Fujifilm FinePix F600EXR im Test: komplizierte Alleskönner-Kamera mit raffiniertem Sensor

von Joshua Goldman und Stefan Möllenhoff am , 19:46 Uhr

Pro
  • praktisches, schickes Design
  • viele Einstellungsmöglichkeiten im Foto- und Videomodus
Con
  • teilweise komplizierte Bedienung
  • GPS schlägt stark auf den Akku
  • stellenweise langsam
Hersteller: Fujifilm Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,3 von 10 Punkte
Fazit:

Die Fujifilm FinePix F600EXR ist mit Funktionen geradezu vollgestopft. Um aus der kleinen Digicam alles herauszuholen, ist allerdings etwas Geduld gefragt: Bis man für jede Situation die ideale Einstellung und das beste Aufnahmeprogramm herausgefunden hat, dauert es einfach eine Weile.

Die Fujifilm FinePix F600EXR macht Lust auf mehr: Zusätzlich zu dem 18-Megapixel-BSI-CMOS-EXR-Sensor und dem 15-fach vergrößernden Objektiv hat die kompakte Digicam einen GPS-Receiver und haufenweise innovative Aufnahmefunktionen zu bieten. Und nicht zuletzt ist auch der Preis mit 240 Euro sehr interessant. Wie sich die kompakte Digicam in der Praxis schlägt, verrät der Testbericht.

Der bereits erwähnte 18-Megapixel-Sensor hat gegenüber den lichtempfindlichen Chips der Konkurrenz eines voraus: Auf Wunsch lassen sich die Pixel auf dem Chip in zwei Gruppen teilen. So ist es möglich, mit nur einem Foto ein HDR-Bild zu schießen oder auch durch Zusammenfassen benachbarter Bildpunkte die lichtempfindliche Fläche pro Pixel zu vergrößern. Aber dazu später mehr.

Design

Wie ihre Vorgängerinnen der F-EXR-Serie ist auch die F600EXR schick und beeindruckend kompakt für eine Kamera mit 15-fachem optischem Zoom und 24-Millimeter-Weitwinkel. Das Gehäuse fühlt sich solide verarbeitet an und sitzt bequem in der Hand. Unser einziger Kritikpunkt am Außenkleid ist die Position des Blitzes – wir verdecken ihn im Test versehentlich häufiger mit einem oder zwei Fingern.

Das 3,0 Zoll große Display auf der Rückseite bietet mit 480 mal 320 Pixeln eine recht ordentliche Auflösung. Der Bildschirm ist erfreulich hell und lässt sich auch bei starkem Sonnenlicht noch recht gut ablesen. Das Sucherbild fällt bei schlechten Lichtverhältnissen allerdings vergleichsweise stark verrauscht aus.

Die Bedienelemente der Fujifilm FinePix F600EXR geben keine Rätsel auf - ganz im Gegensatz zu den Menüs. [1]
Die Bedienelemente der Fujifilm FinePix F600EXR geben keine Rätsel auf – ganz im Gegensatz zu den Menüs.

Rechts neben dem Bildschirm befindet sich ein Vier-Wege-Pad mit mittiger Menu/Ok-Taste und umliegendem Einstellrädchen. Neben der Navigation durch die Menüs dient das Bedienelement auch zum direkten Aufrufen der Einstellungen von Belichtungskorrektur, Fokusmodus, Blitz und Selbstauslöser. Oberhalb des Pads befinden sich zwei Buttons zum Wechseln in den Wiedergabemodus sowie zum Starten der Videoaufnahme. Unterhalb bringt der Hersteller einen Disp-Knopf zum Anpassen der auf dem Bildschirm angezeigten Informationen unter. Daneben sitzt noch eine mit einem „F“ beschriftete Taste, die eine Reihe von zum aktuellen Aufnahmemodus passenden Parametern aufs Display holt.

Auf der Oberseite des Gehäuses gibt es Ein/Aus-Schalter, Auslöser mitsamt Zoomring sowie ein leicht nach hinten versetztes Modusrädchen. Die Einschübe für Akku und Speicherkarte befinden sich hinter eine Klappe auf der Unterseite des Gehäuses. Die Akkulaufzeit ist mit 300 Fotos pro Ladung für diese Kameraklasse recht durchschnittlich. Der Stromspeicher muss zum Aufladen aus der Digicam herausgenommen werden. Ein kleines Türchen rechts an der Kamera beherbergt einen Mini-HDMI-Ausgang sowie einen kombinierten Micro-USB-AV-Anschluss; gegenüber befindet sich eine Taste zum Aktivieren des Blitzes.

