Sony zeigt PSV: neue tragbare Playstation Vita im Vorab-Test

von Daniel Schraeder und Jeff Bakalar am , 19:29 Uhr

Seit dem letzten Wochenende ist der Nachfolger der PSP in Japan erhältlich – und in den ersten zwei Tagen konnte Sony bereits über 300.000 Geräte an den Mann bringen. Zu uns kommt die PSV in ein paar Wochen, am 22. Februar, um genau zu sein. Unsere Kollegen von CNET.com hatten bereits die Möglichkeit, sich die japanische Version der Konsole näher anzusehen – und wir sagen, ob sich das Warten lohnt.

In der letzten Woche hat der Hersteller seine brandneue, portable Spielekonsole auf einer Tour durch New York in die Staaten gebracht. So hatten unsere US-Kollegen noch vor der Unterhaltungselektronikmesse Consumer Electronics Show, kurz CES [1], die Möglichkeit, ein paar Runden probezuspielen.

Es wird in Europa zwei Versionen von der Vita geben – mit und ohne UMTS. Das günstigere Modell hat ausschließlich eine WLAN-Verbindung. Die beiden Modelle sollen 249 respektive 299 Euro kosten.

Hardware

Vor allem bei den wichtigsten Komponenten macht Sony [2] eine Kampfansage. Das Display basiert auf der begehrenswerten OLED-Technologie, die ansonsten vor allem bei Samsung [3]-Smartphones für beeindruckende Darstellung sorgt. Die Anzeige ist im 16:9-Formfaktor gehalten und löst 960 mal 544 Pixel auf. In Anbetracht der verhältnismäßig großen Bilddiagonale von 5 Zoll könnten es aber ruhig noch mehr Bildpunkte sein. Zum Vergleich, Apple [4] packt in sein nur 3,5 Zoll großes iPhone-Display 960 mal 640 Pixel – und das sorgt für eine spürbar schärfere Darstellung. Nichtsdestotrotz brauchen wir uns bei der Vita nicht beschweren: Die Anzeige ist dennoch auf sehr hohem Niveau.

Unter der Haube arbeitet ein kräftiger Quad-Core-Prozessor, der mit seiner ARM Cortex-A9-Plattform so auch in einem Android [5]-Smartphone [6] für mächtig Vortrieb sorgen könnte. Dazu gibt es noch einen expliziten Grafikchip mit der kryptischen Bezeichnung DGX543MP4+, der ebenfalls über vier Rechenkerne verfügt. Damit die beiden Chips ihre Leistung auch ausnutzen können, packt der Hersteller noch 512 MByte RAM und 128 MByte Videospeicher (VRAM) auf die Platine.

Sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite befindet sich jeweils eine 0,3-Megapixel-Kamera. Das ermöglicht nicht nur Fotos (in schwacher Auflösung), sondern soll vor allem Augmented-Reality-Spiele auf ein neues Level heben – Games also, bei denen virtuelle Gegenstände in die echte Umgebung eingeblendet werden. Damit das funktioniert, ist auch eine Bewegungssteuerung nötig, die bei der Vita in Form eines Drei-Achsen-Gyroskops zum Einsatz kommt.

Die meisten Spiele dürften wohl auf einer speziellen Speicherkarte namens Vita Card ausgeliefert werden. Alternativ ist der Download aus dem Playstation Store über das Internet möglich. Zusätzlich stehen noch ein Speicherkartenleser, ein Universalanschluss und USB zur Verfügung. Das UMTS-Modell hat darüber hinaus einen SIM-Kartenslot integriert. WLAN und Bluetooth sind immer an Bord.

Zur Steuerung stehen die bekannten Eingabemöglichkeiten zur Verfügung. Das Vier-Wege-Pad allerdings kommt uns beim ersten Test wie ein Rückschritt im Vergleich zur PSP vor. Es ist nicht mehr in vier einzelne Tasten unterteilt, sondern ein großer Klotz- und ermöglicht damit nicht die präzise Steuerung, die wir gewohnt sind. Dafür reagieren die Tasten auf der Vorderseite um so besser. Neu ist ein berührungsempfindliches Touchpad auf der Rückseite. Es fühlt sich gut an und lässt sich – inklusive Multi-Touch-Gesten – hervorragend bedienen. Auch das Display ist ein Touchscreen.

