JVC DLA-X70RBE D-ILA: imposanter 4K-Heimkinoprojektor im Test

von Gerald Strömer und Stephen Dawson am , 18:40 Uhr

Pro
  • gehört in Sachen 2D-Bildqualität zu den Besten
  • einfache Installation, alles ist motorisiert
  • Auflösungsverbesserung für glattere Kanten
  • unter allen Umständen außergewöhnlich tiefe Schwarzlevel
Con
  • ziemlich teuer
  • etwas 3D-Crosstalk vorhanden
  • 3D-Nutzung bedingt zusätzliche Peripherieausgaben
Hersteller: JVC Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: GUT 7,4 von 10 Punkte
Fazit:

Der Heimkinoprojektor JVC DLA-X70RBE liefert eine überragende 2D-Bildqualität mit absolut überzeugenden tiefen Schwarztönen ab, gehört im 3D-Bereich aber nicht zu den besten Beamern am Markt.

Mit dem DLA-X70RBE D-ILA hat JVC einen 3D-fähigen Heimkinoprojektor am Markt, der werbewirksam von sich behaupten weiß, mit 4K-Auflösungen zu arbeiten. Groß und schwer (und teuer) genug ist das Gerät auf jeden Fall, so dass gar nicht erst der Verdacht aufkommt, es hier mit einer billigen Luftnummer zu tun zu haben. Aber arbeitet der Projektor wirklich mit 4K-Technik? Und wie sieht das Resultat in 2D und 3D aus? Wir haben den Beamer ausführlich getestet.

Der DLA-X70RBE [1] von JVC wurde vom Hersteller mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 6999 Euro auf dem Markt eingeführt – und für viel weniger bekommt man ihn auch bei der Suche über deutsche Preisvergleichsdienste nicht: Man legt mindestens 6990 Euro auf den Ladentisch, wenn man Geizhals und Idealo glaubt.

Design und Ausstattung

Der JVC DLA-X70 ist ein großes, schweres Gerät, das 45,5 mal 17,9 mal 47,2 Zentimeter misst und 15,4 Kilogramm wiegt. Seine klaren Linien und das schwarzen Oberflächen-Finish sorgen aber dafür, dass er weniger aufdringlich wirkt, als die Daten vermuten lassen.

Dieser Projektor ist auch für uns etwas Neues, denn er ist ein 4K-Beamer. Das bedeutet, dass er nicht wie die meisten anderen Vertreter seiner Art mit Full-HD (1920 mal 1080 Pixel) arbeitet, sondern eine maximale Ausgabeauflösung von 3840 mal 2160 Bildpunkten erreicht – also das Doppelte in beiden Dimension oder eine Vervierfachung insgesamt. Also muss man auch hinzufügen, das auch dieses teure Gerät noch kein nativer 4K-Beamer ist; die 4K-Auflösung erreicht er nur durch eine Art Interpolation (vom Mangel passenden Quellmaterials mal ganz abgesehen).

Der JVC DLA-X70 ist ein gewaltiger schwarzer Klotz mit fast einem halben Meter Kantenlänge, knapp 20 cm Höhe und einem Gewicht von über 15 kg. [2]
Der JVC DLA-X70 ist ein gewaltiger schwarzer Klotz mit fast einem halben Meter Kantenlänge, knapp 20 cm Höhe und einem Gewicht von über 15 kg.

Seine drei D-ILA-Panels (JVCs Version eines LCoS-Panels) arbeiten folgerichtig mit der ganz normalen Full-HD-Pixelzahl. Die effektive höhere Auflösung wird erreicht, indem die Panels doppelt genutzt werden und das Bild elektronisch um etwa ein halbes Pixel diagonal versetzen (0,71 Pixel, wenn unsere Rechnung stimmt) – und das 120 mal pro Sekunde (bei 60 Hz). JVC nennt das Ganze E-Shift-Technologie. Mit nativen 4K-Inhalten kommt der DLA-X70 jedenfalls nicht klar; er nutzt diesen technischen Trick lediglich, um Full-HD-Inhalten aufzupolieren und zu glatteren diagonalen Kanten und gewölbten Ecken zu verhelfen.