Obwohl der Blitz auf der linken Oberseite ein Stückchen aus der Kamera nach oben schießt, verdecken wir ihn in der Praxis gelegentlich versehentlich mit den Fingern. [2]
Obwohl der Blitz auf der linken Oberseite ein Stückchen aus der Kamera nach oben schießt, verdecken wir ihn in der Praxis gelegentlich versehentlich mit den Fingern.

Ausstattung

Für eine Kompaktkamera hat die Fujifilm FinePix F600EXR ziemlich umfangreiche Aufnahmeoptionen zu bieten. Natürlich dürfen hier die üblichen Verdächtigen nicht fehlen, wie Automatik, Programmautomatik und 18 Szenenprogramme, unter denen sich auch ein spezieller Unterwassermodus findet. Wer sich mehr Kontrolle über die Ergebnisse wünscht, darf sich über einen manuellen Modus sowie die beiden Halbautomatiken Blenden- und Belichtungspriorität freuen. Im Weitwinkel stehen die Blendenöffnungen F3.5, F7.1 und F10 zur Verfügung, im Telebereich sind es F5.3, F11 und F16. Die Belichtungszeit variiert zwischen 1/2000 und acht Sekunden.

Dann gibt es da noch die EXR-Modi. Diese setzen sich zusammen aus den sogenannten Prioritäten für Hohe Auflösung, Hohe Empfindlichkeit & geringes Rauschen sowie Erweiterter Dynamikumfang. Mit Hohe Auflösung nutzt die Kamera – wie der Name schon verrät – die volle Sensorauflösung von 16 Megapixeln, während sie in den beiden anderen Modi die Pixelzahl halbiert. In Hohe Empfindlichkeit & geringes Rauschen fasst die F600EXR jeweils zwei Pixel zusammen, um die lichtempfindliche Fläche pro Bildpunkt zu erhöhen und somit das Bildrauschen zu erhöhen. Mit dem Modus Erweiterter Dynamikumfang schließlich belichtet die Kamera jeweils die Hälfte der Pixel unterschiedlich hell und baut aus den so gewonnenen Informationen quasi ein HDR-Bild in der Kamera selbst zusammen, für das lediglich ein Schließen des Verschlusses nötig ist. Wer sich nicht sicher ist, welcher Modus gerade die besten Ergebnisse liefert, wählt die Einstellung Auto EXR, die eigenhändig entscheidet, ob sie einen der Modi einsetzt und wenn ja, welchen. Wer sich damit abfinden kann, dass ein Teil seiner Bilder möglicherweise nur 8 Megapixel auflöst, ist mit dieser Einstellung sicherlich gut beraten.

Zu guter Letzt gibt es noch eine 360-Grad-Panorama-Funktion, bei der der Fotograf lediglich die Kamera einmal im Kreis schwenkt, und schon ist das Ultrabreitbild im Kasten. Der Pro Low Light Modus schießt mehrere Fotos in schneller Folge und kombiniert diese miteinander zu einer Aufnahme mit reduziertem Bildrauschen. Außerdem gibt es noch eine Funktion namens Pro-Focus, die den Hintergrund rund um das Motiv digital weichzeichnet, um eine Bildwirkung zu erzielen, wie sie sonst nur großsensorige Kameras wie DSLRs liefern.

Für eine Kamera mit 15-fachem optischen Zoom ist die Fujifilm FinePix F600EXR erstaunlich kompakt. [3]
Für eine Kamera mit 15-fachem optischen Zoom ist die Fujifilm FinePix F600EXR erstaunlich kompakt.

Angesichts der umfangreichen Ausstattung kann das Menüsystem der Kamera anfangs etwas frustrierend sein. Und selbst nachdem wir uns mit dem Aufbau angefreundet haben, müssen wir uns immer mal wieder auf der Suche nach spezifischen Einstellungen kreuz und quer durch die Menüs wühlen. Um beispielsweise den Serienbildmodus zu aktivieren, muss man das Hauptmenü aufrufen und ihn dort im entsprechenden Untermenü einschalten. Die Serienbildgeschwindigkeit allerdings stellt man in einem separaten Dialog ein. Bevor man auch nur annähernd die Fähigkeiten der Digicam nutzen kann, muss man sich erst einmal hinsetzen und sich zusammen mit dem auf CD mitgelieferten PDF-Handbuch mit den Funktionen vertraut machen – oder sich auf viel Trial & Error einstellen.

