Kaufberatung: iPad, Netbook oder Ultrabook – welches Gadget ist das Beste?

von Andrew Hoyle und Daniel Schraeder am , 19:03 Uhr

Netbooks wie der erste Eee-PC waren einst die Könige der Mobilrechner: Klein, portabel und günstig. Für deutlich mehr Geld gibt es bei nahezu identischen Abmessungen mit den Ultrabooks nun die Kraft eines vollwertigen Rechners – und gleichzeitig hat das iPad eine Revolution eingeläutet, die die Verkaufszahlen von Notebooks zurückgehen lässt. Wir zeigen, wer sich welches Gerät zulegen sollte.

iPad oder Netbook? Diese Frage wurde uns in der letzten Zeit – und jetzt kurz vor Weihnachten – häufig gestellt. Ein Netbook wäre der sinnvollere Kauf und würde den Zweck in den meisten Fällen auch viel besser erfüllen. Aber ein Tablet ist nun mal viel cooler. Da kann man doch Kompromisse eingehen? Oder gleich noch etwas mehr Geld auf den Tisch legen und ein Ultrabook kaufen, wie ein MacBook Air oder das Asus Zenbook. Für kompromisslose Power und einen angemessenen Coolness-Faktor.

In diesem Artikel gehen wir auf die Unterschiede zwischen den Geräteklassen ein. Die Ideallösung gibt es nämlich nicht – sie hängt immer von den Prioritäten und dem Einsatzzweck des Nutzers ab. Als Tablet findet hier im Vergleich meist das iPad Erwähnung. Das liegt daran, dass es den Markt mit weitem Abstand anführt und für die Masse der Interessenten wohl den besten Kauf darstellt – aber letztlich gelten die Argumente auch für die Alternativen mit Android [1]-Betriebssystem. Nur Windows-Tablets lassen wir gleich komplett außen vor. Wer nicht einen ganz bestimmten Grund hat, sie zu kaufen, macht darum besser einen großen Bogen. Denn sie vereinen die Nachteile der Tablets mit denen der Netbooks.

Benutzung

Schnell einen Begriff in der Wikipedia nachschlagen oder eine kurze E-Mail mit einem flotten „Geht in Ordnung“ beantworten – das riecht nach iPad. Man zieht es aus der Tasche, drückt den Home-Button und kann es benutzen. Es muss nicht booten und will nicht aufgeklappt werden, das ist perfekt für schnelle Reaktionen. Und eine große Anzahl an Apps für alle möglichen Belange bringt die gesuchte Information in den meisten Fällen in Windeseile auf das Display.

Die Bedienung ist simpel und logisch: Wischbewegungen durch die Icon-Liste auf dem Homescreen haben selbst Kids im Kindergartenalter schnell durchschaut. Das Display ist gut, der Touchscreen angenehm empfindlich – und ein Touchpad gibt es nicht. Aber eben auch keine Tastatur, und damit wird klar: Wer mehr als nur ein paar Sätze am Tag tippen muss, benötigt wohl zumindest eine Bluetooth-Tastatur, die er zusätzlich mitschleppen muss. Oder gleich eine Alternative.

Netbooks zum Beispiel sind ja gleich mit Tastatur ausgestattet. In den meisten Fällen haben die Tasten hier aber keine Normgröße, sondern sind arg gequetscht. Mehr als ein paar Sätze sind schon drin, aber Romanschreiber brauchen immer noch eine andere Alternative. Ultrabooks beispielsweise gibt es auch mit Tastenfeld in Normalgröße – für Vielschreiber sind sie daher erste Wahl. Dazu gibt es hier meist bedeutend größere Touchpads als Mausersatz, die die Bedienung massiv vereinfachen.

Apropos: Sowohl auf Net- als auch auf Ultrabooks läuft üblicherweise Windows. Wer sich damit auskennt, hat keine Probleme bei der Benutzung – auch, wenn alles nicht so flott und attraktiv vonstatten geht wie bei iOS. Dafür hat es auch viele Vorteile, auf die man beim iPad verzichten muss. Eine externe Festplatte anschließen, um mal schnell von Freunden Fotos zu kopieren, zum Beispiel. Oder die Speicherkarte von der Digicam. Oder Bewerbungsunterlagen vom kleinen Bruder. Eingeschränkt geht das zwar auch mit dem iPad, aber häufig ist für die Übertragung von Dateien dann eben doch noch ein zusätzlicher Computer mit installiertem iTunes möglich.

