Sony Alpha NEX-F3 im Test: gute Allround-Systemkamera ohne echte Schwächen

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 15:49 Uhr

Pro
  • sehr schöne Fotos bei niedrigen und mittleren Empfindlichkeiten
  • gute Anpassbarkeit an den Anwender
  • recht schnell
  • interessante Portrait-Automatik
Con
  • Display im Sonnenlicht schwer ablesbar
  • SD-Karte bei Stativ-Nutzung nicht auswechselbar
Hersteller: Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 7,8 von 10 Punkte
Fazit:

Zwar hat die Sony NEX-F3 keine absoluten Highlights zu bieten, doch dafür leistet sie sich auch keine echten Schwächen. Unterm Strich handelt es sich bei der kompakten Kamera um einen hervorragenden Allrounder für diejenigen Fotografen, die mit der Bildqualität ihrer Kompaktkamera nicht mehr zufrieden sind, aber dennoch keine Spiegelreflex herumschleppen möchten.

Mit seiner aktuellen NEX-Generation hat Sony vieles richtig gemacht: Mit verbessertem Interface, kleinen, aber nicht zu kleinen Gehäusen, schneller Leistung und guter Bildqualität zu fairen Preisen machen die kleinen Systemkameras ihren sperrigen Spiegelreflex-Kollegen ernsthaft Konkurrenz. Wie sich das neueste Familienmitglied – die Sony Alpha NEX-F3 – in der Praxis schlägt, verrät der Testbericht.

Gegenüber der Vorgängerin NEX-C3 bietet die Sony [1] NEX-F3 ein paar technische Veränderungen. So verfügt die Kamera nun über einen integrierten Blitz, einen überarbeiteten Sensor, ein neues Belichtungsmesssystem und eine Handvoll zusätzlicher Features. Aber beginnen wir beim Design, das jetzt erwachsener und mehr nach Arbeitstier denn nach Mode-Accessoire aussieht.

Design

Die Sony Alpha NEX-F3 ist etwas größer und schwerer als ihre Vorgängerin, die NEX-C3. Wir freuen uns darüber, denn der tiefere Handgriff macht das einhändige Fotografieren einfacher. Das Gehäuse besteht aus Polycarbonat-Kunststoff und fühlt sich ein wenig billiger an als die älteren Modelle. Unterm Strich wirkt die F3 aber dennoch ziemlich gut verarbeitet.

Das Display der NEX-F3 lässt sich um bis zu 180 klappen und ist dann auch von vor der Kamera aus sichtbar. [2]
Das Display der NEX-F3 lässt sich um bis zu 180 klappen und ist dann auch von vor der Kamera aus sichtbar.

Auf der Oberseite des Gehäuses gibt es einen überarbeiteten Ein/Aus-Schalter, einen jetzt integrierten Aufklapp-Blitz und einen proprietären Zubehör-Port zum Anschließen externer Mikrofone und dergleichen. Wie bei Panasonics spiegellosen Systemkameras lässt sich der Blitz der NEX-F3 nach hinten kippen, um das Motiv indirekt über die Decke zu beleuchten. Auf dem abgeschrägten Übergang zwischen Gehäuseober- und -rückseite befinden sich drei weitere Tasten: Mittig über dem Display sitzt ein Button zum Ausklappen des integrierten Blitzes, ganz rechts gibt es zwei Knöpfe zum Wechseln in den Wiedergabemodus und zum Starten der Videoaufnahme. Die dedizierte Video-Taste ist mit einer kleinen Einfassung versehen, die ein unbeabsichtigtes Betätigen verhindert. In der Praxis sorgt dieser Kragen allerdings auch dafür, dass sich der Knopf recht schwer drücken lässt.

Der Blitzkopf lässt sich nach hinten ziehen und erlaubt so ein "Bouncen" des Lichts über die Decke. [3]
Der Blitzkopf lässt sich nach hinten ziehen und erlaubt so ein „Bouncen“ des Lichts über die Decke.

Die Rückseite des Gehäuses weist das typische Design auf, das wir schon von anderen Kameras der NEX-Serie kennen. Rechts oben und unten neben dem 3,0 Zoll gibt es jeweils eine Taste, deren kontextabhängige Funktion links daneben auf dem Bildschirm dargestellt wird – welche Aufnahmefunktionen hier zur Verfügung stehen, lässt sich in den Einstellungen festlegen. Prinzipiell gefällt uns das Interface gut, allerdings hätten wir uns eine oder zwei zusätzliche Tasten gewünscht, um alle wichtigen Parameter unterzubringen. Denn alle nicht auf der Oberfläche vorhandenen Features sind tief in den etwas umständlichen Menüs verborgen.

