Schon im Test: Huawei Ascend G300 – Android-Schnäppchen von Vodafone

von Daniel Schraeder und Natasha Lomas am , 18:44 Uhr

Pro
  • erstklassiges Preis-Leistungsverhältnis
  • größerer Bildschirm und schnellerer Prozessor als die direkten Konkurrenten
  • ordentliche Akkulaufzeit
  • attraktives Design
Con
  • nervige vorinstallierte Apps
Hersteller: Huawei Listenpreis: steht noch nicht fest, wir vermuten ca. 150 Euro
ZDNet TESTURTEIL: EXZELLENT 9,0 von 10 Punkte
Fazit:

Vom günstigen Preis des Huawei Ascend G300 sollte man sich nicht abschrecken lassen: Dieses Gerät ist wirklich gut. Es ist zwar in keinem der Punkte wie Display, Kamera, Lautsprecher und so weiter überragend, aber das Gesamtpaket stimmt - und zu dem Preis gibt es nur wenig Konkurrenz.

Vor noch gar nicht langer Zeit musste man schon mehrere hundert Euro ausgeben, um an ein halbwegs anständiges Smartphone zu kommen. Das hat sich geändert – funktionierende, ordentliche Einsteigergeräte gibt es bereits für um die hundert Euro, und wer nur ein bisschen mehr auf den Tisch legt, erhält ein richtig gutes Android-Handy.

Das Huawei Ascend G300 ist eines von diesen Geräten. Der genaue Preis für Deutschland steht zwar noch nicht fest, aber es wird wohl Anfang Mai auf den Markt kommen – und wir gehen davon aus, dass es ohne Vertrag für um die 150 Euro den Besitzer wechselt. Die ersten drei Monate wird es wohl exklusiv bei Vodafone zu haben sein, um danach auch im offenen Markt und eventuell bei anderen Providern vertrieben zu werden.

Dieser Testbericht basiert auf einem Prototypen des G300, den wir im März selbst unter die Lupe nehmen konnten, sowie auf dem finalen Modell, das ab sofort bei Vodafone in England zu haben ist. Sollten sich Unterschiede zur deutschen Version ergeben, werden wir den Beitrag aktualisieren.

Auf den ersten und sogar auf den zweiten Blick erinnert uns das G300 stark an das HTC [1] Desire, eines der ersten wirklich guten Androiden. Im Detail ist es etwas aufgebohrt, so verfügt es über ein 4,0 statt 3,7 Zoll großes Display, und außerdem wirkt es moderner. Kein Wunder, schließlich hatte das Ur-Desire sein Debut bereits vor über zwei Jahren. Und im Vergleich zu den meisten aktuellen Smartphones dieser Preisklasse ist es mit seinem 1,0 GHz schnellen Prozessor besser ausgestattet.

Software

Die neueste Android [2]-Version 4.0 ist hier zwar leider noch nicht vorinstalliert. Stattdessen läuft Android 2.3 auf dem Gerät, aber in der Praxis dürfte das wohl nur echte Android-Freaks abschrecken – und die geben vermutlich ohnehin mehr für ihre Smartphones aus. Ein Update auf das neue Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich soll im Sommer nachgeliefert werden, sagt Huawei. Bis dahin freuen wir uns darüber, dass das G300 auch mit Android 2.3 erfreulich flott reagiert.

Im Einsatz bemerkt man das Alter des Betriebssystems ohnehin nicht, denn die Bedienoberfläche des G300 ist Huawei-typisch auf hohem Niveau: Sie sieht gut aus und ist einfach zu bedienen. Noch dazu klatscht der Hersteller erfreulicherweise keine nervigen Demo-Versionen von Spielen oder ähnliche Apps, die man weder haben will noch deinstallieren kann, auf das Gerät. Hoffen wir mal, dass Vodafone in Deutschland genauso verfährt. Zumindest der Prototyp lässt übles ahnen: Auf dem fanden wir einen Vodafone-Musikshop sowie eine Handvoll weiterer Vodafone-Tools und Demo-Versionen von The Sims 3, Uno und so weiter.

Wer Zugriff auf weitere Apps erlangen möchte, darf sich über Google [3] Play freuen. So heißt der Android Market jetzt – also der App Store, der Zugriff auf hunderttausende Applikationen und Spielen ermöglicht. Darunter finden sich Klassiker wie Angry Birds, das nagelneue Instagram für Android sowie Clients für Facebook, Twitter & Co., während andere wichtige Anwendungen wie Webbrowser, Youtube- und E-Mail-Client oder Google Maps bereits vorinstalliert sind.

