Sony NEX-7 im Test: 24-Megapixel-EVIL-Kamera für Semi-Profis

von Stefan Möllenhoff am , 17:19 Uhr

Pro
  • genialer elektronischer Sucher
  • tolle Haptik und Optik
  • ausgezeichnete Foto- und Videoqualität
  • hohe Konfigurierbarkeit
  • Peaking-Funktion
Con
  • ungünstig positioniertes AF-Hilfslicht
  • Autofokus bei wenig Licht unzuverlässig
  • Menüs teilweise etwas konfus
  • geringe Objektivauswahl
Hersteller: Listenpreis: 1350 Euro (inkl. 18-55mm-Objektiv)
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,3 von 10 Punkte
Fazit:

Die Sony NEX-7 überzeugt mit toller Foto- und Videoqualität, herausragendem Body und großzügiger Ausstattung. Allerdings ist der Autofokus nicht so zuverlässig, wie wir es von einer Kamera in dieser Preisklasse erwarten, und die Bedienung durchaus gewöhnungsbedürftig. Darüber hinaus ist die Objektiv-Palette derzeit noch recht eingeschränkt.

Bis hinein ins späte 2011 schien es, als würden die spiegellosen Systemkameras in erster Linie den Einsteiger-DSLRs und den anspruchsvollen Kompaktkameras das Wasser abgraben. Dass die sogenannten EVIL-Digicams nicht nur im Sub-1000-Euro-Segment zu Hause sind, sondern sich auch durchaus in semiprofessionelle Gefilde trauen, zeigt Sony mit der NEX-7. Die ohne Objektiv 1200 Euro teure Kamera klingt auf dem Papier mit 24 Megapixeln, zehn Bildern pro Sekunde, 50p-Full-HD-Video und extrem hochauflösendem OLED-Sucher auf jeden Fall interessant. Wie sich die Kamera in der Praxis schlägt, zeigt der Testbericht.

Ein paar Teile der NEX-7 hatten wir schon vor ein paar Wochen in den Fingern – nämlich in den beiden digitalen Spiegelreflexkameras Sony Alpha SLT-A77V [1] und SLT-A65V [2]. So konnten uns dort beispielsweise schon der 24-Megapixel-Sensor und der OLED-Sucher überzeugen. Auch in puncto Geschwindigkeit waren die beiden SLT-Modelle in ihrer Klasse ganz weit vorne mit dabei. Dementsprechend hoch waren auch die Erwartungen an die spiegellose Schwester NEX-7.

Design

Dass es sich bei der Sony [3] NEX-7 um eine ganz besondere EVIL-Kamera handelt, merkt man bereits am Karton. Außen ist die Schachtel in schlichtem Schwarz gehalten, innen versteckt sich die teure Hardware in mit samtartiger Beschichtung überzogenen Pappfächern. Wir fühlen uns eher, als würden wir eine teure Uhr auspacken, als eine Digitalkamera. Aber man fotografiert ja nicht mit der Verpackung, sondern mit der Digicam.

Die Kamera selbst steht ihrer Verpackung in Nichts nach. Das Gehäuse ist aus Metall gefertigt und fühlt sich extrem hochwertig an. Auf der rechten Seite befindet sich ein großzügig dimensionierter Handgriff, der mit einer kunstlederartigen Beschichtung erfreulich griffig ist. Auf der Rückseite zieht sich eine geschwungene Wulst von unten nach oben, die dem Daumen der rechten Hand Halt bietet und zusammen mit dem frontseitigen Griff für einen sicheren Sitz in der Hand sorgt. Fotografen mit großen Händen werden sich allerdings in der Vertikalen mehr Platz wünschen. Aber gut, mehr Platz gibt es an einem derart kompakten Gehäuse eben nicht. Das Autofokus-Hilfslicht ist allerdings so nah am Handgriff positioniert, dass man es leicht einmal mit den Fingern der rechten Hand verdeckt.

Wer eine Sony-Alpha-DSLR hat, kann die Systemblitze auch mit der NEX-7 verwenden. [4]
Wer eine Sony-Alpha-DSLR hat, kann die Systemblitze auch mit der NEX-7 verwenden.

