Lenovo ThinkPad Tablet im Test: robustes 10-Zoll-Business-Tablet mit Stiftbedienung

von Donald Bell und Stefan Möllenhoff am , 19:12 Uhr

Pro
  • hervorragendes Display
  • unterstützt Stifteingabe
  • etliche Features für professionelle Anwender
Con
  • dick und schwer
  • überflüssige Navigationstasten
  • langweilige Android-Anpassungen
Hersteller: Lenovo Listenpreis: ab 480 Euro
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,3 von 10 Punkte
Fazit:

Das Lenovo ThinkPad Tablet wirkt, als hätte es eine in Rente gegangene IT-Abteilung entworfen. Das Gerät macht weder in puncto Design noch in Sachen Software besonders viel her, kann dafür aber mit einem tollen Bildschirm und zahlreichen Funktionen für professionelle Anwender punkten.

Es scheint, als wäre die ganze Welt verrückt nach Android-Tablets. Nach den alteingesessenen Handybauern springen jetzt auch immer mehr klassische Notebook-Schmieden auf den Zug auf. Lenovos ThinkPad Tablet setzt weniger auf superstylisches Design und verspielte Funktionen, sondern richtet sich an einen eher „ernsthafteren“ Kundenkreis. Wie sich der Honeycomb-Bolide im 10,1-Zoll-Format in der Praxis schlägt, verrät der Testbericht.

Das Lenovo-Tablet ist in mehreren Ausführungen erhältlich. Die mit 480 Euro „günstigste“ Version verfügt über 16 GByte integrierten Speicher und verzichtet auf mobiles Internet. Für 570 Euro bringt das Tablet bei gleicher Kapazität dann ein integriertes UMTS-Modem mit. Für 32 beziehungsweise 64 GByte Speicher werden schließlich 660 respektive 750 Euro fällig.

Design

Das ThinkPad Tablet fühlt sich wie ein schwerer Bildband an. Der Bolide ist groß, schwer und robust – und dürfte sich damit selbst für einige Einsatzbereiche bereits ganz oben auf den Wunschzettel geschrieben haben. Im Hochformat gehalten ist das Gehäuse 26,0 Zentimeter hoch sowie 18,2 Zentimeter breit und liegt damit ziemlich genau zwischen DIN A4 und A5. Mit 14 Millimetern baut es 60 Prozent höher auf als das Apple iPad 2 [1]. Auf der Vorderseite befindet sich oben rechts eine 2-Megapixel-Kamera für Videotelefonate. Die zweite Digicam sitzt auf der Rückseite und löst 5 Megapixel auf. Apropos Rückseite: Diese ist mit einem griffigen, matten Finish versehen und trägt die Lenovo- und ThinkPad-Logos.

Das ThinkPad Tablet präsentiert sich schlicht und funktional. [2]
Das ThinkPad Tablet präsentiert sich schlicht und funktional.

Einer der ersten Punkte, der uns beim Design auffällt, sind die vier mechanischen Tasten unterhalb des Bildschirms für Bildschirmdrehung sperren, Browser öffnen, Zurück und Home. Zumindest für die beiden letzteren Funktionen gibt es direkt darüber zwei virtuelle Buttons, die genau dieselbe Funktion erfüllen. Zudem finden sich hier noch zwei Schaltflächen für zuletzt benutzt Apps und das sogenannte App Wheel von Lenovo. Zugegeben, es sind Situationen denkbar, in denen professionelle Anwender mechanische Tasten benötigen, weil der Touchscreen mit Handschuhen im Operationssaal nicht mehr auf Fingereingaben reagiert.

Ein weiteres interessantes Detail betrifft die Seite des ThinkPad Tablet. Diese sieht nämlich aus, als hätte jemand ein Loch hineingebohrt. Dieses nimmt den optional erhältlichen digitalen Stift auf. Übrigens gibt es sowohl am Stift als auch am Tablet eine kleine Lasche, mit denen sich das recht teure Eingabegerät (circa 40 Euro) festbinden lässt. Wer keinen Stift benutzen möchte, kann das Loch mit einer mitgelieferten Plastikabdeckung versiegeln.

