Bildqualität

Die Fujifilm X-Pro1 verfügt über einen neuen Sensor namens X-Trans, der in Verbindung mit der neuen JPEG-Bildverarbeitung eine exzellente Bildqualität bei niedrigen und mittleren ISO-Empfindlichkeiten bietet. Dabei helfen nicht zuletzt auch die scharfen XF-Objektive. Detailauflösung, Farbe und Tonwertumfang sind sehr gut.

Links konventionell, rechts neu: Während gewöhnliche Bayer-Sensoren auf ein Grün-zu-Rot-zu-Blau-Verhältnis von 2 zu 1 zu 1 setzen, versucht Fujifilm mit 5 zu 2 zu 2 sein Glück.
Links konventionell, rechts neu: Während gewöhnliche Bayer-Sensoren auf ein Grün-zu-Rot-zu-Blau-Verhältnis von 2 zu 1 zu 1 setzen, versucht Fujifilm mit 5 zu 2 zu 2 sein Glück.

Die einzelnen Pixel in einem typischen Bildsensor sind jeweils für eine einzelne Farbe verantwortlich: Rot, Grün oder Blau. Der Großteil der Detailwiedergabe fällt dabei auf die grünen Pixel, die am lichtempfindlichsten sind. Anschließend setzt der Bildprozessor der Kamera die Informationen der einzelnen Bildpunkte in einem Vorgang namens Demosaiking wieder zusammen zu einem Foto mit RGB-Pixeln. Bei diesem Vorgang können Bildartefakte auftreten, was in einem gewissen Rahmen unvermeidlich ist. Denn schließlich muss die Elektronik quasi anhand der umliegenden Farbwerte „erraten“, welche RGB-Farbe der gerade betrachtete Pixel wirklich hat. Je regelmäßiger diese Farbfilter jetzt verteilt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Motive mit sehr regelmäßigen Mustern für Abbildungsfehler sorgen. Diese Störungen sind als Moiré-Effekte bekannt. Um dem entgegenzuwirken, setzen die allermeisten Bildsensoren auf einen Tiefpassfilter, der allerdings die wahrgenommene Bildschärfe verringert.

Der X-Trans-Bildsensor von Fujifilm setzt auf einen Farbfilter, bei dem die einzelnen Farben anders angeordnet sind als beim typischen Bayer-Filter. Der Trick ist hier, dass einerseits mehr grüne Pixel zum Einsatz kommen für eine verbesserte Detailwiedergabe. Gleichzeitig sind die roten und blauen Bildpunkte weniger regelmäßig angeordnet, was laut Hersteller einen Tiefpassfilter zum Aussieben von Moiré-Effekten und Falschfarbeneffekten überflüssig macht – und dadurch die Bildschärfe steigert.

Unterm Strich funktioniert das gut: Die JPEG-Fotos der X-Pro1 bieten bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten eine außergewöhnliche Detailweidergabe. Der Bildsensor bietet viel Spielraum in der Hinsicht, dass wir noch mit deutlich höheren ISO-Empfindlichkeiten saubere Fotos erzielen, als es üblicherweise in dieser Kameraklasse möglich ist. In detailarmen Bildbereichen sind zwar ab etwa ISO 1600 bei schwachen Lichtverhältnissen ein erstes Rauschen und leichte Rauschunterdrückungsartefakte sichtbar, doch der Schärfeverlust hält sich sehr stark in Grenzen. Selbst bei ISO 6400 schießt die X-Pro1 noch Fotos, die für ein Modell in diesem Preisbereich sehr gut ausfallen. Bei extrem schlechten Lichtverhältnissen und mit sehr hohen ISO-Empfindlichkeiten eingefangene Bilder wirken dann schließlich aber so weich und körning, wie man es von klassischen Kameras mit Bayer-Filter her kennt. Angesichts der aktuellen Auswahl von drei lichtstarken Festbrennweiten sieht es aber ohnehin so aus, dass man diese Einstellungen ohnehin kaum benötigt.

Unterm Strich liefert die Belichtungsautomatik der X-Pro1 konsistent gute Ergebnisse. Mit einer Ausnahme sind auch die Farben gleichzeitig akkurat und lebendig. Wie die Fujifilm X100 hat auch die X-Pro1 mit Farbverschiebungen in Richtung Orange und abgesoffenen Details bei extrem hellen, gesättigten Rottönen zu kämpfen. Im Gegensatz zur X100 treten bei der X-Pro1 diese Probleme nur bei den JPEG-Fotos und nicht bei den Rohdatenaufnahmen auf. Die Rottöne sind in den RAW-Dateien komplett anders, und wir können einige Details wieder retten. Wer Blumen, Landschaft & Co. fotografiert, fährt mit dem Umweg über das Rohdatenformat also besser.

