Fujifilm X-Pro1 im Test: "Leica für Arme" mit gigantischer Bildqualität

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 19:21 Uhr

Pro
  • fantastische Bildqualität
  • tolles Retro-Design
  • innovativer Hybrid-Sucher
Con
  • langsamer Autofokus
  • rudimentäre Ausstattung
  • sehr teuer
Hersteller: Fujifilm Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,4 von 10 Punkte
Fazit:

Die Fujifilm X-Pro1 richtet sich an all diejenigen, die gerne eine Leica-Kamera hätten, die Anschaffungskosten aber nicht mit der Haushaltskasse vereinbaren können. In puncto Bildqualität steht die japanische Kamera der deutschen Edelmarke in nicht viel nach. In punto Ausstattung und Geschwindigkeit kann die X-Pro1 aber nicht mit der aktuellen EVIL-Konkurrenz mithalten.

Bis vor nicht allzu langer Zeit war Fujifilm bei den Digitalkameras eher für kompakte Schnappschuss-Knipsen bekannt – und nicht für ernsthafte Fotoapparate. Mit der X-Serie, die zur Photokina 2010 in Form der X100 das Licht der Welt erblickte, sollte sich das ändern. Mit der X-Pro1 bringt Fujifilm jetzt seine erste digitale spiegellose Systemkamera an den Start. Wie sich diese in der Praxis schlägt, verrät der ausführliche Testbericht.

Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1600 Euro bewegt sich die X-Pro1 preislich deutlich oberhalb sämtlicher spiegelloser Systemkameras. In diesem Preisbereich rangieren bereits die ersten Vollformat-Spiegelreflexkameras, beispielsweise Canons EOS 5D Mark II [1]. Und Fujifilm zufolge soll sich die X-Pro1 in diesen Sphären auch in puncto Bildqualität behaupten können. Verantwortlich dafür zeichnet laut Hersteller in erster Linie ein Sensor, der dank eines neuartigen Farbfilters auf einen Tiefpass-Filter verzichten kann – wie es übrigens auch der lichtempfindliche Chip in Leicas M9 tut.

Design & Ausstattung

Apropos Leica M9: Die Fujifilm X-Pro1 kommt in einem attraktiven Retro-Design daher und macht einen sehr hochwertig verarbeiteten Eindruck. Die Kamera ist zwar nicht gerade kompakt, eignet sich damit aber erstklassig für Fotografen, die beim Knipsen gerne etwas in den Händen halten. Der Griff könnte allerdings ruhig einen Tick tiefer sein. Im Großen und Ganzen ist das Design sehr gut gelungen, allerdings stolpern wir hier und da über ein paar Unpässlichkeiten, bei denen wir uns nur an die Stirn greifen können.

Auf der Oberseite des Gehäuses gibt es zwei Rädchen – eines für die Belichtungskorrektur und eines für die Verschlusszeit. Außerdem sitzt hier aus Auslöser, der einen mechanischen Anschluss für einen Kabelfernauslöser bietet. Die Blende legt der Fotograf mit einem mechanischen Ring am Objektiv fest. Dreht der Fotograf wahlweise den Blendenring oder das Verschlusszeiträdchen auf „A“, so übernimmt die Kamera diese Einstellung automatisch. Beide Rädchen auf „A“ entsprechen beispielsweise der Programmautomatik, Verschlusszeit auf „A“ und manuell gewählte Blende kommen dem halbautomatischen Modus Blendenvorwahl gleich. Auch wenn auf dem Verschlusszeit-Rädchen nur Belichtungszeiten in ganzen Blendenwerten angegeben sind – also beispielsweise 1/1000 und 1/500 Sekunde -, so ist es doch möglich, auch die Zwischenstufen – etwa 1/800 und 1/640 Sekunde – anzuwählen. In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir fälschlicherweise darauf hingewiesen, dass hier nur ganze Lichtwerte möglich sind. Der Einstellring am Objektiv schließlich erlaubt es, die Blende in Drittelwerten einzustellen.

