Android-Smartphone Panasonic Eluga im Test: wasserdicht, flach und hübsch

von Daniel Schraeder und Natasha Lomas am , 18:06 Uhr

Pro
  • wasserdicht
  • großes Display
  • attraktives, flaches Gehäuse
Con
  • Android 4.0 nicht ab Werk
  • enttäuschende Kamera
  • Tasten nicht sinnvoll positioniert
  • kein microSD-Speicherkartenslot
Hersteller: Panasonic Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,0 von 10 Punkte
Fazit:

Das Panasonic Eluga sieht stylisch und schlank aus - und überzeugt mit seinem wasserfesten Gehäuse. Unter der Haube gibt es allerdings keine rekordverdächtige Kost, und das alte Android 2.3 hätte lieber gleich dem neuen 4.0 weichen sollen. Stattdessen plant der Hersteller ein Update im Sommer. Wer nicht unbedingt auf der Suche nach einem wasserdichten Smartphone ist und sich nicht in die Optik verliebt hat, fährt mit der Konkurrenz besser.

Als wir zuletzt Panasonic-Handys in Deutschland kaufen konnten, gab es noch Klappscharniere statt Touchscreen-Displays – und gerade mal so die ersten farbigen Anzeigen. Jetzt wagen sich die Japaner wieder zurück in den Westen und bringen mit dem Eluga ein ordentliches, sehr flaches und vor allem wasserdichtes Android-Smartphone auf den Markt. Wir haben es bereits ausführlich getestet.

Wer Panasonic hört, denkt an Digicams. Oder an Fernseher und vielleicht noch an Rasierer oder Mikrowellen – aber nicht an Handys. Schade eigentlich, schließlich hatten die Japaner in der Vergangenheit etliche Mobiltelefone im deutschen Markt. Zu Zeiten allerdings, in denen noch niemand an iPhone, Touchscreen & Co. gedacht hat.

Und jetzt ist der Hersteller wieder da. Mit dem Eluga, das in den nächsten Wochen auf den Markt kommen soll. Es ist extrem flach, sieht gut aus – und es ist wasserdicht.

Design

Flach und wasserdicht? Das klingt ja nicht gerade nach einem Ruggadized Outdoor Phone, also nach jeden Geräten, die auf Baustellen, im Gebirge oder auf Ölbohrplattformen zum Einsatz kommen. Denn die sind zwar auch wasserfest, aber üblicherweise mit dicken Gummiabdeckungen ummantelt, um auch Stürze zu überleben. Wer also braucht ein Eluga? Taucher jedenfalls nicht, denn das Handy ist bei einem Meter Wassertiefe für 30 Minuten dicht. Tiefsee? Sollte man damit besser meiden. Vielleicht ist es für jemanden aus dem Münsterland geschaffen, bei dem es immer regnet? Oder für Angry-Birds-süchtige, die auch im Schwimmbad, unter der Dusche und in der Badewanne nicht auf das Schweine-Spiel verzichten können?

So genau wissen wir das auch nicht, aber es macht nichts. Denn wo die Outdoor-Handys üblicherweise eben wulstig und gewöhnungsbedürftig aussehen, um Wasser abzuhalten und Stürze zu überleben, ist das Eluga einfach flach und hübsch anzusehen. Man bekommt das dichte Gehäuse also quasi ohne den Preis der Hässlichkeit als Bonus dazu. Und damit ist der Kauf durchaus schon wieder eine Überlegung wert, wenn man häufiger mal dort unterwegs ist, wo es schnell mal nass wird.

Wasserdicht ist es jedenfalls. Wir haben unser Testgerät in ein Glas getunkt und mit Flüssigkeit übergossen – ohne, dass es dabei Schaden genommen hätte. Mit einem iPhone würden wir uns das jedenfalls nicht trauen.

Und obwohl es nicht von dickem Gummi umschlossen ist, wirkt das Eluga erfreulich stabil. Trotz der mit knapp 8 Millimetern wirklich geringen Bauhöhe haben wir nicht das Gefühl, als müssten wir auf das Panasonic aufpassen wie auf ein rohes Ei. Das 4,3 Zoll große Display ist in Anbetracht der Gehäuseabmessungen vergleichsweise groß, was in einem äußerst dünnen Rahmen resultiert, während das geringe Gewicht von 103 Gramm den Eindruck des optischen Minimalismus unterstreicht. Mit dem Eluga kann man sich also durchaus sehen lassen. Das Gerät wirkt erfreulich hochwertig.