Android-typisch lässt sich die Oberfläche an die Bedürfnisse des Nutzers anpassen. Das G300 stellt insgesamt fünf Homescreens zur Verfügung, die sich mit Verknüpfungen zu Apps und Kontakten oder mit Widgets frei belegen lassen. Ein langer Fingertipp auf eine freie Fläche holt das Menü in den Vordergrund, das Anpassungen erlaubt. So cool wie die neue Widget-Preview von der HTC-Oberfläche Sense ist das zwar nicht, aber dieses System hat sich bewährt und ist einfach zu bedienen.

Eine kleine Nettigkeit hat sich Huawei beim Lockscreen einfallen lassen – also jenem Bildschirm, der den Nutzer nach dem Aufwachen aus dem Standby bittet, die Tastensperre per Wischbewegung freizugeben. Ein Wisch nach links – hallo Apple [4] – tut genau da, ein Wisch nach oben holt die Telefon-App in den Vordergrund, eine nach rechts die SMS-Anwendung und unten versteckt sich die Kamera. Das funktioniert sehr gut und lässt sich auch an eigene Wünsche (und Apps) anpassen.

Display

Mit 4,0 Zoll und einer Auflösung von 800 mal 480 Pixeln gehört das G300 zwar nicht zu den Top-Modellen, zumindest nicht mehr – vor zwei Jahren wäre das richtig gut gewesen. Aber das kann sich immer noch sehen lassen und ist vor allem in dieser Preisklasse auch durchaus eine positive Erwähnung wert.

Mit einer Pixeldichte von 233 ppi liegt das Gerät natürlich längst nicht auf dem Niveau eines aktuellen iPhones, in der Praxis wirken Texte, Videos und Fotos aber dennoch erfreulich scharf. Dazu passt die hübsche Farbwiedergabe. Nicht ganz so überzeugend ist hingegen der Blickwinkel.

Unserer Erfahrung nach reagiert der kapazitive Touchscreen auch nicht immer ganz optimal. Vor allem ein kurzer Fingertipp wird gerne mal ignoriert. Abgesehen von dieser Feinheit ist der berührungsempfindliche Bildschirm unterm Strich nicht schlecht und lässt sich ordentlich bedienen.

Leistung

Der 1-GHz-Chip im Ascend G300 ist spürbar flotter, als wir es sonst in diesem Preisbereich kennen. Alle üblichen Aufgaben erledigt er flott und ohne Murren, darunter die übliche Navigation durch die Menüs, das Surfen im Web, das Betrachten von Karten sowie das Nutzen einfacher Anwendungen.

Lediglich beim Scrollen umfangreicherer Webseiten hakelt’s gerne mal ein wenig. Aber damit können wir in Anbetracht des Preises durchaus leben.

Wer das G300 an seine Grenzen bringen möchte, schafft das allerdings auch: Das Speichern und Öffnen von frisch geknipsten Fotos sorgt gerne einmal für die eine oder andere Gedenksekunde, und wer die Bilder dann noch bearbeiten möchte, muss noch ein paar Strafsekunden drauflegen. Das gleiche gilt für äußerst aufwändige HTML5-Webseiten wie Spiele oder 3D-Games aus dem Android Market. Wer also plant, viel mit seinem neuen Smartphone [5] zu zocken – und dabei vor allem an Action- und Renngames oder andere Genres mit aufwändiger Grafik denkt, sollte sich besser nach einer Alternative umsehen. Für Angry Birds hingegen reicht das Huawei locker aus.

Design

Optisch erinnert uns das G300 an das HTC Desire. Der Rücken ist leicht gebogen, die Ecken und Kanten sind stark abgerundet. Damit wackelt und kippelt das Handy leicht, wenn man es auf den Schreibtisch legt, aber dafür liegt es gut in der Hand.

Der Akkudeckel wirkt, als wäre er aus Aluminium gefertigt. Ist er aber nicht – hier kommt warmes Plastik statt kühlem Metall zum Einsatz. Optisch ist das aber wirklich gut gemacht, und solange der silberfarbene Lack nicht abblättert, stört und das nicht. Oben und unten kommt weißer Kunststoff zum Einsatz, der einen angenehmen Kontrast setzt.

Mit seiner Bauhöhe von etwa einem Zentimeter und einem passenden Gewicht in Höhe von 140 Gramm wirkt es angenehm solide und könnte gefühlt tatsächlich aus Metall gefertigt sein. Die Scheibe überm Display ist aus stabilem Gorilla Glass gefertigt.

Die Kameralinse auf der Rückseite steht leicht in die Höhe, wird aber von einem Ring aus Metall geschützt – so dürfte sie nicht so schnell verkratzen.

