HD Super-AMOLED, Retina-Display & Co.: Welche Anzeigetechnik ist die Beste?

von Daniel Schraeder, Jessica Dolcourt und Stefan Möllenhoff am , 19:29 Uhr

Displays sind nicht nur das wichtigste Ein- und Ausgabeinstrument moderner Smartphones, sondern auch ein wichtiger Kaufgrund. Unterschiedliche Modelle verschiedener Hersteller buhlen mit Schlagworten wie HD Super-AMOLED, Super-AMOLED-Plus, IPS-LCD oder SLCD um die Gunst der Kunden. Wir zeigen, was dahinter steckt – und was letztlich der beste Kauf ist.

Wann immer Raymond Soneira Smartphone [1]-Displays vergleicht, blickt er nicht einfach nur mit einem geschulten Auge auf zwei nebeneinander liegende Handys, um Unterschiede bei der Farbwiedergabe oder beim Kontrast zu erkennen. Natürlich macht er das auch, aber er setzt auch auf wissenschaftliche Messgeräte, um Helligkeit oder Reflektionen zu messen.

Soneira ist Gründer und Vorsitzender von DisplayMate Technologies, einem Unternehmen, das sich auf die Herstellung und Entwicklung von Testverfahren und -Equipment von Monitoren und Displays spezialisiert hat. Seit 23 Jahren arbeitet der Träger eines Doktortitels in theoretischer Physik an seinen Algorithmen, die Displays in allen Größen analysieren – vom Handy bis zum Fernseher. In den vergangenen Jahren hat Soneira unter anderem Testverfahren für den US-Telefonanbieter AT&T Bell Labs und für CBS, den Mutterkonzern von CNET, entwickelt.

Der Grund für den ganzen Aufwand? Natürlich sagen Panel-Technik, Display-Größe und -Auflösung schon einiges über die Qualität einer Anzeige aus. Aber es gibt noch viele weitere Unterschiede, die gute und schlechte Ergebnisse ausmachen. Beispielsweise kommt es auf die verwendeten Materialien an, auf das Pixel-Layout, die Farbechtheit oder das Kontrast-Verhältnis.

HTC Titan II und Nokia Lumia 900: Bei beiden Geräten kommt ein AMOLED-Bildschirm zum Einsatz, aber das des Nokias ist besser. Warum?
HTC [2] Titan II und Nokia Lumia 900: Bei beiden Geräten kommt ein AMOLED-Bildschirm zum Einsatz, aber das des Nokias ist besser. Warum? (Bild: CNET)

Anatomie eines Handy-Displays

Wie jede andere Anzeige auch besteht ein Smartphone-Display aus mehreren Ebenen unterschiedlicher Materialien – von unten angefangen mit der Trägerplatte. Je nach den Anforderungen des kompletten Monitors kommt hier beispielsweise dünner Kunststoff zum Einsatz, um eine gewisse Flexibilität zu ermöglichen, oder ein härteres Material mit höherer Stabilität.

Auf der Trägerplatte befindet sich das Leuchtelement, über dem sich der TFT-Layer befindet. Die Thin-Film-Transitoren schalten die einzelnen Pixel mit Hilfe von elektrischem Strom je nach Bedarf durchsichtig oder eben nicht.

Darüber finden, je nach Technik, der Touch-Sensor sowie diverse Filme, Filter und Beschichtungen ihren Platz, die beispielsweise starkes Spiegeln reduzieren oder Kontraste verbessern können. Ganz oben schließt bei aktuellen Smartphones dann eine Scheibe aus Kunststoff, Glas oder Mischwerkstoffen wie dem bekannten Gorilla Glass, ab.

Jede einzelne dieser Komponenten hat einen Einfluss auf die Qualität der Darstellung. Moderne Displays mit Verbundschichten beispielsweise kommen ohne eine Luftschicht zwischen Touchscreen und dem eigentlichen Panel aus. Das reduziert die Reflexion von Licht innerhalb der Anzeige und sorgt so signifikant zur Verbesserung der Darstellung – auch, obwohl sich beispielsweise an der Auflösung nichts verändert hat. Auf der anderen Seite sorgen natürlich billigere Materialien von geringerer Qualität für Verschlechterungen bei der Farbwiedergabe und der Blickwinkel.

LCD oder OLED?

