Sony Cyber-shot DSC-RX100 im Hands-on: großsensorige Kompaktkamera für Anspruchsvolle

von Lori Grunin und Stefan Möllenhoff am , 15:26 Uhr

Sony baut ausgezeichnete Bildsensoren für Kompaktkameras bis DSLRs und deckt mit den lichtempfindlichen Chips so ziemlich jede Digicam-Klasse ab. Mit einer Ausnahme: Eine anspruchsvolle Kompaktkamera mit festem Objektiv gab es bislang von den Japanern noch nicht. Das ändert sich jetzt mit der Sony Cyber-shot DSC-RX100, die über einen 1-Zoll-Sensor verfügt – der lichtempfindliche Chip ist etwa so groß wie der in Nikons Systemkameras der 1-Serie. Wir hatten die Gelegenheit, die Kamera in die Finger zu bekommen.

Die Sony [1] Cyber-shot DSC-RX100 wirkt wie eine durchdachte Kamera, auf die wir uns definitiv freuen – sowohl beim ersten Anfassen als auch beim ersten Blick aufs Datenblatt: 1-Zoll-Sensor, 20 Megapixel, F1,8-Linse, 1,22-Megapixel-LCD, 10-fps-Serienbildmodus! Allerdings gibt es auch ein paar Punkte, die den Enthusiasmus zumindest vorerst etwas bremsen sollten. Einer davon ist der Bildsensor.

Dieses Bild zeigt die Sensorgrößen diverser aktueller Kameras im maßstabsgetreuen Vergleich. [2]
Dieses Bild zeigt die Sensorgrößen diverser aktueller Kameras im maßstabsgetreuen Vergleich.

Der Bildsensor der Sony Cyber-shot DSC-RX100 ist vergleichsweise groß. Allerdings packt der Hersteller auch mehr Pixel auf den Chip als sämtliche Konkurrenten in dieser Klasse. Während der Lichtfänger beispielsweise 55 Prozent größer ist als der der Canon PowerShot G1 X, müssen sich den Platz auch 56 Prozent mehr Bildpunkte teilen. Die Sensorgröße der RX100 entspricht der von Nikons spiegellosen Systemkameras der 1-Serie, die von vielen potenziellen Käufern als zu klein erachtet wird – der halben Auflösung zum Trotz. Man muss Sony jedoch zu Gute halten, dass der Hersteller sich bei sehr hochauflösenden Sensoren in letzter Zeit gut geschlagen hat – siehe Nikon D800. Wir sehen dem ganzen mit einer gesunden Mischung aus Skepsis und Optimismus entgegen.

Was das Objektiv betrifft, so kommt hier eine von Sonys höherwertigen Optiken zum Einsatz. Unserer Erfahrung nach sind die Zeiss-T*-beschichteten Objektive deutlich besser als die Standard-Linsen. Während die Anfangsblende im Weitwinkel mit F1,8 sehr lichtstark ist, fällt sie bis zum Ende des Brennweitenbereichs auf F4,9 ab. Und mit 28 bis 100 Millimetern fällt dieser ohnehin nicht besonders groß aus. Die kleinste Blendenöffnung beträgt übrigens F11, was nicht besonders viel, in dieser Klasse aber üblich ist. Dem Hersteller zufolge nimmt die Lichtstärke immerhin nicht bereits ab der ersten Zoomstufe ab, was beispielsweise bei der Canon PowerShot G1 X negativ auffällt. Auf der anderen Seite fragen wir uns aber auch bei der RX100: Was ist wichtiger – Sensorgröße oder Objektivqualität? Und wo liegt der beste Kompromiss?

Als nächstes folgt das Display – ein relativ großer und hochauflösender LCD-Bildschirm. Allerdings sind die 1,23 Megapixel, die Sony als Auflösung angibt, etwas irreführend. Im Wesentlichen handelt es sich bei der Anzeige um ein VGA-Display mit 640 mal 480 Pixeln, was 307.200 Pixeln entspricht. Nachdem sich bei Sony die Bildpunkte nicht aus drei, sondern dank eines zusätzlichen weißen Pixels aus vier Subpixeln zusammensetzen, kommt der Hersteller auf 307.200 mal vier, also 1.228.800 Pixel. Immerhin: Dank des weißen Extrapixels soll das Display in direktem Sonnenlicht besser ablesbar sein, was definitiv ein Plus wäre.

Die Sony Cyber-shot DSC-RX100 bietet eine maximale Serienbildgeschwindigkeit von zehn Fotos pro Sekunde. Was auf dem Papier toll und nach Profi-DSLR klingt, ist in der Praxis nur eingeschränkt nützlich. Zwar fotografiert die Kamera mit maximaler Auflösung, doch die Belichtung und der Fokus werden nach der ersten Aufnahme nicht mehr angepasst. Ändern sich dann während des Serienbilddauerfeuers die Aufnahmebedingungen, so misslingt ein Teil der Fotos. Ein klassisches Beispiel wäre ein auf den Fotografen zulaufender Sprinter. Der vollwertige Serienbildmodus mit kontinuierlichem Autofokus und Belichtungsanpassung bewegt bei den für diese Kameraklasse typisch-gemächlichen 2,5 fps.

