Angetestet: Huawei Ascend P1s – Geheimtipp-Smartphone mit Android 4 & Super-AMOLED?

von Daniel Schraeder am , 18:29 Uhr

Mit dem Ascend P1s hat der chinesische Netzwerkausrüster am Rande der CES nicht nur eines der ersten Smartphones mit der neuen Android-Version 4.0 überhaupt vorgestellt, sondern vielleicht einen Geheimtipp für ale Handy-Käufer in 2012: Die Ausstattung entspricht den gehobenen High-End-Modellen der bekannten Hersteller, das Design taugt für das Prädikat „dünnstes Smartphone“ – und der Preis wird vermutlich ein gutes Stück unter den Konkurrenten liegen.

Für die meisten Handy-Käufer in Deutschland ist Huawei wohl noch immer kein Begriff. Das chinesische Unternehmen ist zwar schon seit Jahren hierzulande aktiv, doch bisher trugen die Geräte die Labels der Netzbetreiber. Das hat sich im letzten Jahr geändert, als der Hersteller mit dem Huawei Ideos X3 ein grundsolides Android [1]-Smartphone [2] zum absoluten Schnäppchenpreis auf den Markt geworden hat: für 99 Euro inklusive Prepaid-Karte mit Guthaben und ohne SIM-Lock.

Das frisch in Las Vegas vorgestellte Ascend P1s zielt auf die andere Seite der Fahnenstange. Die Ausstattung entspricht aktuellen High-End-Geräten der namhaften Hersteller. Auf der Liste stehen unter Anderem Dual-Core-Prozessor mit 1,5 GHz, Super-AMOLED-Display sowie 8-Megapixel-Kamera mit Doppel-LED-Blitz und Full-HD-Videoaufnahme. Dazu ist das ultraschlanke Gehäuse mit auf Wunsch kräftigen Farben ein echter Blickfänger. Und: In Anbetracht der noch so unbekannten Marke wird der Hersteller die Preisschraube nicht auf das Niveau ziehen können, in dem HTC [3], Samsung [4] & Co. unterwegs sind. Damit könnte es zum Geheimtipp avancieren: High-Tech zum Schnäppchenpreis.

Design

Auf den ersten Blick fällt die Bauhöhe des P1s auf. Beziehungsweise eben nicht. Knapp 7 Millimeter, laut Datenblatt sind es 6,68, sorgen dafür, dass der Hersteller seinen jüngsten Spross als das „dünnste Smartphone der Welt“ bezeichnet. Je nachdem, wo und wie man misst, kommt man vielleicht zu einem anderen Ergebnis, denn wie beim Samsung Galaxy S2 gibt es auch hier auf der Rückseite im unteren Bereich eine Ausbeulung. Wie dick das Gerät wirklich ist, werden wir mit unserem Messschieber ermitteln, sobald es uns vorliegt. Aber wie dem auch sei, definitiv gehört das Ascend zu den dünnsten Handys, die wir jemals in den Fingern hatten.

Mit einem Gewicht von 110 Gramm wirkt es dabei auch noch recht solide. Wir haben bei unserer ersten Begegnung mit dem Huawei jedenfalls nicht das Gefühl, als dass wir es wie rohe Eier behandeln müssten. Dafür sorgt auch das Touchscreen-Panel aus stabilem und weitgehend kratzfestem Gorilla Glass, während Ränder und Rückseite aus Plastik gefertigt sind. Der Akkudeckel zieht sich dabei in unserem Fall in knalligem Gelb komplett um das Gerät. Nur oben und unten kommt der schwarze Kunststoff der Oberseite zum Vorschein. Wer sich mit dem grellen Farbton nicht anfreunden kann, bekommt die Abdeckung auch in anderen mehr oder weniger auffälligen Farben – ganz nach Geschmack des Kunden.

An den Rändern befinden sich die üblichen Elemente: Wippschalter zur Regelung der Lautstärke links, Ein-Aus-Taster rechts. Ja genau, da, wo normalerweise Samsung diesen Button platziert. Daneben findet sich eine Klappe, hinter der die microSD-Speicherkarte ihren Platz einnimmt. Oben sitzen SIM-Kartenslot, Micro-USB-Port und 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse für Kopfhörer und Headset. Die Rückseite hat eine Aussparung für die Linse der 8-Megapixel-Kamera samt doppeltem LED-Blitzlicht. An der Front findet sich rechts oberhalb des Displays eine weitere Kamera für Selbstporträts und Videotelefonate. Sie erreicht eine Auflösung von 1,3 Megapixeln. Unterhalb der Anzeige sitzen drei Soft-Touch-Tasten, die die Funktionen Home, Menü und Zurück erfüllen. Das ist etwas ungewöhnlich, da die Knöpfe bei Android 4.0 eigentlich nicht mehr nötig wären – aber sie schaden nicht.