Die Ränder und Rückseiten bestehen erfreulicherweise nicht aus glänzendem Plastik, sondern aus mattem Kunststoff. Damit liegt das Smartphone [1] hervorragend in der Hand, und abgesehen von einigen Kleinigkeiten gefällt es uns auch richtig gut. Dass USB-Anschluss und SIM-Kartenslot von Gummiabdeckungen geschützt werde, ist zwar im Alltag etwas nervig, aber eben der Dichtheit geschuldet. Dazu passt der fehlende Speicherkartenslot, der wohl auch aufgrund der niedrigen Bauhöhe weichen musste. Ganz kompromissfrei stimmt also nicht, aber weitgehend kommen wir damit klar.

Nicht unbedingt dem dichten Gehäuse, sondern mehr dem Design geschuldet ist die ungeschickte Positionierung der Tasten. Da das Gerät am Rand komplett abgerundet ist und keine geraden Flächen zeigt, ist der Wippschalter zur Regelung der Lautstärke fast schon auf die Rückseite gerutscht. Das ist alles andere als optimal, denn der genaue Ort lässt sich von der Front nicht erkennen und von Rechtshändern auch nur schwer erreichen. Das gleiche gilt freilich für den direkt darüber angebrachten Ein-Aus-Taster, der darüber hinaus auch noch vergleichsweise winzig ausfällt.

Software

Einen großen Minuspunkt muss sich Panasonic leider für die verwendete Android [2]-Version einfangen: 2.3. Die ersten Geräte mit Android 4.0 sind schon seit Monaten auf dem Markt, und auch, wenn der Hersteller ein Update für Sommer bereits angekündigt hat – das hinterlässt einfach einen faden Beigeschmack. Schade.

Immerhin haben die Entwickler an der alten Android-Oberfläche noch Hand angelegt. Zumindest dezent – größtenteils sieht es so aus, wie wir es kennen. Hinzugekommen sind einige nette Effekte, aber die Bedienung ist teilweise etwas holperig: So benötigen wir vier Schritte, um die Icons neu anzuordnen, es hapert bei der SMS-Anwendung, es mangelt an coolemn neuen Widgets und so weiter. Und den Coolness-Faktor, den HTC [3] mit seiner Sense-Oberfläche hinbekommt, vermissen wir vollständig.

Es gibt aber auch positive Beispiele. So lässt sich einstellen, wie viele Icons gleichzeitig angezeigt werden sollen: 20, 16 oder 9. Das kommt vor allem Menschen mit leichter Sehschwäche zu Gute. Die Galerie-Ansicht hat ein paar hübsche 3D-Effekte spendiert bekommen, und die Tastatur ermöglicht flottes Schreiben im Swype-Stil.

Ansonsten sind alle üblichen Apps inklusive Google [4] Maps, Mail und einem ordentlichen Webbrowser vorinstalliert. Wer Bedarf nach weitere Software und nach Spielen hat, wird im Android App Store namens Google Play fündig – bis vor Kurzem hieß der noch Android Market.

Ausstattung

Das Display hat eine Diagonale von 4,3 Zoll und eine Auflösung von 960 mal 540 Pixeln. Das ist guter Durchschnitt und entspricht beispielsweise der Anzeige des HTC One S. Mit einer Auflösung von 256 Pixel pro Zoll (ppi) ist die Darstellung längst nicht auf dem Niveau der aktuellen Top-Klasse, aber durchaus scharf und hübsch anzusehen. Nur bei starkem Zoom wirkt die Schrift leicht unscharf. Die Blickwinkel können sich sehen lassen und die Farben sind kräftig, aber nicht übertrieben. Unterm Strich ist das Display also auf hohem Niveau.

Der Touchscreen führt ein Eigenleben. In den meisten Fällen reagiert er vorbildlich auf Nutzereingaben, manchmal ignoriert er Wisch- und Tippbewegungen aber völlig. Und das nervt. Die drei Soft-Touch-Tasten unterhalb der Anzeige reagieren im Test hingegen immer auf Anhieb.

Unter der Haube befindet sich ein 1 GHz schneller Dual-Core-Prozessor, was in diesem Preisbereich etwas unterdurchschnittlich ist. Ihm stehen 1 GByte Arbeitsspeicher und 8 GByte interner Speicher zur Verfügung. Während die RAM-Ausstattung noch angemessen ist, geht Intensivnutzern der nutzbare Speicher wohl schneller aus – schließlich lässt er sich nicht per Speicherkarte erweitern.

Die Kamera hat eine Auflösung von 8 Megapixeln und verfügt weder über einen Xenon-Blitz noch über eine Foto-LED. Dafür nimmt sie Videos in Full-HD-Auflösung auf.