Oben auf dem Handgriff befinden sich der in Kombination mit Ein/Aus-Schalter ausgeführte Handgriff sowie eine Funktionstaste, mit der der Fotograf durch die Dialoge zu Fokus, Weißabgleich, Dynamikbereich beziehungsweise HDR-Modus und Kreativmodus wechselt. Unmittelbar dahinter sitzen zwei Einstellrädchen, die im manuellen Modus zum Konfigurieren von Blende und Belichtungszeit dienen. In den beiden Halbautomatiken Blenden- und Belichtungspriorität dient das linke Rädchen zum Konfigurieren von Blende respektive Belichtungszeit, während das rechte die Belichtungskorrektur steuert. In der Programmautomatik verschiebt das das linke Drehelement die Balance zwischen Blende und Belichtungszeit. Dieses System geht auf und sorgt nach einer kurzen Eingewöhnungsphase für eine erfreulich flüssige Bedienung.

Auf der Rückseite der NEX-7 dominiert das 3,0 Zoll große, nach oben und unten schwenkbare LC-Display. Mit einer Auflösung von 640 mal 480 Pixeln beziehungsweise 921.000 Subpixeln bietet es eine angenehm hohe Auflösung. Gegen den OLED-Sucher, der sich links über dem Bildschirm befindet, hat die Anzeige allerdings keine Chance. Er sorgt mit 1024 mal 768 Bildpunkten (2,4 Millionen Subpixel) bei allen, denen wir die Kamera in die Hand drücken, für Faszination bis Begeisterung. Einen derart klaren elektronischen Sucher haben auch wir noch nirgends sonst gesehen – das optische Pendant vermissen wir hier jedenfalls nicht mehr. Direkt rechts neben dem Guckloch gibt es ein kleines Einstellrädchen für die Dioptrienkorrektur.

Das schwenkbare Display ist praktisch, um unauffällig aus der Hüfte zu schießen. [5]
Das schwenkbare Display ist praktisch, um unauffällig aus der Hüfte zu schießen.

Weiter rechts folgt eine Taste, die den integrierten Blitz nach oben schießen lässt. Der Klapp-Mechanismus wirkt etwas dünn und zerbrechlich, hat unseren Test aber schadfrei überstanden. Ob es der Blitz überlebt, wenn man mit ihm irgendwo etwas rabiater hängenbleibt, wollen wir dann aber doch nicht ausprobieren. Erfreulich ist hier, dass sich die kleine Leuchte um mehr als 90 Grad nach hinten klappen und der Blitz so über die Decke bouncen lässt. Mit einer Leitzahl von sechs ist er nicht besonders kräftig, reicht aber bei Empfindlichkeiten von ISO 1600 oder 3200 aber durchaus aus, um in vier Meten hohen Räumen ausreichend weiches Licht auf Personen zu werfen. Wer sich mehr Power wünscht, findet auf der Oberseite des Gehäuses einen Zubehörschuh, der zu den Blitzen der Sony-Alpha-Serie kompatibel ist. Rechts neben der Blitztaste sitzt ein Button zum Wechseln in den Wiedergabemodus. Schade: Ein Blättern durch die Bilder im vergrößerten Zustand ist ebensowenig möglich wie das gleichzeitige Löschen mehrerer Fotos auf einen Streich.

Rechts oben neben dem Bildschirm gibt es eine praktische Taste, die mit dem seitlich angebrachten Umschalter entweder zum Wechseln zwischen automatischem und manuellem Fokus oder zum Speichern der Belichtung dient. Rechts oben auf der Rückseite schließlich bringt Sony noch eine dedizierte Aufnahmetaste für den Videomodus unter. Mittig rechts neben dem Bildschirm schließlich sitzt ein drehbares Vier-Wege-Pad mit mittiger Funktionstaste. Direkt darüber und darunter befinden sich zwei weitere Funktionsbuttons. Auf dem Display wird jeweils angezeigt, welche Funktion diese drei unbeschrifteten Tasten gerade ausführen – ebenso gibt es übrigens auch für die beiden Einstellrädchen eine Anzeige für die aktuelle Belegung.

