Leistung

Für eine professionelle Kamera, die nicht für Sportfotografie gedachte ist, legt die Nikon D800 eine hevorragende Performance an den Tag. Zwischen dem Betätigen des Einschalters und der Aufnahme des ersten Fotos gibt es fast keine Verzögerung. Um bei idealen Lichtverhältnissen auf das Motiv scharfzustellen und das Bild einzufangen, benötigt die Digicam 0,2 Sekunden. Im Zwielicht verschlechtert sich die Auslöseverzögerung auf immer noch exzellente 0,4 Sekunden.

Der bei 36 Megapixel gewaltigen Datengrößen zum Trotz beträgt die Verschnaufpause zwischen zwei JPEG- oder RAW-Dateien jeweils nur eine Viertelsekunde. Wir haben das TIFF-Tempo nicht gemessen, es fühlt sich jedoch sehr ähnlich an. Auch die gleichzeitige Aufnahme von RAW- und JPEG-Bildern geht sowohl im Einzel- als auch im Serienbildmodus flott vonstatten. Mit zugeschaltetem Blitz genehmigt sich die Nikon D800 eineAuszeit von 0,7 Sekunden zwischen zwei aufeinanderfolgenden Bildern. Die Serienbildrate gewinnt mit 3,9 Fotos pro Sekunde keine Medallien, reicht für die meisten Nicht-Sport-Anwendungen aber völlig aus. Getestet haben wir mit der Compact-Flash-Karte SanDisk Extreme Pro 100MB/s.

Der Einzelbild-Autofokus geht entschlossen und präzise zu Werke. Wir hatten leider nicht die Zeit, all die verschiedenen Autofokus-Modi und -Konfigurationen ausführlich zu testen, doch unterm Strich wirken sie erfreulich zuverlässig. In der Kombination aus kontinuierlichem Autofokus und Dynamischer Messfeldsteuerung springt der Fokus gelegentlich mal vom Motiv weg, aber das ist eher die Ausnahme. Ein weiterer Vorteil der gewaltigen Auflösung der Nikon D800 ist, dass viele nicht ganz scharfe Aufnahmen in verkleinerter Bildgröße gestochen scharf aussehen.

Im Videomodus kann der kontinuierliche Autofokus allerdings nicht überzeugen. Die besten Ergebnisse liefert er bei statischen Motiven, bei denen man aber auch gleich manuell scharfstellen könnte. Und selbst hier fängt der Fokus manchmal an, etwas zu pumpen.

Nur in einer einzigen Disziplin enttäuscht die Leistung der Nikon D800 ein wenig: Akkulaufzeit. Der Stromspeicher scheint schneller schlappzumachen als bei den allermeisten anderen Highend-DSLRs. Insbesondere, wer viel im Live-View-Modus arbeitet oder filmt, sollte in einer Zusatzakku oder den stärkeren Stromspeicher EN-EL18 investieren. Wie viele extrem hochauflösende Kameras hat auch die Nikon D800 im Wiedergabemodus mit lästigen Verzögerungen zu kämpfen. Während das Display auf 3,2 Zoll gewachsen ist, scheint die Auflösung nicht auszureichen, um die Schärfe der 36-Megapixel-Fotos zuverlässig beurteilen zu können. Außerdem ist der Bildschirm unter direkter Sonneneinstrahlung schwer abzulesen.

Bildqualität

Wir haben von der Nikon D800 nichts Geringeres erwartet als eine spektakuläre Bildqualität – und werden nicht enttäuscht. Es ist unmöglich, der Kamera im normalen ISO-Bereich eine Grenze zuzuordnen, ab der die Aufnahmen nicht mehr brauchbar wären. Denn die Fotos rauschen zwar, doch treten die Störungen nicht in Bildelementen auf, wo sie wirklich stören würden. Aller Wahrscheinlichkeit nach erhöht Nikon die Empfindlichkeit des Sensors überall gleich, aber die Fotos wirken teilweise nicht so. Und das wenige Bildrauschen, das auf den Aufnahmen zu sehen ist, verschwindet häufig schnell, wenn man die Aufnahmen nur etwas verkleinert betrachtet. Die extrem hohe Auflösung des Sensors kompensiert beim Herunterskalieren der Fotos gleichzeitig den Schärfeverlust, der mit der Rauschreduzierung einhergeht.