In überbelichteten Bildbereichen der JPEG-Fotos ist dagegen bei den RAW-Bildern nicht mehr besonders viel herauszuholen. Was den Sensor bei wenig Licht so stark macht, scheint ihn bei Licht-Überfluss zu überwältigen. Allerdings müssen wir auch dazusagen, dass wir bislang mangels Support noch nicht unsere Standard-Software Adobe Camera RAW zum Entwickeln der Fotos nutzen können. Abspeichern als 16-Bit-TIFF und anschließendes Bearbeiten in Camera RAW hat jedenfalls nicht geholfen.

Womit wir auch bei den Nachteilen des X-Trans-Sensors wären. Denn nachdem der lichtempfindliche Chip ein Sonderling beim Farbfilter-Array ist, muss die RAW-Verarbeitung für optimale Ergebnisse auch entsprechend angepasst werden. Und Adobe scheint es hier nicht gerade eilig zu haben, seine Software an die neue Kamera anzupassen – und auch viele andere Hersteller von RAW-Konvertern werden sich sicherlich in erster Linie auf Mainstream-Kameras und nicht den Exoten X-Pro1 konzentrieren. Das bedeutet in der Praxis, dass man sich mit der mitgelieferten Silkypix-Software abfinden muss, die langsam ist und unter einem altbackenen Interface leidet.


Von links nach rechts mit ISO 200, ISO 800 und ISO 6400: Ein Klick auf die Bilder zeigt sie in Originalgröße.

In puncto Video sorgt die Fujifilm X-Pro1 bei uns für eher gemischte Gefühle. Die Aufnahmen sind sehr scharf und weisen helle, strahlende Farben auf. Das Bildrauschen bei schlechten Lichtverhältnissen sieht ebenfalls sehr erträglich aus. Allerdings hat die Kamera mit einer Vielzahl von Aliasing-, Moiré- und Rolling-Shutter-Artefakten zu kämpfen. Der Autofokus kommt zudem immer wieder ins Schwimmen und pumpt durch die Gegend. Immerhin: Die Objektive eignen sich hervorragend fürs manuelle Fokussieren.

Neueste Kommentare 

16 Kommentare zu Fujifilm X-Pro1 im Test: "Leica für Arme" mit gigantischer Bildqualität

  • Am 17. April 2012 um 12:43 von Herr Bröd

    Headline
    Kurze Anmerkung zum Stil und Ton:

    Jemand der 2200 Euro für eine Kamera aufbringen kann, würde ich nicht als arm bezeichnen. Zudem solltet ihr, auch wenn es verlockend – reißerisch ist, solche Headlines zu vergeben, diese überdenken. Ganz besonders deshalb, weil wirklich mittellose Menschen dadurch diskriminiert werden. Auch wenn diese Leute hier nur indirekt geimeint sind.

    LG
    HB

    • Am 17. April 2012 um 15:31 von Stefan Möllenhoff

      AW: Headline
      Hallo Herr Bröd,

      vielen Dank für Ihre konstruktive Kritik. Es lag natürlich keineswegs in unserer Absicht, mittellose Menschen mit unserer Headline zu diskriminieren oder zu verletzen. Im Gegensatz zu den Leica-Kameras, die gut und gerne das Zwei- bis Dreifache kosten, ist die Fujifilm X-Pro1 aber eben eine vergleichsweise günstige Alternative, wenn es denn unbedingt eine Kamera in diesem Stil sein soll. Daher bitten wir, die salopp formulierte Überschrift in diese Relation zu setzen und nicht verletztend zu sehen.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 17. April 2012 um 13:12 von No Name

    Fehler in der Tabelle
    Für die NX200 gibt es (leider) keinen elektronischen Sucher…

    • Am 17. April 2012 um 15:21 von Stefan Möllenhoff

      AW: Fehler in der Tabelle
      Hallo,

      vielen Dank für den Hinweis, das ist natürlich korrekt. Ich habe den Fehler korrigiert.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 17. April 2012 um 20:45 von Jan Fervers

    Fehler
    Ein aufmerksamer Forennutzer hat einen Fehler erkannt der nicht ganz unbedeutsam ist…

    http://www.fuji-x100-forum.de/tests-erfahrungsberichte/3599-cnet-titelt-leica-fuer-arme-mit-gigantischer-bildqualitaet.html

    • Am 19. April 2012 um 11:48 von Stefan Möllenhoff

      AW: Fehler
      Hallo Jan,

      vielen Dank für den Hinweis, ich habe den Bericht entsprechend korrigiert.