Sowohl die mittlere als auch die Nach-Rechts-Taste des Vier-Wege-Pads und die beiden darüber und darunter liegenden Tasten lassen sich in ihrer Funktion konfigurieren. Allerdings gibt es dabei ein paar Ecken und Kanten. So lassen sich Blitzmodus oder Blitzbelichtungskorrektur beispielsweise nur auf den mittleren Button des Vier-Wege-Pads legen, der in der Werkseinstellung aber durchaus sinnvoll dem virtuellen Modusrädchen zugewiesen ist. Immerhin: Für diesen Button ist eine Mehrfachbelegung mit bis zu fünf Parametern möglich. Bei aktivierter Mehrfachbelegung steht dann jedoch der Aufnahmemodus nicht mehr zur Verfügung. Den muss man dann zwangsläufigerweise auf eine der drei anderen Funktionstasten legen. Bis man die NEX-7 so an seine Bedürfnisse angepasst hat, dauert es.

Viele Tasten auf der Rückseite der NEX-7 lassen sich nach Belieben konfigurieren - fast jedenfalls. [6]
Viele Tasten auf der Rückseite der NEX-7 lassen sich nach Belieben konfigurieren – fast jedenfalls.

Alternativ kann man sich natürlich auch durch das Menüsystem zu der jeweiligen Funktion hangeln. Nachdem Sony der Kamera passend zu ihren (semi-)professionellen Ambitionen allerdings ein lobenswert ausführliches Sammelsurium an Einstellungen spendiert hat, wirkt das von den NEX-Kameras aus dem Einsteiger-Segment entliehene Interface gnadenlos überfrachtet. Bis man hier die richtige Option gefunden hat, ist ein spontanes Motiv auf der Straße längst über alle Berge. Darum: Einstellen lohnt sich.

Apropos lobenswert: Obwohl sie sich an fortgeschrittene Knipser richtet, erklärt die Sony NEX-7 bei jedem Menüpunkt bereitwillig, wofür er gut ist. Bei ausgegrauten Einstellungen dagegen gibt es wenig Infos: Hier wird der Nutzer teilweise mit einem „Diese Funktion ist zur Zeit deaktiviert“ abgewiegelt. Warum, das wird leider nicht verraten. Und so muss man sich dann auf die eine oder andere Schnitzeljagd durch die Menüs gefasst machen. Schade, das kann nämlich die kleinere, ältere und günstigere Schwester NEX-C3 besser. Aber gut, hier sorgt möglicherweise noch ein Firmware-Update für Abhilfe.

Immerhin, von den jüngeren Schwestern hat die NEX-7 die Peaking-Funktion geerbt, die beim manuellen Fokussieren den scharfen Bildbereich durch farbig markierte Kanten anzeigt. Zusammen mit dem herausragenden elektronischen Sucher eignet sich die Kamera so ausgezeichnet für Freunde des händischen Scharfstellens. Wer noch alte, manuelle Objektive besitzt und diese mittels Adapter an der NEX-7 nutzen möchte, wird hier garantiert glücklich.

Sämtliche Anschlüsse befinden sich auf der linken Seite des Gehäuses. Hier gibt es eine 3,5-Millimeter-Mikrofon-Buchse, einen USB-Port sowie einen HDMI-Ausgang. Auf der Unterseite des Gehäuses schließlich bringt der Hersteller eine Klappe unter, hinter der sich die Fächer für Stromspeicher und Speicherkarte befinden. Leider kommt der Akku mit einer Kapazität von 1080 Milliamperestunden auf eine Laufzeit von lediglich 335 Fotos. Aber bei einem derart kompakten Formfaktor muss man eben den einen oder anderen Kompromiss hinnehmen. Nachdem sich der Speicherkartenslot auf der Unterseite des Gehäuses befindet, lässt sie sich außerdem bei größer dimensionierten Stativplatten nicht austauschen, wenn diese an der NEX-7 montiert sind. Das klingt zwar nach Erbsenzählerei, doch wenn sich eine Kamera „professionell“ auf die Fahne schreibt, muss sie sich eben auch mit entsprechenden Maßstäben messen lassen.

Mikrofon-, USB- und HDMI-Anschluss sitzen auf der linken Seite des Gehäuses. [7]
Mikrofon-, USB- und HDMI-Anschluss sitzen auf der linken Seite des Gehäuses.