Die Blende lässt sich am Objektiv in Drittelstufen einstellen, für die Verschlusszeit stehen nur ganze Lichtwerte zur Auswahl. [2]
Die Blende lässt sich am Objektiv in Drittelstufen einstellen, für die Verschlusszeit stehen nur ganze Lichtwerte zur Auswahl.

Auf der Oberseite des Gehäuses findet sich außerdem noch eine mit Fn betitelte Funktionstaste, die der Anwender mit einer häufig benötigten Einstellung belegen kann. Das wars dann aber auch schon mit der Anpassbarkeit der Kamera. Angesichts der Tatsache, dass drei der vier Richtungstasten des rückseitigen Vier-Wege-Pade ungenutzt sind, ist das etwas enttäuschend. Hier hätte der Hersteller mit wenig Aufwand deutlich mehr herausholen können – und wird das möglicherweise per Firmware-Update noch nachholen. Im Gegenzug fehlt der X-Pro1 eine dedizierte Taste zum Starten der Videoaufnahme. Um Bewegtbilder einzufangen, muss der Anwender in den Videomodus wechseln, den Fujifilm, anders als der Rest der Welt, bei den Serienbildmodi einsortiert. Unterm Strich entscheiden wir uns also dafür, die Funktionstaste für den Videomodus zu „verschwenden“. Positiv ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass der Hersteller sieben Slots für benutzerspezifische Einstellungen anbietet, die über das Schnellmenü unkompliziert zugänglich sind.

Das Schnellmenü der Fujifilm X-Pro1 ist schnell zu erreichen und übersichtlich aufgebaut. [3]
Das Schnellmenü der Fujifilm X-Pro1 ist schnell zu erreichen und übersichtlich aufgebaut.

Damit ist die Bedienung unterm Strich durchaus komfortabel gelungen, auch wenn die Lernkurve etwas steiler ist als bei der Konkurrenz und man sich auf ein paar Fujifilm-Eigenheiten einstellen muss. Links unten neben dem LC-Display befinden sich Tasten für Serienbildmodus und Selbstauslöser sowie für Belichtungsmessung und Fokusmessfeld. Dass die Buttons für Belichtungsmessung und Fokusmessfeld mit AE und AF bezeichnet sind, ist zumindest etwas gewöhnungsbedürftig. Einen Knopf für Fokus- und Belichtungsspeicher gibt es nämlich auch. Der ist allerdings mit AE-L AF-L bezeichnet und befindet sich zusammen mit einer Taste zum Aufrufen des Schnellmenüs rechts oben auf der Rückseite auf einer kleinen Kunststofferhebung, die gleichzeitig dem rechten Daumen etwas Halt gewährt.

Der Bildschirm selbst kommt mit 3,0 Zoll im Standard-Format daher und bietet mit 1.230.000 RGBW-Subpixeln (entsprechend 640 mal 480 Pixeln) eine angenehm hohe Auflösung. Rechts daneben sitzt das Vier-Wege-Pad mitsamt mittiger Menu/Ok-Taste. Wie bereits erwähnt, ist lediglich der Nach-oben-Button mit einer Funktion belegt: Macro. Um in den Nahaufnahmemodus zu wechseln, drückt man allerdings einmal auf die Taste und muss anschließend noch den Cursor auf die Makro-Einstellung bewegen und bestätigen. Nachdem die Optiken über vergleichsweise hohe Naheinstellgrenzen verfügen, springen wir hier in der Praxis recht häufig hin und her. Es wäre einfach, wenn die X-Pro1 beim Druck auf die Macro-Taste direkt zwischen den verschiedenen Fokusmodi wechselte. Die Naheinstellgrenze für das 18-Millimeter-Objektiv beträgt übrigens 18 Zentimeter, die 35-Millimeter-Linse bewegt sich bei 28 Zentimetern.

Die Fujifilm X-Pro1 gibt sich bei der Bedienung teilweise etwas eigenwillig. [4]
Die Fujifilm X-Pro1 gibt sich bei der Bedienung teilweise etwas eigenwillig.

