HD Super-AMOLED, Retina-Display & Co.: Welche Anzeigetechnik ist die Beste?

Reflexion

Selbst das perfekte Display mit enormer Pixeldichte und toller Farbwiedergabe kann durch starke Reflexionen zunichte gemacht werden. Anstelle einen Artikel zu lesen, eine Serie zu gucken oder durch Fotos zu blättern, ist der Anwender im schlechtesten Fall hauptsächlich damit beschäftigt, durch Kippen des Geräts der Sonne, Deckenlampen oder seinem eigenen Spiegelbild auszuweichen.

Wie bereits eingangs erwähnt, spielt die Qualität der Displaymaterialien eine Rolle, was die Tendenz zu Reflexionen angeht. Aber es gibt auch noch andere Ansätze, wie sich die Zahl der Spiegelungen reduzieren lässt. Bei seinem Lumia 900 beispielsweise setzt Nokia einen sogenannten ClearBlack-Filter zwischen das AMOLED-Display und das Touchscreen-Panel. Dieser Trick funktioniert übrigens auch bei LC-Displays.

Wie dem auch sei, der Filter setzt auf zirkulare Polarisation, die der Schwingungsebene der Lichtteilchen eine Rotation im Uhrzeigersinn verpasst. Anschließend blockt der Filter alles Licht ab, das von den darunterliegenden Schichten mit umgekehrter Drehung gegen den Uhrzeigersinn reflektiert wird. Unterm Strich erhält man so eine Anzeige mit verbesserter Ablesbarkeit, sowohl in geschlossenen Räumen als auch unter direkter Sonneneinstrahlung. Tests von Soneira zufolge spiegelt das ClearBlack-Display des Lumia 900 nur etwa halb so stark wie die Anzeige des neuen iPads.

Auf die Frage hin, ob wir die ClearBlack-Technologie in zukünftigen Nokia-Smartphones sehen werden, erhalten wir von Markku Lamberg, Director of Display and Touch bei Nokia folgende Antwort: „Nokia wird sich weiterhin auf eine gute Ablesbarkeit im Freien und andere für die Nutzererfahrung relevanten Merkmale konzentrieren. Dabei wird ClearBlack eine der Schlüsseltechnologien sein.“ Wir werten das als ein „Ja“.

iPhone 4S gegen Samsung Galaxy Nexus

Wer diese beiden Smartphones direkt nebeneinander hält, kann sämtliche Unterschiede hinsichtlich der diversen Displaytechnologien in nahezu all ihren Facetten beobachten. Da wäre einmal das iPhone mit seiner IPS-LCD-Anzeige, der riesigen Pixeldichte und den nicht so kräftigen, neutraleren Farben.

Auf der anderen Seite steht das Galaxy Nexus mit seinem riesigen 4,65-Zoll-Display, 720 mal 1280 Pixeln Auflösung und einer Pixeldichte von etwa 316 ppi. Die Farben sehen auf dem AMOLED-Display mit PenTile-Matrix lebendig und satt aus; sie springen geradezu aus dem Display heraus. Außerdem wirkt das Schwarz extrem tief. Allerdings kann die Darstellung auch leicht die Grenze ins Unrealistische überschreiten, insbesondere Grüntöne geraten gerne mal übersättigt. Die Darstellung von Text ist zwar sehr gut lesbar, aber einfach nicht so scharf wie auf dem iPhone.

AMOLED-Displays neigen zur übertriebenen Farbwiedergabe - vor allem bei Grün. Zum Vergleich, oben ist das iPhone 4S mit LCD-Display zu sehen.
AMOLED-Displays neigen zur übertriebenen Farbwiedergabe – vor allem bei Grün. Zum Vergleich, oben ist das iPhone 4S mit LCD-Display zu sehen. (Bild: CNET)

Wer macht’s richtig?

Den DisplayMate-Tests und unseren eigenen optischen Eindrücken zufolge sind Apple, Nokia und Samsung die großen Gewinner bei den Displays. Apple stellt die Konkurrenz mit der gestochen scharfen Darstellung seiner Retina-Displays beim iPhone 4 und 4S sowie beim neuen iPad in den Schatten. Samsung und Nokia gewinnen mit ihren wenig spiegelnden Anzeigen und den AMOLED-Displays, wenngleich diese etwas zur Übertreibung neigen.