Unterm Strich überzeugt die Sony NEX-7 in puncto Design und Haptik. Die Kamera macht einen herausragend verarbeiteten Eindruck. Sämtliche Tasten und Rädchen fühlen sich hervorragend an. Doch obwohl es unzählige Möglichkeiten und Freiheiten gibt, die Digicam an den persönlichen Geschmack anzupassen, bleibt unterm Strich ein etwas fader Beigeschmack, was die Menüs angeht. Das von den Vorgängerinnen NEX-(C)3 und NEX-5(N) bekannte Interface wurde mit zahlreichen neuen Features aufgebohrt und wirkt damit leider überfrachtet und -fordert.

Ausstattung

Auf dem virtuellen Modusrädchen der Sony NEX-7 finden sich die für eine Kamera in dieser Preisklasse obligatorischen halbautomatischen und manuellen PASM-Modi. Auch eine intelligente Automatik, die das Geschehen vor der Linse dem vermeintlich dazu am besten passendsten Motivprogramm zuordnet und die Aufnahmeparameter entsprechend anpasst. In Kombination mit der Gesichtserkennung leistet die Automatik zuverlässig gute Dienste. Wer das lieber selbst in die Hand nimmt, kann die Szenenprogramme auch händisch anwählen. Hier finden sich neben Standards wie Portrait, Landschaft und Makro allerdings kaum Überraschungen. Die einzige Besonderheit ist hier wohl der Modus Handgehalten bei Dämmerung, in dem die NEX-7 mehrere in schneller Serie mit unterschiedlichen Verschlusszeiten geschossene Fotos miteinander kombiniert, um auch bei schlechten Lichtverhältnissen ein scharfes und ordentlich belichtetes Foto zu erzielen.

Ein dem Nachtmodus ganz ähnliches Aufnahmeprogramm hat einen Platz auf dem virtuellen Modusrädchen gefunden: Anti-Bewegungsunschärfe. Auch hier knipst die NEX-7 einen ganzen Stapel an Fotos und schustert aus diesen ein möglichst scharfes Foto zusammen. Zu guter Letzt gibt es noch zwei Schwenkpanorama-Features, bei denen der Fotograf die Kamera einfach über das Motiv schwenkt, um ein Ultrabreitbild aufzunehmen – wahlweise in 3D oder in 2D.

Die Sony NEX-7 bietet eine ganze Reihe von Möglichkeiten zum Feintuning der Fotoergebnisse. Neben diversen Farbmodi und Parametern zu Schärfe, Sättigung & Co. bietet die Kamera auch die Möglichkeit, die Rauschreduzierung für hohe ISO-Werte und Langzeitaufnahmen separat einzustellen. Komplett abschalten lässt sich die Rauschunterdrückung allerdings nicht. Außerdem ist eine Objektivkorrektur an Bord, deren Eingreifen sich für Vignettierung, Farbsäume und Verzeichnung gesondert konfigurieren lässt. Wer beim Fokussieren nichts dem Zufall überlassen möchte, darf sich über eine Autofokus-Feineinstellung freuen. Hier lassen sich back- und frontfokussierende Optiken [8] korrigieren. Außerdem ist eine elektronische Wasserwaage an Bord, die dem Fotografen das nachträgliche Drehen der Aufnahmen am Rechner größtenteils erspart.

Die nachfolgende Tabelle zeigt noch einmal die wichtigsten technischen Daten der Sony NEX-7 im direkten Vergleich mit ihrer Konkurrentin Samsung NX200 [9].

Hersteller Samsung [10] Sony
Modell NX200 NEX-7
Preis (günstigstes Kit) 849 Euro 1349 Euro
Bildsensor CMOS (23,5 x 15,7 mm) CMOS (23,5 x 15,6 mm)
Auflösung 20,3 Megapixel 24,3 Megapixel
Empfindlichkeiten ISO 100 – 12.800 ISO 100 – 16.000
Formatfaktor 1,5 1,5
Serienbildgeschwindigkeit 7 fps 10 fps
Sucher optional (elektronisch) elektronisch
Autofokus 35 Felder 25 Punkte
Belichtungsmessung 221 Felder 1200 Zonen
Verschlusszeiten 1/4000 – 30 s 1/4000 – 30 s
Blitz optional (im Lieferumfang) integriert
Display 3,0 Zoll, fest, OLED, 640 x 480 Pixel 3,0 Zoll, schwenkbar, LCD, 640 x 480 Pixel
Touchscreen nein nein
Bildstabilisator optisch optisch
Videofunkion 1080/30p, H2.64 1080/50p, AVCHD 2.0
Mikrofoneingang nein ja
Kopfhörerausgang nein nein
Max. Akkulaufzeit (CIPA) 330 Fotos 350 Fotos
Abmessungen 11,7 x 6,3 x 3,6 cm 12,0 x 6,7 x 4,3 cm
Gewicht 220 g 340 g

