Audioengine 5+ (A5+): Überragend klingendes 2.0-Lautsprechersystem für den Schreibtisch

von David Carnoy und Gerald Strömer am , 18:49 Uhr

Pro
  • phänomenaler Klang
  • simples, attraktives Design
  • zwei Audio-Eingänge
  • USB-Port zum Laden von mobilen Endgeräten
  • Fernbedienung wird mitgeliefert
  • Stereo-Trennung durch separierte Aufstellung optimierbar
Con
  • ziemlich teuer
  • vergleichsweise groß und klobig
  • kein Netzausgang mehr
  • Audio-Eingänge sind nicht umschaltbar und immer aktiv
Hersteller: Audioengine Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,3 von 10 Punkte
Fazit:

Das aktive 2.0-Lautsprecher-Set Audioengine 5+ klingt noch besser als der bereits exzellente Vorgänger Audioengine 5 und bietet hervorragende Performance und Ausstattung fürs Geld. Dank integriertem Verstärker muss man das System zudem nicht an einen Receiver oder Verstärker anschließen, um Musik vom Desktop-PC, Smartphone, Tablet, Media-Playern und anderen Audioquellen abzuspielen.

Audioengine hat seinen hochgelobten Aktivlautsprecher der 5er-Serie (auch als A5 bekannt) gegen den Nachfolger 5+ ausgetauscht. Das neue „Plus“-Modell lässt zwar ein Feature (den integrierten Netzausgang) vermissen und hebt den Listenpreis von 349 auf 399 US-Dollar an, klingt aber nochmal einen Zacken besser. Wir schauen, ob die US-amerikanischen Desktop-Monster alles in allem ihr Geld wert sind.

Das Audioengine 5+ ist ein Stereo-Lautsprecher-Set aus zwei hochwertigen Zwei-Wege-Lautsprechern, die man am Rechner anschließen, aber auch mit iOS-Geräten betreiben und sogar via AirPlay mit Sound versorgen kann. Am deutschen Markt sind die großen und wuchtigen Boxen zu Preisen ab knapp 340 Euro erhältlich, der Listenpreis liegt 399 US-Dollar.

Design

Das Wichtigste, was man über Audioengine-Lautsprecher wissen muss: Sie sind eigentlich klassische Regal-Lautsprecher, die sich als PC- oder auch als „Multimedia“-Lautsprecher ausgeben, wie sie heutzutage ja gern genannt werden. Aber im Gegensatz zu klassischen Regal-Lautsprechern sind die Audioengine-Modelle Aktivlautsprecher, die mittels eines normalen Netzanschlusses mit Strom versorgt werden. Sie müssen daher nicht an einen Receiver oder Verstärker angeschlossen werden und können mit jeder beliebigen Audioquelle – das richtige Anschlussformat vorausgesetzt – betrieben werden. Am besten kann man sich die Boxen noch als eine gute, alte Stereoanlage ohne Zentraleinheit vorstellen, bei der sämtliche Anschlüsse am linken Lautsprecher zu finden sind.

Die größere A5+-Serie sieht einen Tick nüchterner und weniger stilvoll aus als die 2er-Serie und scheint gemeinsame Vorfahren mit diversen Monitor-Lautsprechern zu haben, die man in Aufnahmestudios findet. Das A5+ ist wie das Audioengine 2 in Hochglanz-Weiß und Satin-Schwarz erhältlich, dazu kommt zusätzlich noch ein Oberflächen-Finish aus solidem Bambus. Wer die letztgenannte Option wählt, muss allerdings tiefer in die Tasche greifen: Ihr Listenpreis liegt bei 469 US-Dollar, die günstigsten deutschen Angebote beginnen bei 380 Euro. Dafür sieht das Bambus-Finish aber auch erheblich mondäner und schicker aus und ist die bessere Wahl, wenn Holz die Wohn- oder Arbeitszimmereinrichtung dominiert.

Mit Abmessungen von 17,8 mal 21,6 mal 27,3 cm nimmt das Audioengine-Lautsprechersystem ordentlich Platz auf dem Schreibtisch ein.

Die Lautsprecher des Audioengine 5+ scheinen etwa zehn Prozent größer zu sein als die des Vorgängers Audioengine 5. Die A5+-Lautsprecher haben zwar eine vergleichbar große Stellfläche von 17,8 mal 19,7 Zentimetern (17,8 mal 21,6 Zentimeter mit Kühlkörper) wie die A5-Vorgänger, sind aber statt 25,4 Zentimetern nun 27,3 Zentimeter hoch.