Übrigens: Der wohl krasseste Unterschied zwischen der PSV und ihrer Vorgängerin PSP ist das Gewicht. Die neue Vita ist so leicht, dass PSP-Nutzer sie beim ersten in-die-Hand-nehmen fast nach oben werfen.

Games

Fast noch wichtiger als die Hardware sind die Spiele – und das Erlebnis, das der Spieler bei der Verwendung der PSV hat. Alle Erfahrungen in diesem Preview basieren auf ein paar Demo-Versionen, die unsere US-Kollegen anspielen durften – aber bis zur Markteinführung in Deutschland werden wir die Konsole selbstverständlich noch einmal ausführlich mit Vollversionen testen. Es kann also sein, dass sich unsere Meinung im Praxiseinsatz hier und dort noch etwas verändert.

Zu den ersten Demos, die unsere Kollegen in New York in die Finger bekommen, gehört Uncharted: Golden Abyss. Das Game ist vor Allem deswegen interessant, weil wir es in Variationen bereits von anderen Konsolen her kennen. Und in der Tat: Auf dem (im Vergleich zum Full-HD-Fernseher im Wohnzimmer) kleinen Display der PSV sieht jedes einzelne Pixel genauso gut aus wie auf dem großen Bruder, der PS3.

Das Gaming-Erlebnis kann aber zumindest auf Anhieb nicht so ganz mit der PS3 mithalten. Das mag daran liegen, dass Sony den anwesenden Journalisten natürlich so viele PSV-Funktionen wie möglich auf einmal zeigen möchte. Man läuft durch die virtuelle Welt mit den analogen Joysticks oder tippt alternativ auf sein Ziel im Display. Und im Scharfschützenmodus steuern wir das Zielfernrohr mit dem Touchpad auf der Rückseite. Das funktioniert ganz gut, ist aber zumindest am Anfang etwas viel. Vielleicht muss man sich daran eben erst gewöhnen.

Deutlich spannender erscheint uns da schon die Umsetzung von FIFA. Der Spieler kann den Ball hier besser kontrollieren und diverse Tricks durchführen – das sorgt für mehr Präzision auf dem Weg zum gegnerischen Tor. Auch grafisch überzeugt uns die Fußballsimulation vollends. Einen Unterschied zur PS3 sehen wir nicht.

Unser Favorit bei der PSV-Präsentation war allerdings Escape Plan, ein Puzzle mit den zwei liebenswerten Charakteren Laarg und Lil. Die Spieler nutzen alle Eingabemöglichkeiten der Vita, um die beiden zwischen fiesen Fallen und Sackgassen in Richtung Ziel zu lotsen.

Vorläufiges Fazit

Die Vita ist leicht und kräftig – das sind schon einmal sehr gute Voraussetzungen. Dass sie grafisch problemlos Nintendos 3DS toppt, überrascht auch niemanden – abgesehen vom fehlenden 3D-Effekt, versteht sich. Und besser als die alte PSP ist sie allemal, wenn man mit dem neuen Gamepad leben kann und sich mit den Steuerungsoptionen angefreundet hat.

Viel wichtiger ist aber wohl die Frage, ob die PSV auch gegen iPhone, iPad und die Batterie der Gaming-tauglichen Android-Smartphones antreten kann. Ganz klar, hier gibt es natürlich viel mehr Eingabemöglichkeiten, die sich an Intensiv- statt an Gelegenheitszocker widmen. Und damit könnte die PSV ein Volltreffer für ihre Zielgruppe sein.

Einen ausführlichen Einzeltest veröffentlichen wir, sobald uns eine PSV in der Europa-Version vorliegt.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41557859/sony-zeigt-psv-neue-tragbare-playstation-vita-im-vorab-test/

URLs in this post:

[1] CES: http://www.cnet.de/themen/ces-2014/

[2] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[3] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[4] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[5] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[6] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/