Derzeit hält sich das Gerücht im Markt, dass AMOLED-Bildschirme grundsätzlich besser sind als welche mit LCD-Technik. Im Detail spricht tatsächlich einiges für modernen OLEDs, bei denen jeder Pixel einzeln leuchtet, während LCDs über eine flächendeckende Hintergrundbeleuchtung und eine Art Filterschicht verfügen, die das Licht nur dort durchlassen, wo es benötigt wird. Aber in der Praxis ist es natürlich weit komplizierter.

Der erste Haken bei LCDs ist die permanent leuchtende Hintergrundbeleuchtung. Diese Anzeigen benötigen als auch dann Energie, wenn sie eigentlich schwarze Flächen zeigen sollen, aber natürlich auch für weiße und bunte Pixel. Im Allgemeinen hält man LCDs zugute, dass sie realistischere Farben und Grauwerte darstellen, wobei das in der Praxis häufig nicht so ist: Oft werden die Anzeigen bei Smartphones nämlich nicht auf Realismus kalibiert, sondern auf eine möglichst geringe Energieaufnahme. Und das bedeutet letztlich eine schwächere Farbwiedergabe vor allem bei Rot, Blau und Violett. Außerdem halten LCDs im Allgemeinen länger, sagt Soneira – Helligkeit und Farbbalance bleiben über tausende von Betriebsstunden hinweg stabil.

OLEDs hingegen verfügen gar nicht über eine Hintergrundbeleuchtung: Hier leuchtet jedes einzelne Pixel aktiv. Je größer der Schwarzanteil beim darzustellenden Bild, um so weniger Energie benötigt die Anzeige – denn für Schwarz wird hier gar kein Strom aufgewendet, während LCDs unabhängig vom Inhalt immer gleich viel Energie benötigen. Darüber hinaus gelten OLEDs häufig als heller, und daraus resultieren kräftigere Farben. Allerdings neigen die selbstleuchtenden Panels dazu, die Farbe Grün zu extrem darzustellen. Ein großes Problem stellt tatsächlich auch die Alterung dar. Nicht nur, dass OLEDs im Betrieb schneller „abnutzen“ als LCDs – noch dazu lassen die unterschiedlichen Pixel ungleichmäßig nach. Rote und blaue Punkte nutzen sich laut Soneira schneller ab als grüne, und das führt in der Praxis dazu, dass neue Displays häufig eher blaustichig sind, während sie im Laufe der Zeit eine andere Färbung einnehmen. Damit geht die Farbballance zugrunde.

Außerdem sind OLED-Panels zumindest heute noch in der Produktion teurer als vergleichbare LCDs – auch deswegen, weil schlicht noch nicht genügend Fabriken zur Verfügung stehen, die die Anzeigen produzieren. Das hat in der Vergangenheit beispielsweise bei HTC dazu geführt, dass bei ein und dem gleichen Gerät zum Verkaufsstart OLEDs zum Einsatz kamen, die im weiteren Produktlebenszyklus gegen LCDs getauscht wurden.

Das LCD in Apples iPhone 4 und 4S gehört aufgrund der IPS-Paneltechnik und der hohen Pixeldichte zu den besten LCDs im Markt.
Das LCD in Apples iPhone 4 und 4S gehört aufgrund der IPS-Paneltechnik und der hohen Pixeldichte zu den besten LCDs im Markt. (Bild: Apple [3])

Was ist IPS?

Damit es nicht zu einfach wird, ist LCD nicht gleich LCD. IPS (in-plane switching) zum Beispiel ist eine besondere und besonders gute Form von LCD, die für ihre großen Blickwinkel und eine scharfe Darstellung bekannt ist. Entsprechende Anzeigen kommen beispielsweise beim iPhone und iPad von Apple zum Einsatz. Gemeinerweise ist IPS aber nicht nur eine gute Technik, sondern auch noch ein Markenname. Auch andere Hersteller setzen auf diese hochwertigen LCDs, müssen sie aber anders benennen.

Günstigere Panels fallen nicht nur im direkten Vergleich auf. Wenn die Blickwinkel stark eingeschränkt sind, die Farbsättigung schwach ist und die Reflexion stark, kommen beispielsweise TN-Displays zum Einsatz – etwa beim Motorola Xoom oder beim Acer [4] Iconia A500.

Und was ist Super-AMOLED?

Wer beim Smartphone von OLED spricht, meint fast immer Super-AMOLED. Das ist nicht per se und aufgrund des Namens eine tolle Technik, sondern einfach nur der Markenname von Samsung [5] für die organischen Smartphone-Displays – und da Samsung in diesem Segment Marktführer ist, heißen fast alle OLED-Displays in Handys Super-AMOLED.