Wie die X100 verfügt auch die X-Pro1 über einen Hybridsucher, der zwei Betriebsmodi bietet. Er gewährt wahlweise einen direkten Blick auf das Motiv und blendet dabei via Prisma Informationen auf das Bild ein oder fungiert alternativ auch als komplett elektronischer Sucher. Um beim direkten Blick auf das Motiv unterschiedliche Brennweiten der Objektive kompensieren zu können, schiebt sich bei Bedarf eine Zwischenlinse in den Strahlengang, die den Bildausschnitt verändert und gleichzeitig eine Parallaxenkorrektur bietet. Den tatsächlichen Bildausschnitt markiert die X-Pro1 in dem Guckloch mit einem weißen Rahmen.

Die richtige Suchereinstellung zu finden, kann allerdings gelegentlich etwas verwirrend sein. Der mit View Mode beschriftete Knopf auf der Rückseite wechselt zwischen Display und Sucher beziehungsweise automatischer Erkennung mittels Näherungssensor. Außerdem gibt es auf der Vorderseite der Kamera noch einen Hebel zum Wechseln zwischen optischer und elektronischer Sucherdarstellung. Mit einem langen Zug am Hebel schiebt der Anwender außerdem das Linsenelement zum Anpassen der Sucherbrennweite manuell in den Strahlengang. Unterm Strich nutzen wir den elektronischen Sucher häufiger als das optische Gegenstück. Der Sucher ist allerdings – so und so – gut gelungen und überzeugt mit großzügigem Format und heller Darstellung.

Das Hebelchen auf der Vorderseite der Kamera dient zum Wechseln zwischen elektronischem und optischem Sucherbetrieb. [5]
Das Hebelchen auf der Vorderseite der Kamera dient zum Wechseln zwischen elektronischem und optischem Sucherbetrieb.

Leider befindet sich bei der X-Pro1 der SD-Kartenslot gemeinsam mit dem Akku hinter einer Klappe auf der Unterseite des Gehäuses. Diese Position ist zwar bei Consumer-Kameras nicht unüblich, kommt anspuchsvollen und professionellen Fotografen allerdings häufig in die Quere. Denn das Türchen sitzt direkt neben dem Stativgewinde, und wenn die Kamera auf einem Stativ oder einer Stativplatte montiert ist, lässt sich das Speichermedium nicht auswechseln. Das Stativgewinde sitzt sogar so weit auf der rechten Seite, dass sich nicht einmal ein Kameragurt-Adapter (wie dieser hier [6]) an der Kamera befestigen lässt, ohne, dass das Akkufach noch zu öffnen wäre. Das klingt zwar völlig trivial, aber das Wechseln einer Speicherkarte oder des Akkus dauert doch deutlich länger, wenn man zwischendrin erst einmal einen Anhang vom Stativgewinde abschrauben muss. Und das Motiv wartet nicht immer. Dass der Akku keine Orientierungshilfe bietet und sich im Eifer des Gefechts auch falschherum einsetzen lässt, hilft hier nicht unbedingt. Zumal man den Fehler unter Umständen erst bemerkt, wenn sich die Kamera nicht einschalten lässt, und die Stativplatte schon wieder unter dem Gehäuse verschraubt ist.

Was den Funktionsumfang angeht, hat die X-Pro1 die absoluten Basics zu bieten – und kein bisschen mehr. Es gibt weder einen Blitz noch ein flexibel aufgehängtes Display – schöne Grüße an dieser Stelle von der deutlich günstigeren Sony [7] NEX-7. Ob viele Fotografen in dieser Preisklasse wirklich Spezialeffekte, HDR-Automatiken & Co. nutzen, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber trotzdem fühlt sich die Kamera einfach etwas „leer“ an.

Leistung

Es gibt keine Ausschweife oder Ausreden: Die Fujifilm X-Pro1 ist enttäuschend langsam. Dafür sind in erster Linie die zähe Bildverarbeitung und der dürftige Autofokus verantwortlich. Traurig ist in diesem Zusammenhang auch, dass das herausragend scharfe 35-Millimeter-Objektiv noch deutlich langsamer unterwegs ist als die 18-Millimeter-Linse, die in puncto Abbildungsleistung dafür schwächer ist. Nachdem wir die 35-Millimeter-Optik im Test deutlich mehr eingesetzt haben und sie die alltagstauglichere Linse ist, kam sie auch bei unseren Geschwindigkeitsmessungen zum Einsatz. Die folgenden Messwerte für die Auslöseverzögerung sehen bei Verwendung der 18-Millimeter-Optik also etwas günstiger aus.

