Olympus TG-1 im Test: schnelle Rambo-Kamera mit guter Bildqualität und Ausstattung

von Joshua Goldman und Stefan Möllenhoff am , 17:36 Uhr

Pro
  • wasserdichtes und stoßfestes Gehäuse
  • schnell für ihre Klasse
  • lichtstarkes Objektiv mit Konverter-Anschluss
Con
  • teilweise umständliches Design
  • proprietäres Ladekabel
Hersteller: Olympus Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: SEHR GUT 8,0 von 10 Punkte
Fazit:

Die Olympus TG-1 bietet ein lichtstarkes Objektiv, einen schnellen und lichtempfindlichen CMOS-Sensor und eine Reihe von netten Extras wie die LED-Leuchte für Makrofotos. Damit ist die Kamera eine der besten Outdoor-Digicams, die der Markt derzeit zu bieten hat.

Die wasserdichte und stoßfeste Olympus TG-1 hat ein paar Features zu bieten, die den meisten Outdoor-Kameras fehlen. An erster Stelle wäre da wohl das sehr lichtstarke F2.0-Objektiv mit einem Weitwinkel von 25 Millimetern zu nennen. Aber auch das hochauflösende OLED-Display, den integrierten GPS-Empfänger und den schnellen CMOS-Sensor findet man nicht bei jedem Modell. Wie sich die überdurchschnittlich ausgestattete Rambo-Digicam in der Praxis schlägt, verrät der Testbericht.

Die meisten Outdoor-Kameras verfügen über deutlich weniger lichtstarke Objektive als die Olympus TG-1. Üblicherweise bieten die Objektive im Weitwinkel eine Lichtstärke von F3.3 bis F3.9. Gegenüber F2.0 ist das ein Unterschied von eineinhalb bis zu knapp zwei Blenden. Knapp zwei Blenden bedeutet, dass die F2.0-Optik fast viermal so viel Licht durchlässt wie eine F4.0-Linse. Damit reicht der Kamera dann wahlweise eine viermal kürzere Verschlusszeit oder eine viermal niedrigere ISO-Empfindlichkeit aus.

Vorteile ergeben sich damit insbesondere beim Fotografieren von schnell bewegten Objektiven oder beim Knipsen unter schlechten Lichtverhältnissen – etwa unter Wasser. Beides sind für Outdoorkameras, die für Actionfotos herhalten sollen, essentielle Disziplinen. Nachdem die Olympus TG-1 über einen kleinen Bildsensor verfügt, ermöglicht das große Öffnungsverhältnis leider kein kreatives Spiel mit der Schärfentiefe.

Design

Der Olympus TG-1 ist ihr robustes Gehäuse auf Anhieb anzusehen. Allerdings kommt sie nicht gar so extrem gestylt daher wie etwa die Pentax WG-2 [1]. Das Gehäuse ist mit 230 Gramm recht schwer, was die solide Konstruktion noch einmal unterstreicht. Die Knipse übersteht laut Hersteller Stürze aus einer Höhe von bis zu zwei Metern und taucht zwölf Meter tief. Außerdem ist sie bis zu zehn Grad unter Null frostsicher und übersteht Belastungen von 100 Kilogramm.

Auf der Oberseite des Gehäuses befinden sich lediglich Ein/Aus-Schalter und der Auslöser. [2]
Auf der Oberseite des Gehäuses befinden sich lediglich Ein/Aus-Schalter und der Auslöser. Daneben bringt der Hersteller hier noch ein Stereo-Mikrofon sowie den GPS-Empfänger unter.

In unserem Test hat die Kamera drei einstündige Tauchsessions in 60 Zentimeter Wassertiefe und fünf Stürze aus knapp zwei Metern Höhe auf eine Fünf-Zentimeter-Sperrholzplatte schadlos überstanden. Allerdings bedeutet das nicht, dass man die TG-1 nach Belieben durch die Gegend werfen sollte – mit etwas Pech geben die Elektronik oder Optik auch bei geringeren als den spezifizierten Belastungen den Geist auf. Außerdem sind gewisse Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, damit die Dichtheit des Gehäuses gewährleistet ist. Wir empfehlen vor dem ersten Outdoor-Einsatz einen Blick ins Handbuch.

