Kaufberatung: Smartphones mit Quad-Core-Prozessor braucht man nicht

Je mehr Aufgaben dieser Art an spezialisierte Chips übergeben werden, um so mehr wird der Hauptprozessor von ressourcenhungrigen Aufgaben befreit. Und deswegen stecken in modernen Smartphones neben dem eigentlichen ARM-Prozessor weitere Komponenten wie ein Grafikchip, der angesprochene Bildprozessor oder De- und Encoder, die sich um die Bearbeitung von Video und Audio kümmern – und wenn es nur darum geht, die Aufnahmen des Mikrofons für die GSM-Telefonie zu übertragen.

Jede zusätzliche Komponente, die sich um spezielle Aufgaben kümmert, beschleunigt somit das ganze Smartphone – und das, ohne als zusätzlicher Rechenkern im Datenblatt aufzutauchen.

Gerücht 6: Wie flott ist das Betriebssystem?

Derzeit konzentrieren sich die Quad-Core-Prozessoren ausschließlich auf Android-Smartphones. Im aktuellen iPhone 4S steckt ein Dual-Core-Chip, und die Windows-Phone-7-Geräte sind allesamt mit einem Single-Core-Prozessor ausgestattet.

Das sieht natürlich auf den ersten Blick so aus, als wären moderne Android-Smartphones signifikant schneller als die gesammelte Konkurrenz. Und was den Blick aufs Datenblatt angeht, mag das auch stimmen. Letztlich kommt es aber darauf an, wie flott die Handys Aufgaben in der Praxis erledigen. Genau das versucht Microsoft mit seiner Smoked by Windows Phone-Kampagne zu belegen, wo Microsoft-Mitarbeiter wetten, Aufgaben mit ihren Handys schneller zu erledigen als iPhone- oder Android-Anwender.

Mit ein Grund dafür, warum die Windows Phones häufig gewinnen: Es gibt hier kein echtes Multitasking. Programme, die nicht im Vordergrund laufen, werden schlafengelegt. Nur wenige Ausnahmen wie der MP3-Player dürfen auch im Hintergrund aktiv bleiben. Das hat ein paar Nachteile, sorgt dafür aber auch mit weniger kräftigen Prozessoren für flotte Reaktionen – und spart Energie. Bei Android hingegen bleiben Anwendungen gerne auch im Hintergrund aktiv und erledigen immer mal wieder kleinere Aufgaben, wofür sie den Prozessor von seiner Aufgabe im Vordergrund abberufen (oder, im Idealfall, einen weiteren Rechenkern aktivieren).

Nur Single-Core - aber trotzdem flott unterwegs: Das Betriebssystem hat einen großen Einfluss auf die gefühlte Leistung.
Nur Single-Core – aber trotzdem flott unterwegs: Das Betriebssystem hat einen großen Einfluss auf die gefühlte Leistung.

Natürlich wird wohl auch Microsoft in Zukunft Multicore-Prozessoren unterstützen. Aber einen ganz großen Anteil an der tatsächlichen Geschwindigkeit beim Ausführen von Aufgaben und am Energieverbrauch wird auch weiterhin das Betriebssystem haben – und die Tatsache, wie es die Arbeit aufteilt.

Gerücht 7: Benchmarks lügen nicht

Nick DiCarlo von Samsung hat einen klaren Standpunkt, wenn es um Testprogramme geht, die die Rechenleistung ermitteln: Die meisten Benchmarks überprüfen Dutzende der spezifischen Funktionen eines Prozessors, aber geben nur selten einen ordentlichen Überblick über die Gesamtleistung des Systems.

Da ist ein Benchmark, der neben bestimmten Rechenaufgaben auch die Grafikleistung oder die Geschwindigkeit des Browsers überprüft, schon deutlich aussagekräftiger. Nichtsdestotrotz kann man Prozessoren, Treiber und Software auch an die spezifischen Problemstellungen konkreter Benchmarks anpassen – und so in der Theorie deutlich höhere Leistungen erzielen als in der Praxis.

Fazit

Quad-Core-Smartphones sind im Kommen. Und nach ihnen wird sicherlich eine Generation mit noch mehr Rechenkernen folgen. Das ist gut, denn das sorgt für Bewegung im Markt, erhöht die Leistungen der Geräte und macht sie fit für Apps, Spiele und Funktionen, von denen wir heute noch nicht einmal träumen.

Dennoch ist klar, dass mehr Kerne nicht unbedingt mehr Rechenleistung bedeuten – und das vor allem nicht jeder Smartphone-Käufer überhaupt einen so leistungsfähigen Chip in seinem Handy benötigt. Wer mobil Videos schneidet und immer auf der Suche nach den neuesten 3D-Games ist, macht mit der schieren Power sicherlich nichts falsch. Aber wer einfach nur ein leistungsfähiges, aktuelles Smartphone sucht, das für die nächsten zwei Jahre bestens gerüstet ist, fährt mit einem günstigeren Dual-Core-Gerät nicht schlechter.

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