Um bei optimalen Bedingungen auf das Motiv scharfzustellen und das Foto einzufangen, benötigt die Fujifilm X-Pro 1 0,5 Sekunden. Im Zwielicht verschlechtert sich die Auslöseverzögerung auf 0,8 Sekunden. Damit kann die Kamera unsere Erwartungen an ein Modell in dieser Preisklasse einfach nicht erfüllen.

Im Lieferumfang mit der X-Pro1 ist diese Ledertasche enthalten. Ein Loch auf der Unterseite für das Stativgewinde gibt es allerdings nicht. [8]
Im Lieferumfang mit der X-Pro1 ist diese Ledertasche enthalten. Ein Loch auf der Unterseite für das Stativgewinde gibt es allerdings nicht.

Bis nach dem Betätigen des Einschalters das erste Foto im Kasten ist, vergeht eine Sekunde. Das ist langsamer als bei vielen Konkurrenten, geht aber noch in Ordnung. Zwischen jedem weiteren JPEG-Foto genehmigt sich die Digicam eine Auszeit von 1,4 Sekunden. Im RAW-Modus steigt der Wert auf 1,5 Sekunden. Das ist zwar nicht vernichtend langsam, aber gerade bei Candid [9]-Aufnahmen oder bei der Straßenfotografie frustrierend. Wer hauptsächlich im Studio knipst, wird sich daran wohl weniger stören.

Ironischerweise ist der Serienbildmodus ziemlich gut. Mit 5,2 Fotos pro Sekunde macht er eine recht flotte Figur, und der Hybrid-Sucher arbeitet im optischen Modus völlig verzögerungsfrei. Wer die Geschwindigkeit voll auskosten möchte, sollte allerdings eine schnelle Speicherkarte bereithalten. Der Unterschied zwischen einer 30 MBit/s schnellen SanDisk Extreme III und einer 95 MBit/s schnellen SanDisk Extreme Pro ist deutlich spürbar.

Wie bei allen Kameras in dieser Klasse ist die Akkulaufzeit ein trauriges Kapitel. Bei der Fujifilm X-Pro1 gehen nach 300 Aufnahmen die Lichter aus.

Die folgende Tabelle zeigt noch einmal die wichtigsten technischen Daten der X-Pro1 im Vergleich mit den beiden EVIL-Kameras Sony NEX-7 und Samsung [10] NX200:

Hersteller Fujifilm Samsung Sony
Modell X-Pro1 NX200 NEX-7
Preis (UVP, Body) 1590 Euro 849 Euro 1199 Euro
Bildsensor CMOS (23,6 x 15,6 mm) CMOS (23,5 x 15,7 mm) CMOS (23,5 x 15,6 mm)
Auflösung 16,3 Megapixel 20,3 Megapixel 24,3 Megapixel
Empfindlichkeiten ISO 100 – 25.600 ISO 100 – 12.800 ISO 100 – 16.000
Formatfaktor 1,5 1,5 1,5
Serienbildgeschwindigkeit 6 fps 7 fps 10 fps
Sucher optisch-elektronisch nein elektronisch
Autofokus 49 Felder 35 Felder 25 Punkte
Belichtungsmessung 256 Zonen 221 Felder 1200 Zonen
Verschlusszeiten 1/4000 – 30 s 1/4000 – 30 s 1/4000 – 30 s
Blitz optional optional (im Lieferumfang) integriert
Display 3,0 Zoll, fest, LCD, 854 x 480 Pixel 3,0 Zoll, fest, OLED, 640 x 480 Pixel 3,0 Zoll, schwenkbar, LCD, 640 x 480 Pixel
Touchscreen nein nein nein
Bildstabilisator optisch (via Objektiv) optisch (via Objektiv) optisch (via Objektiv)
Videofunkion 1080/24p, H.264 1080/30p, H2.64 1080/50p, AVCHD 2.0
Mikrofoneingang nein nein ja
Kopfhörerausgang nein nein nein
Max. Akkulaufzeit (CIPA) 300 Fotos 330 Fotos 350 Fotos
Abmessungen 14,0 x 8,2 x 42,5 11,7 x 6,3 x 3,6 cm 12,0 x 6,7 x 4,3 cm
Gewicht (nur Gehäuse) 400 g 220 g 340 g