      Beste Grüße,
      Stefan Möllenhoff, CNET.de

  • Am 20. April 2012 um 12:42 von No Name

    Hilfreicher Test
    Ein sehr hilfreicher Test, der mich allerdings in der Überzeugung bestärkt hat, daß die X-Pro1 noch kein DSLR-Ersatz ist. Als verwöhnter D700’er erwarte ich in diesem Preissegment einen abgedichteten Body und eine Autofokus-Geschwindigkeit auf DSLR-Niveau.

  • Am 20. April 2012 um 18:02 von Win Labuda

    Fuji X Pro 1
    Es wäre sinnvoll, den Verkaufspreis einer Kamera aus Ihren Bewertungen herauszulassen bzw sollte der Preis nicht Wertungssachverhalt sein. Wenn jemand sich für eine Kamera wie Leica oder Fuji X PRO 1 entscheidet, dann ist ein hoher Preis stillschweigend akzeptiert wie wenn jemand einen Ferrari kauft. Sinnlos, nun deswegen Bewertungsabschläge zu machen. Wer das Geld für ein Spitzenprodukt ausgeben will, der hat ja den Preis im Vorwege akzeptiert. Der monetär begründete Bewertungsabschlag beeinträchtigt lediglich die Plausibilität der Leistungsbewertung.

  • Am 21. April 2012 um 23:06 von tong

    Leica
    technisch gesehen ist die Leica so was wie ein BildröhrenFernseh.Manche erkennen eben die Zukunft zu Spät.

    • Am 2. September 2012 um 18:16 von Reinhard Weber

      AW: Leica
      Was letztlich zählt ist das Bildergebnis und da ist Leica nicht nur bei der Optik so weit vor der japanischen Konkurrenz, daß diese noch jahrelang üben muß, um den Vorsprung einzuholen. Mechanik bei Canon – schauerlich; die klappern ja schon im Laden. Aussage eines Canonvertreters in Berlin: Bei Sonne wandert der Fokuspunkt wegen der Objektiverwärmung. Um dies zu vermeiden müsse man eben aus dem Schatten heraus fotografieren. Service für Cameras wird bei Canon auch bei Proficameras sieben Jahre nach Abkündigung des Modells eingestellt. Professionell sieht anders aus. Ich fotografiere mit Leica M3, M5, Canon EOS 20 D und EOS-1 N (leider inzwischen defekt und kein Service mehr). Bis auf ein einziges Objektiv setze ich inzwischen wegen mangelnder Qualität bezüglich Schärfe und Farbwiedergabe nur noch adaptierte Leica-R Objektive an der Canon ein. Autofocus brauche ich nicht und ein dreißig Jahre altes R-Objektiv sticht locker jedes neue Canon Objektiv aus.

      • Am 23. Oktober 2013 um 14:40 von Christian

        Eine absurde Meinungsansammlung. Schau Dir mal an, womit die Fotografen im Dschungel, Krieg, am Speilfeldrand oder in Berlin fotografieren: Canon & Nikon…aber klar, alle keine Ahnung!

  • Am 3. Mai 2012 um 16:54 von Roman Sieder

    Fuji x pro 1
    Eine Fuji x pro 1 – ist n i c h t mit einer Leica M – Mess-Sucherkamera vergleichbar
    Die meisten User können mit einer Mess-Sucherkamera nicht umgehen
    R.Sieder
    fotografiere mit Leice M 6 – 7 – 8

  • Am 8. Juni 2012 um 03:15 von Peter F.

    X1-Pro vs. M9
    Hallo Herr Grunin, hallo Herr Möllenhoff,

    wieso erwähnen Sie so oft die Leica M9, stellen sie aber der X1-Pro kein bisschen gegenüber? Stattdessen vergleichen Sie die X1-Pro mit Kameras, die vom Konzept her ziemlich weit auseinander liegen und noch nicht mal einen optischen Sucher haben. Das macht keinen Sinn.

    Desweiteren würde mich interessieren, ob der Fokusring wieder nur ein "drive-by-wire" Konzept wie bei der X100 besitzt oder ob jetzt endlich eine mechanische Verbindung zu den Linsen besteht.

