Canon PowerShot SX150 IS im Test: günstige, aber langsame Superzoom-Kamera

von Joshua Goldman und Stefan Möllenhoff am , 15:29 Uhr

Pro
  • ausgezeichnete Bildqualität
  • manuelle Aufnahmemodi
  • gute Ausstattung
  • nutzt AA-Batterien
Con
  • schießt mit einem Satz Batterien oder Akkus nur wenige Fotos
  • sehr langsam
Hersteller: Canon Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 6,6 von 10 Punkte
Fazit:

Wer nach einer günstigen Kamera mit guter Bildqualität, flexiblem Objektiv, manuellen Modi und AA-Batterien für die Energieversorgung sucht, ist hier genau richtig. Jedenfalls solange er darüber hinwegsehen kann, dass die Kamera gnadenlos langsam ist.

Die Canon PowerShot SX150 IS bietet für 130 Euro einen zwölffachen optischen Zoom sowie manuelle Einstellungsmöglichkeiten und setzt auf AA-Batterien. Damit zielt der Hersteller auf preisbewusste, aber anspruchsvolle Fotografen, die bei der Energieversorgung möglichst flexibel unterwegs sein möchten. Ob der günstige Superzoomer in der Praxis überzeugt, verrät der Testbericht.

Wer bereits die Vorgängerin SX130 IS besitzt, wird sich beim Blick auf die SX150 IS und deren Datenblatt etwas wundern. Weder Äußerlich noch bei der Ausstattung hat sich wirklich viel getan. Die Auflösung hat sich von 12 auf 14 Megapixel gesteigert, der Bildstabilisator wurde verbessert, und es gibt es jetzt eine dedizierte Taste zum Starten der Videoaufnahme. Das war’s aber auch schon.

Design

Auch optisch hat sich die Canon PowerShot SX150 IS im Vergleich zur Vorgängerin kaum verändert. Sie ist immer noch klobig und schwer, insbesondere im direkten Vergleich mit den kompakten Megazoom-Kameras à la Panasonic Lumix DMC-TZ31 oder Canon IXUS 260 HS. Einer der Hauptgründe für die deftigen Abmessungen der Kamera ist, dass der Hersteller bei der Energieversorgung auf AA-Batterien setzt. Die Konkurrenz nutzt inzwischen größtenteils proprietäre Lithium-Ionen-Akkus. Leider ist die Reichweite der SX150 mit 110 Fotos bei Verwendung von Alkali-Batterien extrem kurz. Selbst mit wiederaufladbaren NiMH-Akkus ist die Akklaufzeit nicht berauschend. Im Gegenzug ist dafür in jedem Supermarkt und an jedem Kiosk Nachschub erhältlich, was man von den proprietären Akkus der Konkurrenz nicht behaupten könnte.

Der Vorteil des massiven Gehäuses ist, dass die Kamera komfortabel zu halten und zu benutzen ist. Die Bedienelemente auf der Rückseite sind praktisch mit denen der Vorgängerin SX130 IS [1] identisch. Die Taste für die Gesichtserkennung ist jedoch verschwunden, ihren Platz nimmt ein dedizierter Button zum Starten der Videoaufnahme ein. Er befindet sich zusammen mit Knöpfen für Belichtungskorrektur und Wiedergabemodus oberhalb eines Vier-Wege-Pads. Unterhalb dieses Pads sitzen noch zwei Tasten zum Anpassen der auf dem Bildschirm angezeigten Informationen und zum Aufrufen des Hauptmenüs.

Dank großzügig dimensionierter Bedienelemente und eines vergleichsweise massigen Gehäuses eignet sich die SX150 IS auch für Fotografen mit großen Händen. [2]
Dank großzügig dimensionierter Bedienelemente und eines vergleichsweise massigen Gehäuses eignet sich die SX150 IS auch für Fotografen mit großen Händen.