Bildqualität

Die Fujifilm X-Pro1 verfügt über einen neuen Sensor namens X-Trans, der in Verbindung mit der neuen JPEG-Bildverarbeitung eine exzellente Bildqualität bei niedrigen und mittleren ISO-Empfindlichkeiten bietet. Dabei helfen nicht zuletzt auch die scharfen XF-Objektive. Detailauflösung, Farbe und Tonwertumfang sind sehr gut.

Links konventionell, rechts neu: Während gewöhnliche Bayer-Sensoren auf ein Grün-zu-Rot-zu-Blau-Verhältnis von 2 zu 1 zu 1 setzen, versucht Fujifilm mit 5 zu 2 zu 2 sein Glück. [11]
Links konventionell, rechts neu: Während gewöhnliche Bayer-Sensoren auf ein Grün-zu-Rot-zu-Blau-Verhältnis von 2 zu 1 zu 1 setzen, versucht Fujifilm mit 5 zu 2 zu 2 sein Glück.

Die einzelnen Pixel in einem typischen Bildsensor sind jeweils für eine einzelne Farbe verantwortlich: Rot, Grün oder Blau. Der Großteil der Detailwiedergabe fällt dabei auf die grünen Pixel, die am lichtempfindlichsten sind. Anschließend setzt der Bildprozessor der Kamera die Informationen der einzelnen Bildpunkte in einem Vorgang namens Demosaiking wieder zusammen zu einem Foto mit RGB-Pixeln. Bei diesem Vorgang können Bildartefakte auftreten, was in einem gewissen Rahmen unvermeidlich ist. Denn schließlich muss die Elektronik quasi anhand der umliegenden Farbwerte „erraten“, welche RGB-Farbe der gerade betrachtete Pixel wirklich hat. Je regelmäßiger diese Farbfilter jetzt verteilt sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Motive mit sehr regelmäßigen Mustern für Abbildungsfehler sorgen. Diese Störungen sind als Moiré-Effekte bekannt. Um dem entgegenzuwirken, setzen die allermeisten Bildsensoren auf einen Tiefpassfilter, der allerdings die wahrgenommene Bildschärfe verringert.

Der X-Trans-Bildsensor von Fujifilm setzt auf einen Farbfilter, bei dem die einzelnen Farben anders angeordnet sind als beim typischen Bayer-Filter. Der Trick ist hier, dass einerseits mehr grüne Pixel zum Einsatz kommen für eine verbesserte Detailwiedergabe. Gleichzeitig sind die roten und blauen Bildpunkte weniger regelmäßig angeordnet, was laut Hersteller einen Tiefpassfilter zum Aussieben von Moiré-Effekten und Falschfarbeneffekten überflüssig macht – und dadurch die Bildschärfe steigert.

Unterm Strich funktioniert das gut: Die JPEG-Fotos der X-Pro1 bieten bei niedrigen ISO-Empfindlichkeiten eine außergewöhnliche Detailweidergabe. Der Bildsensor bietet viel Spielraum in der Hinsicht, dass wir noch mit deutlich höheren ISO-Empfindlichkeiten saubere Fotos erzielen, als es üblicherweise in dieser Kameraklasse möglich ist. In detailarmen Bildbereichen sind zwar ab etwa ISO 1600 bei schwachen Lichtverhältnissen ein erstes Rauschen und leichte Rauschunterdrückungsartefakte sichtbar, doch der Schärfeverlust hält sich sehr stark in Grenzen. Selbst bei ISO 6400 schießt die X-Pro1 noch Fotos, die für ein Modell in diesem Preisbereich sehr gut ausfallen. Bei extrem schlechten Lichtverhältnissen und mit sehr hohen ISO-Empfindlichkeiten eingefangene Bilder wirken dann schließlich aber so weich und körning, wie man es von klassischen Kameras mit Bayer-Filter her kennt. Angesichts der aktuellen Auswahl von drei lichtstarken Festbrennweiten sieht es aber ohnehin so aus, dass man diese Einstellungen ohnehin kaum benötigt.

