Leistung

Die Sony Alpha SLT-A77V ist in Kombination mit dem neuen 16-bis-50-Millimeter-Kitobjektiv extrem schnell. Einzige Aufnahme ist die Einschaltzeit: Bis nach dem Betätigen des Auslösers das erste Foto im Kasten ist, vergehen mit manuellem Fokus durchschnittlich 0,9 Sekunden. Zwischen jedem weiteren JPEG-Foto mit höchster Kompression genehmigt sich die Kamera eine Verschnaufpause von 0,4 Sekunden – und wird erfreulicherweise im RAW-Modus nicht langsamer. Mit zugeschaltetem Blitz auf voller Leistung steigt die Auszeit zwischen zwei Bildern auf 2,4 Sekunden.

Um bei guten Lichtverhältnissen auf das Motiv zu fokussieren und das Foto einzufangen, benötigt die Sony Alpha SLT-A77V gerade einmal knapp 0,2 Sekunden. Das ist ein Spitzenwert, den sonst nur Profimodelle wie die Canon EOS 1D Mark IV oder die Olympus E-5 erreichen. Selbst bei Motiven mit niedrigen Kontrasten ist die Kamera mit 0,3 Sekunden noch beeindruckend schnell unterwegs. Im Serienbildmodus stemmt die Sony Alpha SLT-A77V im speziellen Highspeed-Modus bis zu zwölf Fotos in der Sekunde. Allerdings sind hier Blende und Belichtungszeit nicht manuell konfigurierbar. Die maximale im normalen Serienbildmodus anwählbare Geschwindigkeit beträgt laut Hersteller 8 fps. Wir messen in unserem Test mit aktiviertem kontinuierlichen Autofokus 8,2 Bilder pro Sekunde.

Im Serienbildmodus muss sich die 12 fps schnelle Sony Alpha SLT-A77V lediglich einem anderen Modell unterordnen: der Canon EOS 1D X. Allerdings ist diese Kamera noch nicht auf dem Markt erhältlich und wird im Frühjahr 2012 mit Anschaffungskosten von rund 6000 Euro das fünffache kosten wie die Sony. Allerdings fordert die extreme Auflösung hier ihren Tribut: Im RAW-Modus ist bereits nach 13 Aufnahmen Schluss – also nach einer Sekunde. Bei der Nikon D3s passen immerhin 36 RAW-Bilder in den Puffer. Zugegeben kostet diese Kamera mit 4500 Euro allerdings auch viermal so viel und schießt mit „nur“ 12 Megapixeln. Allerdings macht es bei der Sport- und Actionfotografie einen durchaus großen Unterschied, ob die Puffer im Serienbilddauerfeuer schon nach einer oder erst nach vier Sekunden überlaufen.

Während des Serienbilddauerfeuers zeigt der elektronische Sucher im Gegensatz zu seinem optischen Pedant nicht das vom Spiegelschlag immer kurz unterbrochene Live-Bild, sondern die zuletzt geschossene Aufnahme an. Hier ist im Endeffekt also ein 12-fps-Video mit minimaler zeitlicher Verzögerung zu sehen. In der Praxis ist die Verzögerung allerdings so klein, dass sie keine Rolle spielt. Wir fotografieren beispielsweise beim Training eines Trampolin-Vereins und haben keine Probleme, die Sportler zuverlässig in der Luft zu erwischen – und während des Sprungs zu verfolgen. Auch Mitzieher stellen kein Problem dar.

Bildqualität

Wir waren zugegebenermaßen ein wenig skeptisch, als wir das erste Mal von der Auflösung der Sony Alpha SLT-A77V gehört haben. 24 Megapixel auf einem APS-C-Sensor – geht das gut? Auf dem Papier hat man jedenfalls Samsung überholt, die erst kürzlich den 20-Megapixel-Boliden „>NX200 vorgestellt haben. Je mehr Pixel sich allerdings die Fläche auf einem Sensor teilen, desto weniger Licht fängt jeder einzelne Bildpunkt ein. Das wiederum bedeutet, dass eine höhere Ausleseempfindlichkeit erforderlich ist, die wiederum für mehr Fehler – ergo mehr Bildrauschen – sorgt. Und damit nimmt die Bildqualität ab.