Davon gibt es nun wieder verschiedene Varianten. Neben Super-AMOLED kommen auch Super-AMOLED Plus und HD Super-AMOLED zum Einsatz. Der Unterschied zwischen diesen drei Techniken kommt relativ tief im Display zum Vorschein: bei den Sub-Pixeln.

Grundsätzlich besteht jedes Pixel bei jedem Display aus den drei Grundfarben Rot, Grün und Blau (RGB), die – je nach Farbmischung – dann wiederum jede beliebige Farbe darstellen können. Um das bereits angesprochene Problem der unterschiedlichen Alterung verschiedener Farben bei OLED-Anzeigen in den Griff zu bekommen, setzt Samsung bei Super-AMOLED nicht auf ein klassisches Pixel-Layout, sondern auf die sogenannte PenTile-Matrix. Dabei gibt es mehr grüne als rote und blaue Pixel – und aus RGB wird RGBG. Nach jedem blauen folgt ein grüner, dann ein roter und dann wieder ein grüner Leuchtpunkt respektive Subpixel.

Bei Super-AMOLED-Displays handelt es sich nicht um RGB-Displays, da ein Pixel nicht über Rot, Blau und Grün als Subpixel verfügt - sondern um ein RGBG-Display mit mehr grünen Bildpunkten.
Bei Super-AMOLED-Displays handelt es sich nicht um RGB-Displays, da ein Pixel nicht über Rot, Blau und Grün als Subpixel verfügt – sondern um ein RGBG-Display mit mehr grünen Bildpunkten. (Bild: Wikipedia)

Damit haben PenTile-Displays unterm Strich weniger Subpixel als LCDs (oder AMOLEDs anderer Hersteller, die beispielsweise im Nokia Lumia 900 zum Einsatz kommen). Ein einzelnes Pixel ist im PenTile-Layout schlicht nicht in der Lage, jede beliebige Farbe darzustellen – dafür sind zwei nebeneinander liegende Bildpunkte nötig. In der Praxis führt das dazu, dass beispielsweise dünne Linien oder Text je nach Farbe körniger wirken als bei LCDs. Das lässt sich sogar mit bloßem Auge erkennen, wenn man einen Vergleich hat.

50 Prozent mehr Subpixel gibt es dagegen bei der im letzten Jahr mit dem Galaxy S2 erstmals eingeführten Super-AMOLED-Plus-Technik, und damit die Möglichkeit, dass jedes Pixel tatsächlich jede Farbe darstellen kann. Das Ergebnis sind sanftere Farbübergänge und eine schärfere Darstellung, und nicht zuletzt auch eine höhere Helligkeit – denn mehr Pixel sorgen auch für mehr Licht. Bei Super-AMOLED-Plus-Panels kommt das klassische RGB-Farbschema zum Einsatz, genau wie bei LCDs.

Das HD Super-AMOLED-Panel hingegen setzt wieder auf die PenTile-Matrix, hat aber eine höhere Auflösung. Es stellt 1280 mal 720 Pixel dar und kommt beispielsweise beim Galaxy S3 zum Einsatz.

Ist das ein Rückschritt?

Also haben die neuen Samsung-Displays wieder weniger Subpixel als die, die im letzten Jahr vorgestellt wurden. Das sorgt natürlich für Kritik. Eine offizielle Antwort von Samsung haben wir zu diesem Thema nicht erhalten. An anderer Stelle [6] spricht Samsung aber davon, dass das HD-Super-AMOLED-Display haltbarer ist.

Dennoch bleibt natürlich der Fakt, dass beim Galaxy S3 weniger Subpixel zum Einsatz kommen als beim Vorgänger, dem Galaxy S2. Daran ändert die erhöhte Auflösung ebensowenig wie der Namenszusatz „HD“. Während man mit dem bloßen Auge wohl kaum einen Unterschied bei der Betrachtung von Fotos und Videos feststellt, lässt sich die kleinere Anzahl an Subpixeln aber durchaus an Grafiken und Text erkennen – beispielsweise daran, dass dünne Linien körnig wirken.

Aber die PenTile-Matrix hat auch ihre Vorteile. Entsprechende Panels lassen sich billiger produzieren als welche mit mehr Subpixeln, und das sorgt für geringere Gerätepreise. Außerdem ist der Energieverbrauch geringer – es gibt schließlich weniger Punkte, die leuchten.