Das Vier-Wege-Pad selbst ist drehbar konstruiert und erlaubt so ein bequemes Einstellen von Aufnahmeparametern. Das Rädchen bietet ein feines haptisches Feedback und rastet beim Drehen bei jeder Position leicht ein. Dadurch schießt man beim hastigen Anpassen von Parametern nicht so leicht übers Ziel hinaus. Neben der Navigation durch die Menüs dienen die vier Richtungstasten außerdem zum Aufrufen der Konfiguration von Fokus, Selbstauslöser, Blitz und ISO-Empfindlichkeit. Mittig auf dem Pad befindet sich eine Func.Set-Taste, die ein Schnellmenü mit aufnahmrelevanten Einstellungen aufruft. Links neben den Bedienelementen befindet sich das 3,0 Zoll große Display, das zwar mit 320 mal 240 Pixeln niedrig auflöst, dafür aber recht kräftig ist. In direktem Sonnenlicht fällt es allerdings eher schwer, hier etwas zu erkennen.

Die Oberseite des Gehäuses gibt keine Rätsel auf. Hier finden sich Ein/Aus-Schalter, Auslöser mitsamt Zoomring und Einstellrädchen zur Wahl des Aufnahmemodus. Alles in allem ist die Bedienung der Canon PowerShot SX150 IS schnell und leicht zu erlernen. Wer den vollen Funktionsumfang nutzen möchte, sollte sich aber dennoch das Handbuch zu Gemüte führen. Es befindet sich in digitaler Form im Lieferumfang mit der Kamera.

Die Canon PowerShot SX150 IS dürfte auch Einsteiger in die Welt der digitalen Fotografie nicht vor unlösbare Rätsel stellen. [3]
Die Canon PowerShot SX150 IS dürfte auch Einsteiger in die Welt der digitalen Fotografie nicht vor unlösbare Rätsel stellen.

Die Fächer für Batterien und Speicherkarte befinden sich hinter einer Klappe auf der Unterseite der Kamera. Auf der rechten Seite der SX150 IS sitzt ein Türchen, das einen kombinierten USB-AV-Anschluss verbirgt. Über diesen lässt sich die Kamera mit dem Rechner oder dem Fernseher verbinden. Außerdem gibt es hier noch einen Netzanschluss, um die Kamera direkt an der Steckdose zu betreiben. Der passende Netzadapter ist jedoch nicht im Lieferumfang enthalten.

Ausstattung

Die Canon PowerShot SX150 IS bietet eine breite Palette an unterschiedlichen Aufnahmemodi und damit viel Spielraum zum Experimentieren. Mit von der Partie sind die Halbautomatiken Blenden und Belichtungspriorität sowie ein komplett manueller Modus. Um die Blendeneinstellung kümmert sich eine Irisblende und nicht – wie bei etlichen günstigeren Kompaktkameras – ein Neutraldichtefilter. Damit hat dieser Parameter einen Einfluss auf die Tiefenschärfe, und es stehen mehr als zwei Einstellungen zur Verfügung. Im Weitwinkel sind das F3.4, F4.0, F4.5, F5.0, F5.6, F6.3, F7.1 und F8.0. Bei höheren Brennweiten lässt die Lichtstärke des Objektivs jedoch nach – bei voller Ausnutzung des optischen Zooms sinkt die maximale Lichtstärke auf F5.6 ab. Die längste Verschlusszeit beträgt 15 Sekunden, die kürzeste 1/2500 Sekunde.

Außerdem gibt Canon dem Fotografen die Möglichkeit, Kontrast, Schärfe und Sättigung sowie Rot-, Grün-, Blau- und Hauttöne an seine Bedürfnisse anzupassen. Noch nicht genug? Mit Farbwechsel lässt sich eine Farbe durch eine andere ersetzen, beispielsweise Blau durch Gelb. Farbakzent dagegen konvertiert das Foto mit Ausnahme einer einzigen Farbe in Schwarzweiß. Erfreulicherweise stehen diese Möglichkeiten sowohl im Foto- als auch im Videomodus zur Verfügung. Noch mehr Einfluss auf die Bildwirkung gewähren die diversen Fotofilter. Hier bietet die SX150 IS Fischaugeneffekt, Miniatureffekt, Spielzeugkameraeffekt, Monochrom, Farbverstärkung und Postereffekt. Wie sich die diversen Einstellungen auf die Fotos auswirken, zeigt die Bildergalerie im weiteren Verlauf dieses Testberichts anhand von Beispielen.

