Canon EOS 5D Mark III im Vorab-Test: Vollformat-Kamera für Foto- und Videofreaks

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 20:36 Uhr

Canon hat heute endlich das lange erwartete Update der nicht nur in Foto-, sondern auch in Videokreisen legendären EOS 5D Mark II vorgestellt. Die Canon EOS 5D Mark III kommt nicht nur als inkrementelles Update daher, sondern präsentiert sich als fast komplett neue Kamera. Das professionelle Modell ist mit Funktionen vollgestopft, die sich sowohl an Fotografen als auch an Bewegtbild-Fans richten. Allerdings hat die 5D3 auch preislich einen deutlichen Sprung nach oben gemacht.

Es gibt zwei Arten von Fotografen: Die einen benutzen ihre Kamera, bis sie aus allen Löchern pfeift und in ihre Bestandteile zerfällt, bevor sie an eine Neuanschaffung denken. Die anderen dagegen kaufen sich immer die neuen Modelle und bleiben so Feature-technisch stets auf dem neuesten Stand. Die Canon EOS 5D Mark III dürfte beide Lager schier an den Rand der Verzweiflung getrieben haben. Denn schließlich hat es jetzt ganze dreieinhalb Jahre gedauert, bis die EOS 5D Mark II einen Nachfolger bekommen hat. Und so, wie es aussieht, dürften alle mit dem neuen Modell mehr zufrieden sein – vorausgesetzt, der Preis ist finanzierbar.

Aber auch für kleinere Geldbeutel besteht Hoffnung. Canon plant nämlich, die 5D Mark II weiterhin auf dem Markt zu halten und die Kosten weiter zu senken. Auf welchem Niveau sich die 5D2 eintrudeln wird, ist allerdings noch nicht bekannt. Die 2008 für eine unverbindliche Preisempfehlung von 2499 Euro auf den Markt gebrachte Kamera kostet derzeit immer noch deutlich über 1700 Euro und ist damit erstaunlich wertstabil. Zum Vergleich: Für die EOS 5D Mark III veranschlagt Canon stolze 3299 Euro. Alle Preis gelten ohne Objektiv.

Und auch der Blick zur Konkurrenz lässt die 5D Mark III nicht gerade günstiger wirken. Nikons Gegenstück namens D800 kommt demnächst zur unverbindlichen Preisempfehlung von 2899 Euro in die Läden. Und auch das Schwestermodell D800E, das zugunsten höherer Bildschärfe auf einen Tiefpassfilter verzichtet, ist mit 3219 Euro immer noch etwas günstiger. Die D800-Vorgängerin D700 bewegt sich derzeit übrigens bei rund 1900 Euro.

Design

Auf den ersten Blick scheint es zwischen der 5D Mark II und der 5D Mark III kaum Unterschiede zu geben. Beide Kameras fassen sich sehr ähnlich an, und auch beim Design hat Canon keine riesigen Sprünge gemacht. Stattdessen hat Canon über die letzten Jahre hinweg fleißig Feedback gesammelt und an allen Ecken und Kanten ein bisschen gefeilt.

Die wohl wichtigste Neuerung betrifft den Sucher. Er hat sich um 2 Prozent gesteigert und bietet jetzt eine 100-prozentige Sucherbild-Abdeckung. An der Vergrößerung hat sich nichts verändert. Die Spotmessung für die Belichtung wurde außerdem von 3,5 auf 1,5 Prozent der gesamten Bildfläche gedrosselt und lässt sich nun präziser einsetzen. Der optische Sucher verfügt über ein optionales Gittermuster und zeigt zahlreiche nützliche Informationen an, beispielsweise die ISO-Erweiterungen.

Das Modusrädchen auf der linken Schulter der Kamera ist jetzt nicht mehr frei drehbar und so vor versehentlicher Verstellung geschützt. Canon setzt hier auf dasselbe, etwas gewöhnungsbedürftige Prinzip wie bei der kleinen Schwester 60D: Oben auf dem Drehelement sitzt ein Knopf. Drückt man diesen hinein, lässt sich das Modusrädchen bewegen. Allerdings klappt das einhändig und auf die schnelle nicht so flüssig, wie wir uns das wünschen würden. Bei der 5D Mark II bot Canon genau diese Funktion übrigens aufgrund der hohen Nachfrage irgendwann zum Nachrüsten an – für rund 100 Euro.