Zur Kommunikation mit der Außenwelt stehen die üblichen Wege zur Verfügung: WLAN, Bluetooth, UMTS mit HSPA und so weiter. Zur Positionsbestimmung gibt es GPS; außerdem ist der Kurzstreckenfunk NFC mit an Bord. Mehr zu NFC verraten wir in diesem Beitrag [5].

Leistung

In der Praxis ist das Eluga keine Überraschung: Es schafft in etwa das, was das Datenblatt verspricht. Der kleine Dual-Core-Prozessor hat seine Mühen beim Scrollen und Zoomen durch hochauflösende Fotos und aufwändige Webseiten – hier gibt’s dann gut und gerne mal den einen oder anderen Ruckler. In der Praxis stört das wenig, es sei denn, man ist in diesem Punkt sehr empfindlich.

Wer lieber harte Zahlen und Fakten sprechen lassen möchte: Im Benchmark schlägt sich das Eluga ebenfalls mittelmäßig. Im Quadrant erreicht es 1652 Punkte, im GL Benchmark Standard Egypt Test 29 fps. Zum Vergleich, das ähnlich ausgestattete und minimal teurere HTC One S schafft hier mit 60 fps mehr als das Doppelte.

Der Akku hat eine Kapazität von 1150 mAh. Er lässt sich nicht austauschen. Es ist zwar schade, dass diese Unart inzwischen herstellerübergreifend zum Standard wird, aber beim Eluga in Anbetracht des wasserdichten Gehäuses durchaus nachvollziehbar. Während Panasonic 300 Stunden im Standby respektive 8 Stunden im Dauergespräch verspricht, kommen wir in der Praxis problemlos über einen Tag – müssen das Smartphone aber auf jeden Fall jeden Abend zum Laden an die Steckdose hängen.

Die Kamera kann in der Praxis leider nicht überzeugen. Das geht beim fehlenden LED-Blitz los, der jede Aufnahme in dunklen Umgebungen von vornherein vereitelt. Es zieht sich weiter durch die hohe Auslöseverzögerung, die häufig erst dann ein Bild auf die Speicherkarte schreibt, wenn sich das Motiv schon aus dem Bild bewegt hat, und auch das Fehlen einer Frontkamera empfinden wir in dieser Preisklasse schon als Negativpunkt.

In hellen Umgebungen, wenn Handy-Kameras eigentlich ihren großen Auftritt haben, kann sie immer noch nicht überzeugen. Es mangelt an Details, dafür rauscht es und die Farben wirken ausgewaschen. Einen großen Anteil daran hat die nicht sonderlich hochwertige Linse, und die ist es auch, die Video-Aufnahmen in einer ebenso überschaubarer Qualität erscheinen lässt. Für Facebook und Youtube reicht die Eluga-Kamera aus, aber das war’s dann auch schon.

Multimedia scheint generell nicht gerade eine Stärke von Panasonic zu sein. Eigentlich ist das verwunderlich, denn bei Digicams und Fernsehern macht das Unternehmen ja durchaus eine gute Figur. Das Eluga hingegen verfügt gar nicht erst über einen rückwertigen Lautsprecher, und demnach ist die Lautstärke beim Betrachten von Youtube & Co. nicht sonderlich hoch und der Klang nicht gerade kräftig. Leider gilt das auch für die Kopfhörerbuchse, die scheinbar ebenfalls zu wenig Power hat, um für ordentlichen und lauten Sound zu sorgen. Die Sprachqualität hingegen geht in Ordnung.

Fazit

Das Eluga sieht echt toll aus und ist darüber hinaus auch noch wasserdicht. Wenn diese beiden Punkte ausreichen, um die Kaufentscheidung zu treffen, spricht nichts gegen das Panasonic-Smartphone. Wer weiter in die Details blickt, stellt allerdings schnell fest, dass die Konkurrenz nicht schläft – und für vergleichbares Geld durchaus eine bessere Leistung zu bieten hat.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41564058/android-smartphone-panasonic-eluga-im-test-wasserdicht-flach-und-huebsch/

URLs in this post:

[1] Smartphone: http://www.cnet.de/themen/smartphone/

[2] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[3] HTC: http://www.cnet.de/unternehmen/htc/

[4] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[5] Mehr zu NFC verraten wir in diesem Beitrag: https://www.cnet.de/praxis/mobile/41564054/automatisch_twittern_vom_klo_so_arbeiten_nfc_tags_und_android_handys_zusammen.htm