Samsung WB750 im Test: Schnäppchen-Superzoomer mit Schwächen bei der Bildqualität

von Stefan Möllenhoff am , 15:36 Uhr

Pro
  • flexibles Objektiv mit 24-Millimeter-Weitwinkel
  • kompaktes Gehäuse
  • günstig
Con
  • mäßige Fotos bei wenig Licht
  • schwache Videoqualität
Hersteller: Samsung Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,0 von 10 Punkte
Fazit:

Die Samsung WB750 bietet für wenig Geld viel Zoom und eine ordentliche Ausstattung. Allerdings leidet die Bildqualität. Wer hohe Ansprüche an die Fotos und Videos stellt, sollte sich lieber bei der Konkurrenz umsehen - muss dann aber auch tiefer in die Tasche greifen.

Wie die meisten Digicam-Hersteller hat auch Samsung kompakte Superzoom-Kameras im Programm: die WB-Serie. Das aktuelle Mitglied hört auf den Namen WB750 und quetscht ein 18-fach vergrößerndes Objektiv in ein gerade einmal 2,5 Zentimeter dickes Gehäuse – und bietet damit genauso viel Zoom auf der gleichen Dicke wie ihre Vorgängerin WB700. Die Digicam hat aber dennoch einen Sprung nach vorne gemacht, wenn auch nicht bei der Optik. Denn anstelle eines CCD-Sensors kommt jetzt ein CMOS-Chip zum Einsatz, der mehr Geschwindigkeit und raffinierte Aufnahmemodi verspricht. Wie sich die Kamera in der Praxis schlägt, verrät der Testbericht.

Bereits bei der Vorgängerin WB700 haben wir uns erst über die 2,5 Zentimeter gewundert – und dann geärgert. Denn diese Angabe gilt nur bei dem Bereich zwischen Handgriff und Objektiv, die ingesamt gerade einmal ein Viertel der Fläche auf der Vorderseite ausmachen. Rund drei Viertel der Kamera sind aber deutlich dicker, am Objektiv 3,4 und am Handgriff 2,8 Zentimeter. Schade, denn ein solches Geflunker hätte sich der Hersteller wirklich sparen können. Die Kamera ist angesichts des gewaltigen Zooms nämlich auch mit 3,4 Zentimetern erfreulich handlich.

Design

Genug gemeckert, sehen wir uns die 2,5 3,4 Zentimeter dicke Kamera doch einmal näher an. Die WB750 steckt in einem Kunststoffgehäuse, das sich allerdings freulich solide anfühlt. Der Handgriff auf der Vorderseite ist mit einer griffigen, gummiartigen Texture versehen und bietet einen guten Halt. Da macht es auch nicht so viel aus, dass die Daumenablage auf der Rückseite sehr mager ausfällt. Unterm Strich fühlen wir uns beim einhändigen Fotografieren durchaus sicher.

Der Handgriff ist zwar nicht besonders tief, bietet dank einer griffigen Beschichten aber viel Halt. [1]
Der Handgriff ist zwar nicht besonders tief, bietet dank einer griffigen Beschichten aber viel Halt.

Oben auf dem Handgriff befindet sich der Auslöser, der von einem Zoomring umgeben ist. Links daneben sitzen ein Modusrädchen zur Auswahl des Aufnahmeprogramms sowie der Ein/Aus-Schalter. Darüber hinaus gibt es hier noch ein Stereo-Mikrofon und einen Lautsprecher. Auf der Rückseite der WB750 dominiert das 3,0 Zoll große LC-Display. Es bietet mit 480 mal 320 Pixeln eine recht annehmbare Auflösung. Der Bildschirm ist zwar ordentlich hell und kräftig, spiegelt allerdings überdurchschnittlich stark. Wer in der Sonne steht, muss also damit rechnen, in erster Linie einmal sich selbst auf der Anzeige zu sehen.