An dieser Stelle darf man eines aber nicht vergessen: Samsung und Nokia produzieren auch eine ganze Menge von Einsteiger- und Mittelklasse-Geräten. Hier darf man natürlich nicht die Leistung erwarten, wie sie die Highend-Flaggschiffe auf die Straße bringen.

Wer macht’s falsch?

Die LC-Displays von HTC und Motorola haben sich in den Tests von DisplayMate nicht so gut geschlagen, insbesondere in den Disziplinen Reflexion und Blickwinkel. Das macht sich auch in den Praxistests bemerkbar, in denen die Anzeigen etwas hinter denen von Apples iPhones und anderen Highend-AMOLED-Smartphones hinterherhinken, so Ray Soneira.

Als primäre Gründe für die niedrigere Qualität führt Soneira suboptimale Herstellungsprozesse und zu drückende Kosten an. Das bedeutet nicht, dass HTC-Smartphones sichtbar schlechte Displays mitbringen und man sie meiden sollte. Zudem sei noch angemerkt, dass Soneiras öffentliche Tests die neuen HTC-Geräte One X und One S noch nicht berücksichtigen. Und beide Smartphones verfügen über Anzeigen, die – für sich alleine betrachtet – hell, farbenfroh und absolut zufriedenstellend aussehen.

Einer der Display-Mate-Tests vergleicht das Farbspektrum der Hintergrundbeleuchtungen von Smartphone- und Tablet-Displays.
Einer der Display-Mate-Tests vergleicht das Farbspektrum der Hintergrundbeleuchtungen von Smartphone- und Tablet-Displays. (Bild: DisplayMate)

Was als nächstes passieren muss

Wir haben Soneira nach seiner Meinung gefragt, was sich als nächstes in der mobilen Displaytechnologie wird. Als erstes, so der DisplayMate-CEO, werden sich die Hersteller um eine korrekte Farbwiedergabe kümmern müssen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Reflektivität der Bildschirme. Hier lässt sich vergleichsweise einfach an den Reglern drehen und schließlich, so Soneira, „lesen wir nicht nur im Dunkeln auf den Displays“.

Außerdem müssen die Preise für OLEDs fallen, und das werden sie. Samsung und andere Hersteller, die hier kräftig investiert haben, bekommen ihre Entwicklungskosten zurück in die Kassen gespült und werden hier auch in Zukunft weiter forschen. Zwar hat die recht junge Technologie noch etliche Ecken und Kanten, doch in Zukunft werden wir hier sicherlich Bildschirme sehen, die niedrigen Energieverbrauch mit ausgezeichneter Helligkeit und lebendigen Farben kombinieren.

Fazit: Was das alles für den Nutzer bedeutet

Die technischen Daten und die direkten Vergleiche zwischen unterschiedlichen Displays von Redakteuren und Testern sind interessant und wichtig, können aber nicht mehr als eine grobe Richtlinie sein. Am wichtigsten ist es schließlich, wie der Nutzer das Display sieht – denn er selbst muss schließlich jeden Tag damit leben. 

Solange man nicht ein totaler Zahlen- und Technische-Daten-Freak ist, lautet unser ultimativer Ratschlag daher: in den Laden gehen, so lange und intensiv wie möglich auf das Display starren und mit anderen Geräten vergleichen. Wer auch bei unterschiedlichen Motiven und verschiedenen Helligkeiten keine übermäßig platten oder künstlich wirkenden Farben sowie keine störenden Reflexionen entdecken kann und auch kleine Schriften ohne tränende Augen entziffern kann, hat das richtige Gerät gefunden. 

In den allermeisten Fällen sind die Displays von Smartphones innerhalb einer Geräteklasse mehr oder weniger mit einander vergleichbar – egal, auf welche konkrete Technik sie setzen. Und wer ganz vorne mitspielen will, was die Bildqualität angeht, der muss leider auch dementsprechend viel Geld auf den Tisch legen.

Neueste Kommentare 

2 Kommentare zu HD Super-AMOLED, Retina-Display & Co.: Welche Anzeigetechnik ist die Beste?

  • Am 4. Juni 2012 um 22:23 von Exceljupp

    Guter Bericht,
    sachlich und informativ.
    Vielen Dank!

  • Am 10. Juni 2013 um 01:00 von Tyron

    Sehr guter Bericht danke!

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