Für Videofans gibt es – wie zu erwarten war – ebenfalls ein paar Neuerungen beim Design. Die 5D Mark III bringt denselben Live-View- und Aufnahme-Knopf mit wie die ältere Schwester 7D. Außerdem verfügt das Einstellrädchen rechts neben dem Bildschirm über einen kapazitiven Touch-Bereich und lässt sich so im Videomodus geräuschlos bedienen.

Außerdem gibt es bei der Bildwiedergabe einen Modus zum direkten Vergleichen von Fotos. Ebenfalls hinzugekommen ist eine dedizierte Taste zum Bewerten von Bildern. Die Menüs sind denen der EOS 1D X sehr ähnlich: extrem breit aufgefächert und dennoch tief und bis zum Gehtnichtmehr mit Einstellungen vollgestopft. Ein gutes Beispiel für die Vielfalt ist die flexible Konfigurierbarkeit von Autofokussystem und Tracking.

Zu guter Letzt hat Canon der 5D Mark III noch ein etwas outdoor-tauglicheres Gehäuse verpasst. Sowohl die Dichtungen als auch das Magnesiumgehäuse selbst mit dem Objektivanschluss aus rostfreiem Stahl wurden verbessert. So robust, wie man es bei einer DSLR in dieser Preisklasse erwarten würde, ist die Kamera dennoch nicht. Den meisten Hochzeits-Fotografen dürfte das egal sein, doch insbesondere in den Händen von Videografen müssen aktuelle Spiegelreflexkameras doch mehr aushalten, als man meinen möchte.

Ausstattung

Die größten Neuerungen bringt die 5D Mark III nicht am Gehäuse, sondern unter der Haube mit. Wer Canons Produktentwicklung verfolgt, wird etliche Features der EOS 7D und der EOS 1D X wiedererkennen. Unterm Strich ist ein Modell herausgekommen, das seiner Vorgängerin ähnlich sieht, ansonsten aber eine komplett neue Kamera ist.

Zwar ist der Bildsensor der Canon EOS 5D Mark III ein anderer als der in der großen Schwester 1D X. Doch es kommen zahlreiche Technologien zum Einsatz, die beim Flaggschiff Premiere feierten. So gibt es bei der 5D3 lückenlose Mikrolinsen, effizientere Fotodioden, bessere Rauschreduzierung auf dem Chip selbst und eine höhere Auslesegeschwindigkeit mit zweimal vier Kanälen. Die Bildpunkte auf dem Sensor sind 6,25 Mikron groß. Der Sensor der 5D Mark II hatte mit der um ein Megapixel geringeren Auflösung mit 6,4 Mikron etwas größere Pixel zu bieten. Laut Hersteller soll die 5D Mark III ihrer Vorgängerin gegenüber aufgrund der besseren Bildverarbeitung des Digic-5+-Prozessors und der neueren Sensortechnologie dennoch um zwei Blenden voraus sein – sowohl bei der JPEG-Aufnahme als auch im Videomodus. Die 1D X ist mit ihren 18 Megapixeln und einer Pixelgröße von 6,95 Mikron der 5D Mark III um eine Blende voraus.

Apropos EOS 1D X: Von dieser Kamera hat die 5D Mark III das Autofokus-System mit seinen 61 Fokuspunkten geerbt. Dazu gehören auch die Möglichkeiten, Autofokus-Punkte zu Gruppen zusammenzufassen. Die Belichtungsmessung stammt allerdings noch von der EOS 7D, was in der Praxis kaum eine Rolle spielen dürfte. Die Neuerungen bei der 1D X umfassen in erster Linie Gesichtserkennung und Objektverfolgung zur Unterstützung des Autofokus im Serienbildmodus. Aber die 5D Mark III richtet sich ja ohnehin nicht an Serienbild-Junkies beziehungsweise Sportfotografen.

Der neue Digic-5+-Bildprozessor bringt viele wichtige Funktionen in die 5D Mark III. Ein Beispiel wäre die Unterstützung für UDMA-7-CompactFlash-Karten, die Geschwindigkeiten von bis zu 167 MByte pro Sekunde ermöglichen. Dem CompactFlash-Slot steht ein SDXC-Einschub zur Seite. Canon bietet diverse Möglichkeiten, mit zwei Speichermedien zu verfahren. So lassen sich hier beispielsweise RAW- und JPEG-Aufnahmen oder JPEG-Fotos mit unterschiedlichen Größen- und Qualitätseinstellungen verteilen.