Die Installation und Einstellung des Geräts gestaltet sich sehr einfach und komfortabel. Letzteres nicht zuletzt aus dem Grund, weil alle wichtigen Funktionen – Zoom, Fokus sowie horizontaler und vertikaler Lens Shift – motorisiert sind. Selbst die Linsenabdeckung öffnet sich automatisch, wenn der Beamer angeschaltet wird, und schließt sich ebenfalls automatisch beim Abschalten.

Der Kaufpreis des Projektors schließt allerdings nicht das für den 3D-Betrieb nötige Zubehör ein. Dafür braucht man einen 3D-Sync-Sender (JVC PK-EM1, Marktpreis ab 69 Euro), der an den Projektor angeschlossen wird, sowie eine oder mehrere 3D-Brillen. Bei den Brillen hat man zwei Versionen zur Auswahl: Man kann zu einem Modell mit Wegwerf-Knopfzellen (JVC PK-AG1-B, Marktpreis ab 139 Euro) greifen oder mit der Modellvariante JVC PK-AG2-B (Marktpreis ab 119 Euro) eine Brille mit integriertem Akku wählen, der über das mitgelieferte USB-Kabel aufgeladen wird.

2D-Performance

In diesem Lampenmodus startet der Projektor auch. In der Praxis bedeutet das, dass die Lampe nur mit 160 Watt arbeitet. Im Modus „High“ wird sie mit vollen 220 Watt beschickt, was das Betriebsgeräusch des Lüfters erhöht und die Lebensdauer der Lampe verringert. Grundsätzlich ist der „Normal“-Modus völlig ausreichend und sorgte in unserem abgedunkelten Testraum für mehr als genug Helligkeit. Wenn man den Beamer im 3D-Modus betreibt, geht er übrigens automatisch in den „High“-Modus. Laut Herstellerangaben soll die Ultra-Hochdruck-Quecksilberlampe eine Lebensdauer von rund 3000 Stunden haben – wenn der Projektor im „Normal“-Lampenmodus betrieben wird.

Im „Normal“-Modus ist der DLA-X70 zudem extrem leise; JVC gibt das Betriebsgeräusch mit nur 20 Dezibel an. Subjektiv betrachtet wird das Arbeitsgeräusch des Lüfters durch die massive Bauweise des Projektors noch zusätzlich gedämpft.

Die Farben sind wunderschön, die Schwarzstufen außergewöhnlich tief. Dieser Projektor hat einen nativen (!) Kontrastumfang von 80.000:1, eine dynamische Iris glänzt durch Abwesenheit. Im Ergebnis ist bei einem komplett schwarzen Bildschirm fast kein Lichtschimmer zu sehen. Noch besser: Bei unserem Testmuster, bei dem ein kleiner Teil des Bildschirms reinweiß ist, während der Rest komplett schwarz bleibt, behalten die am weitesten entfernten Endpunkte ihr tiefes Schwarz bei – ein Modell mit dynamischer Iris schafft das normalerweise nicht.

Die Progressive-Scan-Umwandlung eingehender Signale ist ziemlich gut, aber nicht hundertprozentig perfekt und produziert manchmal Artefakte (z.B. sich bewegende Moire-Muster). Diese Umwandlung ist standardmäßig aktiv, kann aber auch abgeschaltet werden. Wir hätten allerdings erwartet, dass bei einem so teuren Projektor eine Option zur Erzwingung des Film-Modus für perfektes Playback vorhanden wäre. Grundsätzlich funktioniert das Ganze gut genug mit einem HDTV-Receiver. Man sollte aber am besten einen Blu-ray-Player mit eigener, qualitativ hochwertiger Progressive-Scan-Umwandlung nutzen, um die beste Performance aus Discs herauszukitzeln.

Die 4K-Auflösungsverbesserung produziert glattere Schrägen, der Treppchen-Effekt (Aliasing) wird so minimiert. Allerdings müssen wir sagen, dass dies nur dann sichtbar ist, wenn man sehr nahe an die Leinwand herantritt. Selbst von unserer raumbedingt zu nahen Sesselposition aus sieht man die Stufenmuster bei ordentlichem 1080p-Quellmaterial normalerweise nicht. Ob diese Funktion daher in praktischen Belangen zur allgemeinen Bildqualität beiträgt, ist somit schwer zu sagen.

