Angetestet: Samsung Galaxy Tab 2 10.1 mit Android 4.0

von Daniel Schraeder und Eric Franklin am , 19:33 Uhr

Bei den 10-Zoll-Tablets von Samsung verlieren wir langsam die Übersicht: Mit dem neuen Modell, das ab Anfang Mai in Deutschland zu haben sein soll, kommt der nunmehr fünfte Flachcomputer der Koreaner mit 10,1-Zoll-Display auf den Markt. Was er kann, womit er überzeugt und vor allem womit nicht, zeigt der Kurztest eines Vorserienmodells.

Das Samsung [1] Galaxy Tab 2 kommt gleich in zwei Varianten auf den Markt. Die kleine Ausführung mit 7-Zoll-Display ist quasi der direkte Nachfolger des Ur-Tablets aus Korea – mit gleicher Anzeige, sowohl was Auflösung als auch Diagonale angeht. Ein Vorserienmodell haben wir uns bereits an anderer Stelle ausführlich unter die Lupe genommen [2].

In diesem Beitrag sehen wir uns nun das „große“ Modell mit 10,1-Zoll-Display an – und damit dem Nachfolger eines ganzen Sammelsuriums an Android [3]-Tablets von Samsung in diesem Formfaktor. Letztlich beerbt das Galaxy Tab 2 die Modelle Galaxy Tab 10.1v, 10.1 sowie 10.1n. Damit ist es quasi der kleinere Bruder des Galaxy Note 10.1 mit Stifteingabefunktion. Praktischerweise liegt es deswegen auch preislich darunter.

Günstiger als früher – aber immer noch zu teuer

Allerdings: So einen Kampfpreis wie in den USA gibt es bei uns nicht. Jenseits des großen Teichs wird das Gerät den Besitzer ab Mitte Mai für knapp 400 Dollar wechseln – das sind gerade einmal 305 Euro. Bei uns kostet die „kleine“ Variante ohne UMTS 499 Euro, wer auf SIM-Kartenslot und HSPA-Datenfunk nicht verzichten kann, muss noch einmal 70 Euro drauflegen.

Mit verantwortlich für den deutlich höheren Preis ist wohl auch die Tatsache, dass in Amerika Amazon sein Android-basiertes Tablet Kindle Fire im 7-Zoll-Formfaktor für gerade einmal 199 Dollar an den Mann bringt. Quasi zum Selbstkostenpreis: Geld verdient das Unternehmen dann über E-Book-, Video- und Musikverkäufe.

Nichtsdestotrotz: Das neue Samsung-Tablet ist schon mal spürbar günstiger als es alle seine Vorgänger bei ihrer Markteinführung waren. Dennoch müssen die Koreaner in diesem Punkt Kritik einstecken – schließlich kostet das Gerät ohne UMTS laut seiner unverbindlichen Preisempfehlung sogar noch 20 Euro mehr als das neue iPad von Apple [4] mit gleicher Speicherausstattung. Es muss also technisch überzeugen.

Gut, aber nicht gut genug

Und auch in diesem Punkt wird es nicht leicht für die Koreaner. Denn bereits auf den ersten Blick erscheint es uns schwach, dass ein Nachfolger – wenn auch nur in Einzelpunkten – schlechtere Merkmale im Datenblatt aufweist als die Geräte, die er ersetzt. Auf der Vorderseite gibt es nunmehr nur noch eine VGA-Kamera, die Bilder also mit 0,3 Megapixel einfängt. Das Galaxy Tab 10.1n hat eine 2-Megapixel-Kamera an der gleichen Stelle. Die Digicam auf der Rückseite behält mit 3,0 Megapixeln zwar die gleiche Auflösung, muss aber auf die Foto-LED als Blitzlichtersatz verzichten.

Noch dazu ist es mit knapp 10 Millimetern in der Höhe dicker als der knapp 9 Millimeter hoch aufbauende Vorgänger. Das Gehäuse besteht immer noch aus lackiertem Kunststoff, während Apple im gleichen Preisbereich auf Aluminium setzt, und die hübschen, Akzente setzenden Elemente in anderer Farbgebung sind einem Einheitsgrau gewichen. Und während der Vorgänger auch in Deutschland noch mit bis zu 64 GByte internem Speicher angeboten wurde, gibt es das neue Modell hierzulande wohl nur mit 16 GByte. Zugegeben: In Anbetracht des microSD-Speicherkartenslots ist das ein kleines Problem, denn die Kapazität lässt sich bei Bedarf um bis zu 32 GByte erweitern. Und eine Speicherkarte ist deutlich günstiger als der sündhaft teure Aufpreis, den beispielsweise Apple für mehr Platz im Gerät kassiert.