Es ist nicht immer ganz einfach, die unterschiedlichen Einstellungen in den Menüs zu finden. Auf Anhieb hätten wir die ISO-Empfindlichkeit beispielsweise nicht im Submenü "Brightness/Color" vermutet. Die konfigurierbaren Tasten auf dem Gehäuse zum direkten Aufrufen sind für unseren Geschmack zu rar gesät. [4]
Es ist nicht immer ganz einfach, die unterschiedlichen Einstellungen in den Menüs zu finden. Auf Anhieb hätten wir die ISO-Empfindlichkeit beispielsweise nicht im Submenü „Brightness/Color“ vermutet. Die konfigurierbaren Tasten auf dem Gehäuse zum direkten Aufrufen sind für unseren Geschmack zu rar gesät.

Das 3,0 Zoll große Display ist im Prinzip der gleiche Bildschirm, wie er auch bei der NEX-C3 zum Einsatz kommt. Allerdings lässt sich der Bildschirm nun um 180 Grad nach oben klappen und eignet sich somit auch für Selbstportraits – ganz wie die Anzeige der Samsung MV800 [5]. Klappt der Fotograf das Display in diese Position, wechselt die Kamera automatisch in den Selbstauslöser-Modus. Das wird Selbstportrait-Süchtige freuen – jedenfalls, solange diese nicht regelmäßig ein Stativ benutzen. Denn während der SD-Kartenslot zwar nicht mehr zusammen mit dem Akkufach hinter einer Klappe sitzt, so befindet er sich immer noch auf der Unterseite des Gehäuses direkt neben dem Stativgewinde. Wenn die NEX-F3 auf einem Stativ oder einer Stativplatte montiert ist, dann ist der Kartenslot nicht mehr auf die Schnelle erreichbar.

Ausstattung

Die NEX-F3 bietet das von Sony bekannte, großzügige Set an Aufnahmefunktionen, darunter 2D- und 3D-Panorama-Funktion, HDR-Automatik sowie einen 5,5 fps schnellen Serienbildmodus, der die Belichtung und den Fokus allerdings während des Dauerfeuers nicht anpasst. Aber zu den Serienbild-Features später mehr. Neu bei der NEX-F3 ist eine Portrait-Automatik, die Fotos von Personen so zurechtschneidet, dass sie attraktiver wirken. Erfreulicherweise speichert die Kamera neben dem zurechtgestutzten Bild auch das Original ab. Wie der Effekt in der Praxis aussieht, zeigt die im späteren Verlauf dieses Artikels verlinkte Bildergalerie.

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Von links, von hinten und von rechts: Die Sony NEX-F3 wirkt deutlich erwachsener als ihre Vorgängerinnen NEX-C3 und NEX-3 (zum Vergrößern auf die Bilder klicken)

Die folgende Tabelle hält noch einmal die wichtigsten Ausstattungsmerkmale der Sony NEX-F3 auf einen Blick und im direkten Vergleich mit der Konkurrentin Panasonic Lumix DMC-GF5 [9] bereit.

Hersteller Panasonic Sony
Modell Lumix DMC-GF5 NEX-F3
Preis (günstigstes Kit) 680 Euro 600 Euro
Bildsensor Live MOS (17,3 x 13,0 mm) CMOS (23,5 x 15,6 mm)
Auflösung 12,1 Megapixel 16,1 Megapixel
Empfindlichkeiten ISO 100 – 12.800 ISO 200 – 16.000
Formatfaktor 2,0 1,5
Serienbildgeschwindigkeit 4,0 fps 2,5 fps
Sucher nein optional (optisch)
Autofokus Kontrast-AF mit 23 Messfeldern Kontrast-AF mit 25 Messfeldern
Belichtungsmessung 144 Zonen 1200 Zonen
Verschlusszeiten 60 – 1/4000 Sekunde 30 – 1/4000 s, Bulb
Blitz integriert integriert
Display 3,0 Zoll, fest, 921.000 Pixel 3,0 Zoll, beweglich, 921.000 Pixel
Touchscreen ja nein
Bildstabilisator optisch (via Objektiv) optisch
Videofunktion 1080i, AVCHD 1080i, H2.64
Mikrofoneingang nein ja
Kopfhörerausgang nein nein
Max. Akkulaufzeit (CIPA) 330 Fotos 470 Fotos
Abmessungen 10,8 x 6,7 x 3,7 cm 11,7 x 6,7 x 4,1 cm
Gewicht 225 g 225 g