Die SX150 IS ist zwar sperriger als die meisten Konkurrenten mit Zwölffach-Zoom, passt aber immer noch problemlos in die Jackentasche. [4]
Die SX150 IS ist zwar sperriger als die meisten Konkurrenten mit Zwölffach-Zoom, passt aber immer noch problemlos in die Jackentasche.

Wer die Arbeit lieber der Kamera überlässt, findet auf dem Moduswahlschalter auf der Oberseite des Gehäuses auch die Funktion Smart Auto. Hier analysiert die SX150 das Geschehen vor der Linse und ordnet es einem von 32 Motivprogrammen zu. Noch automatischer geht es im Easy-Modus zu, in dem die Kamera zusätzlich noch die meisten Menüs sperrt – und quasi lediglich der Auslöser funktioniert. Wer den Unterschied zwischen seinem Haustier und einem Sonnenuntergang kennt, kann die verschiedenen Motivprogramme auch händisch anwählen. Hier finden sich in erster Linie Standards wie Portrait, Landschaft und Feuerwerk. Spanner Museumsbesucher und dergleichen können sich über einen Modus namens Diskret freuen, der sämtliches Geblinke und Gepiepse der Kamera während des Fotografierens deaktiviert und somit den Fotografen nicht entlarvt. Außerdem ist ein Videomodus an Bord, der Bewegtbilder mit maximal 1280 mal 7820 Pixeln bei 30 Bildern pro Sekunde einfängt. Für den Verzicht auf Full-HD-Auflösung ist wohl in erster Linie der Verzicht auf einen CMOS-Bildsensor verantwortlich – die SX150 IS setzt noch auf einen „langsameren“ CCD-Sensor.

Eine vollständige Liste aller Funktionen gibt es im Handbuch auf der Webseite des Herstellers [5]. Die folgende Tabelle zeigt noch einmal die wichtigsten technischen Daten der Canon PowerShot SX150 IS im direkten Vergleich mit ihrer Vorgängerin.

Hersteller Canon Canon
Modell PowerShot SX130 IS PowerShot SX150 IS
Preis 110 Euro 130 Euro
Bildsensor 1/2,3-Zoll-CCD 1/2,3-Zoll-CCD
Auflösung 12 Megapixel 14 Megapixel
Optischer Zoom 12-fach 12-fach
Brennweitenbereich 28 – 336 mm 28 – 336 mm
Lichtstärke F3,4 – F5,6 F3,4 – F5,6
Bildstabilisator optisch optisch
Empfindlichkeiten ISO 80 – 1600 ISO 80 – 1600
Max. Fotoauflösung 4000 x 3000 Pixel 4320 x 3240 Pixel
Max. Videoauflösung 1280 x 720 @ 30 fps 1280 x 720 @ 30 fps
Dateiformate JPEG (Foto), H.264 (Video) JPEG (Foto), H.264 (Video)
Manuelle Einstellungen P, A, S, M P, A, S, M
Display 3,0 Zoll; 230.000 Pixel 3,0 Zoll; 230.000 Pixel
Sucher nein nein
Stromversorgung 2x AA 2x AA
Abmessungen 11,3 x 7,3 x 4,6 cm 11,3 x 7,3 x 4,6 cm
Gewicht 308 g 306 g

Leistung

Die Canon PowerShot SX150 IS ist sehr langsam, was leider für die meisten aktuellen Kameras gilt, die auf AA-Batterien setzen. Bis nach dem Betätigen des Einschalters das erste Foto im Kasten ist, vergehen etwa zwei Sekunden. Zwischen jedem weiteren Foto genehmigt sich die Digicam eine Verschnaufpause von drei Sekunden. Mit zugeschaltetem Blitz verdoppelt sich die Wartezeit.

Um bei optimalen Bedingungen auf das Motiv zu fokussieren und das Foto einzufangen, benötigt die Kamera mindestens 0,5 Sekunden. Bei schlechteren Lichtverhältnissen und niedrigeren Kontrasten verschlechtert sich die Auslöseverzögerung auf 0,8 Sekunden, was sich schon sehr träge anfühlt.

