrzeit angezeigt. Man wählt einfach die gewünschte Strecke. Unsere ersten Tests zeigen, dass alle vorgeschlagenen Strecken nicht schlecht sind. Wir glauben, dass das ein prima Feature ist. Nicht so toll ist aber, dass die anderen Strecken sichtbar bleiben, auch wenn man sich bereits für eine andere entschieden hat. Das verwirrt.

Was fehlt?

Ja, liebe Apple-Jünger, wir müssen auch dieses Thema behandeln. Mit jedem neuen iPhone fegt Apple ein paar Items von unserer Wunschliste, aber trotzdem ist sie noch lang genug. Wir hätten gern mehr Auswahl bei Auto-Complete, Shortcuts zu einzelnen Kontakten auf dem Homescreen, farbliche Kennzeichnung von E-Mails in der gemeinsamen Inbox und schnelleren Zugriff auf die Einstellungen für Bluetooth und WLAN. Und, um Gottes Willen, gebt uns endlich das Feature als gelesen kennzeichnen in der E-Mail-App!

Weniger wichtig auf unserer Wunschliste finden wir eine Wochenansicht für den Kalender, einen HDMI-Ausgang und NFC. Dem Mail-Programm könnte Safaris Reader-Feature gut stehen. Auch mit iOS5 bekommen wir ab und zu E-Mails, die die App besser für den kleinen Screen formatieren könnte. Zieht man in Betracht, wie viele Nutzer das iPhone zum E-Mail-Lesen nutzen, wäre das eine willkommene Verbesserung.

Empfang und Gesprächsqualität

Bei Telefonaten ist die Lautstärke perfekt und die Stimmen hören sich natürlich an. Wir hören ein ganz leichtes Hintergrundzischen, das aber im Gespräch nicht stört. Bei Lärm in der Umgebung ist die Qualität weniger zufriedenstellend. Wir müssen uns anstrengen, um etwas zu verstehen. Auf der anderen Seite der Leitung ist das hingegen kein großes Problem. Unsere Gesprächspartner sagen, dass sie uns gut verstehen. Einige meinen, die Stimmen würden etwas höher klingen als normal, aber es sonst kommen keine Klagen.

Im Freisprechmodus sind die Anrufe zufriedenstellend. Wie bei den meisten Handy übersteuert der Lautsprecher, wenn man die Lautstärke hochdreht. Um selbst verstanden zu werden, darf der Abstand zwischen Sprecher und iPhone nicht zu groß sein. Ansonsten funktioniert’s. Für den Härtetest haben wir sogar im Freisprechmodus einen Sprachcomputer angerufen – dort gab es keine Probleme.

Wie bereits erwähnt, hat das iPhone 4S zwei Antennen, die außen um das Handy laufen. Obwohl Apple das nie zugegeben hat, sind wir davon überzeugt, dass es sich dabei um einen Fix für das Antennagate-Problem des iPhone 4 handelt. Das Telefon sucht das beste Signal und wechselt dabei auch die Antenne. Wir wissen zwar nicht genau, wie das funktioniert, aber wir können feststellen, dass es mit dem iPhone 4 keinen „Todesgriff“ gibt, der die Verbindung abreißen lässt.

Prozessor, Grafik und Performance

Der neue Chipsatz ist eines der Highlights des iPhone 4S. Wie beim iPhone 3GS steht das „S“ für Speed. Das Handy besitzt Apples A5-Dual-Core-CPU mit 1 GHz. Laut Apple soll die Performance doppelt so hoch sein wie beim Vorgänger, die Grafikleistung sei gar sieben Mal so schnell wie beim iPhone 4.

Diese Performancesteigerung merkt man in der Tat. Apps werden schneller geöffnet – normalerweise in unter drei Sekunden. Das Hin- und Herschalten zwischen zwei Apps geht flüssiger von statten. Derzeit führen wir weitere Tests durch und lassen verschiedene Benchmarks auf dem iPhone 4S laufen, um einen ausführlichen Vergleich zum Vorgänger und zur Android-Konkurrenz ziehen zu können.

Die Leistungssteigerung sind nicht schlecht, obwohl man sie nicht wirklich braucht. Die bisherigen iPhone-Modelle haben noch nie den Eindruck von schlechter Performance hinterlassen, aber wenn Apple es noch schneller macht, haben wir auch nichts dagegen – insbesondere wenn das ohne Verkürzung der Akkulaufzeit passiert.

Akkulaufzeit

Trotz der höheren Leistung behauptet Apple, dass acht Stunden Gesprächszeit im UMTS-Netz drin sind, bei einer GSM-Verbindung sogar 14 Stunden. Ferner soll man über UMTS sechs Stunden im Internet surfen können und neun Stunden per WLAN. Ohne das Handy aufzuladen, sind laut Apple zehn Stunden Video-Wiedergabe oder 40 Stunden Musik-Wiedergabe möglich.

Diese Versprechungen sind beeindruckend, aber sie sind halt nichts weiter als Versprechungen. In der Vergangenheit lagen die Angaben von Apple zwar erfreulich nah an der Realität, aber dennoch verlassen wir uns lieber auf unsere eigenen Testergebnisse. In den nächsten Tagen werden wir diesen Teil des Artikels aktualisieren.

Fazit

Android-Fans haben Recht: Das IPhone 4S kommt mit Features, die die Konkurrenz schon vor Monaten gebracht hat. Aber das ist überhaupt nicht der Punkt. Das iPhone 4S hat nicht alles, was technisch möglich ist. Apples Fokus ist die User-Experience – und hier setzt der Hersteller erneut Maßstäbe.

Viele Nutzer halten das iPhone-Konzept für eine gelungene Alternative zu einem Feature-Phone mit fest installierten Funktionen, andere wünschen sich noch mehr Freiheiten. Apples Philosophie ist nicht unbedingt die richtige, aber sie ist vielleicht richtig für Euch. Und wenn das so ist, dann enttäuscht das iPhone 4S keineswegs.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[2] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556502/iphone_4s_hand.jpg

[4] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[5] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[6] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556502/iphone_4s_keyboard.jpg

[7] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

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[9] Siri und die Suche nach Pornos, dem Sinn des Lebens und den Lottozahlen vom nächsten Samstag: https://www.cnet.de/41556515/siri-und-die-suche-nach-pornos-dem-sinn-des-lebens-und-den-lottozahlen-vom-naechsten-samstag/?pid=1#sid=41556502

[10] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556502/iphone_4s_raster.jpg

[11] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[12] So gut ist die Kamera des iPhone 4S im Vergleich mit iPhone 4, 3GS und Galaxy S2: https://www.cnet.de/41556516/so-gut-ist-die-kamera-des-iphone-4s-im-vergleich-mit-iphone-4-3gs-und-galaxy-s2/?pid=1#sid=41556502

[13] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556502/iphone_4_testfoto.jpg

[14] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556502/iphone_4s.jpg

[15] Bluetooth-Standard 4.0: https://www.cnet.de/blogs/mobile/wireless/41556396/bluetooth_4_0_im_iphone_4s_was_der_neue_funkstandard_kann_und_wofuer_man_ihn_braucht.htm

[16] 50 Tipps und Tricks für iOS 5 auf dem Apple iPhone: https://www.cnet.de/41556489/50-tipps-und-tricks-fuer-ios-5-auf-dem-apple-iphone/?pid=1#sid=41556502

[17] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556502/iphone_4s_notifications.jpg