Schließlich gibt es noch eine HDR-Automatik, die drei in schneller Serie geschossene Fotos zu einem Bild kombiniert, das über einen verbesserten Dynamikumfang verfügt. Wer die HDR-Aufnahmen lieber händisch am Rechner zusammenbastelt, darf dich über eine Belichtungsreihenfunktion freuen, die bis zu sieben Fotos einfängt, die bis zu fünf Blenden nach oben und unten ausschlägt. Zu guter Letzt ist noch die Mehrfachbelichtungsfunktion der Canon EOS 1D X an Bord.

Auch im Videomodus gibt es ein paar nennenswerter Veränderungen. So stehen die beiden neuen Video-Encoder All-I und IP-B von der 1D X auch bei diesem Modell zu verfügen. Neu ist auch eine Aufnahmefunktion für 60 Bilder pro Sekunde bei 1280 mal 720 Pixeln und die Unterstützung von Timecodes. Wer den Ton ebenfalls mit der 5D Mark III aufnehmen möchte, freut sich über einen Kopfhörerausgang zur Kontrolle sowie über einen in 64 Stufen regelbaren Mikrofoneingang inklusive Windfilter. Enttäuschend ist allerdings, dass sich über den HDMI-Ausgang nur der Displayinhalt ausgeben lässt – inklusive den eingeblendeten Bedienelementen. So ist es leider nicht möglich, ein externes Aufnahmegerät an den HDMI-Ausgang zu hängen. Die Zwölf-Minuten-Beschränkung für die Videoaufnahmen entfällt.

Die folgende Tabelle zeigt noch einmal die wichtigsten technischen Daten der Canon EOS 5D Mark III und einiger aktueller Konkurrenten im direkten Vergleich.

Tabelle anzeigen: Canon EOS 5D Mark III im Vergleich mit aktuellen Vollformat-Kameras [2]