Objektive

Verglichen mit ihren DSLR-Kollegen sind sämtliche auf dem Markt erhältlichen spiegellosen Kamerasysteme noch sehr jung. Nachdem sie alle auf ein neues Objektivbajonett setzen, hält sich die Auswahl an Optiken ebenfalls vergleichsweise stark in Grenzen. Am besten stehen hier Olympus und Panasonic da, die beide auf den gemeinsam entwickelten Micro-Four-Thirds-Standard setzen und damit mit rund 40 Linsen die breiteste Objektivpalette anbieten.

Danach kommt erst einmal ganz lange nichts, dann erst Samsung mit aktuell zehn und schließlich Sony mit derzeit sieben Optiken. Und genau hier liegt eines der größten Probleme der NEX-7. Zu dem herausragenden Body gibt es nur wenig Zubehör. Immerhin: Die erste in Zusammenarbeit mit Carl Zeiss entstandene Linse ist bereits im Handel erhältlich. Wir haben uns bereits an anderer Stelle ausführlicher mit dem Sonnar 24mm F1.8 [11] beschäftigt. Nimmt man diese Linse und das zusammen mit dem NEX-Camcorder VG10 [12] eingeführte 18-bis-200-Millimeter-Superzoom-Objektiv mal außen vor, tummelt sich der Rest der Optiken zwischen 200 und 300 Euro. Schlecht sind diese zwar – soweit wir sie ausprobiert haben – nicht, doch ein 24-Megapixel-Sensor im APS-C-Format ergibt natürlich nur Sinn, wenn das Glas davor auch entsprechend mitmacht. Und hier hat Sony derzeit einfach noch nicht so viel zu bieten.

Ganz so stimmt das allerdings nicht: Viele von Sonys DSLR-Objektiven sind nämlich auch zur NEX-7 kompatibel. Allerdings muss der Fotograf dann zusätzlich zu der dicken Alpha-Linse noch einen Adapter auf die Kamera schrauben. Und unterm Strich ist das ganze Konstrukt so groß, dass man sich den Zirkus um die superkompakte und spiegellose Bauweise auch schon fast hätte sparen können. Dass Sony die Spezifikationen des E-Bajonett-Anschlusses im Laufe des vergangenen Jahres offengelegt und bereits Kooperationen mit Carl Zeiss, Cosina-Voigtländer, Sigma und Tamron bekanntgegeben hat, dürfte hier mittelfristig aber für Besserung sorgen. Und außerdem baut der japanische Hersteller ja auch selbst noch Objektive. Für 2012 wurden auf der CP+ im Februar 2011 [13] ein Hochleistungs-Standardzoom-, ein Weitwinkel-Zoom- und ein Teleobjektiv angekündigt. Nächste Woche startet die japanische Fotomesse wieder, und vielleicht gibt es ja dann konkrete Daten zu ein paar weiteren, der NEX-7 ebenbürtigen Optiken zu sehen. Wir warten gespannt.

Diese Objektiv-Roadmap hat Sony zur CP+ im vergangenen Jahr veröffentlicht.
Diese Objektiv-Roadmap hat Sony zur CP+ im vergangenen Jahr veröffentlicht.

Leistung

So viel die Sony NEX-7 auch zu bieten hat, ihre Geschwindigkeit gehört nicht unbedingt dazu. Bis nach dem Einschalter der Kamera das erste Foto im Kasten ist, dauert es in der Regel 0,9 Sekunden. Gelegentlich scheint die Digicam allerdings zu hängen und braucht etwa zwei zusätzliche Sekunden, bis sie einsatzbereit ist. Zwischen jedem weiteren Foto genehmigt sich die Sony eine Verschnaufpause von 0,4 Sekunden. Erfreulicherweise spielt es dabei keine Rolle, ob man im RAW- oder im JPEG-Modus fotografiert. Mit aktiviertem Blitz verlängert sich die Zwangspause zwischen zwei Aufnahmen auf 1,8 Sekunden.