JVC behauptet von dem Beamer zwar, das er mit 4K-Auflösung (3840 x 2160 Pixel) arbeitet, aber mit nativem 4K-Material kommt er dennoch nicht klar. [3]
JVC behauptet von dem Beamer zwar, das er mit 4K-Auflösung (3840 x 2160 Pixel) arbeitet, aber mit nativem 4K-Material kommt er dennoch nicht klar.

Jedenfalls sorgt das technische Gesamtpaket für eines der besten 2D-Projektionsbilder, das wir jemals im Test gesehen haben – natürlich vorausgesetzt, dass man den Projektor mit hochwertigem Quellmaterial füttert. Das Bild ist einfach nur prächtig und lässt praktisch keinen Raum für Kritik.

Allerdings gibt es da auch eine Funktion namens „Clear Motion Drive“, die man besser nicht aktivieren sollte. Dieses Feature fügt interpolierte Bilder zwischen die Originalbilder ein, um Bewegungsabläufe flüssiger zu gestalten. Sie hat vier verschiedene Modi, von denen der vierte der vom Effekt her stärkste ist. Bei komplexeren Bildinhalten macht die Funktion aber keine wirklich gute Figur und produziert gleichzeitig irritierende Artefakte, was den Bildeindruck insgesamt sogar verschlechtert. Lasst sie daher am besten aus.

3D-Performance

Die 3D-Performance des Projektors ist interessant. Es gibt zwar definitiv sichtbaren Crosstalk (sprich: die Trennung zwischen den Bildinhalten für das linke und das rechte Auge ist nicht absolut, ein Teil „sickert“ durch), aber nicht mit einem konstanten Wert, sondern unbeständig.

In einem unserer Tests, in dem ein rot- und pinkfarbenes Vordergrundbild vor einem starken, himmelblauen Hintergrund liegt, waren die geisterhaftern Abbilder des Vordergrundelements fast unsichtbar. Wir entdecken sie zwar beim Pausieren des Bildes, aber gleichzeitig sind sie so schwach, dass sie nicht im Geringsten mit dem 3D-Effekt interferieren und den satten Eindruck räumlicher Tiefe überhaupt nicht beeinträchtigen.

Aber einige Sekunden später resultierte die gleiche Farbkombination in einer anderen Szene in deutlich sichtbarem Crosstalk, für den wir nicht einmal das Bild pausieren müssen – und das ist dann schon äußerst seltsam. Im 3D-Menü findet man zwar eine Einstellung namens „Crosstalk Cancel“, aber wir können bei einem Hin- und Herbewegen des Schiebers keinen sichtbaren Effekt auf die Stärke des Crosstalks oder die Frequenz seines Auftretens feststellen.

Der 2D-zu-3D-Wandler schafft es, normalen Szenen einen gewissen Eindruck räumlicher Tiefe zu verschaffen. Beispielsweise werden die Frontobjekte in zentralen unteren Bereich des Bildes gerückt und scharf fokussiert dargestellt. In einem Test hatte die Funktion dagegen kaum einen Effekt. Die Ergebnisse dieses Features variieren eben von Szene zu Szene.

Fazit

Obwohl die 3D-Fähigkeiten dieses Projektors alles in allem ziemlich gut sind, sollte man sich als Hardcore-Fan absolut überragender 3D-Performance besser anderswo (sprich, bei DLP-Projektoren) umsehen. Aber wenn man primär an 2D-Bildqualität allerhöchster Perfektion interessiert ist, dann sollte man dem JVC DLA-X70RBE D-ILA unbedingt in die Liste der näher zu begutachtenden Geräte aufnehmen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41564394/jvc-dla-x70rbe-d-ila-imposanter-4k-heimkinoprojektor-im-test/

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[1] DLA-X70RBE: http://jdl.jvc-europe.com/product.php?id=DLA-X70RBE&catid=100097

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564394/jvc_dla-x70rbe_d-ila_04.jpg

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564394/jvc_dla-x70rbe_d-ila_02.jpg