Wenn der Teufel telefoniert: Design-Handy Prada Phone von LG im Vorab-Test

von Daniel Schraeder und Katie Collins am , 16:13 Uhr

Aus der Liaison zwischen LG und Prada schien die Luft heraus zu sein – zumindest gab es schon lange kein koreanisches Smartphone mehr, bei dem Designer des Modelabels ihre Finger im Spiel hatten. Das ändert sich mit dem Prada Phone by LG 3.0 – und erstmals kommt hier kein proprietäres Betriebssystem mit dem Komfort einer Pferdekutsche auf Feld- und Abwegen mehr zum Einsatz, sondern Android. Sieht so die kommunikative Zukunft aus?

Offensichtlich knistert die Luft zwischen LG [1] und Prada alle zwei Jahre. 2007 gab es das erste Design-Handy der Koreaner, 2009 das zweite – und beide ausgestattet mit einem proprietären Betriebssystem und einer Touch-Bedienung, die aus heutiger Sicht so begehrenswert sind wie Fußpilz. Die im Vergleich zu iOS und Android [2] miese Software ist der größte Haken an den früheren LGs im Italo-Maßanzug, aber damit ist jetzt Schluss: Die dritte Auflage kommt mit Android-Betriebssystem, das selbstverständlich an das Look & Feel der Hardware angepasst wurde.

In der Theorie klingt das nach einem tollen Ansatz. Danach, als würde das dritte Prada-Phone jetzt auch technisch das erfüllen, was seine Optik verspricht. Und ein Blick auf das Datenblatt macht Lust auf mehr: Auch unter der Haube scheint alles zu stimmen. Wir hatten bereits die Möglichkeit, einen näheren Blick auf ein Vorseriengerät zu werfen. Der Verkauf soll Anfang nächsten Jahres beginnen, Preise nennt der Hersteller noch nicht.

Design

Wenn sich ein Smartphone [3] mit einem Mode-Label der Haben-Will-Klasse schmückt, ist die Optik natürlich das A und O. Das LG präsentiert sich gewollt nüchtern mit einem komplett schwarzen Gehäuse, nur geschmückt mit dem Prada-Logo in silbern-glänzenden Lettern und ein paar minimalen Akzenten, etwa um die Linse der Kamera auf der Rückseite.

Insgesamt erinnert uns das Gerät vom Formfaktor her an andere aktuelle Oberklasse-Geräte wie das Galaxy S2 von Samsung [4] oder das Razr von Motorola. Das liegt wohl primär am verhältnismäßig großen Display – hier ist es 4,3 Zoll groß – sowie an der geringen Bauhöhe. Ganz so schlank wie der Rekordhalter, das Razr mit seinen 7,1 Millimetern, ist das Prada zwar nicht. Aber dennoch gehört es mit 8,5 Millimetern zu den schlankesten aktuellen Kommunikationsapparaten.

Der Akkudeckel ist liebevoll texturiert. Obwohl er aus Kunststoff gefertigt ist, wirkt er wie aus Leder – sowohl optisch als auch haptisch. Das gefällt uns, aber noch mehr hätten wir uns gefreut, wenn hier tatsächlich das Naturprodukt zum Einsatz gekommen wäre. Ähnlich enttäuscht uns die Materialauswahl des silberfarbenen Rahmens, der sich um das Gehäuse zieht: auch Plastik. Das sorgt natürlich für ein angenehm niedriges Gewicht (und ist zugegebenermaßen so schlecht nicht), aber es bleibt ein fader Beigeschmack. Mit Metall und Leder hätten LG und Prada hier ein Zeichen setzen können, dem die gesammelte Konkurrenz erst einmal nichts entgegenzusetzen hat. Und weil sich das jetzt so kritisch anhört, müssen wir fairerweise dazusagen, dass sich das Gerät alles andere als billig anfühlt.

Das zentrale Element auf der Oberseite ist natürlich der 4,3 Zoll große Touchscreen. Er arbeitet kapazitiv, reagiert also auf Berührung und nicht auf Druck – so muss das sein. Das eigentliche Display-Panel ist ein alter Bekannter. LG setzt auf seine hauseigene Nova-Technologie, die bei vertretbarem Energieverbrauch überdurchschnittlich hell sein soll. Die Datenblätter lehnen sich weit aus dem Fenster: Ein Nova-LCD erreicht demnach die doppelte Helligkeit eines Super-AMOLED-Bildschirms und benötigt bis zu 50 Prozent weniger Strom als ein „normales“ LCD – bei gleichzeitig besseren Schwarzwerten und einem klareren Weiß. Mag alles stimmen, aber ausgerechnet bei diesem Gerät wäre wohl ein AMOLED-Display die bessere Wahl gewesen. Denn ganz viel vom Charme des Prada-Handys kommt aus dem harten Kontrast zwischen Schwarz und Weiß – und dieses Spiel beherrschen die organischen Anzeigen eben perfekt. Bei den LCDs wirkt auch das tiefste Schwarz immer noch gräulich. Schade.