Auch an den wichtigsten Ausstattungsmerkmalen hat sich nicht viel getan: Jeder Lautsprecher integriert einen 5-Zoll-Woofer aus Kevlar und einen 20-Millimeter-Dome-Tweeter aus Seide. Da der linke Lautsprecher den 50 Watt pro Kanal leistenden Verstärker beherbergt, ist er schwerer als der rechte Lautsprecher. Und im Gegensatz zur 2er-Serie, die ihre Anschlüsse an der Front hat, verstecken sich selbige bei der A5+-Serie auf der Rückseite des linken Lautsprechers.

Bemerkenswert ist, dass sowohl die Audioengine-Lautsprecher der 2er und 5+-Serie sehr gut verpackt sind, und Tuchbeutel die Lautsprecher und Kabel schützen. Die beiden Lautsprecher sind durch ein „echtes“ Kabel miteinander verbunden, das mitgeliefert wird. Ebenfalls im Lieferumfang findet sich ein Audiokabel, mit dem man den Rechner – oder jede beliebige andere Audioquelle mit kompatibler Schnittstelle – mit dem AUX-Eingang im 3,5-Millimeter-Format verbinden kann, der wiederum wie alle anderen Schnittstellen auch an der Rückseite des linken Lautsprechers zu finden ist. Dank der Nutzung von Standardkabeln kann man im Gegensatz zu Lautsprechern mit proprietären Anschlüssen Kabel verwenden, die so lange oder kurz sei können, wie der Nutzer sich das wünscht.

Noch eine letzte Anmerkung: Da diese Lautsprecher keine Schutzgitter über ihren Treibern haben, sollte man kleine Kinder oder Haustiere tunlichst von ihnen fernhalten, die diese sie sonst leicht beschädigen könnten.

Ausstattung

Also was sind nun die Unterschiede zwischen dem A5 und dem A5+? Laut Audioengine haben die verschiedenen Versionen der 5+-Serie ein neues Kühlsystem für den Verstärker, und auch an den Anschlussmöglichkeiten sollen die Designer ziemlich herumgespielt haben.

Beim A5 saß auf der Oberseite des linken Lautsprechers ein zusätzlicher 3,5-Millimeter-AUX-Eingang zusammen mit einem USB-Port zum Aufladen von portablen Geräten. Beim A5+ wurde dieser AUX-Eingang wegrationalisiert und der USB-Port auf die Rückseite des linken Lautsprechers verbannt. Gut daran ist, dass das USB-Ladekabel angeschlossen bleiben kann und man es (und eventuell auch das zu ladende Gerät selbst) hinter dem Lautsprecher verstecken kann, so dass nicht immer ein USB-Kabel aus der Oberseite des Lautsprechers schaut. Aber man kann das auch negativ sehen und sagen, dass so ein leichter Zugang (und nebenbei auch noch der zusätzliche AUX-Eingang) verlorengegangen ist; die Oberseite ist eben doch einfacher zu erreichen als die Rückseite. So ist man fast schon „gezwungen“, das Kabel an der Rückseite angeschlossen zu lassen.

Das A5+ bietet einen 3,5-Millimeter-AUX- und einen RCA-Stereo-Eingang sowie einen USB-Ladeanschluss und einen RCA-Stereo-Ausgang (zum Beispiel für Audioengines S8-Subwoofer).

Um es nochmal klar zu sagen: Dieser USB-Port ist ausschließlich zur Stromversorgung gedacht, Dateien lassen sich damit nicht einlesen oder übertragen. Auch die Passtrough-Synchronisierung mit dem Computer ist mit ihm nicht möglich. Aber dennoch kann man dank der Kombination aus USB-Stromversorgung und Audioeingang den iPod oder das iPhone via USB aufladen, während Musik läuft. Und auch wenn das Audioengine 5+ aufgrund dieser ganzen Kabel beim iPod-Dock-verwöhnten Apple [1]-Nutzer vielleicht nicht ganz so gut punkten kann, ist diese Konstellation in Sachen Kompatibilität dennoch viel vielseitiger als ein Dock. Denn so ist es möglich, jedes via USB mit Strom versorgte Endgerät aufzuladen und Musik von ihm abzuspielen, was so ziemlich alle Smartphones oder portablen Media-Player einschließt. Und im Gegensatz zu etlichen anderen USB-Stromquellen haben die Lautsprecher der 5+-Serie sogar genug Power, um auch Tablets aufzuladen – im Test haben wir ein iPad 2 und einen Kindle Fire völlig problemlos betankt.