Unterm Strich liefert die Belichtungsautomatik der X-Pro1 konsistent gute Ergebnisse. Mit einer Ausnahme sind auch die Farben gleichzeitig akkurat und lebendig. Wie die Fujifilm X100 hat auch die X-Pro1 mit Farbverschiebungen in Richtung Orange und abgesoffenen Details bei extrem hellen, gesättigten Rottönen zu kämpfen. Im Gegensatz zur X100 treten bei der X-Pro1 diese Probleme nur bei den JPEG-Fotos und nicht bei den Rohdatenaufnahmen auf. Die Rottöne sind in den RAW-Dateien komplett anders, und wir können einige Details wieder retten. Wer Blumen, Landschaft & Co. fotografiert, fährt mit dem Umweg über das Rohdatenformat also besser.

In überbelichteten Bildbereichen der JPEG-Fotos ist dagegen bei den RAW-Bildern nicht mehr besonders viel herauszuholen. Was den Sensor bei wenig Licht so stark macht, scheint ihn bei Licht-Überfluss zu überwältigen. Allerdings müssen wir auch dazusagen, dass wir bislang mangels Support noch nicht unsere Standard-Software Adobe Camera RAW zum Entwickeln der Fotos nutzen können. Abspeichern als 16-Bit-TIFF und anschließendes Bearbeiten in Camera RAW hat jedenfalls nicht geholfen.

Womit wir auch bei den Nachteilen des X-Trans-Sensors wären. Denn nachdem der lichtempfindliche Chip ein Sonderling beim Farbfilter-Array ist, muss die RAW-Verarbeitung für optimale Ergebnisse auch entsprechend angepasst werden. Und Adobe scheint es hier nicht gerade eilig zu haben, seine Software an die neue Kamera anzupassen – und auch viele andere Hersteller von RAW-Konvertern werden sich sicherlich in erster Linie auf Mainstream-Kameras und nicht den Exoten X-Pro1 konzentrieren. Das bedeutet in der Praxis, dass man sich mit der mitgelieferten Silkypix-Software abfinden muss, die langsam ist und unter einem altbackenen Interface leidet.

[13] [14] [15]

Von links nach rechts mit ISO 200, ISO 800 und ISO 6400: Ein Klick auf die Bilder zeigt sie in Originalgröße.

In puncto Video sorgt die Fujifilm X-Pro1 bei uns für eher gemischte Gefühle. Die Aufnahmen sind sehr scharf und weisen helle, strahlende Farben auf. Das Bildrauschen bei schlechten Lichtverhältnissen sieht ebenfalls sehr erträglich aus. Allerdings hat die Kamera mit einer Vielzahl von Aliasing-, Moiré- und Rolling-Shutter-Artefakten zu kämpfen. Der Autofokus kommt zudem immer wieder ins Schwimmen und pumpt durch die Gegend. Immerhin: Die Objektive eignen sich hervorragend fürs manuelle Fokussieren.

Fazit

Am Ende steht also die Frage: Für wen ist diese Kamera gemacht? Denn zwar liefert die X-Pro1 eine professionelle Bildqualität ab, die Hochzeits- und Portrait-Fotografen begeistern dürfte. Doch wer regelmäßig große Mengen Fotos verarbeitet, wird vorerst noch Probleme haben, die Digicam mangels breit verfügbarer RAW-Unterstützung in seinen Workflow zu integrieren. Außerdem bräuchte man für ein Hochzeits-Shooting schon einen ganzen Sack voll Ersatzakkus.