Leistung

Auch wenn die Sony Alpha NEX-F3 im Großen und Ganzen schneller ist als ihre Vorgängerin NEX-C3, so gibt es doch ein paar Haken. Bis nach dem Betätigen des Einschalters das erste Foto im Kasten ist, vergehen beispielsweise recht lahme 1,6 Sekunden. Das gilt auch nur, wenn man nicht gerade eine neue SD-Karte eingelegt hat, denn dann legt die Kamera erst einmal eine Foto-Datenbank an, was etwas dauert und ziemlich nervt.

Ansonsten ist die F3 aber flott unterwegs. Um unter optimalen Bedingungen auf das Motiv zu fokussieren und das Bild einzufangen, benötigt sie nur 0,3 Sekunden. Im Zwielicht steigt die Auslöseverzögerung auf immer noch sehr gute 0,4 Sekunden an. Bei schlechten Lichtverhältnissen ist der Autofokus allerdings gelegentlich etwas zickig. Wie die anderen NEX-Modelle erweitert die NEX-F3 bei Fokus-Schwierigkeiten den Bereich selbsttätig auf das gesamte Bild. Unterm Strich hat man dann zwar häufig ein scharfes Foto, doch der Fokuspunkt liegt nicht an der gewünschten Stelle. Mit manchen Objektiven – beispielsweise der sehr mäßigen 50-Millimeter-F1.8-Festbrennweite – pumpt die Kamera auch durch die Gegend und findet gar keinen Fokus. Im Videomodus pulsiert der Fokus gelegentlich auch ein wenig, selbst bei unbewegten Motiven.

Die Verschnaufpausen zwischen zwei Fotos sind mit 0,7 Sekunden recht kurz und bewegen sich auf demselben Niveau wie die Konkurrenz. Mit zugeschaltetem Blitz verlängert sich die Auszeit um lediglich 0,1 Sekunde. Der Serienbildmodus ist auf dem Papier mit 5,5 fps zwar sehr schnell. Doch wie bereits erwähnt passt die Kamera hier dann Fokus und Belichtung nach dem ersten Bild nicht mehr an. Verändern sich also während des Serienbild-Knipsens die Aufnahmebedingungen, so misslingt ein Teil der Fotos. Mit kontinuierlichem Autofokus und während des Knipsens stetig angepasster Belichtung sinkt die Serienbildgeschwindigkeit auf 2,8 fps. Das ist nicht besonders schnell, sollte aber reichen, um mit herumtobenden Kiddies und Haustieren mithalten zu können. Fotografen mit Sport-Ambitionen sollten sich aber nach einem schnelleren Modell umsehen.

Bildqualität

Die Aufnahmen der Sony Alpha NEX-F3 sehen grundsätzlich sehr gut aus. Leider unterstützt Adobe Camera RAW derzeit die Rohdaten-Fotos noch nicht, und dementsprechend können wir hier noch keine verlässliche Bewertung abgeben. Wir würden aber einfach mal grob vermuten, dass sich aus den ISO-400-Aufnahmen noch mehr herausholen lässt. Wer die Bilder stark vergrößert auf dem Monitor betrachtet, wird zwischen ISO 200 und 400 nämlich bereits ein merkliches Nachlassen von Details feststellen. Dennoch: Unterm Strich bietet die Kamera eine gute Bildqualität für ihre Preisklasse.

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Von links nach rechts mit ISO 100, ISO 800 und ISO 3200: Ein Klick auf die Fotos ruft das jeweilige Bild in Originalgröße auf.

ISO-200-JPEG-Bilder sehen sauber aus und weisen keine Artefakte auf. Bei schlechten Lichtverhältnissen sind die Aufnahmen bis mindestens ISO 800 sehr brauchbar. Und abhängig vom Inhalt und dem Verwendungszweck liefert auch ISO 3200 noch ordentliche Ergebnisse. Die Bilder gelingen hier zwar recht weich, und in dunklen, detailarmen Bildbereichen tritt ein merkliches Rauschen auf. Doch der Dynamikbereich ist nach wie vor ziemlich gut, und der Weißabgleich sorgt für realistische Farben. Wer auf der Suche nach einer kompakten und einigermaßen günstigen Kamera ist, die bei wenig Licht gute Fotos liefert, ist hier definitiv an der richtigen Adresse.