Technik

Für modebewusste Käufer, die auch mit den Vorgängermodellen glücklich waren, zählen die inneren Werte wohl kaum. Hauptsache, die Marke stimmt. Die wahrlich gute Nachricht ist aber, dass hier auch die Technik überzeugt. Im Inneren sorgt ein Dual-Core-Prozessor mit 1,0 GHz für Vortrieb. Das ist zwar nicht die absolute Oberklasse, sondern eher auf dem Niveau von vor fast einem Jahr, aber für den Praxiseinsatz mehr als ausreichend. Wer sich mehr mit Gigahertz denn mit dem Label brüstet – und somit auch mit einem Nissan 370Z anstatt eines Porsches glücklich wird – sollte aber vielleicht noch warten, bis Anfang des nächsten Jahres die ersten Quad-Core-Handys auf den Markt kommen.

Auf der Speicherseite kann das LG mit 8 GByte internem Speicher und einem microSD-Slot zur Erweiterung aufwarten. Selbst in der maximalen Ausbaustufe mit einer 32-GByte-Karte erreicht man damit zwar nicht den Wert des Top-iPhone-4S mit 64 GByte, dürfte aber im Vergleich zu den von Apple [6] ausgerufenen 849 Euro einen Haufen Geld sparen – und kann die Speicherkarte im Zweifelsfall einfach schnell austauschen.

Die 8-Megapixel-Kamera auf der Rückseite des Smartphones nimmt Videos in Full-HD-Auflösung, also 1080p, auf. Dazu gibt es eine weitere Digicam für Selbstporträts und Videotelefonate auf der Front. Aufgrund der kurzen Zeit, die wir mit dem Vorserienmodell verbringen konnten, müssen wir eine ausführliche Bewertung der Fotoqualitäten verschieben, bis uns ein finales Testgerät vorliegt. Das gleiche gilt auch für die Audiokünste des mitgelieferten Headsets – bisher können wir nur sagen, dass es natürlich auch das Prada-Logo trägt.

Software

Schon vor der offiziellen Präsentation des Prada-Smartphones haben einzelne Bilder ihren Weg ins Internet geschafft. Der schwarz-weiße Look der Oberfläche ist also keine Überraschung mehr. Im Vorfeld hat uns das Konzept sehr gut gefallen, und auch in der Praxis enttäuscht es nicht. Alles ist eben sehr schnörkellos und klar strukturiert. Das Scrollen durch die Menüs geht flott von der Hand und kann sich sehen lassen, das Gerät wirkt nicht wie vollgemüllt mit Apps, die keiner braucht, und bei der Gestaltung der Homescreens scheint sich tatsächlich jemand Gedanken gemacht zu haben.

Damit sich dieser klar gezeichnete Look durchzieht, gibt es die Möglichkeit, die knallbunten Symbole von beliebigen Apps aus dem Android Market gegen ebenso einfach gezeichnete, weiße Icons auszutauschen. Das sollte man auch unbedingt machen, denn ein einzelner Farbklecks zwischen den ansonsten so klaren Linien wirkt fast wie ein Fremdkörper. Wer es bunt haben möchte, sollte sich lieber auf die Auswahl eines hübschen Hintergrundbildes konzentrieren. Typisch für ein Mode-Handy: LG und die Prada-Designer haben hier natürlich vorgesorgt und ein paar Varianten im strukturierten Saffiano-Look des Akkudeckels vorinstalliert.

Beim Verkaufsstart wird das Prada Phone mit Android 2.3 alias Gingerbread ausgeliefert. Die Koreaner versprechen aber schon jetzt ein Update auf die neue Android-Version 4.0 (Ice Cream Sandwich) – irgendwann im März oder April soll es soweit sein. Wer mit einem Neukauf bis dahin warten kann, spart sich wohl auch noch ein paar Euros, denn bis dahin dürfte der Preis schon etwas gefallen sein.

Eine nähere Bewertung der Software und des User Interface werden wir auch erst durchführen, wenn uns ein finales Testgerät vorliegt. Bis zur Markteinführung könnten sich noch einige Punkte ändern.

Vorläufiges Fazit

Die schlanke, attraktive Hardware passt hervorragend zur Software und zum klaren Look der Oberfläche. Dazu trägt auch das Nova-Display seinen Teil bei. Unser erster Eindruck ist positiv – und definitiv ist das hier das beste Prada-Handy, das wir jemals in unseren Fingern hatten. Die offene Android-Plattform macht viele Kompromisse unnötig, unter denen wir bei früheren Modellen mit LG-eigener Software zu leiden hatten.

Allerdings ist die Luft im oberen Ende des Marktes dünn. Fürs gleiche Geld wird es wohl Geräte mit besserer Hardware geben, mit schnelleren Prozessoren und flacheren Gehäusen. Ob sich das Prada Phone by LG gegen diese Konkurrenz einfach nur aufgrund der Marke und des gehobenen Design-Anspruches durchsetzen kann, muss es erst noch beweisen. Zumal wir finden, dass man das Konzept mit etwas hochwertigeren Materialien wie Leder auf der Rückseite und einem Rahmen aus echtem statt auflackiertem Metall noch besser hätte durchsetzen können – und dass ein OLED- anstelle eines Nova-Panels das schwarz-weiße Menü noch beeindruckender darstellen würde.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[3] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[4] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[5] Hands-on: Blick auf das Prada Phone by LG 3.0 mit Android: https://www.cnet.de/41557882/hands-on-blick-auf-das-prada-phone-by-lg-3-0-mit-android/?pid=1#sid=41557879

[6] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/