Die Fujifilm FinePix F600EXR verfügt über einen integrierten GPS-Receiver. Dieser dient einmal dazu, Fotos mit Ortsinformationen zu versehen, so dass sich der Aufnahmeort später wieder nachvollziehen lässt. Außerdem ermöglicht er ein interessantes Augmented-Reality [4]-Feature: Schwenkt man die Kamera durch die Gegend, so zeigt sie auf Wunsch auf dem Display das Sucherbild an und markiert hier interessante Sehenswürdigkeiten, die man auf seinem Städtetrip vielleicht fotografieren möchte. Richtet man die Linse nach unten, so stellt die Digicam auf dem Display eine Art Radar mit umliegenden Points of Interest dar.

Allerdings gibt es auch eine Kehrseite der Medaille: Der GPS-Receiver arbeitet bei der F600EXR selbst bei klarer Sicht auf den Himmel ziemlich langsam. Außerdem nagt die Ortungsfunktion vergleichsweise stark am Akku. Dafür dürfte der etwas schwachbrüstig dimensionierte Stromspeicher verantwortlich – aber wenn die Gehäuse kleiner werden, muss man eben irgendwo sparen. Wer die GPS-Funktionen viel nutzen möchte, sollte auf jeden Fall in einen Zusatz-Akku investieren.

Leistung

In Sachen Geschwindigkeit spielt die Fujifilm FinePix F600EXR mit den meisten anderen Kameras in dieser Klasse in einer Liga. Bis nach dem Betätigen des Einschalters das erste Foto im Kasten ist, vergehen etwa zwei Sekunden. Die Verschnaupausen zwischen zwei Fotos fallen mit ebenfalls zwei Sekunden ebenfalls ziemlich lang aus. Aktiviert man einen der diversen Spezialmodi – beispielsweise eine EXR-Funktion – so muss man mit längeren Verarbeitungszeiten rechnen.

Das gleiche gilt für den Serienbildmodus. Er schießt bei voller Auflösung bis zu acht Fotos am Stück mit einer Geschwindigkeit von maximal 3,4 fps. Anschließend genehmigt sich die Kamera erst einmal eine mehrsekündige Pause, die in der Praxis durchaus für das eine oder andere verpasste Motiv sorgen kann. Dieses Problem tritt bei den allermeisten Kompaktkameras auf, die F600EXR tut sich hier aber vergleichsweise schwer.

Um bei optimalen Lichtverhältnissen auf das Motiv zu fokussieren und das Foto zu schießen, braucht die Digicam etwa 0,4 Sekunden – für einen kompakten Superzoomer ist das ein guter Wert. Im Zwielicht verschlechtert sich die Auslöseverzögerung auf 0,8 Sekunden. Wer häufig schnell bewegte Motive wie herumtobende Kinder und Haustiere fotografieren möchte, wird mit der Geschwindigkeit vermutlich nicht zufrieden sein.

Bildqualität

Wie bei den meisten Kompaktkameras kommt es auch bei der Beurteilen der Bildqualität der Fujifilm F600EXR ganz stark darauf an, wie die Erwartungshaltung aussieht. Im Großen und Ganzen liefert die Kamera sehr gute Fotos und ist durchaus auch in der Lage, ausgezeichnete Ergebnisse auf die Speicherkarte zu bannen. Allerdings muss man sich auf etliche Experimente mit den EXR-Automatiken, dem RAW-Format und sonstigen Optionen einstellen, wenn man die bestmöglichen Bilder erhalten möchte. Wer sich damit nicht anfreunden kann, sollte die Kamera vermutlich besser umschiffen. Die EXR-Automatik beispielsweise liefert zwar für eine Automatik sehr gute Ergebnisse, lässt sich aber mit ihren detaillierten Einstellungen durchaus noch weiter verbessern.

Die größten Probleme, was die Bildqualität angeht, hat die F600EXR bei den Punkten Bildrauschen und -schärfe. Selbst bei ISO 200 sehen die Aufnahmen weich aus. Beim Betrachten in voller Größe tritt außerdem ein sichtbares Bildrauschen auf. Diese Probleme verschärfen sich bei steigenden ISO-Empfindlichkeiten weiter, bis die Bilder eher wie Gemälde, denn wie Fotos aussehen. Wer die Bilder nur für Facebook & Co. verwendet oder kleinformatige Abzüge anfertigt, sollte sich daran jedoch nicht weiter stören.

Für kleine Formate viel wichtiger ist nämlich, dass die Qualität der Farben bis einschließlich ISO 800 sehr gut bleibt. Die Fotos sehen bis zu dieser Empfindlichkeit natürlich und strahlend aus. Außerdem ermöglichen es die diversen Dynamikbereichs-Tricks des EXR-Sensors, dass es bei kontrastreichen Motiven zu weniger Überbelichtungen kommt als bei anderen kleinsensorigen Kompaktkameras.

