Günstig oder billig? Weltbild eBook Reader 3.0 für 60 Euro im Test

von Anita Klingler am , 15:13 Uhr

Pro
  • günstiger Preis
  • unterstützt viele eBook-Dateiformate inklusive PDF
  • fühlt sich wertig an
  • mattes Farbdisplay
  • relativ kratzfester Bildschirm
Con
  • mäßiges Dispay mit niedriger Auflösung
  • kein WLAN
  • träge Reaktionen
  • miese Akkulaufzeit
Hersteller: Trekstor Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,9 von 10 Punkte
Fazit:

Mit dem eBook Reader 3.0 wollen Weltbild und Hugendubel das elektronische Lesen für alle erschwinglich machen. Zwar ist das Gerät mit 60 Euro wirklich günstig, bei Firmware, Display und Bedienung wurden aber in mehrerlei Hinsicht Abstriche gemacht. Wer damit leben kann, ist mit dem Weltbild-Reader gut bedient.

Einer für alle: Das ist das Ziel von Hugendubel und Weltbild. Jeder soll sich einen E-Reader leisten können. Tatsächlich ist der von Trekstor produzierte eBook Reader 3.0 das derzeit günstigste Gerät am Markt. Wir haben ihn ausführlich getestet.

Amazon macht der Konkurrenz die Hölle heiß: Nicht nur soll sich sein Tablet Kindle Fire in den USA verkaufen wie hierzulande der Glühwein, sondern auch eine deutschsprachige Version des Kindle hat der Onlinehändler mittlerweile am Start. Während Thalia und Medion mit dem 139 Euro teuren Oyo mäßige Erfolge feiern, versuchen Weltbild und Hugendubel, mit einem unschlagbaren Preis dagegen zu halten – und haben eine neue Generation ihres Lesegeräts herausgebracht: den eBook Reader 3.0. Produziert wird er im Gegensatz zum Vorgänger nicht von Aluratek, sondern von Trekstor. Weltbild hat uns das Gerät freundlicherweise zum Testen zur Verfügung gestellt.

Design

Plastik hin oder her: Der Weltbild-Reader gehört bestimmt zu den eleganteren seiner Art. Die angeraute Oberfläche fühlt sich wertig an, und mattschwarz ist selten eine schlechte Wahl. Bis auf den Ausschaltknopf im Rahmen sind alle mechanischen Tasten rechts neben dem Bildschirm untergebracht – je eine für Menü, Schriftgröße, Audio und Zurück. Zusätzlich gibt es Buttons zum Umblättern und ein Steuerkreuz-Ensemble, das an ältere Nokia-Handys erinnern: Navigieren funktioniert nach oben, unten, rechts, links sowie bestätigen – allerdings mäßig genau und mit verbummelter Reaktion.

Für Choleriker und Menschen mit ernstzunehmenden Pranken ist der Weltbild-Reader nichts. Erstere finden ihn zu launisch und schmeißen ihn spätestens nach zehn Minuten an die Wand; Zweitere treffen die Tasten nicht. Zumindest nicht so, wie es das Lesegerät gerne möchte.

Ja, es gibt eine bestimmte Art und Weise, wie der eBook Reader 3.0 seine relativ winzigen Knöpfchen gedrückt haben will. Kurz, aber nicht zu kurz, mittig und mit Nachdruck. Alles andere führt zu – rein gar nichts. Dasselbe gilt, wenn ihm zu kalt ist. Zwar lässt der Winter rein temperaturtechnisch noch etwas auf sich warten, aber ein kühles Windchen reicht durchaus aus, um den Reader zu verstimmen – und dann reagiert er nicht mehr.

Auch wie die Tasten angeordnet sind, ist gewöhnungsbedürftig. Hält man das Lesegerät nämlich normal in der Hand, lässt sich nicht einmal umblättern: Der Daumen landet auch bei kleinen Händen automatisch zu weit oben. Zudem ist das Gerät mit 270 Gramm einen Tick zu schwer, um es dauerhaft in einer statt zwei Händen zu halten. Etwas ungeschickt gelöst ist auch der Akku-Verbau auf der Rückseite: Der Reader ist links und rechts unterschiedlich dick. Wo der Akku aufhört, verläuft eine Kante, wodurch sich das Gerät aber nicht angenehmer halten lässt.