Lenovos meets Android [3]

Die Hersteller von Android-Tablets habens nicht leicht. Einerseits bekommen sie von Android-Puristen auf den Deckel, wenn sie zu sehr am System herumpfuschen oder Apps mit fragwürdigem Nutzen einbauen. Allerdings ist es ohne jegliche Modifikationen praktisch unmöglich, sich von der Masse abzuheben.

Das Android 3.1 auf dem Lenovo ThinkPad Tablet ist nichts für Puristen. Es sind über 30 Anwendungen vorinstalliert. In den USA reicht das Angebot von Mainstream-Apps wie Amazon MP3 oder Kindle bis hin zu Eigenproduktionen wie SocialTouch und dem Lenovo App Shop. Für den einen ist das nützlich, für den anderen überflüssige Bloatware [4].

Auf diesem Foto ist der sogenannte "Lenovo Launcher" zu sehen. [5]
Auf diesem Foto ist der sogenannte „Lenovo Launcher“ zu sehen.

Dennoch: Alle Vorzüge von Android 3.1 sind immer noch an Bord. So steht auf dem Tablet der offizielle Android Market mit seinen zigtausenden Anwendungen zur Verfügung. Außerdem ist auch Googles Software-Palette von Maps und Navigation über Gmail bis hin zu Google [6] Books und Talk mit von der Partie. Der hervorragende Android-Browser ist prominent auf dem Homescreen untergebracht und von einer Reihe von Symbolen für weitere häufige Anwendungen gesäumt: Videos ansehen, E-Mails lesen, Musik hören, Bücher lesen. Der Hersteller nennt dieses Fensterchen Lenovo Launcher. Wir finden das Widget recht nützlich. Wer anderer Meinung ist, verbannt es mit wenigen Fingertipps vom Homescreen.

Leider gibt es allerdings auch eine Anpassung von Lenovo, die sich nicht ändern lässt. Auf der Unterseite des Bildschirms befindet sich mittig ein Sprechblasen-Icon, das die Lieblingsapps des Benutzers im sogenannten App Wheel aufs Display holt. Wie der Name schon verrät, handelt es sich dabei um einen virtuellen Drehteller, den man mit dem Finger anschieben und so durch die ganzen Programme blättern kann. Über ein Icon in der Mitte dieses Rads lassen sich Programme hinzufügen oder entfernen. An sich ist das Konzept nicht verkehrt, aber letztendlich an dieser Stelle überflüssig. Auf dem Homescreen befinden sich bereits rechts oben das Symbol für die Standard-App-Liste und links oben das Icon für die zuletzt benutzten Programme. Eine dritte Liste braucht man nicht.

Business-Ausstattung

Das Lenovo ThinkPad ist nicht unbedingt ein Livestyle-Objekt, für das sich Leute stunden- oder tagelang vor irgendwelchen Läden anstellen würden. Wie viele andere ThinkPads ist es eher ein Gerät, das man von seiner IT-Abteilung in die Hand gedrückt bekommt. Und Lenovo ist traditionell stark, wenn es um auf spezielle Anwendungen zugeschnittene Produktpakete und zuverlässigen Support geht. Dementsprechend lässt sich auch die auf dem ThinkPad Tablet vorinstallierte Software auf Wunsch an individuelle Bedürfnisse anpassen – bis hin zu einem benutzerspezifischen App Store.

In der Standard-Konfiguration sind eine Reihe von Business-Anwendungen an Bord, darunter eine Vollversion von Documents To Go [7], Citrix Receiver und eine Computrace Mobile App, mit der sich das Tablet per Fernzugriff sperren, leeren, verfolgen oder wiederherstellen lässt. Außerdem ist McAfees Mobile Security vorinstalliert, und es gibt eine App namens PrinterShare zum Senden von Dokumenten an Netzwerkdrucker. Eine Liste der vorinstallierten Apps findet sich auf der Homepage des Herstellers [8].