Gleiche Power, neue Software

Am Prozessor hat sich nichts getan: Im Inneren werkelt ein Dual-Core-Chip mit einer Taktfrequenz von 1,0 GHz. Die Lautsprecher sind nun größer geworden und von den Ecken an den Rand des Displays gewandert. Ansonsten hat sich am Gehäuse nicht viel getan. Der proprietäre Dock-Connector verbindet das Tablet über ein proprietäres Kabel mit einem USB-Anschluss auf der anderen Seite mit dem mitgelieferten Netzteil oder einem Computer, und später wird es wohl noch Zubehör wie ein Dock mit HDMI-Ausgang geben.

Unser Testgerät verfügt darüber hinaus noch über eine Infrarot-Sendediode und wird damit zur Multifunktionsfernbedienung fürs Heimkino. Ob dieses äußerst wünschenswerte Ausstattungsmerkmal auch bei der erheblich teureren Ausführung für Deutschland zum Einsatz kommt, wissen wir leider noch nicht.

Was wir aber wissen, freut uns sehr: Das neue 10-Zoll-Galaxy-Tab kommt erstmals mit der neuen Android-Version 4 alias Ice Cream Sandwich. Wer es genau wissen will, das Statusfenster in den Einstellungen zeigt hier die Version 4.0.3. Natürlich haben es sich die Koreaner nicht nehmen lassen, das hauseigene TouchWIZ-User-Interface und den typischen Samsung-Anwendungen vorzuinstallieren. Das ist im Vergleich zum „nackten“ Android alias Vanilla-Android eine gute Sache, im Vergleich zu den Oberflächen anderer Hersteller hat sich hier aber nur wenig gegenüber des Standards getan.

Leistung, Kommunikation und Display

Beim Bedienen erfreut uns das Gerät mit flotten Reaktionen und flüssigen Animationen – das ist inzwischen Standard in diesem Segment. Die Wiedergabe von Full-HD-Videos bei 30 Bildern pro Sekunde ist ruckelfrei möglich. Dennoch fühlt sich vor allem das Scrollen und Zoomen von Webseiten und Fotos immer noch nicht so flüssig und gut an wie beim iPad.

Das Display ist ein LCD-Panel mit einer Auflösung von 1280 mal 800 Pixeln – so wie bei den Vorgängern. Das geht in Ordnung, ist aber vor allem seit der Präsentation des neuen iPads nichts mehr, mit dem man sich als Hersteller (und Käufer) brüsten kann. Immerhin überzeugt die PLS-Anzeigetechnik mit überdurchschnittlich guten Blickwinkeln und kräftigen Farben.

Zur Kommunikation mit der Außenwelt steht neben WLAN nach dem aktuellen n-Standard Bluetooth 3.0 zur Verfügung. Die UMTS-Ausführung funkt darüber hinaus mit HSPA+ in den Handynetzen und erreicht Datenraten bis zu 21 MBit/s beim Download und 5,7 MBit/s beim Upload. Außerdem ist Bluetooth zur Positionsbestimmung an Bord.

Das Tablet liegt gut in der Hand.

Vorläufiges Fazit

Zum USA-Verkaufspreis würden wir sofort sagen, nein, sogar rufen: Kaufen! Aber bei einer unverbindlichen Preisempfehlung von 499 Euro tun wir uns wahrlich schwer, das Gerät im direkten Vergleich zum günstigeren neuen iPad mit deutlich besserem Display und einer hochwertigeren Optik und Haptik zu empfehlen. Immerhin erwarten wir einen schnellen Preisverfall.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41563636/angetestet-samsung-galaxy-tab-2-10-1-mit-android-4-0/

URLs in this post:

[1] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[2] Ein Vorserienmodell haben wir uns bereits an anderer Stelle ausführlich unter die Lupe genommen: https://www.cnet.de/tests/handy/41558799/preview/angetestet_samsung_galaxy_tab_2_portables_android_4_tablet_im_7_zoll_format.htm

[3] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[4] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[5] Hands-on: Fotos vom Samsung Galaxy Tab 2 mit 10.1 Zoll großem Display: https://www.cnet.de/41563635/hands-on-fotos-vom-samsung-galaxy-tab-2-mit-10-1-zoll-grossem-display/?pid=1#sid=41563636