Super-AMOLED-Plus-Displays hingegen verfügen über den klassischen RGB-Aufbau. In der Praxis führt das zu einem besseren Bild, wie Samsung hier selbst mitteilt. Nur: Die neuen HD-Super-AMOLEDs nutzen wieder die PenTile-Matrix - und damit RGBG.
Super-AMOLED-Plus-Displays hingegen verfügen über den klassischen RGB-Aufbau. In der Praxis führt das zu einem besseren Bild, wie Samsung hier selbst mitteilt. Nur: Die neuen HD-Super-AMOLEDs nutzen wieder die PenTile-Matrix – und damit RGBG. (Bild: Samsung)

Pixeldichte

Die Pixeldichte ist ein etwas schwieriger Wert. So kommt es unter anderem stark darauf an, wie die Pixel in Subpixel angeordnet sind. Grundsätzlich kann man sagen, dass mehr Pixel pro Fläche eine bessere Bildqualität bedeuten. So hat das iPhone 4S nach heutigen Standards gemessen ein geradezu winziges 3,5-Zoll-Display, erreicht mit seinen 640 mal 960 Bildpunkten aber eine enorme Pixeldichte von 326 Pixel pro Zoll. Zum Vergleich: Das HTC One X mit seinem 4,7-Zoll-Display und 720 mal 1280 Bildpunkten kommt auf „nur“ 312 Pixel pro Zoll. Das Galaxy Note mit 5,3 Zoll und 800 mal 1280 Pixeln erreicht 285 ppi (pixel per inch). Trotz höherer Auflösung ist die Darstellung hier also nicht so scharf wie beim iPhone mit niedrigerer Pixelzahl, da die Displayfläche größer ist.

Pixeldichte im Vergleich

  Apple iPhone 4/4S HTC One X Samsung Galaxy Note
Screen size 3,5 Zoll 4,7 Zoll 5,3 Zoll
Auflösung 960 x 640 Pixel 1280 x 720 Pixel 1280 x 800 Pixel
Pixeldichte 326 ppi 312 ppi 285 ppi

Während die Pixeldichte sicherlich ein wichtiger Faktor ist dafür, wie fein das Bild schließlich aussieht, gibt es noch weitere Facetten, die mitspielen. Auch sehen die Anforderungen an Smartphones und Tablets anders aus, was die Pixeldichte angeht. Wie Ray Soneira von DisplayMate erklärt, reichen bei einem Tablet, das der Anwender weiter von seinem Auge entfernt hält, weniger Pixel aus, um für ein zufriedenstellendes Bild zu sorgen. Die kleineren Smartphone-Displays betrachten Nutzer dagegen häufig aus kürzerer Distanz.

Helligkeit und Farbe

Es wurde schon oft genug beschrieben, wie gut die Displays von iPhone 4 und 4S darin sind, Farben natürlich wiederzugeben. Und auch dass AMOLED-Displays extrem lebendige und helle, aber gleichzeitig eben auch übertriebene Farben darstellen, sollte kein Geheimnis mehr sein. 

Dementsprechend gibt es ein paar Tricks seitens der Hersteller, derer man sich im klaren sein sollte, wenn man sich Demogeräte im Geschäft ansieht. Bei allen Displays – ganz gleich, ob es sich um einen HD-Fernseher oder ein Smartphone handelt – fühlen sich potenzielle Käufer immer primär zu den hellsten und am knalligsten wirkenden hingezogen. Allerdings ermüden die Augen bei der Betrachtung übersättigter Farben schneller. Und wenn man sich bekannte Motive ansieht, beispielsweise Fotos vom eigenen Hund oder Haus, dann fallen die überdrehten Aufnahmen schnell auf und wirken billig. Einige wenige OLED-Geräte bringen hier Einstellungsmöglichkeiten mit, um das Display ein wenig in Richtung Realität zu trimmen. Aber das ist eher die Ausnahme als die Regel.

Das gleiche Prinzip gilt für die Helligkeit von Displays. Wer ein Demogerät in die Finger bekommt, sollte die Leuchtkraft der Anzeige daher auf die mittlere Einstellung regeln und sich dort einen Eindruck verschaffen – und nicht auf der Maximaleinstellung, auf die Demogeräte häufig gesetzt sind.