Bei den niedrigsten Empfindlichkeiten ISO 50 bis ISO 400 liefert die Sony Alpha SLT-A77V wie zu erwarten war eine hervorragende Bildqualität. Ab ISO 800 ist ein erstes sichtbares Bildrauschen zu sehen, und feine Details beginnen, undeutlicher zu werden. Bei ISO 1600 machen sich die Störungen schließlich auch bei verkleinerter Betrachtung bemerkbar. Die Farben sind bis ISO 1600 weitgehend stabil und beginnen erst ab ISO 3200, sich deutlich zu verschieben. Helle Bildbereiche sehen aber bis einschließlich ISO 6400 noch halbwegs lebendig aus – auch wenn die Farben bereits deutlich daneben liegen. Aber damit eignen sich die Aufnahmen zumindest noch für Notfälle. Ab ISO 12.800 sind die Ergebnisse quasi nicht mehr zu gebrauchen.

Insbesondere bei mittleren Empfindlichkeiten lässt sich mit dem Umweg über das RAW-Format noch etwas aus den Aufnahmen herauskitzeln. Insbesondere bei ISO 800 und 1600 lohnt sich die Mühe deutlich. Bei Werten ab ISO 6400 erzielen wir kaum mehr eine Besserung. Bei schlechten Lichtverhältnissen hat die Sony Alpha SLT-A77V noch ein Ass im Ärmel. Die sogenannte Multiframe-Rauschminderung schießt eine Reihe von Aufnahmen und kombiniert diese miteinander, um ein möglichst scharfes, rauschfreies und gut ausgeleuchtetes Foto zu erhalten. Das funktioniert in der Praxis recht gut – jedenfalls, solange sich das Motiv nicht bewegt.

Bei guten Lichtverhältnissen bringt die extreme Auflösung durchaus leichte Vorteile gegenüber der Konkurrenz – insbesondere in Kombination mit dem leistungsstarken 16-bis-50-Millimeter-Objektiv. Im Halbdunkel allerdings wird die enorme Pixelzahl bestraft. Wo die direkte Konkurrenz teilweise noch recht rauschfrei unterwegs ist, vermatscht die A77V Details bereits deutlich und bringt sichtbare Artefakte auf die Fotos. Die Pentax K-5 beispielsweise, die übrigens einen 16-Megapixel-Sensor von Sony einsetzt, schlägt sich bei wenig Licht um Welten besser – und hinkt auch bei guten Lichtverhältnissen nicht merklich hinterher.

Es wird wohl kaum ein Amateur-Fotograf und selbst nur ein Teil der Profis jemals eine Auflösung benötigen, wie sie die A77V mitbringt. Das zeigt beispielsweise auch Canons neues 6000-Euro-Profi-Flaggschiff EOS 1D X mit einer Auflösung von 18 Megapixeln – auf einem größeren Sensor wohlgemerkt. Ein weiterer Punkt ist noch, dass die hochauflösenden Fotos massig Speicher fressen. Die 6000 mal 4000 Pixel großen Bilder belegen im JPEG-Fine-Format bis zu 10 MByte. Im RAW-Modus muss man mit 24 bis 25 MByte rechnen.

Das neue 16-bis-50-Millimeter-Kitobjektiv bietet eine solide Leistung. Die Optik fühlt sich sehr hochwertig an und gehört nicht gerade zu den Leichtgewichten. Dafür gibt es aber im Gegenzug ein über den gesamten Brennweitenbereich konstantes Öffnungsverhältnis von F2,8. Bereits bei dieser Blendenöffnung gelingen die Fotos sehr scharf. Die Abbildungsleistung ist in der Bildmitte ausgezeichnet und lässt zum Rand und zu den Ecken hin kaum nach. Auch mit Farbsäumen hat die Optik praktisch nicht zu kämpfen. Im Weitwinkel bringt das Objektiv allerdings eine recht deutliche Tonnenverzerrung auf die Aufnahmen. Bei maximaler Brennweite stellen wir eine leichte kissenförmige Verzeichnung fest.

Fazit

Die Sony Alpha SLT-A77V ist eine herausragende Kamera. Sie ist blitzschnell, schießt extrem hochauflösende Fotos und bietet ein weitgehend durchdachtes Design inklusive fantastischem OLED-Sucher. Es ist bloß sehr schade, dass der Hersteller auf den „kleinen“ Sensor so irrwitzig viele Pixel quetschen musste – mit weniger Auflösung hätten sich sowohl ein besseres Rauschverhalten bei wenig Licht als auch ein leistungsfähigerer Serienbildmodus realisieren lassen.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Sony Alpha SLT-A77 im Test: blitzschnelle 24-Megapixel-Kamera mit transluzentem Spiegel

  • Am 17. November 2011 um 11:42 von Mr.Burns

    Video?
    Hallo,

    wurde in dem Test die Videofunktion nicht getestet?
    Warum nicht?

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