So kommen wir schließlich zurück zur Fujifilm X-Pro1 als „Leica für Arme“. Das ist unterm Strich sicherlich nicht die Schlechteste aller Varianten – insbesondere wenn es noch einen Adapter für Leicas M-Mount gäbe. Auf der anderen Seite sieht sich der anspruchsvolle und gut betuchte Amateur inzwischen einer breiten Vielfalt gegenüber. Im Punkt Bildqualität steht die X-Pro1 sicherlich ganz weit oben, in anderen Disziplinen sieht es weniger rosig aus.

Aufnahmegeschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (RAW)   
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (JPEG)   
Auslöse- verzögerung (Zwielicht)   
Auslöse- verzögerung (Tageslicht)   
Sony Alpha NEX-7 [16]

0.9 
0.9 
0.6 
0.5 
0.2 
Canon EOS 60D [17]

0.2 
0.6 
0.5 
0.5 
0.3 
Sony Alpha SLT-A77V [18]

0.5 
0.6 
0.6 
0.6 
0.3 
Olympus PEN E-P3 [19]

0.6 
0.8 
0.7 
0.6 
0.3 
Sony Alpha NEX-5N [20]

1.2 
1.1 
1 
0.6 
0.3 
Fujifilm X-Pro1

1 
1.5 
1.4 
0.8 
0.5 

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)
Sony Alpha SLT-A77V [18]

8.5 
Fujifilm X-Pro1

5.2 
Canon EOS 60D [17]

5 
Sony Alpha NEX-7 [16]

3.5 
Sony Alpha NEX-5N [20]

3.3 
Olympus PEN E-P3 [19]

2.9 

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41563711/fujifilm-x-pro1-im-test-leica-fuer-arme-mit-gigantischer-bildqualitaet/

URLs in this post:

[1] Canons EOS 5D Mark II: https://www.cnet.de/tests/digicam/41000767/testbericht/vollformat_dslr_mit_hd_videofunktion_canon_eos_5d_mark_ii.htm

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563711/fujifilm_x-pro1_oben.jpg

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563711/fujifilm_x-pro1_display.jpg

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563711/fujifilm_x-pro1_hinten.jpg

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563711/fujifilm_x-pro1_sucher_schieber.jpg

[6] wie dieser hier: http://www.amazon.de/Blackrapid-FastenR-3-FR-3-Kameragurt-Adapter-R-Strap/dp/B003LJNV1M

[7] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[8] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563711/fujifilm_x-pro1_tasche.jpg

[9] Candid: http://en.wikipedia.org/wiki/Candid_photography

[10] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[11] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41558253/fujifilm_x-pro1_sensor.jpg

[12] Testfotos: die Bildqualität der Fujifilm X-Pro1: https://www.cnet.de/41563708/testfotos-die-bildqualitaet-der-fujifilm-x-pro1/?pid=1#sid=41563711

[13] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563711/_dsf0471.jpg

[14] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563711/_dsf0312.jpg

[15] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563711/_dsf0339.jpg

[16] Sony Alpha NEX-7: https://www.cnet.de/tests/digicam/41558574/testbericht/sony_nex_7_im_test_24_megapixel_evil_kamera_fuer_semi_profis.htm

[17] Canon EOS 60D: https://www.cnet.de/tests/digicam/41545129/testbericht/canon_eos_60d_im_test_sehr_gute_video_dslr_mit_umstaendlicher_bedienung.htm

[18] Sony Alpha SLT-A77V: https://www.cnet.de/tests/digicam/41556882/testbericht/sony_alpha_slt_a77_im_test_blitzschnelle_24_megapixel_kamera_mit_transluzentem_spiegel.htm

[19] Olympus PEN E-P3: https://www.cnet.de/tests/digicam/41554473/testbericht/olympus_e_p3_im_test_blitzschnelle_systemkamera_mit_turboloch_bei_der_bildqualitaet.htm

[20] Sony Alpha NEX-5N: https://www.cnet.de/tests/digicam/41556074/testbericht/sony_nex_5n_im_test_superkompakte_systemkamera_fuer_videofreaks.htm