Die SX150 IS bietet zwei verschiedene Serienbildmodi: einer passt den Autofokus nach jedem Foto an, der andere fasst Fokus und Belichtung nach dem ersten Bild nicht mehr. Letzterer ist mit etwa einem Foto pro Sekunde „schneller“ unterwegs, bricht aber auch keine Rekorde. Mit kontinuierlichem Autofokus drosselt die Kamera die Geschwindigkeit auf 0,6 fps. In Verbindung mit der deutlichen Auslöseverzögerung, die dem ersten Bild vorangeht, muss man unterm Strich schon fast hellseherische Fähigkeiten oder viel Glück mitbringen, um Actionfotos einzufangen. Wer viele schnell und unvorhersehbar bewegte Motive fotografiert, sollte sich nach einem anderen Modell umsehen.

Bildqualität

Die gegenüber der Vorgängerin auf 14 Megapixel gesteigerte Auflösung der Canon PowerShot SX150 IS bringt – abgesehen von mehr Bildrauschen – keinen Gewinn. Dennoch: Die Kamera schießt nach wie vor sehr gute Fotos. Wie die meisten Digicams in dieser Preisklasse liefert sie bis ISO 200 die besten Ergebnisse. Bei ISO 400 nehmen Rauschen und Weichzeichnung durch die einsetzende Rauschunterdrückung merklich zu. Die Bilder bei höheren ISO-Empfindlichkeiten eignen sich dann nur noch für kleine Abzüge oder für Facebook und Konsorten. Ab ISO 1600 treten auf den Bildern leichte gelbe Farbflecken auf.

Die SX150 IS liefert sehr schöne Farben. Die Aufnahmen gelingen hell, lebendig und erfreulich realitätsnah. Zwar verlieren sie ab ISO 800 etwas an Sättigung, doch die Entfärbung ist bei weitem nicht so dramatisch wie bei der Konkurrenz. Auch in puncto Belichtung und Weißabgleich liefert die Kamera sehr gute Ergebnisse. Mehr Details zur Fotoqualität und Beispielfotos gibt es in der folgenden Bildergalerie.

In Sachen Videoqualität bewegt sich die Canon PowerShot SX150 IS auf einer Stufe mit HD-Pocket-Camcordern oder besseren Smartphones. Die Clips sind nichts Besonderes und können ausgewachsenen Camcordern keine Konkurrenz machen. Für YouTube & Co. oder fürs gelegentliche Betrachten auf dem HD-Fernseher im Wohnzimmer reichen sie aber aus. Der optische Zoom funktioniert während der Aufnahme und arbeitet erfreulich leise. Er ist nur in sehr ruhigen Umgebungen auf den Clips zu hören.

Fazit

Die Canon PowerShot SX150 IS gehört einer aussterbenden Art an: Sie ist eine kompakte Megazoom-Kamera, die bei der Stromversorgung auf AA-Batterien setzt und Halbautomatiken sowie manuelle Aufnahmemodi bietet. Außerdem ist sie vergleichsweise günstig und bietet eine sehr gute Bildqualität. Allerdings ist die Kamera gnadenlos langsam und eignet sich damit nur für Fotografien, die in erster Linie Gebirgspanoramen und vergleichbar langsame und geduldige Motive ablichten.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41563808/canon-powershot-sx150-is-im-test-guenstige-aber-langsame-superzoom-kamera/

URLs in this post:

[1] SX130 IS: https://www.cnet.de/tests/digicam/41539927/testbericht/canon_powershot_sx130_is_im_test_tolle_bildqualitaet__aber_langsam_und_klobig.htm

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563808/canon_powershot_sx150_is_hinten.jpg

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563808/canon_powershot_sx150_is_oben.jpg

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41563808/canon_powershot_sx150_is_seite.jpg

[5] Webseite des Herstellers: http://www.canon.de/Support/Consumer_Products/products/cameras/Digital_Compact/Powershot_SX_series/PowerShot_SX150_IS.aspx?type=download&page=1

[6] Testfotos: die Bildqualität der Canon PowerShot SX150 IS: https://www.cnet.de/41563807/testfotos-die-bildqualitaet-der-canon-powershot-sx150-is/?pid=1#sid=41563808