Dass Windows nicht nur zum Booten, sondern auch zum Aufwachen aus dem Standby-Modus üblicherweise länger braucht als das iPad, stimmt zwar – aber gerade in der Klasse der Ultrabooks kommen üblicherweise flotte SSD-Speicher anstelle von herkömmlichen Festplatten zum Einsatz – das Zenbook beispielsweise wacht damit innerhalb von zwei Sekunden wieder auf.

Ultrabooks wie das Zenbook von Asus verfügen über eine Tastatur in Normgröße und ein großes Touchpad als Mausersatz.
Ultrabooks wie das Zenbook von Asus verfügen über eine Tastatur in Normgröße und ein großes Touchpad als Mausersatz.

Design

An die 9 Millimeter Bauhöhe des iPad 2 kommt die Konkurrenz nicht heran – so dünn ist kein Note- oder Netbook. Beim Tablet gibt es natürlich kein Scharnier zum Auf- und Zuklappen, was der Bauhöhe zu Gute kommt. Dafür ist der 9,7-Zoll-Bildschirm allerdings auch im harten Alltagseinsatz nicht geschützt. Die meisten iPad-Nutzer wirken dem mit Hüllen oder Taschen entgegen, die das Gerät dann aber wieder auf die Dicke eines Ultrabooks bringen.

Wer es noch kleiner möchte, muss sich bei den Android-Tablets umsehen. Es gibt Tablets wie das erste Galaxy Tab von Samsung [2] oder das Media Pad von Huawei im 7-Zoll-Format – das entspricht fast exakt der halben Bildschirmfläche des iPads. Diese Geräte passen sogar in die Sakko-Innentasche. Der Preis dafür ist aber natürlich der Verlust von Anzeigefläche. Wer das Gerät also hauptsächlich als mobilen Video-Player einsetzen möchte, legt wohl eher Wert auf einen größeren Monitor als jemand, der nur gelegentlich E-Mails, Nachrichten und Messenger checkt.

Auch die Netbooks sind relativ klein. Es gibt sogar Geräte, deren Displays ebenfalls nur 7 Zoll groß sind. Das sind dann aber häufig besonders günstige Mogelpackungen mit breiten Rahmen um die Anzeige – denn die Tastaturfläche darunter lässt sich nun mal nicht beliebig schrumpfen, um noch gut bedienbar zu bleiben. Der 10-Zoll-Faktor ist hier eher üblich – und damit sind die Geräte nur minimal größer als das iPad. Aber eben deutlich dicker.

Fast genauso flach wie Tablets sind die teuren Ultrabooks – so wie das MacBook Air oder eben das Zenbook von Asus. Die Displays sind mit 11 bis 13 Zoll meist etwas größer. Zugunsten der Nutzbarkeit und der zur Verfügung stehenden Tastaturfläche, versteht sich – aber zu Lasten der Portabilität. In eine Jackentasche passt so ein Gerät auch mit viel Fantasie nicht mehr. Da ist dann schon eher eine Notebooktasche oder ein Rucksack gefragt.

Wenn es also besonders auf die Mobilität ankommt, bietet sich ein Tablet an. Wer mehr damit arbeiten möchte als Medien zu konsumieren, benötigt aber wohl eine externe Tastatur – und kann dann auch gleich wieder je nach Leistungsbedarf zum Net- oder Notebook [3] greifen.

Funktionen

Das wohl wichtigste Ausstattungsmerkmal des iPads ist sein Zugang zum App Store. Das gleiche gilt natürlich auch für Android-Tablets. Aber Vorsicht: Ganz billige Modelle bieten üblicherweise nicht den offiziellen Android Market von Google [4] an, sondern einen App-Katalog eines Drittanbieters, der meist eine deutlich geringere Auswahl mitbringt. In den offiziellen Stores hingegen gibt es hunderte und aberhunderte Anwendungen und Spielen aus allen Bereichen – von der Mediennutzung über Videoschnitt bis hin zu Office.