Farbwiedergabe und Belichtungsautomatik leisten ebenfalls gute Dienste. Obwohl die Kamera kein ausgewiesen neutrales Farbprofil bietet, hält sie sich mit der Standard-Einstellung erfreulich zurück. Die Sättigung der Aufnahmen ist nicht so weit nach oben geschraubt, dass Farbverfälschungen auftreten würden.

Die Videoqualität macht ebenfalls einen guten Eindruck. Bei maximaler Bildqualität treten jedoch Aliasing- und Moiré-Artefakte auf, was teilweise darauf zurückzuführen ist, dass die NEX-F3 Halb- statt Vollbilder aufnimmt (interlaced statt progressiv). Im Dunklen tritt erfreulich wenig Bildrauschen auf. Bei viel Licht geraten die Clips zwar etwas weicher und platter als es uns lieb wäre, besser als die der Einsteiger-Camcorder von Sony ist die Qualität aber allemal.

Fazit

Die Sony Alpha NEX-F3 bietet zwar keine revolutionären Neuerungen, leistet sich aber auf der anderen Seite auch keine dicken Fehler. Damit ist die EVIL-Kamera ein ausgezeichneter Allrounder für Fotografen, die sich eine DSLR-Bildqualität ohne das sperrige Spiegelreflex-Gehäuse außenherum wünschen.

Aufnahmegeschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zum ersten Foto
Zeit zwischen zwei Fotos (RAW)
Zeit zwischen zwei Fotos (JPEG)
Auslöse- verzögerung (Zwielicht)
Auslöse- verzögerung (Tageslicht)
Sony Alpha NEX-F3

1.6
0.7
0.7
0.4
0.3
Panasonic Lumix DMC-GF3 [14]

0.6
0.6
0.6
0.6
0.3
Olympus PEN E-PM1 [15]

1.5
0.8
0.8
0.6
0.3
Sony Alpha NEX-5N [16]

1.2
1.1
1
0.6
0.3
Sony Alpha NEX-C3 [17]

0.7
0.8
0.8
0.8
0.4

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)
Sony Alpha NEX-F3

2.8

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564065/sony_alpha_nex-f3_display.jpg

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564065/sony_alpha_nex-f3_bounce-blitz.jpg

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564065/sony_alpha_nex-f3_hauptmenu.jpg

[5] Samsung MV800: https://www.cnet.de/tests/digicam/41563716/testbericht/samsung_mv800_im_test_kleine_klapp_kamera_fuer_selbstportrait_fans.htm

[6] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564065/sony_alpha_nex-f3_links.jpg

[7] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564065/sony_alpha_nex-f3_hinten.jpg

[8] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564065/sony_alpha_nex-f3_rechts.jpg

[9] Panasonic Lumix DMC-GF5: https://www.cnet.de/galerie/41563551/erste_testfotos_die_bildqualitaet_der_panasonic_lumix_dmc_gf5__vorserie.htm

[10] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564065/sony_nex-f3_testfoto_iso_100.jpg

[11] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564065/sony_nex-f3_testfoto_iso_800.jpg

[12] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564065/sony_nex-f3_testfoto_iso_3200.jpg

[13] Testfotos: die Bildqualität der Sony Alpha NEX-F3: https://www.cnet.de/41564064/testfotos-die-bildqualitaet-der-sony-alpha-nex-f3/?pid=1#sid=41564065

[14] Panasonic Lumix DMC-GF3: https://www.cnet.de/tests/digicam/41554575/testbericht/panasonic_lumix_dmc_gf3_im_test_dslr_bildqualitaet_im_kompaktkamera_gehaeuse.htm

[15] Olympus PEN E-PM1: https://www.cnet.de/tests/digicam/41556909/preview/olympus_e_pm1_angetestet_blitzschneller_systemkamera_winzling_aus_der_pen_mini_serie.htm

[16] Sony Alpha NEX-5N: https://www.cnet.de/tests/digicam/41556074/testbericht/sony_nex_5n_im_test_superkompakte_systemkamera_fuer_videofreaks.htm

[17] Sony Alpha NEX-C3: https://www.cnet.de/tests/digicam/41554909/testbericht/sony_nex_c3_im_test_tolle_evil_kamera_mit_gewoehnungsbeduerftiger_bedienung.htm