Dem recht großen Gehäuse sei Dank lässt sich die Kamera bequem halten, selbst mit kalten oder nassen Händen. Allerdings quetschen sich die allermeisten Bedienelemente auf der Rückseite ganz schön zusammen. Oben auf der Digicam dagegen finden lediglich Ein/Aus-Schalter und Auslöser Platz. In der Praxis haben wir aber nur etwas Probleme mit der Nach-oben-Taste des Vier-Wege-Pads – im Großen und Ganzen überzeugt die Bedienung.

Allerdings gibt es noch ein paar weitere lästige Punkte beim Design, die zusammengenommen durchaus für Unmut sorgen. So befindet sich das an sich gute Stereo-Mikrofon auf der linken Oberseite des Gehäuses. Hier fällt es nur allzu leicht, es mit einem Finger abzudecken, wenn man die Kamera in den Händen hält. Immerhin gibt es dahinter noch etwas Platz, und links neben dem rückseitigen 3,0-Zoll-OLED-Display bleibt ebenfalls noch etwas Raum – eine auswegslose Situation ist das also nicht.

Die Bedienelemente auf der Rückseite der TG-1 sind recht eng zusammengepfercht. [3]
Die Bedienelemente auf der Rückseite der TG-1 sind recht eng zusammengepfercht.

Der Stromspeicher lässt sich über den USB-Port der Kamera mit Energie betanken. Während die meisten Hersteller inzwischen auf Mini- oder Micro-USB vertrauen, setzt Olympus leider nach wie vor auf einen proprietären Anschluss. Damit ist es leider beim Kumpel nicht mal eben möglich, die Digicam zu laden, wenn die Strippe zu Hause liegt.

Die Bedienoberfläche der Kamera schließlich ist zwar gelungen, doch die GPS-Einstellung ist leider tief in den Menüs vergraben. Nachdem die Kamera ihre aktuelle Position auch weiter verfolgt, nachdem sie abgeschaltet wurde, zehrt dieses Feature deutlich am Akku. Da wäre es praktischer gewesen, wenn sich die Ortungsfunktion einfacher aktivieren und deaktivieren ließe – starker Akku hin oder her.

Wer mit diesen kleinen Einschränkungen leben kann, dürfte am Design und an der Bedienung der TG-1 nichts auszusetzen haben. Das 3,0 Zoll große OLED-Display auf der Rückseite ist erfreulich hell und mit 640 mal 480 Pixeln (610.000 Subpixeln in PenTile-Matrix) ordentlich scharf.

Ausstattung

Nachdem sich die Olympus TG-1 in erster Linie an abenteuerlustige Schnappschuss-Fotografen richtet, gibt es keine manuellen Einstellungsmöglichkeiten zu Blende und Belichtungszeit. Den meisten gestalterischen Freiraum bietet die Programmautomatik. Hier hat der Anwender Zugriff auf ISO-Empfindlichkeit, Weißabgleich sowie die Einstellungen zu Autofokus, Belichtung und Belichtungsmessung. Außerdem ist es möglich, zwei benutzerspezifische Profile mit häufig benutzten Einstellungen anzulegen und auf diese schnell wieder zuzugreifen.

Das 3,0-Zoll-Display auf der Rückseite der Kamera ist erfreulich scharf und hell. [4]
Das 3,0-Zoll-Display auf der Rückseite der Kamera ist erfreulich scharf und hell.

Wer sich nicht so detailliert mit der Kamera auseinandersetzen möchte, findet außerdem auch eine gut funktionierende Automatik namens iAuto vor. Sie analysiert das Geschehen vor der Linse und ordnet es einem von 30 verschiedenen Motivprogrammen zu. Darunter finden sich auch Modi für Unterwasser- und Gegenlicht-Aufnahmen.

Fans von Foto-Effekten dürfen sich freuen: Die TG-1 verfügt über insgesamt zwölf Art Filter. Hier wartet Olympus mit einer gelungenen Mischung aus Standards wie Lochkamera, Fish Eye und Wasserfarben auf, bietet aber auch ein paar eher exotischer Filter. Magischer Spiegel beispielsweise spiegelt die obere Bildhälfte einfach nach unten. Fragmented unterteilt das Foto in eine Reihe von kleinen Kacheln. Und Dramatik schließlich liefert HDR-artige Ergebnisse. Beispielfotos, wie sich die einzelnen Filter auf die Aufnahmen auswirken, gibt es in der Bildergalerie im weiteren Verlauf des Artikels.

Die Olympus TG-1 bietet die Möglichkeit, Konverterlinsen anzuschließen. [5]
Die Olympus TG-1 bietet die Möglichkeit, Konverterlinsen anzuschließen.