Etwas Vergleichbares gibt es auf der Note- und Netbookseite nur beim MacBook Air. Die anderen Vertreter kommen mit Windows statt OS X oder iOS – und bieten damit die volle Freiheit bei der Software-Auswahl. Die Installation und Pflege durch Updates der Programme ist dafür aber nicht so komfortabel. Der Download erfolgt am Besten direkt über das Internet – optische Laufwerke haben diese Mobilrechner allesamt nicht. Alternativ kommen die Daten über einen USB-Speicherstick auf das Gerät.

Die 3G-Version des iPads bringt darüber hinaus noch einen mobilen Internetzugang über das Handynetz mit. Dafür nötig ist nur eine SIM-Karte, die es bei vielen Verträgen für eine geringfügige, einmalige Gebühr zusätzlich zum Haupttarif gibt – ansonsten bieten sich Prepaid-Karten an, die Tagesflatrates für um die zwei bis drei Euro oder Monats-Flats für um die zehn Euro zu bieten haben. Der Großteil der Net- und Notebooks verfügt übrigens nicht über ein integriertes UMTS-Modem, dafür aber über USB-Anschlüsse, an die sich günstige Surfsticks ab etwa 30 Euro für die gelegentliche Nutzung unterwegs anschließen lassen. Wahre Mobilsurfer sollten aber aus Komfortgründen trotzdem darauf achten, dass der mobile Internet-Zugang über UMTS bereits integriert ist.

Der Bildschirm des iPad 2 stellt mit seiner Auflösung von 1024 mal 768 Pixeln wahrlich keine Rekorde auf, seine Schärfe reicht aber für die Mediennutzung, für Surfen und zum Arbeiten vollkommen aus. Farben und Kontraste hingegen sind hier vorbildlich. Vor allem daran hapert es bei billigen Netbooks, die oft eine noch etwas geringere Auflösung (1024 mal 600 Pixel), vor allem aber kleinere Blickwinkel bieten. Teurere Modelle haben mehr Pixel zu bieten. Wer ernsthaft mit dem Gerät arbeiten möchte, sollte darüber nachdenken, den Aufpreis zu investieren. Bei den ohnehin teureren Ultrabooks ist das nicht nötig: Deren Anzeigen sind mindestens auf iPad-Niveau.

Spieler sollten auf jeden Fall einen Bogen um die Netbooks machen, denn deren Power reicht üblicherweise nicht aus für halbwegs anspruchsvolle Games. Mit einem Ultrabook wird man da schon eher glücklich. Und auch das iPad hat inzwischen schon fast den Ruf einer mobile Spielkonsole – auch wenn hier eben ganz andere Games laufen als auf einem Windows-PC: Angry Birds statt World of Warcraft.

USB-Anschluss und SD-Kartenleser: Das hat das iPad nicht zu bieten - und  kann damit einen Computer nicht ersetzen.
USB-Anschluss und SD-Kartenleser: Das hat das iPad nicht zu bieten – und kann damit einen Computer nicht ersetzen.

Leistung

iPad-Gamer bleiben aber nicht auf so „einfache“ Spiele wie Angry Birds beschränkt. Dank seines A5-Prozessors läuft hier auch grafisch Aufwändigeres problemlos, darunter Rennspiele wie Need for Speed. Gesteuert wird dabei durch Neigbewegungen des Tablets statt per Tasten- oder Joystickeingabe.

Tablet-Käufer dürfen sich darüber hinaus über erfreuliche Akkulaufzeiten freuen. Bis zu zehn Stunden am Stück läuft das iPad mit einer Akkuladung. Wer ununterbrochen Need for Speed spielt, kommt zwar nicht so weit – aber das ist dennoch eine Ansage.

Netbook-Akkus hingegen geben, je nach Modell, nach etwa vier Stunden den Geist auf. Damit kann man problemlos im Café im Internet surfen oder seine Mails beantworten – für einen Abenteuerurlaub fernab jeglicher Stromversorgung ist das aber nichts. Und überhaupt, auch die Leistung der Netbooks ist arg eingeschränkt. Mit ihrenn Atom-Prozessoren und der geringen Arbeitsspeicherausstattung reichen sie für einfache Aufgaben aus. Wer aber zu viele Browser-Fenster zugleich öffnet oder ein Video betrachtet und gleichzeitig im Office tippt, bringt das Gerät schnell an seine Grenzen. An aufwändige Games, an Bildbearbeitung oder das Betrachten von Videos in HD-Auflösung sollte man aber besser gar nicht erst denken.

