Nikon Coolpix S6200 im Test: günstige, aber langsame Superzoom-Flunder

von Joshua Goldman und Stefan Möllenhoff am , 19:19 Uhr

Pro
  • zoomstarkes Weitwinkelobjektiv
  • sehr kompaktes Gehäuse
  • einfache Bedienung
Con
  • langsamer Autofokus
  • keine manuellen Einstellungsmöglichkeiten
  • ab ISO 400 stark nachlassende Bildqualität
Hersteller: Nikon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,8 von 10 Punkte
Fazit:

Die Nikon Coolpix S6200 bietet in keiner Disziplin eine herausragende Performance, leistet sich aber - abgesehen von der Geschwindigkeit - auch keine größeren Fehltritte. Wer eine günstige zoomstarke Kamera sucht und nur selten bewegte Motive fotografiert, sollte sich dieses Modell definitiv näher ansehen.

Günstig und viel Zoom? Wenn das die beiden größten Ansprüche an die neue Kompaktkamera sind, präsentiert sich die Nikon Coolpix S6200 als nahezu perfektes Modell. Die gerade einmal 140 Euro teure Digicam passt problemlos in die Hosentasche und verfügt über einen zehnfachen optischen Zoom. Wie sich die Flunder in der Praxis schlägt, verrät der Testbericht.

Einen zehnfachen optischen Zoom gab es bis vor kurzem weder für 140 Euro noch in einem derart kompakten Format zu kaufen. Es stellt sich also die berechtigte Frage: Wie viel von den Anschaffungskosten bleibt noch für eine gute Bildqualität übrig, wenn man erst einmal die aufwändige und beeindruckend kompakte Optik abzieht? Und das schicke, gerade einmal 2,5 Zentimeter dicke Metallgehäuse? Wir sind gespannt.

Design

Das beste an der Nikon Coolpix S6200 ist ihr Design. Das Metallkleid ist in fünf verschiedenen Farben erhältlich und liegt seiner extrem kompakten Abmessungen zum Trotz sehr gut in der Hand. Mit einer Dicke von 2,5 Zentimetern passt sie problemlos in die Hosentasche – davon konnten Zehnfach-Zoom-Kameras vor wenigen Jahren noch nicht einmal träumen.

Die Bedienelemente auf der Rückseite sind zwar klein, stehen aber etwas von dem Gehäuse hervor und bieten ein gutes haptisches Feedback. Für die Aufnahme von Videos steht eine dedizierte Aufnahmetaste zur Verfügung. Man muss sich also für Bewegtbildaufnahmen nicht erst durch die Menüs wühlen. Im Vergleich zum direkten Vorgänger Coolpix S6100 hat Nikon allerdings bei der S6200 am Display gespart. Der Bildschirm macht mit 2,7 Zoll und 230.000 Subpixeln (320 mal 240 Bildpunkten) Abstriche bei Diagonale und Auflösung. Angesichts der niedrigen Anschaffungskosten geht das durchaus in Ordnung. Nur Wunder sollte man hier eben keine erwarten. Der niedrigen Auflösung zum Trotz sehen die Menüs auf dem Display scharf aus und sind gut zu lesen.

Die Tasten sind zwar klein, lassen sich aber präzise drücken und bieten ein gutes haptisches Feedback. [1]
Die Tasten sind zwar klein, lassen sich aber präzise drücken und bieten ein gutes haptisches Feedback.

Wie bei den meisten Coolpix-Modellen gestaltet sich die Bedienung auch bei der S6200 als einfach. Um das volle Potenzial aus der kleinen Digicam herauszuholen, empfiehlt sich zwar ein Blick in die Bedienungsanleitung, die der Digicam in PDF-Form auf einer CD beiliegt. Aber wer schon einmal eine digitale Kamera in den Fingern hatte, kann sofort und ohne Probleme loslegen.

Der Stromspeicher der Nikon Coolpix S6200 lässt sich in der Kamera selbst via USB-Anschluss aufladen. Der Akku bietet ausreichend Kapazität für etwa 200 Aufnahmen und ein paar kurze Videoclips. Eine volle Ladung dauert mit Hilfe des Netzadapters etwa drei Stunden. Akkufach, Speicherkartenslot und Micro-USB-Port befinden sich auf der Unterseite des Gehäuses. Rechts an der Kamera bringt der Hersteller einen Mini-HDMI-Anschluss unter, mit dessen Hilfe sich Fotos ohne Umweg über den Rechner auf dem Fernseher bewundern lassen.

Aufgeräumt: Auf der Oberseite des Gehäuses befinden sich lediglich Ein/Aus-Schalter und Auslöser mitsamt Zoomring. [2]
Aufgeräumt: Auf der Oberseite des Gehäuses befinden sich lediglich Ein/Aus-Schalter und Auslöser mitsamt Zoomring.

