KEF R700: Standlautsprecher mit fantastischem Aussehen und Klang

von Gerald Strömer und Stephen Dawson am , 17:49 Uhr

Pro
  • sehr hochwertiger Sound
  • extreme Schallpegel
  • prächtiges Oberflächen-Finish
Con
  • kapituliert vor allertiefsten Bässen
Hersteller: KEF Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,4 von 10 Punkte
Fazit:

Der KEF R700 ist ein leistungsstarker Standlautsprecher mit erstaunlicher schönem Klang und Finish, bei dem bestenfalls die Abwesenheit tiefster Bässe zu bemängeln ist.

KEF ist eine Marke, die unseren australischen CNET-Kollegen Stephen Dawson schon als junger Bursche faszinierte. Damals war der KEF Concerto Ziel seiner Träume, aber seit dem Concerto hat sich viel getan. Mit dem KEF R700 testen wir hier ein Paar äußerst ansehnliche und leistungsstarke Standlautsprecher, die mit ihren Ahnen zwar das Grundkonzept gemein haben, aber sie ansonsten wahrscheinlich locker an die Wand spielen würde.

Der KEF R700 [1] wird vom Hersteller mit einem Preis von 2598 Euro pro Paar (!) geführt, kann aber in Deutschland derzeit nicht über den Shop des Herstellers selbst bezogen werden. Dafür bekommt man ihn am freien Markt zu Preisen von 1299 Euro pro Stück (!) – in Relation also der gleiche Preis, aber letztlich sogar praktischer, denn so kann man seinen Bedarf flexibler decken.

Design und Ausstattung

Der KEF R700 ist ein klassischer Standlautsprecher der Spitzenklasse. Der 25,9 Kilogramm schwere und mit Frontabdeckung, Terminal und Sockel 112,1 mal 32,9 mal 36,8 Zentimeter große Lautsprecher ist in den Farbvarianten Hochglanz-Schwarz, Nussbaum, Palisander und Hochglanz-Weiß erhältlich.

In der jüngeren Vergangenheit hat sich KEF stark auf koaxiale Treiber konzentriert, bei denen der Tweeter im Zentrum einer größeren Einheit platziert wird. KEF nennt dieses System „Uni-Q-Treiberanordnung“ und hat es auch in seinem Standlautsprecher R700 zum Einsatz gebracht: Hier sitzt der Tweeter direkt im Mitteltöner.

KEFs Uni-Q-Treiberanordnung: Der 2,5-cm-Tweeter sitzt direkt im 12,5 cm großen Mitteltöner. [2]
KEFs Uni-Q-Treiberanordnung: Der 2,5-cm-Tweeter sitzt direkt im 12,5 cm großen Mitteltöner.

Der 2,5 Zentimeter große und belüftete Hochtöner aus Alumiumium ist für die Frequenzen ab etwa 2900 Hz verantwortlich, während der 12,5 Zentimeter messende Alumium-Mitteltöner den Frequenzbereich zwischen 500 und 2900 Hz übernimmt. Alles darunter wird von den beiden 16,5 Zentimeter großen Aluminium-Tieftönern abgedeckt, von denen je einer ober- und unterhalb des koaxialen Uni-Q-Treibers sitzt.

Angesicht des Auswands den KEF betrebt, jeden Lautsprecher in eine genau ortbare Ein-Punkt-Audioquelle (im Falle des Basses hier natürlich eine virtuelle) zu verwandeln, ist es schade, dass der Lautsprecher in bisschen zu klein für Tweeter auf Ohrniveau ist. Die Hochtöner des R700 liegen 80 Zentimeter über dem Boden; wenn man auf dem Sofa sitzt, sind die Ohren daher auf dem Niveau des oberen Tieftöners und nicht des Uni-Q-Treiber.

Die beiden 16,5-cm-Tieftöner arbeiten druckvoll und präzise, kapitulieren aber vor absolutem Tiefbass. [3]
Die beiden 16,5-cm-Tieftöner arbeiten druckvoll und präzise, kapitulieren aber vor absolutem Tiefbass.

Die Treiber sitzen in einem Bassreflexgehäuse, das über zwei Öffnungen beatmet wird. Sie können bei Bedarf mit mitgelieferten Schaumstoffpfropfen verschlossen werden, wenn man den Bass beispielsweise bei einer Wandaufstellung etwas zähmen möchte. Ziemlich schwere Füße aus Aluminiumdruckguss finden sich ebenfalls im Lieferumfang. Sie werden am Boden des Lautsprechers verschraubt und verbessern unter anderem die seitliche Stabilität. In diese Standfüße wiederum können Spikes geschraubt werden, deren Höhe von oben mit einem Imbuss-Schlüssel eingestellt werden kann.