Im 17,5 mal 12,7 mal 1,3 Zentimeter großen Gehäuse versteckt befinden sich neben dem besagten Ausschaltknopf ein Micro-SD-Slot, eine Klinkenbuchse und ein Micro-USB-Anschluss. Ein USB-Kabel zum anschließen an den Computer ist im Lieferumfang enthalten, ebenso wie In-Ohr-Kopfhörer. Was fehlt, ist ein Netzteil. Am PC dauert es nämlich relativ lang – rund vier Stunden – bis sich das Gerät voll aufgeladen hat, was bei einer im Praxistest nicht wirklich erreichten Akkulaufzeit von acht Stunden relativ viel ist.

Display

Anders als bei den meisten E-Readern kommt hier statt elektronischem Papier ein LCD mit Hintergrundbeleuchtung zum Einsatz. Das ermöglicht etwa taschenlampenloses Lesen unter der Bettdecke. Auch Farben – etwa von Comics – lassen sich problemlos darstellen. Außerdem ist so das Betrachten von Fotos im JPEG-Format möglich. Der Bildschirm benötigt allerdings im Gegensatz zu E-Ink-Modellen nicht nur beim Umblättern, sondern auch beim Darstellen von Inhalten Energie, was die Akkulaufzeit beträchtlich schmälert. Außerdem hält sich die Farbtreue in Grenzen.

Das matte LC-Display des eBook Reader 3.0 löst maximal 800 mal 480 Bildpunkte auf – im Grunde viel zu wenig für ein 7 Zoll großes Gerät. Eine solche Auflösung besitzen Smartphones mit halb so großen Screens, die aber nicht zum stundenlangen Lesen gedacht sind. Zum Vergleich: Das bisher unerreichte Retina-Display des iPhone 4 schafft 960 mal 640 Pixel bei 3,5 Zoll Bildschirmdiagonale. Dafür zeigt sich im Test, dass der eBook Reader 3.0 den Transport in einer Tasche auch ohne Schutzhülle schadlos übersteht: Der Bildschirm ist gegenüber Kratzern relativ unempfindlich.

Leser können zwischen elf Helligkeitsstufen und fünf Schriftgrößen wählen. Zudem lassen sich Ausschnitte vergrößern. Je nach Dateiformat passt der E-Reader auch den Textfluss an. Mit Hilfe eines Lagesensors wechselt die Textausrichtung automatisch und ermöglicht das Lesen im Hoch- oder Querformat. Im Hauptmenü lässt sich der Lagesensor auch ausschalten.

Für Migränepatienten ist der Weltbild-Reader also nicht geeignet. Und auch Normalsterbliche bekommen beim Starren auf seinen Bildschirm schon mal einen Augenkrampf. Das Bild wirkt körnig und flimmert leicht, was einen schnell ermüden lässt und das Lesen auf Dauer mäßig angenehm macht.

Bedienung

Der eBook Reader 3.0 verfügt über zwei Optionsmenüs: Der Datei-Explorer, die Favoriten sowie die Einstellungen lassen sich etwa nur auf dem Homescreen aufrufen; die Funktion „Gehe zu Seite“ gibt es dagegen logischerweise nur, wenn ein Buch geöffnet ist. Der Lagesensor lässt sich wiederum nur im Hauptmenü ausschalten. Mit ein wenig Zeit und Muße findet man sich aber rasch zurecht, auch ohne die Betriebsanleitung auswendig zu lernen.

Als etwas mühselig erweist sich, dass der Trekstor-Reader alle auf dem Gerät gespeicherten E-Books auf dem Homescreen nach dem Alphabet sortiert anzeigt. Auch ein Verschieben in Unterordner bringt hier wenig. Schon das Durchforsten der vorinstallierten Leseproben ist erschreckend zeitraubend. Hier müssen Nutzer über den Explorer gehen, um zu finden, was sie suchen.

Ein großes Manko ist beim geöffneten E-Book eine am oberen Bildrand befindliche Leiste, in der der Titel angezeigt wird. Ist er zu lang für den Bildschirm, wandert er laufend von links nach rechts und wieder zurück. Zum einen wissen Nutzer hoffentlich, welches Buch sie gerade lesen, zum anderen irritiert es einfach, wenn sich auf der sonst statischen Seite etwas bewegt. Einzige Lösung: Gerät an den PC anschließen, Buch umbenennen, weiterlesen.