Ausstattung

Nachdem sich die Nikon Coolpix S6200 an Schnappschuss-Fotografen richtet, gibt es kaum manuelle Einstellungsmöglichkeiten. Die Kamera bietet zwei verschiedene Automatiken. Die Motivautomatik findet sich unter den Motivprogrammen. Sie steckt das Geschehen vor der Linse in eine von sechs Schubladen und passt die Aufnahmeparameter entsprechend an. Passt das Motiv zu keinem dieser vorgefertigten Modi, so wählt die Kamera die Standard-Automatik, die im Wesentlichen einer Programmautomatik entspricht. Hier übernimmt die Kamera Blende und Belichtungszeit, während der Fotograf Parameter wie ISO-Empfindlichkeit, Weißabgleich, Farbprofil und dergleichen händisch einstellen kann.

Die Nikon Coolpix S6200 ist mit gerade einmal 2,5 Zentimetern in etwa so dick wie eine Packung Taschentücher. [3]
Die Nikon Coolpix S6200 ist mit gerade einmal 2,5 Zentimetern in etwa so dick wie eine Packung Taschentücher.

Unter den Motivprogrammen finden sich insgesamt 16 verschiedene Szenenmodi – von Standards wie Landschaft bis hin zu Exoten wie Haustierportrait ist hier alles geboten. Außerdem gibt es noch einen separaten Effektmodus, der Filter wie Monochrom mit hohem Kontrast oder Selektive Farbe bietet. In letzterem schießt die Kamera ein Schwarzweißfoto, in dem nur eine bestimmte Farbe bestehen bleibt. Im Wiedergabemodus steht übrigens noch eine Reihe weiterer Filter zur Verfügung, darunter etwa ein Spielzeugkamera- und ein Fischaugeneffekt.

Die Nikon Coolpix S6200 verfügt über eine Naheinstellgrenze von zehn Zentimetern und ist damit für Fans von Makroaufnahmen nicht unbedingt die erste Wahl. Dank der Auflösung von 16 Megapixeln bildet die Kamera erfreulich viele Feinheiten ab und bietet so noch recht viel Spielraum, was Ausschnittsvergrößerungen angeht. Das gilt allerdings nur, wenn wirklich viel Licht vorhanden ist – bei höheren ISO-Werten lässt die Detailwiedergabe deutlich nach.

In der folgenden Tabelle sind noch einmal die wichtigsten technischen Daten der Nikon Coolpix S6200 auf einen Blick zu sehen.

Hersteller Nikon
Modell Coolpix S6200
Preis 140 Euro
Bildsensor 1/2,3-Zoll-CCD
Auflösung 16 Megapixel
Optischer Zoom 10-fach
Brennweitenbereich 25 – 250 mm
Lichtstärke F3,2 – F5,8
Bildstabilisator optisch
Empfindlichkeiten ISO 80 – 3200
Max. Fotoauflösung 4608 x 3456 Pixel
Max. Videoauflösung 1280 x 720 Pixel @ 30 fps
Dateiformate JPEG (Foto), H.264 (Video)
Manuelle Einstellungen P
Display 2,7 Zoll, 320 x 240 Pixel
Speichermedien SD, SDHC, SDXC
Stromversorgung Lithium-Ionen-Akku
Akkulaufzeit (CIPA) 250 Fotos
Anschlüsse USB, HDMI
Mikrofon Stereo
Abmessungen 9,3 x 5,7 x 2,5 cm
Gewicht 160 g

Leistung

In Sachen Geschwindigkeit schlägt sich die Nikon Coolpix S6200 ziemlich durchschnittlich. Um bei optimalen Verhältnissen auf das Motiv scharfzustellen und das Foto einzufangen, benötigt die Kamera zähe 0,5 Sekunden. Bei Motiven mit wenig Kontrast steigt die Auslöseverzögerung sogar auf 1,2 Sekunden an – wenn die Digicam denn überhaupt fokussiert. Im Test kommt es gerade bei ungünstigen Lichtverhältnissen häufiger vor, dass wir etliche Male anfokussieren müssen, bis die Kamera die Entfernung korrekt ermittelt hat. Für statische Motive wie Häuser oder Landschaften mag das in Ordnung gehen, aber herumspringende Haustiere oder Kinder kann man so beim besten Willen nicht ablichten.

Bis nach dem Betätigen des Einschalters das erste Foto im Kasten ist, vergehen mäßig flotte 2,1 Sekunden. Die Verschnaufpausen zwischen zwei Bildern gehen mit 1,2 Sekunden durchaus in Ordnung. Mit zugeschaltetem Blitz verschlechtert sich der Wert auf zähe 3,5 Sekunden. Im Serienbildmodus bricht die S6200 mit lediglich 1,2 Fotos pro Sekunde sicherlich keine Rekorde – zumal schon nach sechs Fotos in Folge Schluss ist.