Es gibt lediglich zwei mechanische Tasten am Handy: den zum Ein- und Ausschalten und den Wippschalter zur Regelung der Lautstärke. Vor allem der Ein-Aus-Taster hat leider einen etwas schwammigen Druckpunkt, aber man gewöhnt sich dran.

Unterhalb des Displays finden sich drei Soft-Touch-Tasten für Home, Menü und Zurück auf der Vorderseite. Die Tasten reagieren gut, allerdings muss man sie mit dem Finger relativ genau treffen.

Auf der Oberseite befindet sich die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse zum Anschluss des mitgelieferten Headsets sowie von Standardkopfhörern. Unten hat der Hersteller die obligatorische Micro-USB-Buchse zum Aufladen und zum Übertragen von Daten untergebracht. 2,5 GByte Speicher sind integriert, und die Kapazität lässt sich mit Hilfe einer microSD-Speicherkarte unterhalb des Akkudeckels um bis zu 32 GByte erweitern.

Kamera und Audio

Die 5-Megapixel-Kamera gehört nicht zu den besten ihrer Art und kann nicht mit den Digicams der Top-Geräte wie dem Samsung [6] Galaxy S2, dem HTC One X oder dem iPhone 4S mithalten. An dieser Stelle musste der Hersteller wohl sparen, um den äußerst interessanten Preispunkt zu treffen. Und in Anbetracht des günstigen Gesamtpakets gehen die Aufnahmen auch in Ordnung.

Im Detail betrachtet wirken vor allem die Farben stark ausgewaschen, und speziell wenn es etwas dunkler oder auch nur wolkig wird, hat das Gerät mit Bildrauschen zu kämpfen. Aber unter guten Bedingungen schießt das G300 auch hübsche Fotos.

Bei Video-Aufnahmen fällt vor allem das schlechte Mikrofon negativ auf. Noch dazu tauchen störende Artefakte im Bewegtbild auf. Für einen kurzen Youtube-Clip reicht das aus, aber für mehr auch nicht.

Der Lautsprecher geht in Ordnung. Er ist weder besonders schlecht, noch besonders gut. Die maximale Lautstärke ist okay, um ein kurzes Video oder einen neuen Song in einer kleinen Gruppe vorzuführen, aber auf besonders viel Bass braucht man nicht hoffen.

Beim Telefonieren schlägt sich das Huawei wacker. Die Sprachqualität ist durchschnittlich, auch wenn die Gesprächspartner die Erfahrungen mit dem G300 als leicht dumpf beschreiben. Aber solange man nicht in extrem lauten Umgebungen wie einer Disko oder neben einem Presslufthammer telefoniert, ist die Verständlichkeit jederzeit gegeben. Während unseres Tests mussten wir uns nicht mit Verbindungsabbrüchen herumschlagen.

Akku

Laut Huawei haben die Entwickler am Android-Betriebssystem geschraubt, um eine möglichst lange Akkulaufzeit zu erzielen. Mit dem 1500 mAh starken Stromspeicher hält das Gerät laut Hersteller ein 300-minütiges Dauertelefonat oder 350 Tage Standby bei UMTS-Verbindung durch.

In der Praxis kommen wir mit dem Testgerät problemlos über den Tag. Aber vor allem Intensivnutzer werden das Gerät, so wie alle anderen Smartphones auch, wohl täglich nachladen müssen. Der Grund: Die netten Spielereien wie WLAN und GPS, Webbrowser und Angry Birds, brauchen nicht nur selbst viel Energie, sondern sorgen auch dafür, dass man häufiger mal zum Handy greift. Wer diesen Versuchungen widerstehen kann, kommt auch zwei oder sogar drei Tage mit einer Akkuladung aus.

Fazit

Das Huawei Ascend G300 lässt sich weder auf den ersten noch auf den zweiten Blick als Billigheimer identifizieren – weder optisch, noch technisch. In Anbetracht des fairen Preises ist das durchaus eine anerkennenswerte Leistung, die die Entwickler da vorgelegt haben.

Na klar, das hier ist kein High-End-Gerät. Es hat weder die beste Kamera, noch den besten Lautsprecher. Das Display ist durchschnittlich und die Android-Version derzeit nicht top aktuell. Aber das Gesamtpaket stimmt, und das Preis-Leistungsverhältnis ist quasi unschlagbar. In diesem Sinne empfehlen wir den Kauf fast uneingeschränkt – nur wer besonderen Wert auf bestimmte Features wie Kamera oder Lautsprecher legt oder generell Intensivnutzer ist, der auch 3D-Games auf dem Handy zockt, muss sich nach einer Alternative umsehen. Und die kostet mehr Geld.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[3] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[4] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[5] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[6] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/