Das Objektiv der TG-1 ist nicht nur mit seiner Lichtstärke interessant. So überzeugt die Optik auch im Makro-Modus – die Naheinstellgrenze sinkt hier bis auf einen Zentimeter. Damit ist die Kamera sowohl unter als auch über Wasser hervorragend für Nahaufnahmen geeignet.

Außerdem bietet die Linse mit einer minimalen Brennweite von 25 Millimetern erfreulich viel Weitwinkel – insbesondere für diese Klasse. Mit einem vierfachen Zoom und 100 Millimetern maximaler Brennweite kommt man allerdings nicht besonders nah an entfernte Motive heran. Wer sich mehr Weitwinkel beziehungsweise Telebereich wünscht, findet im Zubehör allerdings noch einen Weitwinkel-Fischaugen- und einen Telekonverter für die Kamera. Zum Anbringen dieser befindet sich rund um das Objektiv ein Gewinde. Positiv hervorzuheben ist außerdem noch, dass das Objektiv in der Mitte des Gehäuses angebracht ist – und nicht, wie bei vielen Konkurrenten, in der oberen Ecke. So ist es quasi ausgeschlossen, dass man versehentlich seine eigenen Finger ablichtet.

Die Fächer für Akku und Speicherkarte befinden sich auf der Unterseite der Kamera. [6]
Die Fächer für Akku und Speicherkarte befinden sich auf der Unterseite der Kamera.

Geschwindigkeit

Die vergangenen Outdoor-Kameras von Olympus waren nie besonders schnell. Nicht nur bei der Auslöseverzögerung oder den Speicherzeiten gab es nervige Pausen, sondern auch das Interface reagierte einfach träge. Die Olympus TG-1 hat mit diesen Problemen nicht mehr zu kämpfen.

Bis nach dem Betätigen des Einschalters das erste Foto im Kasten ist, vergehen 2,1 Sekunden. Zwischen jeder weiteren Aufnahme genehmigt sich die Kamera eine Verschnaufpause von 1,2 Sekunden. Mit zugeschaltetem Blitz verlängert sich die Auszeit nur wenig – auf 1,8 Sekunden.

Um auf das Motiv zu fokussieren und das Foto einzufangen, benötigt die Kamera bei optimalen Lichtverhältnissen 0,3 Sekunden. Im Zwielicht verschlechtert sich der Wert auf immer noch ordentliche 0,6 Sekunden. Damit spielt die Kamera nun endlich in einer Liga mit der Konkurrenz von Sony [7] und Panasonic.

Für Actionfotos hat die Olympus TG-1 ebenfalls einiges zu bieten. Mit voller Auflösung stemmt die Kamera fünf Bilder pro Sekunde. Und wer sich mit 3 Megapixeln zufrieden gibt, wird mit Serienbildraten von 15 bis 60 fps belohnt. Allerdings bietet die Kamera hier keinen kontinuierlichen Autofokus. Verändert sich während des Serienbild-Dauerfeuers also die Entfernung zwischen Fotograf und Motiv deutlich, so wird ein Teil der Aufnahmen unscharf.

[8] [9] [10]

Die Olympus TG-1 von links, vorne und rechts: Mit Abmessungen von 11,2 mal 6,7 mal 2,9 Zentimetern ist die TG-1 ordentlich kompakt (zum Vergrößern auf die Thumbnails klicken).

Bildqualität

Für eine Outdoor-Kompaktkamera liefert die Olympus TG-1 sehr gute bis ausgezeichnete Fotos. Die Qualität einer XZ-1, die einen deutlich größeren Bildsensor besitzt, darf man hier allerdings nicht erwarten.

Bei den niedrigsten Empfindlichkeiten bewegen sich die Fotos der Olympus TG-1 – betrachtet man die Aufnahmen bei 100-prozentiger Vergrößerung – zwischen überschärft und zu weich. So sieht die Bildqualität dann auch bis ISO 800 aus. Bei höheren Empfindlichkeiten geraten die Fotos dann schließlich zunehmend weicher und verrauschter. Von ISO 3200 sollte man nur im Notfall Gebrauch machen, von ISO 6400 raten wir gänzlich ab. Unterm Strich reicht die Bildqualität fürs Internet und für Abzüge bis einschließlich DIN-A4-Größe locker aus, solange man sich im Bereich bis ISO 400 bewegt.