Um bei optimalen Bedingungen auf das Motiv zu fokussieren, benötigt die Sony NEX-7 rund 0,4 Sekunden. Im Zwielicht verschlechtert sich die Auslöseverzögerung auf 0,5 Sekunden. Bei schlechteren Lichtverhältnissen, etwa in schummrig beleuchteten Bars und Restaurants, ist der Autofokus leider nicht immer ganz treffsicher. Dass man – wie bereits zu Anfang erwähnt – das Autofokus-Hilfslicht gerne einmal mit den Fingern der rechten Hand verdeckt, hilft hier nicht unbedingt weiter. Statt dann auf den gewählten Fokuspunkt scharfzustellen und das mit einem kleinen grünen Kästchen anzuzeigen, fokussiert die NEX-7 dann die ganze Szene so gut wie möglich an und signalisiert das mit einem großen grünen Kasten auf dem Bildschirm. Besteht das Motiv hier beispielsweise aus einer Person vor einem auffälligen Hintergrund, ist in diesem Fall leider meistens der Hintergrund und nicht die Person scharf.

In der Praxis fühlt sich die NEX-7 etwas schneller an, als es die Messwerte vermuten lassen. Das liegt sicherlich auch daran, dass sich der Autofokus alle paar Sekunden aktualisiert und auf das aktuelle Motiv scharfstellt. Im besten Fall muss die Digicam dann nur noch knipsen und gar nicht mehr fokussieren, wenn der Fotograf auf der Auslöser drückt. Leider lässt sich dieses Feature nicht deaktivieren. Die Akkulaufzeit würde es sicherlich danken.

Beim ersten Blick aufs Datenblatt klingt die Sony NEX-7 mit ihren zehn Bildern pro Sekunde wahnwitzig schnell. Im Gegensatz zu ihrer großen DSLR-Schwester Alpha SLT-A77V bietet die kleine EVIL-Kamera bei diesem Tempo allerdings keinen kontinuierlichen Autofokus mehr an. Wer sich ein kontinuierliches Scharfstellen wünscht, muss vom Bildfolgepriorität-Serienbildmodus in den normalen Serienbildmodus wechseln. Im Test messen wir hier mit aktiviertem Autofokus ein maximales Tempo von 3,0 Fotos pro Sekunde. Bei ungünstigen Lichtverhältnissen kommt der Autofokus allerdings ganz schön ins Pumpen, und das Tempo sinkt weiter ab. Eine Fokus- beziehungsweise Serienbild-Priorität lässt sich hier nicht festlegen. Der Highspeed-Modus kommt in unserem Test übrigens auf 9,1 fps.

Unterm Strich ist die Sony NEX-7 schnell genug, um bei Landschafts-, Portrait- und Straßenfotos nicht negativ aufzufallen. Für Action-Schnappschüsse allerdings führt einfach kein Weg an einer ausgewachsenen Spiegelreflexkameras mit Phasenvergleichs-Autofokus vorbei. Aber die ist dann eben nicht so kompakt wie die NEX-7. Man kann nicht alles haben.

Bildqualität

Eines vorweg: Wir hatten zusammen mit der Sony NEX-7 leider nur das 18-bis-55-Millimeter-Kitobjektiv zur Verfügung. Zwar bietet das Standard-Zoom eine recht ordentliche Auflösung, doch ob es den 24-Megapixel-Sensor voll ausreizen kann, wagen wir zu bezweifeln. Mit dem neuen 24-Millimeter-Zeiss-Objektiv ließe sich hier sicherlich noch einiges mehr aus der Digicam herausholen.

Im Großen und Ganzen liefert die Sony NEX-7 trotzdem eine hervorragende Bildqualität. Bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten bietet die Kamera eine hervorragende Detailwiedergabe. Das gilt jedenfalls für die Bildmitte, an den Rändern und Ecken werden die Aufnahmen, bedingt durch das Kit-Zoomobjektiv, bei starker Vergrößerung am Bildschirm sichtbar unschärfer. Wer die 1200 Euro für den Body auf den Tisch legt, sollte definitiv noch Geld für ein adäquates Objektiv auf der Seite haben – wenn es dieses dann mal gibt. Aber die CP+ wartet ja schon um die nächste Ecke.