    Wie ist die Akkulaufzeit im Vergleich zur X100? Bei der X100 komme ich sehr weit mit einem Akku (weit >1000 Fotos). Ich halte die Kamera aber größtenteils am Auge mit dem fantastischen und sehr hellen optischen Sucher. Das macht den meisten Spaß (insbesondere bei schlechten Lichtbedingungen) und senkt den Energieverbrauch, weil sich das Display dabei abschaltet.

    Viele Grüße
    Peter F.

  • Am 16. Juli 2012 um 09:58 von TimoB

    X-Pro 1 Vergleich mit Leica M9
    Hallo,

    es ist erstaunlich, dass immer wieder die X-Pro 1 mit einer M9 verglichen wird. Schon alleine die Tatsache, dass es sich bei der Fuji um alles andere als eine Messucherkamera handelt lässt diesen Vergleich in Sinnlosigkeit verpuffen. Ausssagen wie "Leica für Arme" verlieren in diesen Zusammenhang jegliche Seriösität…

    Lediglich der Stil und das Bedienkonzept erinnern
    an die alten Tage der Fotografie. Und das ist auch gut so!
    Aktuelle System- u. DSLR-Kameras sind überladen mit
    Funktionen und Programmen sodas es am Ende schwer
    fällt sich auf das eigentliche Motiv zu konzentrieren. Mal
    ganz zu schweigen von den dreifach belegbaren Knöpfen
    und schaltern etc. … Diese Kameras erinnern mittlerweile eher an teure Spielzeuge und Gadgets..
    Und genau an der Stelle setzt Fujis
    Konzept an. Es redutziert auf das Notwendige! Sicherlich
    ist so etwas nicht Jerdemanns Sache. Aber der Erfolg
    der X100, X10 und der X-Pro 1 sprechen eindeutig ihre
    eigene Sprache! Fuji beweist, dass niemand einen
    fünfstelligen Betrag investieren muss um Freude an
    purer Fotografie geniessen zu dürfen!

    Keine momentan erhältliche Kamera ist perfekt. Das sollte
    jedem bewusst sein der sich für eine Neuanschaffung
    entschieden hat. Die Stärken der jeweiligen Kamera sollten
    zum Profil und Anspruch des Fotografen passen. Und man
    sollte ein positives Gefühl haben sobald man seine Kamera
    in der Hand hält. Sie soll einen motivieren rauszugehen und
    sich auf das konzentrieren worauf es ankommt: Fotografieren!

    Ich persönlich habe meine Canon DSLR-Ausrüstung aufgegeben
    und bin auf die X-Pro 1 umgestigen. Und ich bin mit dieser
    Entscheidung mehr als glücklich. Wer auch immer jetzt
    meint mich als Fuji-Fanboy zu bezeichnen der soll es
    meinetwegen tun. Dann muss er aber auch wirklich jeden
    so bezeichnen der von seinem erstandenen Produkt
    überzeugt ist…

    In diesem Sinne
    TimoB

  • Am 12. Oktober 2012 um 02:49 von Fritz

    X-Pro1
    Sehr geehrte Frau Grunin, sehr geehrter Herr Möllenhoff,

    Als gut verdienender Freiberufler kann man mich nicht zu den Armen zählen. Trotzdem habe ich es mir erlaubt eine
    sogenannte "Leica für Arme" zu kaufen. In der stillen Hoffnung sie keinem Bedürftigen weggeschnappt zu haben,
    verbleibe ich mit freundlichen Grüßen,

    Fritz.

    • Am 24. September 2016 um 21:37 von Haase

      Ich habe mir in 2016 eine X-Pro1 gekauft und nutze die Kamera mit Nikkor Ai Objektiven. Die Kamera verfügt weder über Wifi noch über Touchscreen. Fokussiert werden kann über den elektronischen Sucher, aber meistens schätze ich die Entfernung ab und stelle sie am Objektiv ein. Blende wähle ich am Objektiv. Das Herausstellungsmerkmal dieser Kamera ist der optische Sucher. Anders als mit anderen spiegellosen Kameras lassen sich mit der Fuji über 1000 Bilder mit einer Batterie machen, wenn auf den elektronischen Sucher verzichtet wird. Der Titel passt, finde ich. Die X-Pro1 ist gebraucht für ein paar Hundert Euro zu haben. Im Handling und in der Bildqualität merke ich den Unterschied zur Leica M9 nicht. Einschränkung, diese Aussage bezieht sich auf die Weise wie ich fotografiere, insbesondere auf den Verzicht über den Sucher zu fokussieren. Im letzteren Punkt liegt die Leica dann doch vorn.

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