Das dominierende Element auf der Vorderseite ist natürlich das 4,3 Zoll große Display. Damit hat es die gleiche Diagonale wie aktuelle Oberklasse-Smartphones wie das Samsung Galaxy S2 oder das HTC Sensation (XE) und ist damit spürbar größer als der iPhone-4S-Monitor mit 3,5 Zoll. Die Auflösung ist mit 540 mal 960 Pixeln im guten Mittelfeld dieser Klasse. Zum Vergleich, das Galaxy S2 löst mit 480 mal 800 Pixeln etwas niedriger auf, das gleich große Sensation XE mit 540 mal 960 Punkten gleich viel, das kleinere iPhone 4S mit 640 mal 960 etwas höher. Unterm Strich reicht die Pixelzahl für eine angenehm scharfe Darstellung. Die wahre Überraschung ist aber die hier zum Einsatz kommende Display-Technologie. Huawei gehört mit zu den ersten Herstellern nach Samsung, die ein Super-AMOLED-Panel verbauen – jene Anzeigetechnik, die Samsung im letzten Jahr vorgestellt hat. Die sorgt für brillante Farben, erstklassige Schwarzwerte und perfekte Blickwinkel.

Ausstattung

Auch die inneren Werte brauchen sich nicht zu verstecken. Für ordentlichen Vortrieb sorgt ein Dual-Core-Prozessor mit 1,5 GHz, dazu gibt es 1 GByte RAM und 4 GByte internen Speicher. Wenn das nicht reicht, lässt sich das P1s auch mit Speicherkarten mit maximal 32 GByte Kapazität füttern. Andere Quellen sprechen übrigens von bis zu 32 GByte integriertem Speicher – wir vermuten, dass es unterschiedliche Versionen geben wird, die in den diversen Ländern zum Einsatz kommen könnten. Die Kommunikation mit der Außenwelt erfolgt über Quad-Band-GSM, WLAN nach dem aktuellen n-Standard sowie Bluetooth. Selbstverständlich ist auch GPS zur Positionsfindung integriert.

In Anbetracht dieser guten Werte sollte man allerdings nicht vergessen, dass zum Mobile World Congress [5]im Februar die ersten Smartphones mit Quad-Core-Prozessoren vorgestellt werden und dass beispielsweise das Galaxy Nexus bereits mit einer signifikant höheren Display-Auflösung aufwarten kann. Was also jetzt noch Spitzenklasse ist, wird bis zur Markteinführung wohl nur noch hohes Niveau sein. Nichtsdestotrotz ist das Ascend P1s sehr ordentlich ausgestattet und bringt genug Reserven für künftige Spiele und Apps mit.

Apropos: Bereits auf dem Prototypen läuft die neueste Android-Version 4.0. Bis zur Markteinführung soll es zusätzlich zur Standard-Oberfläche auch ein User-Interface im 3D-Look geben. Wir vermuten, dass Huawei hier weiterhin auf die SPB Shell setzt – das Interface, was wir bereits von den schon erhältlichen Geräten des Herstellers her kennen.

Zur genauen Leistung, zur Kamera-Qualität und zum Akku können wir noch nichts sagen. Die Software ist noch nicht final und wir hatten nicht genug Zeit, das Gerät komplett unter die Lupe zu nehmen. Wir werden diesen Beitrag ergänzen, sobald uns ein Prototyp vorliegt, der der Serie etwas näher ist.

Vorläufiges Fazit

Nach dem heutigen Stand der Technik hat Huawei hier ein sehr ordentliches Stück Hardware vorgelegt. Das Ascend P1s kann sich sehen lassen. Für den Erfolg entscheidend ist aber letztlich der Preis – und die Frage, was die Konkurrenten wohl bis zur Markteinführung im April in Petto haben. Nichtsdestotrotz könnte sich dieses Smartphone zum Geheimtipp für Sparfüchse herausstellen, die auf nichts verzichten möchten.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41558346/angetestet-huawei-ascend-p1s-geheimtipp-smartphone-mit-android-4-super-amoled/

URLs in this post:

[1] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[2] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[3] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[4] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[5] Mobile World Congress : http://www.cnet.de/themen/mwc/