Ganz rechts oben auf der Hinterseite befindet sich eine dedizierte Taste zum Starten der Videoaufnahme. Darunter folgen nebeneinander zwei Buttons für Menü und Serienbildmodus, ein Vier-Wege-Pad sowie zwei Knöpfe zum Wechseln in den Wiedergabemodus und zum Aufrufen eines Schnellmenüs. Das Vier-Wege-Pad ist von einem Einstellrädchen umgeben, das das Konfigurieren von Aufnahmeparametern beschleunigt, und bringt in der Mitte eine Ok-Taste mit. Neben der Navigation durch die Menüs dient das Pad außerdem auch zum Aufrufen der Einstellungen von Blitz, Fokus und Selbstauslöser sowie zum Anpassen der auf dem Display dargestellten Informationen.

Wer schon einmal mit einer Digitalkamera fotografiert hat, sollte sich bei der WB750 schnell zurechtfinden. [2]
Wer schon einmal mit einer Digitalkamera fotografiert hat, sollte sich bei der WB750 schnell zurechtfinden.

Auf der rechten Seite des Gehäuses befindet sich eine Klappe, hinter der sich ein HDMI-Ausgang sowie ein kombinierter USB-AV-Port im micro-USB-Format verbergen. Der USB-Anschluss dient nicht nur zum Übertragen von Daten, sondern auch zum Aufladen des Akkus. Ein externes Ladegerät ist im Lieferumfang nicht enthalten. Auf der Unterseite der Kamera bringt der Hersteller ein Türchen unter, das die Fächer für den Lithium-Ionen-Akku und die SD-Speicherkarte beherbergt. Hier sitzt auch das Stativgewinde, das leider aus Plastik besteht und somit nicht gerade für die Ewigkeit gemacht ist.

Ausstattung

Die Samsung [3] WB750 hat für fast jede Art von Fotograf etwas zu bieten. Experimentierfreudige Knipser dürfen sich über die Halbautomatiken Blenden- und Belichtungspriorität sowie einen komplett manuellen Modus freuen. Hier wird allerdings schnell klar, dass sich die Digicam eher an Automatik-Fotografen richtet: Die drei Funktionen sind auf dem Modusrädchen unter einem Punkt zusammengefasst. Für die Blende stehen im Weitwinkel insgesamt acht Werte zwischen F3,2 und F7,3 zur Verfügung, im Telebereich bietet die Kamera noch F5,8, F6,8 und F7,6 an. Die kürzeste Verschlusszeit beträgt 1/2000 Sekunde, maximal belichtet die Kamera 16 Sekunden lang. Wer sich nicht um Blende und Belichtungszeit kümmern möchte, sich aber dennoch Zugriff auf die Einstellungen zu ISO-Empfindlichkeit, Belichtungsmessung, Weißabgleich, Fokusbereich & Co. wünscht, ist mit der Programmautomatik am besten beraten. Ein manueller Fokus ist übrigens ebenfalls an Bord.

Wer die Arbeit am liebsten komplett auf die Kamera abschiebt, wählt am besten die auf dem Modusrädchen mit SMART betitelte Vollautomatik. Hier analysiert die Kamera das Motiv und wählt das am besten dazu passende Aufnahmeprogramm aus. Alternativ hat der Fotograf auch die Möglichkeit, händisch eines von zwölf Motivprogrammen anzuwählen. Darunter finden sich Standards wie Landschaft, Portrait und Beauty Shot, aber auch eine 3D-Funktion und eine HDR-Automatik. Außerdem bietet die WB750 eine Magic-Rahmen-Funktion, in der sie das Foto in einen von zwölf Rahmen einfügt, beispielsweise in einen Retro-Fernseher, ein Magazin oder einen Vollmond verpflanzt. Ein Panorama-Modus ist ebenfalls an Bord.

Mit Abmessungen von 10,5 mal 5,9 mal 3,4 Zentimetern passt die Samsung WB750 recht problemlos in größere Hosentaschen. [4]
Mit Abmessungen von 10,5 mal 5,9 mal 2,5 3,4 Zentimetern passt die Samsung WB750 recht problemlos in größere Hosentaschen.