Wer ebendiese Leistung benötigt, muss den kräftigen Aufpreis für ein Ultrabook bezahlen. Sie haben ähnliche Rechenpower wie vollwertige Notebooks oder Desktop-PCs. Damit lässt es sich also so anständig arbeiten, dass man keinen zusätzlichen Computer mehr benötigt, während iPad und Netbook eher als Ergänzung zur vorhandenen IT-Ausstattung sinnvoll sind.

Wenig Power, aber ein ansonsten vollwertiger Rechner: Netbooks wie das Samsung NC10JP06 gibt es bereits ab 250 Euro.
Wenig Power, aber ein ansonsten vollwertiger Rechner: Netbooks wie das Samsung NC10JP06 gibt es bereits ab 250 Euro.

Preise

Ein iPad ist teuer? Stimmt. Preise ab 479 Euro sind kein Pappenstiel, und wer mehr Speicher möchte (einen SD-Kartenslot zur Erweiterung gibt es ja nicht) oder gerne UMTS integriert hätte, muss noch mehr Geld auf den Tisch legen – und hat noch nicht einmal einen uneingeschränkt nutzbaren Computer.

Dagegen ist ein Netbook deutlich günstiger. Ab etwa 250 Euro geht es langsam los, für 300 bis 350 Euro gibt es etwas Ordentliches. Auch hier wollen Extras wie UMTS natürlich bezahlt werden, aber die meisten Geräte sind ähnlich ausgestattet – und unterscheiden sich primär in Design-Aspekten.

Ultrabooks haben dafür nicht nur einen coolen Namen, sondern auch heftige Preise. Mindestens 900 Euro muss man schon investieren, nach oben hin sind kaum Grenzen gesetzt. Aber dafür gibt es eben auch einen vollwertigen Rechner.

Besser oder schlechter gibt es nicht - sondern nur das richtige Gadget für jeden Einsatzzweck.
Besser oder schlechter gibt es nicht – sondern nur das richtige Gadget für jeden Einsatzzweck.

Fazit

Das beste Gerät gibt es nicht. Zwar kann man sowohl mit einem Tablet als auch mit einem Net- oder Notebook im Coffee-Shop surfen, aber alle Klassen können eben signifikant mehr – und vor dem Kauf sollte man wissen, was man möchte.

E-Books lesen, Videos betrachten, Spiele spielen – und zwischendurch ein paar Mails beantworten oder die Präsentation durchsehen? Das klingt nach dem iPad. Einfache Bedienung, tolles Design, hervorragende Bedienung und eine gigantische App-Auswahl machen Tablets zu einem guten Kauf.

Netbooks hingegen sind da schon eher die Allrounder. Hier kann man auch mal eben eine externe Festplatte oder Speicherkarte anschließen, Standard-Software installieren und dank der integrierten Tastatur auch etwas längere Texte zu Papier bringen – denn dank USB-Port lässt sich hier auch ein Drucker anschließen. Außerdem sind die Geräte günstig. Dafür mangelt es aber auch an der Leistung. Für anspruchsvolle Aufgaben sind sie nicht geeignet.

Utrabooks sind die uneingeschränkten, mobilen Alleskönner. Die volle Power eines ausgewachsenen Computers trifft auf attraktives Design und kleine Abmessungen. Klingt gut – ist aber teuer. Aber wer auch unterwegs auf anspruchsvollere Aufgaben wie Bildbearbeitung mit Photoshop angewiesen ist, hat zumindest in diesem Umfeld keine Alternative. Einen Vergleich zwischen aktuellen Ultrabooks gibt es hier [5].

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41557516/kaufberatung-ipad-netbook-oder-ultrabook-welches-gadget-ist-das-beste/

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[1] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[2] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[3] Notebook: http://www.cnet.de/themen/notebook/

[4] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[5] Einen Vergleich zwischen aktuellen Ultrabooks gibt es hier: https://www.cnet.de/digital-lifestyle/kaufberatung/41557348/der_grosse_ultrabook_test_toshiba__lenovo__acer_und_asus_gegen_apples_macbook_air.htm