Kaufberatung: Smartphones mit Quad-Core-Prozessor braucht man nicht

Gerücht 3: Alle Kerne werden gleichzeitig genutzt

Der Erklärungsversuch mit den Fließbändern am Anfang dieses Beitrags ist zwar schön greifbar, aber leider nicht ganz korrekt. Denn die zu erledigenden Aufgaben müssen auch auf mehrere Bänder und Arbeiter aufgeteilt werden zu können.

Zu allererst muss das Betriebssystem selbst „Multithreading“ unterstützen, größere Aufgaben also in mehrere kleinere unterteilen können. Darüber hinaus muss auch der Geräte-Hersteller seine Hausaufgaben machen und die dafür nötige Unterstützung, damit die Software mit der Hardware sprechen kann, zur Verfügung stellen.

Hat eigentlich sogar fünf Kerne: Dem Quad-Core-Prozessor Tegra 3 von Nvidia steht noch ein langsamer, fünfter Kern für Hintergrundaufgaben zur Verfügung.
Hat eigentlich sogar fünf Kerne: Dem Quad-Core-Prozessor Tegra 3 von Nvidia steht noch ein langsamer, fünfter Kern für Hintergrundaufgaben zur Verfügung.

Und zuletzt muss auch jede einzelne App dafür gemacht sein, Multithreading zu unterstützen. Das ist das Problem, denn laut Greg Sullivon, Senior Product Manager bei Microsoft, erhöht genau das den Entwicklungsaufwand für die App-Programmierer erheblich. Nicht nur die eigentliche Programmierarbeit ist aufwändiger, noch dazu wird das gesamte Produkt komplexer und beinhaltet potentiell mehr Fehler, deren Auffindung und Behebung wiederum schwieriger ist.

Eine simple App, die Videos von Youtube streamt, ist ein gutes Beispiel. Solange die Internet-Verbindung erhalten bleibt, gibt es eigentlich nur eine Aufgabe zu erledigen: Einen Datenstrom aus dem Internet zu laden und ihn darzustellen. Das lässt sich nur schwer auf mehrere Rechenkerne aufteilen, denn die Datenverbindung bleibt idealerweise durchgehend erhalten und wird nicht in mehrere Stücke unterteilt. Das führt in der Praxis dazu, dass ein Rechenkern bei solch einer App stark ausgelastet wird, während die anderen quasi nichts zu tun haben. Hier wird mal schnell nach neuen E-Mails gecheckt und dort die Position des Smartphones zu Latitude hochgeladen – das war’s.

Wer die zusätzliche Leistung von Dual- oder Quad-Core-Prozessoren ausnutzen will, muss sich als Programmierer also selbst darum kümmern. Tut er das nicht, bleibt der Smartphone-Besitzer auf der Strecke – egal, wieviele Rechenkerne sein Mobiltelefon hat.

Gerücht 4: Mehr Kerne sparen Akku-Strom

Energie sparen

Auch dieses Thema haben wir in der Einleitung schon kurz angeschnitten: Wie kann es sein, dass ein Prozessor mit mehr Rechenkernen weniger Energie braucht als einer mit wenigeren?

Natürlich ist der Energieverbrauch höher, wenn vier Kerne bei voller Last mit einer Taktrate von 1,5 GHz vor sich hinarbeiten, als wenn das einer tut. In der Praxis kommt das aber nicht vor – zumindest nicht solange, bis der Akku leer ist. Denn die Rechenkerne sind nur gefragt, wenn Arbeit anliegt. Ist diese erledigt, können sie sich wieder schlafen legen.

Nvidia hat bei seinem aktuellen Quad-Core-Chipsatz Tegra 3 sogar eigentlich fünf Rechenkerne. Einer davon, der fairerweise nicht mitgezählt wird, läuft mit niedrigerer Taktrate und erledigt Aufaben im Hintergrund im Sparprogramm. Solange das Handy in der Hosentasche steckt, ist es schließlich egal, wie viele Sekunden es benötigt, um bestimmte Aufgaben zu erledigen – etwa E-Mail-Konten und Social Networks auf Änderungen zu überprüfen, Software-Updates zu installieren oder im Kontakt zu Instant Messagern zu stehen. Erst, wenn wirklich Leistung benötigt wird, schalten sich die anderen Rechenkerne zu, um ihre Arbeit so schnell wie möglich zu erledigen. Denn danach benötigen sie wieder keine Energie.

Gerücht 5: Der Prozessor macht alles alleine

Ein schönes Beispiel sind die neuen HTC-One-Smartphones. Sowohl das One X als auch das One S überzeugen mit wahnsinnig schneller Bildbearbeitung bei ihren Kameras – und das, obwohl das One S ja „nur“ einen Dual-Core-Prozessor hat. Der Grund dafür ist ein expliziter Bildprozessor, wie er sonst in Digitalkameras vorkommt.

"Nur" Dual-Core, aber trotzdem eine superschnelle Kamera: Dem Hauptprozessor steht ein expliziter Bildprozessor zur Seite.
„Nur“ Dual-Core, aber trotzdem eine superschnelle Kamera: Dem Hauptprozessor steht ein expliziter Bildprozessor zur Seite.

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