Wer kreativ tätig werden möchte, kann seine Fotos außerdem mit einem von 14 Filtern aufpeppen, beispielsweise Miniatur, Vignettierung, Soft-Fokus, Antik-Film, Halbton-Punkte und Cartoon. Letzterer erinnert ein wenig an die Bildwirkung von dem Zeichentrick-Film Waking Life [5]. Leider steht der Cartoon-Effekt wie einige andere aufwändigere Filter leider nur im Foto-, nicht aber im Videomodus zur Verfügung.

Apropos Videomodus: Die Samsung WB750 fängt Bewegtbilder mit bis zu 1920 mal 1080 Pixeln und 30 Bildern pro Sekunde ein. Wer sich mit geringeren Auflösungen zufrieden gibt, kann auch Zeitlupen-Clips aufnehmen. Bei 432 mal 320 Pixeln fängt die Digicam 250 fps ein, bei 256 mal 192 Pixeln 440 fps und bei mickerigen 128 mal 96 Bildpunkten sind es 1000 fps. Übrigens bietet die Kamera noch eine weitere Möglichkeit, Filme zu „erzeugen“. Sie kann nämlich mit dem sogenannten Kreativen Movie-Maker aus den geschossenen Fotos Videoclips generieren, die im Wesentlichen eine Art aufwändigerer Slideshow im Videoformat entsprechen. Dabei stehen verschiedene Stile (Glücklich, Natürlich, Trendig und Sentimental), unterschiedliche Musikuntermalungen (vom Flohwalzer bis zu Morgen kommt der Weihnachtsmann) und Videoformate von VGA bis Full-HD zur Verfügung.

Eine vollständige Liste aller Funktionen gibt es im Handbuch auf der Webseite des Herstellers [6]. Die folgende Tabelle zeigt noch einmal die wichtigsten technischen Daten der Samsung WB750 im direkten Vergleich mit drei aktuellen Konkurrenten.

Hersteller Panasonic Samsung
Modell Lumix DMC-TZ22 WB750
Preis 200 Euro 185 Euro
Bildsensor 1/2,33-Zoll-MOS 1/2,3-Zoll-CMOS
Auflösung 14,1 Megapixel 12 Megapixel
Optischer Zoom 16-fach 18-fach
Brennweitenbereich 24 – 384 mm 24 – 432 mm
Lichtstärke F3,3 – F5,9 F3,2 – F5,8
Belichtungszeiten 1/4000 – 60 s 1/2000 – 16 s
Bildstabilisator optisch optisch
Empfindlichkeiten ISO 80 – 6400 ISO 100 – 3200
Max. Fotoauflösung 4320 x 3240 Pixel 4096 x 3072 Pixel
Max. Videoauflösung 1920 x 1080 @ 50 fps 1920 x 1080 @ 30 fps
Dateiformate JPEG, MPO (Foto), AVCHD (Video) JPEG, MPO (Foto), H.264 (Video)
Manuelle Einstellungen P, A, S, M P, A, S, M
Display 3,0 Zoll (480 x 320 Pixel), Touchscreen 3,0 Zoll (480 x 320 Pixel)
Speichermedien SD, SDHC, SDXC SD, SDHC, SDXC
Stromversorgung Lithium-Ionen-Akku Lithium-Ionen-Akku
Akkulaufzeit (CIPA) 260 Fotos 220 Fotos
Anschlüsse USB, AV, HDMI USB, AV, HDMI
Mikrofon Stereo Stereo
Abmessungen 10,5 x 5,8 x 3,3 cm 10,5 x 5,9 x 2,5 cm
Gewicht 219 g 193 g

Leistung

Die Samsung WB750 ist im Großen und Ganzen recht flott unterwegs, hat allerdings auch ein paar Schwachstellen. Bis beispielsweise nach dem Betätigen des Einschalters das erste Foto im Kasten ist, vergehen eher durchschnittliche 1,7 Sekunden. Zwischen jedem weiteren Bild muss sich der Fotograf ziemlich zähe 2,1 Sekunden gedulden. Mit zugeschaltetem Blitz verschlechtert sich der Wert auf 3,1 Sekunden. Damit bleibt die Kamera in diesen Punkten leider auf dem mäßigen Niveau der Vorgängerin WB700 [7] stecken.