Bis einschließlich ISO 400 gelingen die Aufnahmen der NEX-7 extrem sauber. Wer sich die Nase am Monitor plattdrückt, kann bei ISO 800 ein leichtes Nachlassen von Details feststellen, das bei geringerer Betrachtungsgröße jedoch irrelevant ist. Erst ab ISO 6400 macht sich ein wirklich signifikanter Detailverlust bemerkbar, und es tritt ein auch bei verkleinerter Betrachtung sichtbares Bildrauschen auf. Die Farben sind bis einschließlich ISO 1600 sehr stabil, lassen bei ISO 3200 einen Hauch und bei ISO 6400 sichtbar nach. Unterm Strich sind die Aufnahmen aber für die diversen sozialen Netzwerke oder kleinformatige Abzüge noch absolut brauchbar. Erst ab ISO 12.800 gehen die Farben merklich kaputt, und die Aufnahmen geben nicht mehr viel her. Der fünfstellige Empfindlichkeitsbereich eignet sich nur noch für Notfälle.

Wer sich die Mühe mit dem Rohdatenformat macht, kann die bei hohen ISO-Empfindlichkeiten recht groben Artefakte in eine deutlich filigranere Körnung verwandeln. Unterm Strich bleiben hier dann auch mehr Feinheiten und Details erhalten. Allerdings macht uns bei hohen Empfindlichkeiten die Farbwiedergabe etwas zu schaffen. Wollen wir das recht ausgeprägte Farbrauschen in den Griff bekommen, so wirken die Fotos etwas blass und wollen nachträglich per Bildbearbeitung noch etwas aufgepeppt werden. Unterm Strich lassen sich so auch mit ISO 6400 noch ansehnliche Ergebnisse erzielen, wenn man etwas Arbeit in die Bilder steckt. Zwar lassen sich die Bilder bei ISO 12.800 und 16.000 mit dem Umweg über das Rohdatenformat noch etwas verbessern, mit wirklich herzeigbaren Resultaten darf man aber nicht mehr rechnen. Die Schallmauer der NEX-7 liegt bei ISO 6400.

Bei niedrigen und mittleren ISO-Empfindlichkeiten liefert die Sony außerdem sehr lebendige Farben. Wer die mit den Werkseinstellungen geschossenen Fotos zu knallig findet, darf sich über ein neutrales Farbprofil freuen sowie über die Möglichkeit, Kontrast, Sättigung & Co. händisch zu regeln. Außerdem liefert die Kamera recht robuste Files, die in der Bildbearbeitung das eine oder andere Aufhellen durchaus ganz gut vertragen. Wer dunkle Bildbereiche aufhellt, muss allerdings bei stärkeren Korrekturen bereits bei niedrigen Empfindlichkeiten mit einem deutlichen Rauschen rechnen.

Am Ende des Tages ist es allerdings fraglich, ob die NEX-7 wirklich 24 Megapixel braucht. Denn diese enorme Auflösung werden selbst ambitionierte Amateure oder gar Profis nur in den seltensten Fällen wirklich komplett ausreizen. Canons neues Flaggschiff EOS 1D X beispielsweise begnügt sich mit 18 Megapixeln. Aber gut, die zusätzlichen Pixel können ja nicht schaden. Möchte man zumindest denken, doch die Realität sieht leider anders aus. Die JPEG-Fotos der NEX-7 benötigen auch mal gerne um die 10 MByte, bei den RAWs sind es sogar um die 24 bis 25 MByte. Das fordert nicht nur zusätzlichen Platz auf der Speicherkarte, sondern drosselt auch die Geschwindigkeit. Mit niedrigerer Auflösung wär die Datenflut geringer, und die NEX-7 könnte schneller sein.

Und zu guter Letzt bedeutet eine höhere Auflösung auf einem Sensor gleichbleibender Größe auch, dass die einzelnen Pixel kleiner sind. Und je weniger Licht ein einzelner Bildpunkt abbekommt, mit desto höherer Empfindlichkeit muss dieser ausgelesen werden. Das äußert sich in der Praxis dann in Form von vermehrt auftretenden Fehlern, ergo Bildrauschen und Konsorten. Hätte Sony auf den Auflösungsrekord im APS-C-Format verzichtet, so wäre sicherlich eine bessere Bildqualität möglich gewesen – insbesondere bei höheren ISO-Empfindlichkeiten.