Optisch macht der KEF R700 jedenfalls ordentlich was her. Die Außenhaut der von uns getesteten Lautsprecher glänzt in einem herrlichen Piano-Schwarz, das auch einem Steinway gut zu Gesicht stehen würde. Die Tuchgitter lassen sich leicht entfernen – und das sollte man auch tun, wenn nicht gerade kleine Kinder oder große Haustiere vorhanden sind. Denn ohne die Abdeckungen auf den Treiber sieht der R700 noch besser aus; besonders die um die Treiber liegenden Ringe aus gebürstetem Aluminium konstratieren sehr schön mit dem Schwarz des Gehäuses.

Performance

Der Klang des R700 ist einfach gigantisch. Exzellent an diesen Lautsprechern ist, dass sie ihre Haltung auch dann bewahren, wenn man die Lautstärke erhöht. Die einzige offensichtliche Änderung am Sound ist, das er lauter wird – aber nicht harscher. Er wird auch nicht konfus. Das Schlagzeug in „Those Damned Blue Collar Tweakers“ aus dem „Sailing the Seas of Cheese“-Album von Primus bricht immer wieder sauber und kontrolliert selbst dann aus den melodischen Elementen des Sound hervor, wenn die komplexere Instrumentierung einsetzt. Es erhöht sich einfach nur das effektive Pegel: Unser Messgerät zeigt einen Schalldruckpegel von satten 100 dB. Die beiden R700-Boxen klingen subjektiv unglaublich laut, bleiben dabei aber extrem sauber und stimmig.

Mit einem Imbuss-Schlüssel kann die Höhe der Spikes von oben eingestellt werden. [4]
Mit einem Imbuss-Schlüssel kann die Höhe der Spikes von oben eingestellt werden.

Einen Hinweis auf die Ursache für diese Performance der Lautsprecher erhalten wir, als der Bassist am Ende des Stücks ein kraftvolle Note zum unteren Ende seiner Möglichkeiten abrutschen lässt. Denn an dieser Stelle wurde die Grenze der Tiefbassfähigkeiten dieser Lautsprecher offensichtlich. Alles in allem reproduziert R700 auch Bässe sehr gut, den meisten Leuten wird diese Einschränkung gar nicht auffallen. Aber wer diesen Song normalerweise auf Lautsprechern hört, die problemlos bis auf 20 Hz heruntergehen, wird man bemerken, dass das solide Bassfundament erst leiser wird und dann fast komplett verschwindet, je tiefer die Note geht.

Unsere Vermutung ist, das KEF den extremen Tiefbass auf Priorität zwei gesetzt hat und stattdessen einer außergewöhnlichen guten Leistungskurve im normalen Bassbereich den Vorzug gegeben hat. Und das macht für die allermeisten Nutzer auch absolut Sinn – und letztlich wird der musikalisch signifikante Bass ja auch fast komplett wiedergegeben.

Um den Bass zu begrenzen, können die Bassreflexöffnungen mit Schaumstoffpfropfen verschlossen werden. [5]
Um den Bass zu begrenzen, können die Bassreflexöffnungen mit Schaumstoffpfropfen verschlossen werden.

Aber Stereo-Musik wird natürlich durch mehr Faktoren definiert als nur rohe Kraft. Da der Primus-Song bereits eine erstklassige Stereo-Abbildung vermuten ließ, legen wir den Song „Nobody“ von der „Jazz CD“ von Ry Cooder auf. Die tonale Balance dieses Tracks wor in etwa so perfekt, wie sie nur sein kann: Die männlichen Stimmen werden ohne die für viele Lautsprecher so typische „Brustlastigkeit“, dafür aber mit geradezu verblüffender Natürlichkeit reproduziert. Der Gesang lässt sich wunderbar orten; selbst bei den mehrstimmigen Gesangsanteilen kann man die Position jedes Sängers einfach und präzise bestimmen.

Fazit

Mit den R700-Standlautsprechern von KEF können sich audiophile Musikliebhaber auf einen Klang freuen, der – bis auf den absoluten Tiefbassbereich – nahezu perfekt ist. Die Lautsprecher sehen gut aus, klingen fantastisch und bieten 5000-Euro-Sound für die Hälfte des Geldes.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[1] KEF R700: http://www.kef.com/html/de/showroom/hi-fi_series/r_series/fact_sheet/Floorstanding/r700/index.html

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564461/kef_r700_03.jpg

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564461/kef_r700_02.jpg

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564461/kef_r700_detail_01.jpg

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564461/kef_r700_detail_02.jpg