Der coolste Trick, den das ThinkPad Tablet drauf hat, ist allerdings die Handschriftumwandlung. Jedes Mal, wenn das Onscreen-Keyboard auf dem Bildschirm erscheint, gibt es die Möglichkeit, den Text einfach via Nuances FlexT9 [9] aufs Display zu schmieren. Das geschieht wahlweise mit dem Finger oder mit dem optionalen Stift. Die Software wandelt das Gekritzel in Echtzeit um und erkennt 27 Sprachen. Im Test arbeitet die Erkennung zuverlässig, solange man einigermaßen leserlich schreibt. Wir nutzen diese Eingabemethode – wohl auch aufgrund unserer Sauklaue – in der Praxis eher weniger, für diverse Anwendungsbereiche ergibt sie aber definitiv Sinn.

Erwähnenswert ist noch, dass Lenovo eine externe Tastatur namens Keyboard Folio Case anbietet, die sich über den ausgewachsenen USB-Port mit dem Tablet verbindet. Auf dem Tastenfeld finden sich unter anderem der rote Trackpoint, den man schon von den ThinkPad-Notebooks her kennt, sowie diverse Android-Tasten für Lautstärke, Stummschaltung, Mikrofon-Stummschaltung, Home, Zurück, Menü, Play und Suchen. Wer nach einem Gerät sucht, dass die Brücke zwischen Laptop und Tablet spannt, ist hier genau richtig.

Leistung

Wie man es erwarten darf, bringt Lenovos Android-Tablet ein recht eindrucksvolles Datenblatt mit. So gibt es einen 1 GHz schnellen Tegra-2-Dual-Core-Prozessor, dem 1 GByte Arbeitsspeicher zur Seite steht. Außerdem bietet das Tablet einen Mini-HDMI-Ausgang und eine Micro-USB-Buchse. Zum drahtlosen Verbinden gibt es Bluetooth 2.0, WLAN und – auf Wunsch – auch HSPA. Der Akku hält mit aktiviertem WLAN laut Hersteller acht Stunden durch.

Auf diesem Foto sind die Anschlüsse des ThinkPad Tablet zu sehen. [10]
Auf diesem Foto sind die Anschlüsse des ThinkPad Tablet zu sehen.

Beim 10,1 Zoll großen Touchscreen-Display setzt Lenovo auf ein IPS-Panel, das einen Blickwinkel von 178 Grad bietet. Gorilla Glas von Corning schützt vor Kratzern. Die Auflösung beträgt 1280 mal 800 Pixel, das Seitenverhältnis 16 zu 10. Leider ist die Standard-Helligkeit nicht gerade berauschend – um auf ähnliche Werte wie beim iPad 2 oder beim Samsung [11] Galaxy Tab 10.1 zu kommen, müssen wir deutlich an den Reglern drehen. Und darunter leidet die Akkulaufzeit.

Fazit

Das Lenovo ThinkPad Tablet richtet sich in erster Linie an professionelle Anwender, die ein sicheres und haltbares Tablet suchen. Und diese Anforderungen erfüllt es besser als die Konkurrenz, die sich in diesem Feld bislang versucht hat – in erster Linie HP und RIM. Privatanwender, die nach einem Livestyle-Objektiv fürs Wohnzimmer suchen, werden mit dem klobigen Formfaktor und dem relativ hohen Preis vermutlich weniger glücklich.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41556810/lenovo-thinkpad-tablet-im-test-robustes-10-zoll-business-tablet-mit-stiftbedienung/

URLs in this post:

[1] Apple iPad 2: https://www.cnet.de/tests/handy/41550283/testbericht/apple_ipad_2_im_test_flacher__flotter__fliegengewicht.htm

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556810/lenovo_thinkpad_tablet_hinten.jpg

[3] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[4] Bloatware: http://de.wikipedia.org/wiki/Bloatware

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556810/lenovo_thinkpad_tablet_front.jpg

[6] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[7] Documents To Go: https://www.cnet.de/blogs/mobile/android-app/41539866/documents_to_go_3_0_fuer_android_word__excel_und_powerpoint_fuers_android_smartphone.htm

[8] Homepage des Herstellers: http://shop.lenovo.com/deweb/de/de/learn/products/tablets/thinkpad/

[9] Nuances FlexT9: http://www.nuance.de/for-individuals/by-product/flex-t9-for-android/index.htm

[10] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41556810/lenovo_thinkpad_tablet_seite.jpg

[11] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/