An der älteren A5-Serie integrierte Audioengine einen voll funktionsfähigen Netzausgang an der Rückseite des linken Lautsprechers. Das Unternehmen brüstete sich mit der Tatsache, dass man einen Apple AirPort Express direkt an diesen Netzausgang anschließen und die Lautsprecher so mittels Apples AirPlay-Features in einen iTunes-Streamer verwandeln konnte. Natürlich versorgte dieser Ausgang auch jede beliebige andere Audioquelle mit Strom, beispielsweise einen Sonos-oder Squeezebox-Streamer oder einen CD-Player. Dieser Ausgang gehört wie gesagt ebenfalls der Vergangenheit an – aber wahrscheinlich werden ihm sowieso nicht all zu viele Anwender hinterhertrauern.

Aus Ausgleich für den eliminierten Netzausgang bietet das Audioengine 5+ einen zweiten Satz Composite-Eingänge (die Kabel werden mitgeliefert) sowie einen Satz Ausgänge für Anschluss und Ansteuerung eines Subwoofers.

Aber Achtung: Ein Hin- und Herschalten zwischen den Eingängen ist nicht möglich; alle sind ständig aktiv. Abhängig von den Vorlieben des Anwenders ist das praktisch oder nervig: Einerseits kann man so Musik vom iPod abspielen und ist dennoch in der Lage, Benachrichtigung und Warntöne vom Computer wahrzunehmen, aber andererseits muss man dann auch die eine Audioquelle auf lautlos stellen, damit sie nicht in die Wiedergabe der anderen hineinfunkt.

Das Audioengine 5 wurde ohne Fernbedienung ausgeliefert, aber bei der A5+-Serie ist eine Zappe im Lieferumfang enthalten. Sie ist zwar nichts Weltbewegendes und dient nur zur Steuerung der Lautstärke und zum Stumm- beziehungsweise Ausschalten, aber allemal besser als gar nichts.

Wie sein Vorgänger bietet auch das A5+ einen Lautstärke-Drehknopf an der Vorderseite des linken Lautsprechers. Im Gegensatz zur 2er-Serie fungiert dieser Drehknopf aber nicht gleichzeitig als Ein/Aus-Schalter. Das A5+ hat dafür einen separaten Knopf auf der Rückseite des Lautsprechers. Audioengine hat aber sowohl das A5 als auch das neue A5+ mit einem Auto-Sleep-Stromsparmodus bestückt, der zuschlägt, sobald die Lautsprecher zehn Minuten lang keine Audiosignale wiedergegeben haben. Bei der 5er-Serie haben sich übrigens einige Anwender beschwert, dass die Lautsprecher einen Ton von sich geben, wenn das passiert. Dieser Ton kann nämlich ziemlich laut sein, wenn die Boxen zuvor entsprechend aufgedreht waren.

Eine weitere Anmerkung: Obwohl die Audioengine-Lautsprecher offiziell nicht als „für iPhone zertifiziert“ geführt werden, sind sie dennoch magnetisch abgeschirmt. Uns fielen kein einziges Mal summende oder klickende Interferenzen vom iPhone auf, selbst wenn wir es direkt auf der Oberseite der Lautsprecher liegen hatten.

Der Drehknopf an der Front dient nur der Lautstärke-Steuerung, an- und ausgeschaltet wird mit dem Kippschalter auf der Rückseite.

Audioengine verkauft auch Zubehör zum A5+, namentlich den Subwoofer S8 (Listenpreis 349 US-Dollar, deutscher Marktpreis ab 280 Euro) und den Wireless-Adapter W3 (Listenpreis 149 US-Dollar, Markteinführung ist für den Mai 2012 geplant). Der Subwoofer wird an die rot/weißen RCA-Stereo-Ausgänge an der Rückseite des linken Lautsprechers angeschlossen. Er sorgt für mehr Bass und garantiert einen kräftigeren, volleren Sound, aber der Reiz des Audioengine 5+ liegt ja gerade darin, dass man eigentlich hervorragend ohne diesen Subwoofer auskommt.