Unterm Strich überzeugt uns die Sony Cyber-shot DSC-RX100 mit ihrem Design. Das Gehäuse ist komplett aus Aluminium gefertigt und nur unwesentlich größer als das der wirklich sehr kleinen Canon PowerShot S100 [4]. Wie ihre Konkurrentin verfügt die RX100 über einen Einstellring rund um das Objektiv, mit dem der Fotograf für den gerade gewählten Aufnahmemodus relevante Einstellungen anpasst. Das Interface der Kamera erinnert uns eher an die Alpha-SLT-Kameras des japanischen Herstellers als an die kompakten Cyber-shot-Modelle. Nachdem Sony mit der Knipse in erster Linie anspruchsvolle Fotografen ansprechen möchte, die nach einer kompakten Ergänzung zu ihrer ausgewachsenen Spiegelreflexkamera suchen, ergibt das durchaus Sinn.

Einen Zubehörschuh zum Anschließen eines Systemblitzes bietet die Sony Cyber-shot RX100 übrigens nicht. Dafür bietet sie allerdings einen Pop-Up-Blitz, der sich – wie bei der Schwester NEX-7 – nach hinten kippen lässt. So kann der Fotograf das Licht über die Decke oder eine Wand auf das Motiv „bouncen“ [5]. Das sorgt für eine deutlich weichere und schmeichelhaftere, weil indirekte Beleuchtung als es ein direkter Blitz vermag.

Die folgende Tabelle zeigt noch einmal die wichtigsten technischen Daten der Sony Cyber-shot DSC-RX100 im direkten Vergleich mit der Konkurrenz.

Hersteller Canon Fujifilm Olympus Panasonic Sony
Modell PowerShot S100 FinePix X10 XZ-1 Lumix DMC-LX5 Cyber-shot DSC-RX100
Preis (UVP) 449 Euro 529 Euro 479 Euro 529 Euro 649 Euro
Bildsensor 1/1,7-Zoll-CMOS 2/3-Zoll-EXR-CMOS 1/1,63-Zoll-CCD 1/1,63-Zoll-CCD 1-Zoll-CMOS
Auflösung 12 Megapixel 12 Megapixel 10 Megapixel 10 Megapixel 20 Megapixel
Optischer Zoom 5,0-fach 4,0-fach 4,0-fach 3,8-fach 3,6-fach
Brennweitenbereich 24 – 120 mm 28 – 112 mm 28 – 112 mm 24 – 90 mm 28 – 100 mm
Lichtstärke F2,0 – F5,9 F2,0 – F2,8 F1,8 – F2,5 F2,0 – F3,3 F1,8 – F4,9
Naheinstellgrenze 3 cm 1 cm 1 cm 1 cm 5 cm
Bildstabilisator optisch optisch mechanisch optisch optisch
Empfindlichkeiten ISO 80 – 6400 ISO 100 – 12.800 ISO 100 – 6400 ISO 80 – 3200 ISO 125 – 25.600
Videoaufnahme 1920 x 1080 Pixel @ 24 fps 1920 x 1080 Pixel @ 30 fps 1280 x 720 Pixel @ 30 fps 1280 x 720 Pixel @ 30 fps 1920 x 1080 Pixel @ 50 fps
Display 3,0 Zoll, LCD, fest 2,8 Zoll, LCD, fest 3,0 Zoll, OLED, fest 3,0 Zoll, LCD, fest 3,0 Zoll, LCD, fest
Sucher nein ja nein nein nein
Zubehörschuh nein ja ja ja nein
Mikrofoneingang nein nein nein nein nein
Abmessungen 9,9 x 6,0 x 2,7 cm 11,7 x 7,0 x 6,2 cm 11,1 x 6,5 x 4,2 cm 11,0 x 6,6 x 4,3 cm 10,2 x 5,8 x 3,6 cm
Gewicht 198 g 350 g 310 g 231 g 240 g

Am Ende des Tages lautet die größte Frage zur Cyber-shot DSC-RX100 nicht: Ist sie eine gute Kamera? Stattdessen ist es vielmehr fraglich, ob die Leistung tatsächlich die 649 Euro wert ist, die Sony als unverbindliche Preisempfehlung aufruft. Für dieses Geld kaufen sich viele Fotografen schließlich bereits eine vollwertige DSLR-Ausrüstung – und nicht eine Zweitkamera. Außerdem fehlen der RX100 ein Sucher, ein Zubehörschuh und ein dreh- und schwenkbares Display. Das sind alles Punkte, die unter anderem für den Erfolg von Canons PowerShot-G-Serie sorgen.

Unterm Strich wird die Sony Cyber-shot DSC-RX100 eine gigantische Bildqualität – insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen – liefern müssen, um den Preisunterschied von 150 bis 200 Euro zur Canon PowerShot S100 (UVP: 449 Euro), Olympus XZ-1 (UVP: 479 Euro) & Co. zu rechtfertigen. Wir sind schwer gespannt. Die Sony Cyber-shot DSC-RX100 soll ab Juli im Handel erhältlich sein.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564379/sensorgroessen_vergleich.jpg

[3] Sony Cyber-shot DSC-RX100 im Hands-on: 20-Megapixel-Digicam für Anspruchsvolle: https://www.cnet.de/41564300/sony-cyber-shot-dsc-rx100-im-hands-on-20-megapixel-digicam-fuer-anspruchsvolle/?pid=1#sid=41564379

[4] Canon PowerShot S100: https://www.cnet.de/tests/digicam/41557236/testbericht/canon_powershot_s100_im_test_superkompaktes_fotowunder_mit_neuem_cmos_sensor.htm

[5] „bouncen“: http://de.wikipedia.org/wiki/Indirekter_Blitz#Indirekter_Blitz