An dieser Stelle ist noch der Hersteller LG [7] zu erwähnen, der sich ein paar interessante Marketing-Tricks rund um die Displayhelligkeit ausgedacht hat. So bewirbt der Konzern seine Nova-Displays damit, dass sie 700 Nits [8] erreichen. Das ist extrem hell, doch im Gegenzug opfert der Anwender damit Kontrast und Farbqualität. Außerdem geht mit der Maximaleinstellung eine deutliche Beeinträchtigung der Akkulaufzeit einher. Unterm Strich empfiehlt es sich dann also doch wieder, die Helligkeit zu reduzieren, womit die 700 Nits als Kaufargument deutlich entkräftet wären.

Reflexion

Selbst das perfekte Display mit enormer Pixeldichte und toller Farbwiedergabe kann durch starke Reflexionen zunichte gemacht werden. Anstelle einen Artikel zu lesen, eine Serie zu gucken oder durch Fotos zu blättern, ist der Anwender im schlechtesten Fall hauptsächlich damit beschäftigt, durch Kippen des Geräts der Sonne, Deckenlampen oder seinem eigenen Spiegelbild auszuweichen.

Wie bereits eingangs erwähnt, spielt die Qualität der Displaymaterialien eine Rolle, was die Tendenz zu Reflexionen angeht. Aber es gibt auch noch andere Ansätze, wie sich die Zahl der Spiegelungen reduzieren lässt. Bei seinem Lumia 900 beispielsweise setzt Nokia einen sogenannten ClearBlack-Filter zwischen das AMOLED-Display und das Touchscreen-Panel. Dieser Trick funktioniert übrigens auch bei LC-Displays.

Wie dem auch sei, der Filter setzt auf zirkulare Polarisation, die der Schwingungsebene der Lichtteilchen eine Rotation im Uhrzeigersinn verpasst. Anschließend blockt der Filter alles Licht ab, das von den darunterliegenden Schichten mit umgekehrter Drehung gegen den Uhrzeigersinn reflektiert wird. Unterm Strich erhält man so eine Anzeige mit verbesserter Ablesbarkeit, sowohl in geschlossenen Räumen als auch unter direkter Sonneneinstrahlung. Tests von Soneira zufolge spiegelt das ClearBlack-Display des Lumia 900 nur etwa halb so stark wie die Anzeige des neuen iPads.

Auf die Frage hin, ob wir die ClearBlack-Technologie in zukünftigen Nokia-Smartphones sehen werden, erhalten wir von Markku Lamberg, Director of Display and Touch bei Nokia folgende Antwort: „Nokia wird sich weiterhin auf eine gute Ablesbarkeit im Freien und andere für die Nutzererfahrung relevanten Merkmale konzentrieren. Dabei wird ClearBlack eine der Schlüsseltechnologien sein.“ Wir werten das als ein „Ja“.

iPhone 4S gegen Samsung Galaxy Nexus

Wer diese beiden Smartphones direkt nebeneinander hält, kann sämtliche Unterschiede hinsichtlich der diversen Displaytechnologien in nahezu all ihren Facetten beobachten. Da wäre einmal das iPhone mit seiner IPS-LCD-Anzeige, der riesigen Pixeldichte und den nicht so kräftigen, neutraleren Farben.

Auf der anderen Seite steht das Galaxy Nexus mit seinem riesigen 4,65-Zoll-Display, 720 mal 1280 Pixeln Auflösung und einer Pixeldichte von etwa 316 ppi. Die Farben sehen auf dem AMOLED-Display mit PenTile-Matrix lebendig und satt aus; sie springen geradezu aus dem Display heraus. Außerdem wirkt das Schwarz extrem tief. Allerdings kann die Darstellung auch leicht die Grenze ins Unrealistische überschreiten, insbesondere Grüntöne geraten gerne mal übersättigt. Die Darstellung von Text ist zwar sehr gut lesbar, aber einfach nicht so scharf wie auf dem iPhone.

AMOLED-Displays neigen zur übertriebenen Farbwiedergabe - vor allem bei Grün. Zum Vergleich, oben ist das iPhone 4S mit LCD-Display zu sehen.
AMOLED-Displays neigen zur übertriebenen Farbwiedergabe – vor allem bei Grün. Zum Vergleich, oben ist das iPhone 4S mit LCD-Display zu sehen. (Bild: CNET)

Wer macht’s richtig?

Den DisplayMate-Tests und unseren eigenen optischen Eindrücken zufolge sind Apple, Nokia und Samsung die großen Gewinner bei den Displays. Apple stellt die Konkurrenz mit der gestochen scharfen Darstellung seiner Retina-Displays beim iPhone 4 und 4S sowie beim neuen iPad in den Schatten. Samsung und Nokia gewinnen mit ihren wenig spiegelnden Anzeigen und den AMOLED-Displays, wenngleich diese etwas zur Übertreibung neigen.