Die Full-HD-Videoqualität der NEX-7 ist hervorragend. Im 50p-Aufnahmemodus sehen auch actionreiche Aufnahmen extrem weich aus. Rolling-Shutter-Effekte kommen uns im Test nicht unter. Selbst wenn wir mit der Kamera in der Hand eine Skipiste herunterfahren, ist das Video zwar verwackelt, ein störendes Wabbeln stellen wir aber nicht fest. Der Autofokus könnte gelegentlich etwas schneller arbeiten – insbesondere unmittelbar nach dem Start eines Videos ist das Bild häufig ein paar Sekunden lang unscharf. Der aufgezeichnete Ton ist gut, das Stereo-Mikrofon bietet eine gute Kanaltrennung. Daneben bietet die NEX-7 noch einen Mikrofoneingang, der sich allerdings leider nicht pegeln lässt.

Fazit

Die Sony NEX-7 hat anspruchsvollen Fotografen extrem viel zu bieten. Das fängt bei dem hervorragenden Sucher an, geht über den extrem hochauflösenden Bildsensor und den beeindruckenden Videomodus und zieht sich bis hin zu den vielen Tasten und Rädchen, mit denen sich zahlreiche Funktionen direkt ansteuern lassen und die zu großen Teilen auch noch konfigurierbar sind. Allerdings gibt es auch ein paar Schwachpunkte, die es zu beachten gilt: Der Autofokus schwächelt – insbesondere bei Lichtverhältnissen – öfters als es uns lieb wäre, das NEX-typische Menüsystem wirkt mit den zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten eher unübersichtlich, und die Auswahl der zur Verfügung stehenden Objektive lässt zu wünschen übrig. Unterm Strich hat Sony mit der NEX-7 aber definitiv für einen Paukenschlag gesorgt und eindrucksvoll gezeigt, wie viel Kamera man heute in wie wenig Gehäuse unterbringen kann. Wer über die genannten Schwächen hinwegsehen kann, wird an diesem Fotoapparat sicherlich seine Freude haben.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41558574/sony-nex-7-im-test-24-megapixel-evil-kamera-fuer-semi-profis/

URLs in this post:

[1] Sony Alpha SLT-A77V: https://www.cnet.de/tests/digicam/41556882/testbericht/sony_alpha_slt_a77_im_test_blitzschnelle_24_megapixel_kamera_mit_transluzentem_spiegel.htm

[2] SLT-A65V: https://www.cnet.de/tests/digicam/41556599/testbericht/sony_alpha_slt_a65v_im_test_ausgezeichnete_mittelklasse_dslr_mit_festem_spiegel.htm

[3] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41558574/sony_nex-7_oben.jpg

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41558574/sony_nex-7_display.jpg

[6] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41558574/sony_nex-7_hinten.jpg

[7] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41558574/sony_nex-7_ports.jpg

[8] back- und frontfokussierende Optiken: http://de.wikipedia.org/wiki/Entfernungseinstellung#Fokussierungsfehler

[9] Samsung NX200: https://www.cnet.de/tests/digicam/41555651/preview/samsung_nx200_angetestet_vielversprechende__aber_kostspielige_evil_kamera.htm

[10] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[11] Sonnar 24mm F1.8: https://www.cnet.de/tests/peripherie/41557562/preview/carl_zeiss_sonnar_24mm_f1_8_ausprobiert_lichtstarke_festbrennweite_fuer_sonys_nex_kameras.htm

[12] VG10: https://www.cnet.de/tests/camcorder/41541140/testbericht/sony_nex_vg10_im_test_camcorder_mit_aps_c_sensor_zwischen_amateur__und_profiwelt.htm

[13] CP+ im Februar 2011: https://www.cnet.de/blogs/alpha/kameras/41548521/cp__2011_sony_gewaehrt_einblicke_in_die_zukunft_seiner_evil__und_dslr_kameras.htm

[14] Testfotos: die Bildqualität der Sony NEX-7: https://www.cnet.de/41558580/testfotos-die-bildqualitaet-der-sony-nex-7/?pid=1#sid=41558574