Fotografieren mit der Lytro-Kamera

Autofokus und Auslöseverzögerung sind zwei große Stolpersteine, die bei den allermeisten Kompaktkameras zwischen dem Fotografen und tollen Schnappschüssen liegen. Eliminiert man diese beiden Teile aus der Gleichung, so hat man selbst bei vergleichsweise hohen Anschaffungskosten von umgerechnet mindestens 300 Euro ein gutes Verkaufsargument. Es dürfte keinen einzigen Fotografen auf dem Planeten geben, der noch keine Fotogelegenheit verpasst hat, weil der Autofokus noch am Herumdrehen war oder – noch schlimmer – er daheim am Rechner feststellen musste, dass ein paar Bilder, die eigentlich scharf aussahen, fehlfokussiert sind. Zuerst knipsen und anschließend scharfstellen zu können, wäre also ein gewaltiger Durchbruch in der Schnappschussfotografie.

Lytro gibt sich allerdings nicht damit zufrieden, die Fotos nur einmal nachfokussieren zu lassen. Stattdessen gibt der Hersteller dem Fotografen sogenannte „lebendige Bilder“ an die Hand. Diese Aufnahmen sind in einem Flash-Applet eingebunden und lassen sich jederzeit durch einen einfachen Mausklick an die entsprechende Stelle neu fokussieren. Damit erhalten die Bilder einen Grad an Interaktivität, wie er bislang völlig unmöglich war. Und es gibt auch neue Möglichkeiten für Fotografen: Schließlich ist es nun möglich, dem Betrachter zunächst eine bestimmte Schärfeebene zu zeigen und ihn anschließend den Rest des Bildes erkunden zu lassen – und dort möglicherweise die eine oder andere Überraschung zu verstecken.

Die Lichtfeldkamera von Lytro bietet zwei verschiedene Aufnahmemodi: Alltag und Kreativ. Im Alltags-Betrieb legt die Kamera den Refokussierungs-Bereich fest – also die Entfernung zwischen den Objektiven im Vorder- und Hintergrund, die sich anschließend noch nachträglich anfokussieren lassen. Der Objektiv ist in diesem Modus auf einen etwa 3,5-fachen optischen Zoom beschränkt. Dafür muss der Anwender auch nichts tun, als zu zielen und abzudrücken. Es steht hier noch eine Belichtungskorrektur zur Verfügung, die über einen einfachen Fingertipp auf das Motiv auf dem rückseitigen Display durchgeführt wird.

Der Kreativ-Modus bietet dem Fotografen mehr Freiheiten zu Schärfe und Unschärfe. Der Modus ist gut für extreme Nahaufnahmen geeignet, denn hier lässt sich die Frontlinse der Light Field Camera praktisch direkt gegen das Motiv setzen – die Naheinstellgrenze ist quasi gleich Null. Wenn man auf der anderen Seite hohe Brennweiten wählt, so lässt sich bei Portraits ein verschwommender Hintergrund mit einem weichen Bokeh erzielen. Außerdem steht auch nur in diesem Aufnahmemodus der volle achtfache optische Zoom zur Verfügung, um weiter entfernte Gegenstände einzufangen.

Wir haben viele Kommentare im Internet darüber gelesen, dass die Lytro-Kamera im Wesentlichen Anfängern eine Abkürzung bietet, um Bilder zu erzielen, auf die Fotografen sonst lange hinarbeiten. Das können wir so nicht bestätigen, denn in der Praxis muss man hier mindestens ebenso viel Hirnschmalz investieren, um ein gutes „lebendiges Foto“ zu knipsen.

Wie gesagt, die vom Betrachter entdeckbaren Schärfeebenen bieten hier einiges an Potenzial. Ein interessantes Foto braucht dann aber eben mehrere Motive, und diese müssen ausreichend Abstand zueinander aufweisen, um einen Aha-Effekt beim Wechsel durch die Schärfeebenen auslösen zu können. Eines der anzufokussierbaren Motive muss sehr nah sein – etwa 10 bis 15 Zentimeter, das nächste benötigt schließlich einen deutlichen Abstand. Ansonsten liegen die Motive alle in derselben Schärfeebene, und der Witz der Kamera und ihrer lebendigen Fotos ist dahin. Unterm Strich ist es also sehr einfach, mit der Lytro-Kamera zu fotografieren. Möchte man allerdings spannende Ergebnisse erzielen, braucht es viel Kreativität und Übung.

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