An dieser Stelle darf man eines aber nicht vergessen: Samsung und Nokia produzieren auch eine ganze Menge von Einsteiger- und Mittelklasse-Geräten. Hier darf man natürlich nicht die Leistung erwarten, wie sie die Highend-Flaggschiffe auf die Straße bringen.

Wer macht’s falsch?

Die LC-Displays von HTC und Motorola haben sich in den Tests von DisplayMate nicht so gut geschlagen, insbesondere in den Disziplinen Reflexion und Blickwinkel. Das macht sich auch in den Praxistests bemerkbar, in denen die Anzeigen etwas hinter denen von Apples iPhones und anderen Highend-AMOLED-Smartphones hinterherhinken, so Ray Soneira.

Als primäre Gründe für die niedrigere Qualität führt Soneira suboptimale Herstellungsprozesse und zu drückende Kosten an. Das bedeutet nicht, dass HTC-Smartphones sichtbar schlechte Displays mitbringen und man sie meiden sollte. Zudem sei noch angemerkt, dass Soneiras öffentliche Tests die neuen HTC-Geräte One X und One S noch nicht berücksichtigen. Und beide Smartphones verfügen über Anzeigen, die – für sich alleine betrachtet – hell, farbenfroh und absolut zufriedenstellend aussehen.

Einer der Display-Mate-Tests vergleicht das Farbspektrum der Hintergrundbeleuchtungen von Smartphone- und Tablet-Displays.
Einer der Display-Mate-Tests vergleicht das Farbspektrum der Hintergrundbeleuchtungen von Smartphone- und Tablet-Displays. (Bild: DisplayMate)

Was als nächstes passieren muss

Wir haben Soneira nach seiner Meinung gefragt, was sich als nächstes in der mobilen Displaytechnologie wird. Als erstes, so der DisplayMate-CEO, werden sich die Hersteller um eine korrekte Farbwiedergabe kümmern müssen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Reflektivität der Bildschirme. Hier lässt sich vergleichsweise einfach an den Reglern drehen und schließlich, so Soneira, „lesen wir nicht nur im Dunkeln auf den Displays“.

Außerdem müssen die Preise für OLEDs fallen, und das werden sie. Samsung und andere Hersteller, die hier kräftig investiert haben, bekommen ihre Entwicklungskosten zurück in die Kassen gespült und werden hier auch in Zukunft weiter forschen. Zwar hat die recht junge Technologie noch etliche Ecken und Kanten, doch in Zukunft werden wir hier sicherlich Bildschirme sehen, die niedrigen Energieverbrauch mit ausgezeichneter Helligkeit und lebendigen Farben kombinieren.

Fazit: Was das alles für den Nutzer bedeutet

Die technischen Daten und die direkten Vergleiche zwischen unterschiedlichen Displays von Redakteuren und Testern sind interessant und wichtig, können aber nicht mehr als eine grobe Richtlinie sein. Am wichtigsten ist es schließlich, wie der Nutzer das Display sieht – denn er selbst muss schließlich jeden Tag damit leben. 

Solange man nicht ein totaler Zahlen- und Technische-Daten-Freak ist, lautet unser ultimativer Ratschlag daher: in den Laden gehen, so lange und intensiv wie möglich auf das Display starren und mit anderen Geräten vergleichen. Wer auch bei unterschiedlichen Motiven und verschiedenen Helligkeiten keine übermäßig platten oder künstlich wirkenden Farben sowie keine störenden Reflexionen entdecken kann und auch kleine Schriften ohne tränende Augen entziffern kann, hat das richtige Gerät gefunden. 

In den allermeisten Fällen sind die Displays von Smartphones innerhalb einer Geräteklasse mehr oder weniger mit einander vergleichbar – egal, auf welche konkrete Technik sie setzen. Und wer ganz vorne mitspielen will, was die Bildqualität angeht, der muss leider auch dementsprechend viel Geld auf den Tisch legen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[4] Acer: http://www.cnet.de/unternehmen/acer/

[5] Samsung: http://www.cnet.de/unternehmen/samsung/

[6] An anderer Stelle: http://www.androidauthority.com/samsung-galaxy-s3-pentile-display-reliable-84716/

[7] LG: http://www.cnet.de/unternehmen/lg/

[8] Nits: http://de.wikipedia.org/wiki/Nit_(Leuchtdichteeinheit)