Um bei optimalen Bedingungen auf das Motiv scharfzustellen und das Foto einzufangen, benötigt die WB750 0,3 Sekunden. Bei Motiven mit geringem Kontrast steigt die Auslöseverzögerung auf 0,5 Sekunden an. Damit hat sich der Autofokus gegenüber der Vorgängerin um jeweils 0,2 Sekunden beschleunigt – sehr schön. Im Serienbildmodus schafft die Samsung WB700 bis zu zehn Fotos in der Sekunde mit maximaler Auflösung – allerdings nur 0,8 Sekunden lang, sprich für acht Fotos.

Bildqualität

Unterm Strich liefert die Samsung WB750 eine recht ordentliche Bildqualität, hinkt allerdings etwas hinter den aktuellen Konkurrenten hinterher. Wer genau hinsieht, kann auch bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten ein leichtes Bildrauschen entdecken. Bereits bei ISO 100 tritt eine leichte Körnung auf, bei ISO 200 geht bereits ein wenig Schärfe verloren. Bei ISO 400 ist schließlich ein deutlicher Detailverlust zu beobachten, außerdem treten an Kanten deutliche Artefakte auf. Bei ISO 800 gesellt sich schließlich ein merkliches Farbrauschen hinzu, und die Farben werden etwas flauer.

Bis einschließlich ISO 800 sehen die Fotos bei verkleinerter Betrachtung gut aus, oberhalb lässt die Qualität merklich nach. Ab ISO 1600 ist auch bei kleineren Bildformaten ein deutliches Rauschen sichtbar, was sich bei ISO 3200 weiter verstärkt. Diese beiden Empfindlichkeiten eignen sich nur noch für Notfälle. Bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten liefert die Samsung WB750 recht schöne, ansehnliche Farben. Allerdings wirken Rottöne und Pinktöne gerne mal etwas zu kräftig. Wenn die Lichtverhältnisse stimmen, liefert die WB750 für Facebook & Co. oder kleinformatige Abzüge gute Ergebnisse. Anspruchsvolle Fotografen werden mit der Fotoqualität allerdings nicht glücklich werden.

Im Videomodus liefert die WB750 eher durchschnittliche Ergebnisse. Selbst die 1080p-Aufnahmen wirken etwas matschig und detailarm. Außerdem kann der Dynamikbereich nicht überzeugen. Bei Aufnahmen bei Sonnenschein treten auf den Clips beispielsweise häufig überbelichtete, helle Farbflächen auf, und die Schatten lassen Details vermissen. Immerhin: Während des Filmens steht der optische Zoom zur Verfügung, außerdem kann der Fotograf während des Filmens auch Bilder knipsen. Die Qualität des aufgezeichneten Tons geht in Ordnung.

Fazit

Die Samsung WB750 kann zwar in keinem Punkt aus der Masse der Superzoom-Kameras herausstechen, überzeugt aber mit ihren erfreulich niedrigen Anschaffungskosten. Wer hohe Ansprüche an die Bildqualität stellt, sollte sich lieber bei der Konkurrenz umsehen – muss hier dann allerdings auch tiefer in die Tasche greifen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563540/samsung_wb750_oben.jpg

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563540/samsung_wb750_hinten.jpg

[3] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563540/samsung_wb750_vorne.jpg

[5] Waking Life: http://de.wikipedia.org/wiki/Waking_Life

[6] Handbuch auf der Webseite des Herstellers: http://www.samsung.com/de/consumer/camera-camcorder/compact-cameras/performance/EC-WB750ZBPBE1-support

[7] Vorgängerin WB700: https://www.cnet.de/tests/digicam/41554817/testbericht/samsung_wb700_im_test_flexible_und_guenstige_18_fach_superzoom_kamera.htm

[8] Testfotos: die Bildqualität der Samsung WB750: https://www.cnet.de/41563545/testfotos-die-bildqualitaet-der-samsung-wb750/?pid=1#sid=41563540