Ab etwa ISO 1600 stellen wir einen ausreichend großen Unterschied zwischen der Bildqualität von JPEG- und der von RAW-Aufnahmen fest, so dass sich der Umweg über das Rohdatenformat lohnt, um bessere Ergebnisse zu erzielen. Zwischen ISO 400 und ISO 1600 kommt es ein wenig auf den Inhalt der Aufnahmen an, doch im Wesentlichen wirken die JPEG-Fotos hier extrem sauber und intelligent verarbeitet. Selbst in den erweiterten ISO-Bereichen liefert die D800 noch vernünftige Ergebnisse, wenn man mit einer Körnung und weniger Details in Schatten und Lichtern leben kann. Unterm Strich liefert die DSLR selbst unter den widrigsten Bedindungen noch brauchbare und in den allermeisten Fällen schlichtweg fantastische Ergebnisse.

Hier ist ein ISO-800-Ausschnitt der Nikon D800 ohne Rauschreduzierung zu sehen. In dunklen Bildbereichen treten hier Störungen auf, helle Bildbereiche sind dagegen frei von Rauschen.
Hier ist ein ISO-800-Ausschnitt der Nikon D800 ohne Rauschreduzierung zu sehen. In dunklen Bildbereichen treten hier Störungen auf, helle Bildbereiche sind dagegen frei von Rauschen.

Der Dynamikbereich ist beeindruckend. Es überrascht recht wenig, dass JPEG-Bilder bei extrem kontrastreichen Motiven in hellen Bildbereichen ein paar Details vermissen lassen. Doch mit Hilfe des Rohdatenformats lässt sich hier noch einiges an Feinheiten retten. Erfreulicherweise saufen auch in den Schatten die Details nicht ab – was sich aus unterbelichteten Aufnahmen noch herausholen lässt, zeigt die nachfolgende Fotostrecke an einem Beispiel. Auch helle, satte Rot-, Violett- und Pinktöne werden sehr gut und ohne Detailverlust wiedergegeben.

Die Belichtungsautomatik leistet absolut zuverlässige Dienste. Der automatische Weißabgleich liefert mit den Werkseinstellungen für unseren Geschmack einen Hauch zu kalte Ergebnisse. Doch wer wie wir hier etwas zu meckern hat, kann ihn an seine eigenen Vorstellungen anpassen. Außerdem bietet der automatische Weißabgleich auch die Option, bei Innenaufnahmen den warmen Farbton von Glühlampenlicht zu erhalten. Unterm Strich können wir nur sagen: Die Fotos sind wirklich wunderschön anzusehen und weisen eine hervorragende Tonalität auf.

Auch im Videomodus überzeugt die Kamera. Es treten leichte Moiré-Störungen auf, nennenswerte Rolling-Shutter-Effekte können wir jedoch nicht beobachten. Die Aufnahmen sind bemerkenswert scharf, und die Farbwiedergabe ist sowohl in dunklen als auch in hellen Bildbereichen sehr weich und satt. Ein paar kleine Korrekturen können jedoch nicht schaden. Wenn wir die Clips direkt aus der Kamera im Videoplayer begutachten, wirkt der Kontrast übertrieben. In der Videoschnittsoftware unseres Vertrauens sieht dagegen alles korrekt aus. Bei schlechten Lichtverhältnissen aufgenommenes Material – beispielsweise wie beim nachfolgenden ISO-3200-Frame – gelingt zwar bei voller Vergrößerung nicht ganz rauschfrei. Doch die meisten kommerziellen Videografen werden mit der Qualität zufrieden sein, und selbst anspruchsvolle Independent-Filmer dürften hier nicht viel auszusetzen haben.

Dieses Standbild aus einem Full-HD-Video vermittelt einen Eindruck, wie gut der Tonwertumfang bei Nacht-Videos ist. Die Empfindlichkeit beträgt hier ISO 3200.
Dieses Standbild aus einem Full-HD-Video vermittelt einen Eindruck, wie gut der Tonwertumfang bei Nacht-Videos ist. Die Empfindlichkeit beträgt hier ISO 3200.

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Eine Kommentar zu Nikon D800 im Test: Spiegelreflexkamera mit gewaltigen 36 Megapixeln im Vollformat

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