Das W3 besteht aus zwei Adaptern (ein Receiver für das A5+ und ein Transmitter für einen Windows-PC oder Mac-Rechner, der als Audio-Quelle dient), die per USB mit Strom versorgt werden und unkompliziertes kabelloses Streaming erlauben. Laut Audioengine schafft das W3 16-Bit-Audio auf dem 2,4-GHz-Frequenzband und kann gleichzeitig bis zu drei Receiver versorgen. Es soll außerdem optimiert worden sein, mögliche Interferenzen mit anderen WLAN-Geräten auf dem gleichen Frequenzband möglichst zu reduzieren.

Letztlich kann man anstelle des W3 aber auch praktisch jedes Wireless-Streaming-System nutzen. Alternativen wären beispielsweise das AirPort Express (unter 80 Euro), ein Apple-TV-System (ab knapp über 100 Euro) oder Logitechs Wireless Speaker Adapter für unter 30 Euro.

Leistung

Beim Test des Audioengine 5 müssen wir feststellen, dass es schwer zu beschreiben ist, wie viel besser das A5 im Vergleich zum A2 klingt. Letztlich liefert das neue System einen kräftigeren, reicheren Sound mit tiefem, knackigen Bass und exzellenter Klarheit – und das bei potenziell sehr hohen Pegeln.

Wenn man das A5 oder das A5+ anwirft, dann hört man Details – beispielsweise individuelle Instrumente – in der Musik, die vorher kaum wahrzunehmen waren. Audioengines 5er-Serie übertrifft klanglich locker selbst hochwertige und teure iPod-Docking-Lautsprecher wie das Bose SoundDock 10 oder das Zeppelin Air von Bowers & Wilkins – von schlechteren Alternativen ganz zu schweigen. Die beiden oben genannten Systeme sind mit deutschen Marktpreisen ab 540 Euro (Bose SoundDock 10) und 600 Euro (B&W Zeppelin Air) beispielsweise deutlich teurer als das ab 340 Euro erhältliche Audioengine A5+.

Beim Test von PC-Lautsprechern beschicken wir sie mit einem vielseitigen Musikmix und testen sie auch mit Action-Filmen und Spielen, typischerweise ein oder zwei First-Person-Shootern. Für den Musiktest trat das Audioengine 5 gegen seinen Nachfolger A5+ an und musste sich bei mittels auf dem iPod gespeicherten Lossless-Tracks beweisen. Auf den Punkt gebracht: Das A5+ klingt im Vergleich zum Vorgänger wie ein größerer Lautsprecher mit einem weitreichenderen Sound.

Die 5-zölligen Kevlar-Woofer produzieren in Kombination mit dem 20 Millimeter großen Seiden-Tweetern einen brachialen, sauberen und vollen Sound.

Wie schon gesagt ist der tatsächliche Größenunterschied zwischen den beiden Lautsprechersystemen recht gering, aber man hört definitiv einen Unterschied in der Soundqualität. Wenn Unternehmen ihr Lautsprecher-Design ändern, sind wir immer ein bisschen besorgt, dass sich der Klang verschlechtert (während der Preis parallel dazu wie durch Magie steigt). Aber in diesem Fall dürfen sich sogar Besitzer des wirklich gut klingenden Audioengine A5 auf ein Upgrade freuen, denn mit dem Wechsel zum A5+ geht ein merklicher Performance-Schub einher. Der klangliche Zuwachs ist nicht gigantisch, aber ganz sicher wahrnehmbar.

Fazit

Wie bereits das Audioengine 5 ist auch sein Nachfolger, das hier getestete Audioengine 5+, fast schon zu groß und zu klobig, um ihn wie einen klassischen PC-Lautsprecher auf dem Schreibtisch zu platzieren. Denn letztlich ist das A5+ ein Regal-Lautsprecher mit einem etwas nüchternen Look. Aber trotz des Preisaufschlags gegenüber dem Vorgänger wird man sich im Endeffekt sehr schwer bei der Suche nach einem 2.0-System tun, das zu diesem Preis einen besseren Klang liefert und gleichzeitig die Anschlussmöglichkeiten des Audioengine 5+ bietet.

Ja, wir könnten bemängeln, dass das A5+ keinen Netzausgang mehr integriert. Aber die Kombination aus Design-Verbesserungen (USB-Anschluss auf der Rückseite), Feature-Aufwertungen (zum Beispiel mitgelieferte Fernbedienung) und der außergewöhnlich gute Klang der Lautsprecher machen das Audioengine 5+ zu einem System, das man jedem Audio-Genussmenschen bedenkenlos empfehlen kann.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/