Bildqualität

Eines vorweg: Die Auflösung von 16 Megapixeln sagt wenig bis nichts über die Bildqualität der Nikon Coolpix S6200 aus. Die Fotos sind geraten weich, rauschen und lassen bei starken Vergrößerungen Details vermissen. Je höher die ISO-Empfindlichkeit respektive je schlechter die Lichtverhältnisse, desto stärker beeinflussen diese Effekte die Bildqualität. Bis einschließlich ISO 400 sehen die Farben noch gut aus, waschen bei höheren Empfindlichkeiten aber zunehmend aus und wirken immer matschiger. In Verbindung mit den nachlassenden Details sorgt das dafür, dass Innenaufnahmen oder Fotos im Zwielicht generell nicht besonders gut gelingen. Unterm Strich präsentiert sich die S6200 wie viele andere günstige Einsteiger-Digicams: Ist viel Licht vorhanden, gelingen die Bilder gut bis sehr gut. Sobald man aber nicht mehr bei Tageslicht fotografiert, enttäuscht die Fotoqualität.

Bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten liefert die S6200 wie gesagt sehr schöne Fotos. Rot- und Blautöne wirken etwas zu intensiv, aber dennoch gelingen die Fotos klar und natürlich. Der automatische Weißabgleich liefert unter Leuchtstoffröhrenlicht grünliche Ergebnisse. Unter Glühbirnenbeleuchtung geraten die Aufnahmen dagegen zu warm. Bei Aufnahmen unter Kunstlicht empfehlen wir, eines der Presets oder am besten gleich den manuellen Weißabgleich einzusetzen.

Die Qualität der Videos ist mit der von einfachen HD-Pocket-Camcordern zu vergleichen. Für YouTube & Co. oder das gelegentliche Betrachten auf dem Fernseher reichen die Clips aus, aber das war’s dann auch schon. Wie die meisten Kompaktkameras quittiert auch die S6200 schnelle Schwenks mit deutlichen Rucklern. Erfreulicherweise funktioniert der optische Zoom während der Videoaufnahme. Der Objektivmotor ist nur in wirklich leisen Umgebungen auf den Filmchen zu hören. Viel störender ist allerdings, dass die Kamera während des Filmens sehr langsam fokussiert.

Fazit

Einfache, günstige, kompakte Digicam mit viel Zoom gesucht? Die Nikon Coolpix S6200 erfüllt genau diese Ansprüche. Allerdings geht die Bildqualität der Kamera in die Knie, wenn sich die Lichtverhältnisse verschlechtern, und der Autofokus kann nur bei statischen Motiven überzeugen. Wer sich damit abfinden kann, sollte sich die S6200 definitiv näher ansehen.

Geschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (mit Blitz)   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (ohne Blitz)   
Auslöse- verzögerung (Zwielicht)   
Auslöse- verzögerung (Tageslicht)   
Panasonic Lumix DMC-TZ18 [5]

1.5 
2.1 
1.4 
0.8 
0.4 
Canon PowerShot SX130 IS [6]

2.1 
6.1 
2.9 
0.8 
0.6 
Sony Cyber-shot DSC-H70 [7]

2.2 
4.8 
4.1 
0.9 
0.5 
Nikon Coolpix S6200

2.1 
3.5 
1.2 
1.2 
0.5 

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)


  
Nikon Coolpix S6200

1.2 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41557835/nikon-coolpix-s6200-im-test-guenstige-aber-langsame-superzoom-flunder/

URLs in this post:

[1] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41557835/nikon_coolpix_s6200_hinten.jpg

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41557835/nikon_coolpix_s6200_oben.jpg

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41557835/nikon_coolpix_s6200_seite.jpg

[4] Testfotos: die Bildqualität der Nikon Coolpix S6200: https://www.cnet.de/41557837/testfotos-die-bildqualitaet-der-nikon-coolpix-s6200/?pid=1#sid=41557835

[5] Panasonic Lumix DMC-TZ18: https://www.cnet.de/tests/digicam/41552463/testbericht/panasonic_lumix_dmc_tz18_im_test_solider_16_fach_superzoomer_ohne_grosse_neuerungen.htm

[6] Canon PowerShot SX130 IS: https://www.cnet.de/tests/digicam/41539927/testbericht/canon_powershot_sx130_is_im_test_tolle_bildqualitaet__aber_langsam_und_klobig.htm

[7] Sony Cyber-shot DSC-H70: https://www.cnet.de/tests/digicam/41552645/testbericht/sony_cyber_shot_dsc_h70_im_test_langsamer_zehnfach_zoomer_mit_guter_bildqualitaet.htm