Lesezeichen lassen sich im Optionsmenü während des Lesens ganz einfach hinzufügen. Schaltet man das Gerät ein, zeigt es oben auf dem Homescreen die zuletzt geöffnete Seite an. Das funktioniert allerdings immer nur mit dem zuletzt gelesenen Buch: Bei jedem anderen startet der E-Reader wieder bei Seite eins.

Bücher

Als Verlag beziehungsweise Buchhandlungen wollen Hugendubel und Weltbild ihren E-Reader freilich als weiteren Vertriebsweg für ihr Sortiment nutzen. Vorinstalliert kommen 30 Leseproben. Nach Angaben von Weltbild haben Nutzer im Onlineshop [1] Zugriff auf rund 130.000 aktuelle Buchtitel.

Für den Zugriff auf den virtuellen Buchladen ist ein PC vonnöten. WLAN oder UMTS fehlen; heruntergeladene Bücher müssen per Micro-USB-Kabel auf den E-Reader übertragen werden. Der 2 GByte große interne Speicher soll laut Hersteller Platz für 2000 E-Books bieten. Er lässt sich mittels Micro-SD-Karte um bis zu 32 GByte erweitern.

Ebenfalls Voraussetzung ist Adobe Digital Editions. Zur Nutzung braucht man eine kostenlose Adobe-ID, die sich auf der Website des Softwareanbieters anlegen lässt. Adobe Digital Editions lässt sich auch nach dem Kauf eines E-Books installieren – dazu reicht es, einem Link zu folgen, der nach der Bestellung angezeigt wird. Danach müssen PC und E-Reader mittels Adobe-ID autorisiert werden.

Kostenlose E-Books wie bei Google [2] bietet Weltbild naturgemäß nicht. Dafür können Nutzer im Vergleich zu den Print-Ausgaben schon mal knapp 30 Prozent sparen – etwa bei Ken Follets „Sturz der Titanen“, der wie beim Konkurrenten Thalia mit 19,99 Euro zu Buche schlägt. Einige Titel bietet der Händler auf Taschenbuchniveau an, andere auch für zwei, drei Euro, zum Beispiel „Die schwarze Feder“ von Dean Koontz für 1,99 Euro. Zudem ist der eBook Reader 3.0 wie auch der Oyo offen: Wer will, besorgt sich also seine Bücher von anderer Quelle und kopiert sie per USB auf das Gerät. An Formaten werden ePub, PDF, TXT und FB2 mit Adobe-DRM unterstützt. Außerdem gibt der Trekstor Musik in den Formaten MP3, OGG, WAV, WMA wieder und zeigt Bild-Dateien (JPG, BMP, GIF) wiedergegeben werden.

Lieferumfang und Zubehör

Im Karton des E-Readers ist eine Kurzanleitung enthalten; eine ausführliche Version ist auf dem Gerät gespeichert. Ein Micro-USB-Kabel sowie In-Ohr-Kopfhörer sind ebenfalls mit dabei. Eine passende Tasche bieten Weltbild und Hugendubel für 9,99 Euro an.

Fazit

Wer das Format E-Book einfach mal ausprobieren möchte und keine zehn Stunden am Stück liest, ist mit dem eBook Reader 3.0 von Weltbild gut bedient. Der Preis ist fast unschlagbar, und an die Macken des Geräts gewöhnt man sich durchaus.

Ein Nachteil ist freilich, dass der Kauf von E-Books recht umständlich funktioniert und auch Bedienung und Reaktion des E-Readers zu wünschen übrig lassen. Da lohnt es sich unter Umständen, ein paar Euro mehr für ein besseres Gerät auszugeben.

Spezifikationen

  • Peripherie-Typ - E-Book-Reader
  • Kommunikation - USB

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41557784/guenstig-oder-billig-weltbild-ebook-reader-3-0-fuer-60-euro-im-test/

URLs in this post:

[1] Onlineshop: http://www.weltbild.de/3/17095428-1/ebook/die-schwarze-feder.html

[2] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/