Windows 8 im Test: Das leistet die Consumer Preview des neuen Microsoft-Betriebssystems

Apps spielen eine wichtige Rolle

Die mit der Developer Preview ausgelieferten Applikationen sind hauptsächlich Platzhalter. Sie wurden von Praktikanten vergangenen Sommer geschrieben, um zu zeigen, was mit Metro möglich ist. Sie waren jedoch nicht so ausgefeilt, wie man es von einer solchen Umgebung erwartet.

In der Consumer Preview gibt es diebezüglich deutliche Fortschritte: Microsoft hat die Anwendungen integriert, die im Rahmen der Build-Keynote demonstriert wurden. Mit den Tools aus den Familien Xbox, Bing und Windows Live findet man eine nützliche Sammlung vor. Sie sind aber noch alle als Preview geführt – offenbar plant Microsoft noch Änderungen. Man kann sie jedoch problemlos benutzen, insbesondere Skydrive und Mail. Das Windows-Live-Branding lässt Microsoft aber offenbar mit Windows 8 fallen.

SkyDrive ist eng in Windows 8 integriert. Es wird genutzt, um Einstellungen sowie Favoriten zu synchronisieren und um Dateien und Ordner zu teilen. Zudem bietet SkyDrive Windows-8-Nutzern Cloud Storage. Man kann Fotos von der Kamera-Anwendung hochladen und erhält ebenso auch Zugriff auf Fotos, die man von einem Windows Phone ins Netz gestellt hat.

Damit nimmt Microsofts Consumer-Cloud langsam Formen an. SkyDrive mit seinen 25 GByte kostenlosem Speicherplatz steht dabei im Mittelpunkt. Metro-Apps können aufgrund der Metro-SkyDrive-App auf den Cloud-Speicher zugreifen. Die Anwendung zur Integration von SkyDrive in den Desktop-Modus ist aber noch nicht verfügbar. Sie soll aber nachgeliefert werden.

Die Mail-App unterstützt derzeit drei Optionen: Hotmail, Gmail und Exchange. Das Einbinden von POP- und IMAP-Konten ist derzeit noch nicht möglich. Ebenfalls in der Consumer Preview finden sich die Apps Musik, Video und Kontakte. Letztere ist der Kontakte-App von Windows Phone 7 nachempfunden, die Adressbücher aus verschiedenen Quellen zusammenfasst, darunter Facenook, Twitter, LinkedIn und Google. Zudem lassen sich einzelne Kontakte auf dem Startscreen festpinnen. Sie sind dann schneller erreichbar. Zudem werden auf dem Live Tile Updates aus den sozialen Netzwerken angezeigt.

Die Integration der Xbox spielt in Windows 8 eine große Rolle: Die App Xbox Companion lässt den PC zur Fernbedienung für Xbox-Applikationen werden. Zudem gibt es die Option, Videos aus dem Xbox-Live-Videostore zu kaufen und sie über die Xbox auf den Fernseher auszugeben.

Ein Beispiel für die Möglichkeiten von Metro ist die Bing-Maps-App, für die Microsoft Code genutzt hat, der bereits für die Silverlight-Version entwickelt wurde. Erstmals in der Consumer Preview enthalten ist auch der Windows Store, aus dem alle Metro-Apps geladen werden. Eine alternative Bezugsquelle gibt es nicht. Derzeit sind noch alle Apps im Windows Store kostenlos, das wird sich mit der Zeit aber ändern.

Metro gegen Desktop

In der Developer Preview sieht es so aus, als gebe es zwischen Metro-style- und Desktop-Applikationen große Unterschiede. Dieses existieren auch in der Consumer Preview nach wie vor, das Gesamterlebnis ist aber deutlich kohärenter.

Die Windows-Entwicklung basiert auf Zahlen, die Microsoft aus den Telemetrie-Daten gewinnt. Diese zeigen, dass Anwender in unterschiedlichen Modi arbeiten. Viele nutzen eine einzige App und sind mit der Metro-Umgebung gut bedient, andere verwenden mehrere Programme und Tools, zwischen denen sie umschalten müssen. Diese Anwender sind dann schließlich auf dem Desktop besser aufgehoben.

Letztlich handelt es sich nicht um einen Wettbewerb zwischen Metro und Desktop – zumindest in diesem Release. Beide Umgebungen sind verfügbar, und das wird längerfristig wohl auch so bleiben. Die Anforderungen sind einfach zu unterschiedlich, um sich auf ein Szenario festzulegen.

Fazit

Die Consumer Preview ist für die Entwicklung von Windows 8 ein Meilenstein. Dank der Modifikationen hinterlässt das Metro-Interface einen deutlich besseren Eindruck als in der Developer Preview. Das gilt besonders dann, wenn man es nicht per Touch, sondern mit Maus und Tastatur benutzt. Die aktuelle Version bewegt sich vermutlich nahe an dem, was Microsoft im Herbst ausliefern wird. In der Zwischenzeit versuchen die Redmonder, soviele Nutzerdaten wie möglich zu erhalten und hier und da noch an den Ecken und Kanten zu feilen.

Neben der neuen Oberfläche bietet die Consumer Preview aber noch zahlreiche andere Neuerungen. Dazu gehören Hyper-V-Unterstützung sowie eine Ordner-Rückschau, um versehentlich gelöschte Dateien wiederherzustellen.

Nach einigen Tagen Nutzung erweist sich die Consumer Preview als deutlich ausgereifter und einfacher zu nutzen als die Developer Preview. Eine Mischung aus größeren Änderungen und kleinen Modifikationen macht Windows 8 in der aktuellen Variante zu einem interessanten Betriebssystem, das einen Test wert ist.

Entwickler können die Consumer Preview nutzen, um sich mit Metro und der darunterliegenden WinRT-Plattform vertraut zu machen. Und Endanwender haben die Gelegenheit, bereits heute mit etwas zu spielen, das vermutlich die Windows-Basis für die nächsten zehn Jahre bildet.

[mit Unterstützung von Joachim Kaufmann und Material von Simon Bisson, ZDNet UK]

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