Das Objektiv der F600EXR bietet eine sehr gute Mittenschärfe, die zum Rand und zu den Ecken hin allerdings deutlich abnimmt. Fujifilm korrigiert die Tonnen- und Kissenverzeichnung in der Kamera selbst, so dass sie sich auf einem sehr erträglichen Niveau bewegt. Das gleiche gilt für das Auftreten von Farbsäumen an Übergängen mit hohen Helligkeitsunterschieden. Wer im RAW-Format fotografiert, kann den Unterschied deutlich sehen – hier werden die Korrekturalgorithmen nämlich nicht wirksam.

In puncto Videoqualität bewegt sich die F600EXR auf einem Niveau mit günstigen HD-Pocket-Camcordern. Für YouTube & Co. sowie fürs gelegentliche Betrachten auf einem HD-Fernseher reicht die Qualität aus, die Hochzeit des besten Freundes filmt man doch besser mit einer richtigen Videokamera. Wie den allermeisten Digicams sorgen flotte Schwenks oder schnell bewegte Motive für ein deutliches Ruckeln auf dem Bild. Der optische Zoom funktioniert erfreulicherweise auch während der Videoaufnahme. Bei niedrigem Geräuschpegel ist allerdings der Motor des Objektivs auf den Clips zu hören. Auch der Fokusmotor arbeitet hörbar, wenn der kontinuierliche Autofokus aktiviert ist.

Neben Full-HD-Qualität mit 1920 mal 1080 Pixeln fängt die F600EXR auch 720p-Clips mit 30 fps ein. Wer kräftig Auflösung opfert, kann auch Zeitlupen-Clips mit 320 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Allerdings dürften sich die Videos mit gerade einmal 320 mal 112 Pixeln selbst auf YouTube schon ganz am unteren Ende der Qualitätsschiene wiederfinden.

Fazit

Die Fujifilm FinePix F600EXR ist eine ordentliche kompakte Megazoom-Kamera, die beim Fotografieren definitiv Laune macht. Wer das Optimum aus der Kompakten herauskitzeln möchte, muss sich allerdings auf ein ausführliches Handbuch-Studium gefasst machen. Denn ohne sich vernünftig in die Kamera einzuarbeiten, wird man ihr ganzes Potenzial nicht erschließen können.

Geschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen   
Auslöseverzögerung (Zwielicht)   
Auslöseverzögerung (Tageslicht)   
Panasonic Lumix DMC-TZ22 [6]

1.9 
1.1 
0.7 
0.4 
Sony Cyber-shot DSC-HX7V [7]

1.7 
1.4 
0.7 
0.4 
Nikon Coolpix S8100 [8]

1.1 
1.5 
0.7 
0.4 
Canon IXUS 1100 HS [9]

2.5 
2 
0.6 
0.3 
Fujifilm FinePix F600EXR

1.9 
2.2 
0.8 
0.4 

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)
Fujifilm FinePix F600EXR

3.4 
Canon IXUS 1100 HS [9]

3.3 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[4] Augmented-Reality: https://www.cnet.de/themen/archiv/39001698/artikel_zum_thema_augmented_reality.htm

[5] Testfotos: die Bildqualität der Fujifilm FinePix F600EXR: https://www.cnet.de/41558392/testfotos-die-bildqualitaet-der-fujifilm-finepix-f600exr/?pid=1#sid=41558393

[6] Panasonic Lumix DMC-TZ22: https://www.cnet.de/tests/digicam/41549955/testbericht/panasonic_lumix_dmc_tz22_im_test_schneller_16_fach_superzoomer_mit_gps_und_touchscreen.htm

[7] Sony Cyber-shot DSC-HX7V: https://www.cnet.de/tests/digicam/41555143/testbericht/sony_cyber_shot_dsc_hx7v_im_test_kompakte_zehnfach_zoom_kamera_mit_toller_ausstattung.htm

[8] Nikon Coolpix S8100: https://www.cnet.de/tests/digicam/41546392/testbericht/nikon_coolpix_s8100_im_test_guenstiger_highspeed_superzoomer_mit_bsi_cmos_sensor.htm

[9] Canon IXUS 1100 HS: https://www.cnet.de/tests/digicam/41557142/testbericht/canon_ixus_1100_hs_im_test_kompakte_bsi_cmos_kamera_mit_12_fach_zoom.htm