Auch wenn der zweite Absatz im Bereich Bildqualität mit dem ersten etwas im Widerspruch zu stehen scheint: So entwickelt sich die Bildqualität bei den meisten Kompaktkameras mit 1/2,3-Zoll-Sensoren. Die TG-1 hat hier den Vorteil, dass sie sich mit ihrem lichtstarken F2.0-Objektiv stets bei niedrigeren Empfindlichkeiten bewegt als das Gros der Konkurrenz.

Die Videoqualität der Olympus TG-1 ist ebenfalls gut, eignet sich aber am besten für YouTube & Co. und weniger für den regelmäßigen Genuss auf einem großformatigen Fernseher. Die Qualität bewegt sich in etwa auf einem Niveau mit einem Pocket-Camcorder oder besseren Smartphones. Der Ton ist allerdings deutlich besser als bei den beiden genannten Geräteklassen. Außerdem steht während der Aufnahme ein optischer Zoom zur Verfügung, der in sehr leisen Umgebungen allerdings leicht zu hören ist. Außerdem verfügt die Kamera über einen mechanischen Bildstabilisator, schiebt also den Sensor durch die Gegend, um Verwacklungen seitens der Fotografen respektive Kameramanns auszugleichen. Bei hohen Brennweiten machen sich zittrige Hände jedoch trotzdem auf den Clips bemerkbar.

Fazit: empfehlenswert

Olympus baut bereits seit geraumer Zeit robuste Kameras, die Wasser und Stürzen trotzen – und ist hier in puncto Widerstandsfähigkeit stets ganz vorne mit dabei. Allerdings mussten sich die Digicams in Sachen Bildqualität und Geschwindigkeit den Konkurrenten von Panasonic, Canon & Co. geschlagen geben. Mit der TG-1 ist Olympus wieder ganz vorne mit dabei. Dafür verantwortlich sind zahlreiche praktische Funktionen, hohe Geschwindigkeit sowie sehr gute Foto- und Videoqualität. Und übrigens: Die TG-1 ist natürlich auch noch eines der robustesten Modelle auf dem Markt.

Aufnahmgeschwindigkeit (in Sekunden)
(kürzere Balken bedeuten bessere Leistung)

Zeit bis zur ersten Aufnahme
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (mit Blitz)
Zeit zwischen zwei Aufnahmen (ohne Blitz)
Auslöse- verzögerung (Zwielicht)
Auslöse- verzögerung (Tageslicht)
Panasonic Lumix DMC-FT4 [12]

1.8
2.2
1.1
0.7
0.3
Olympus TG-1

2.1
1.8
1.3
0.6
0.3
Sony Cyber-shot DSC-TX20 [13]

1
4.8
2.1
0.6
0.3
Pentax Optio WG-2 [1]

1.3
2.9
2.8
0.9
0.7

Serienbildgeschwindigkeit (in Fotos pro Sekunde)
(längere Balken bedeuten bessere Leistung)

Typical continuous-shooting speed
Olympus TG-1

4.3

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41564471/olympus-tg-1-im-test-schnelle-rambo-kamera-mit-guter-bildqualitaet-und-ausstattung/

URLs in this post:

[1] Pentax WG-2: https://www.cnet.de/tests/digicam/41563906/testbericht/pentax_optio_wg_2_im_test_langsame_outdoor_digicam_mit_guter_ausstattung.htm

[2] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564471/olympus_tg-1_oben_iso.jpg

[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564471/olympus_tg-1_hinten_iso.jpg

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564471/olympus_tg-1_hinten.jpg

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564471/olympus_tg-1_konverter.jpg

[6] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564471/olympus_tg-1_akku-karte.jpg

[7] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[8] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564471/olympus_tg-1_links.jpg

[9] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564471/olympus_tg-1_vorne.jpg

[10] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564471/olympus_tg-1_rechts.jpg

[11] Testfotos: die Bildqualität der Olympus TG-1: https://www.cnet.de/41564469/testfotos-die-bildqualitaet-der-olympus-tg-1/?pid=1#sid=41564471

[12] Panasonic Lumix DMC-FT4: https://www.cnet.de/galerie/41558532/panasonic_lumix_dmc_ft4_und_ft20_outdoor_kamera_duo_fuer_actionfreaks.htm

[13] Sony Cyber-shot DSC-TX20: https://www.cnet.de/tests/digicam/41563977/testbericht/sony_cyber_shot_dsc_tx20_im_test_outdoor_digicam_fuer_stilbewusste_abenteurer.htm