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Hersteller Canon Canon Canon Nikon Nikon Nikon Hersteller
Produkt EOS 5D Mark II EOS 5D Mark III 1D X D700 D800 D4 Produkt
Preis (UVP) 2499 Euro 3299 Euro 6299 Euro 2479 Euro 2899 Euro 5929 Euro Preis (UVP)
Preis (Markt) 1750 Euro noch nicht verfügbar noch nicht verfügbar 1900 Euro noch nicht verfügbar noch nicht verfügbar Preis (Markt)
Bildsensor CMOS (36,0 x 24,0 mm) CMOS (36,0 x 24,0 mm) CMOS (36,0 x 24,0 mm) CMOS (36,0 x 23,9 mm) CMOS (35,9 x 24,0 mm) CMOS (36,0 x 23,9 mm) Bildsensor
Auflösung 21,1 Megapixel 22,3 Megapixel 18,0 Megapixel 12,1 Megapixel 36,3 Megapixel 16,2 Megapixel Auflösung
Formatfaktor 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0 1,0 Formatfaktor
Empfindlichkeiten ISO 50 – 25.600 ISO 50 – 102.400 ISO 50 – 204.800 ISO 100 – 25.600 ISO 50 – 25.600 ISO 50 – 204.800 Empfindlichkeiten
Serienbildgeschwindigkeit 3,9 fps 6,0 fps 12 fps 5,0 fps 4,0 fps 11 fps Serienbildgeschwindigkeit
Sucherbildfeld 98 % 100 % 100 % 95 % 100 % 100 % Sucherbildfeld
Effektive Vergrößerung 0,71 x 0,71 x 0,76 x 0,72 x 0,70 x 0,70 x Effektive Vergrößerung
Autofokus 9 Punkte (1 Kreuzsensor) 61 Punkte (41 Kreuzsensoren, 5 Dual-Kreuzsensoren) 61 Punkte (41 Kreuzsensoren, 5 Dual-Kreuzsensoren) 51 Punkte (15 Kreuzsensoren) 51 Punkte (15 Kreuzsensoren) 51 Punkte (15 Kreuzsensoren) Autofokus
Belichtungsmessung 35-Zonen-TTL 63-Bereiche-iFCL 252-Zonen-RGB 1005-Pixel-RGB 91.000-Pixel-RGB 91.000-Pixel-RGB Belichtungsmessung
Verschlusszeiten 1/8000 – 30 s, Bulb 1/8000 – 30 s, Bulb 1/8000 – 30 s, Bulb 1/8000 – 30 s, Bulb 1/8000 – 30 s, Bulb 1/8000 – 30 s, Bulb Verschlusszeiten
Blitzsynchronzeiten 1/200 s 1/200 s 1/250 s 1/250 s 1/250 s 1/250 s Blitzsynchronzeiten
Kabellose Blitzsteuerung nein nein nein ja ja ja Kabellose Blitzsteuerung
Integrierter Blitz nein nein nein nein nein nein Integrierter Blitz
Display 3,0 Zoll, fest, 640 x 480 Pixel 3,2 Zoll, fest, 720 x 480 Pixel 3,2 Zoll, fest, 720 x 480 Pixel 3,0 Zoll, fest, 640 x 480 Pixel 3,2 Zoll, fest, 640 x 480 Pixel 3,2 Zoll, fest, 640 x 480 Pixel Display
Touchscreen nein nein nein nein nein nein Touchscreen
Bildstabilisator optisch (via Objektiv) optisch (via Objektiv) optisch (via Objektiv) optisch (via Objektiv) optisch (via Objektiv) optisch (via Objektiv) Bildstabilisator
Videofunktion 1080/30p/25p/24p 1080/30p/25p/24p, 720/60p/50p 1080/30p/25p/24p, 720/60p/50p nicht verfügbar 1080/30p/25p/24p, 720/60p/50p 1080/30p/25p/24p, 720/60p/50p Videofunktion
Verschlusshaltbarkeit 150.000 Auslösungen 150.000 Auslösungen 400.000 Auslösungen 150.000 Auslösungen 200.000 Auslösungen 400.000 Auslösungen Verschlusshaltbarkeit
Speichermedien 1 x CF (UDMA 6) 1 x CF (UDMA 7), 1 x SDXC 2 x CF (UDMA 7) 1 x CF (UDMA 6) 1 x CF (UDMA 7), 1 x SDXC 1 x CF (UDMA 7), 1 x XQD Speichermedien
Mikrofoneingang ja ja ja nein ja ja Mikrofoneingang
Kopfhöreranschluss nein ja ja nein ja ja Kopfhöreranschluss
Akkulaufzeit (CIPA) 950 Fotos 950 Fotos 1120 Fotos 1000 Fotos 850 Fotos 2600 Fotos Akkulaufzeit (CIPA)
Abmessungen 15,2 x 11,4 x 7,5 cm 15,2 x 11,6 x 7,6 cm 16,4 x 15,8 x 8,3 cm 14,7 x 12,3 x 7,7 cm 14,6 x 12,3 x 8,2 cm 16,0 x 15,7 x 9,1 cm Abmessungen
Gewicht 810 g 950 g 1340 g 995 g 900 g 1180 g Gewicht
Marktstart November 2008 März 2012 April 2012 Juli 2008 März 2012 März 2012 Marktstart

Ausblick

Mit all diesen Neuerungen und Verbesserungen kommt die Canon EOS 5D Mark III als extrem vielversprechende Kamera daher, die sich potenziellen Käufern selbst im Angesicht der deutlich gestiegenen Anschaffungskosten schmackhaft macht. Nikons D800 steht in puncto Anschaffungskosten und Megapixel besser da, hat aber ansonsten – soweit wir das bis jetzt beurteilen können – keine gewaltigen Vorteile. Den meisten potenziellen Käufern wird das jedoch nicht viel ausmachen, da sie ohnehin mit ihrer Ausrüstung bereits an einen der beiden Hersteller gebunden sind.

Wir sind jedenfalls mächtig gespannt auf sowohl die Nikon D800 und die Canon EOS 5D Mark III und hoffen, beide Modelle demnächst in einem Test gegenüberstellen zu können. Hüben wie drüben ist der Marktstart bereits für nächsten Monat angesetzt.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41559119/canon-eos-5d-mark-iii-im-vorab-test-vollformat-kamera-fuer-foto-und-videofreaks/

URLs in this post:

[1] Canon EOS 5D Mark III im Hands-on: ambitionierter Nachfolger eines DSLR-Klassikers: https://www.cnet.de/41559106/canon-eos-5d-mark-iii-im-hands-on-ambitionierter-nachfolger-eines-dslr-klassikers/?pid=1#sid=41559119

[2] Tabelle anzeigen: Canon EOS 5D Mark III im Vergleich mit aktuellen Vollformat-Kameras: #