Aktives 3D gegen passives 3D: Welche Fernseher sind besser und wieso?

von Geoffrey Morrison und Stefan Möllenhoff am , 17:20 Uhr

Wer heute vor einer Fernseher-Neuanschaffung steht, bekommt inzwischen fast zwangsläufigerweise eine 3D-Funktion dazu. Dabei gibt es zwei grundlegend verschiedene Ansätze, wie die dreidimensionale Darstellung realisiert wird: aktiv und passiv. Aber wo sind überhaupt die Unterschiede zwischen den beiden Technologien – und welche ist besser?

In der Frühzeit der 3D-Fernseher kam primär die aktive Technologie zum Einsatz, inzwischen bieten mehr und mehr Hersteller neben den aktiven Geräten auch Fernseher mit passiven 3D-Panels an. Der Kunde steht damit vor der Qual. Aber was sind überhaupt die Unterschiede zwischen aktiv und passiv?

Grundlagen & Technologie

Der räumliche Seheindruck im realen Leben entsteht dadurch, dass beide Augen ein leicht versetztes Bild sehen. Das Gehirn berechnet anhand der Unterschiede dann die Tiefe. Damit ein Fernsehbild dreidimensional erscheint, muss der TV den beiden Augen ein unterschiedliches Bild sehen. Und im Idealfall bekommt das rechte Auge nichts von dem mit, was das linke Auge wahrnimmt – und andersherum ebenso.

Die beiden aktuell relevanten Methoden, nach denen die Fernseher arbeiten, heißen aktiv und passiv. Aktive 3D-Fernseher nutzen batteriebetriebene Shutter-Brillen, die genau das tun, was ihr englischer Name schon andeutet: Sie verschließen abwechselnd die Augen, so dass zu jedem Zeitpunkt immer nur ein Auge den Bildschirm im Blick hat, der synchron dazu den passenden Inhalt darstellt. Alles, was dafür von technischer Seite her vonnöten ist, ist ein Fernseher, der über ein ausreichend schnelles Panel verfügt.

Die aktive 3D-Technik findet bei Plasma-, LCD- und LED-LCD-Fernsehern sowie Projektoren und Rückprojektions-TVs Verwendung. Die folgenden Bilder zeigen, wie eine aktive Shutter-Brille in Aktion aussieht. Die Verschlusszeit der Kamera musste hier auf einen entsprechend kurzen Wert eingestellt werden, um eines der Gläser „geschlossen“ und eines „offen“ festzuhalten.

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Diese beiden Fotos zeigen, wie die Brille abwechselnd das rechte und das linke Auge verdeckt. Der Fernseher stellt dann zum jeweiligen Zeitpunkt immer das fürs nicht abgedeckte Auge bestimmte Bild dar. Durch den Unterschied der beiden Bilder erzeugt das Gehirn den räumlichen Eindruck (zum Vergrößern klicken).

Passive 3D-Fernseher setzen auf Brillen mit integrierten Polfiltern. Diese Technologie findet auch in den meisten Kinos Verwendung. Dabei ist auf dem Bildschirm ein spezieller Filter aufgebracht, der jeder Zeile auf dem Fernseher abwechselnd eine andere Polarisation verpasst. In der Brille sitzen dann entsprechend wieder Filter, so dass das eine Auge alle geraden und das andere alle ungeraden Zeilen sieht. Die folgenden Bilder verdeutlichen die Funktionsweise noch einmal.

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Links ist ein passiver 3D-Fernseher ohne Brille, rechts durch eines der beiden Brillengläser fotografiert zu sehen. Es ist deutlich sichtbar, wie jede zweite Zeile fehlt (zum Vergrößern klicken).

Die passive 3D-Technologie findet derzeit bei LCD- und LED-LCD-Fernsehern Verwendung.

Im Folgenden wollen wir uns mit den Vor- und Nachteilen der beiden Technologien beschäftigen. Dabei unterteilen wir die Pro- und Contra-Punkte in messbare beziehungsweise objektive und in aus unseren Erfahrungswerten gezogene respektive subjektive Aspekte ein. Eines vorweg: Beide Methoden haben definitiv ihre Vorteile und auch ihre Nachteile. Wer etwas anderes behauptet, ist entweder blind oder arbeitet für denen TV-Hersteller.

Die objektive Sicht auf die Dinge

Bei der aktiven 3D-Technologie bekommt jedes Auge die volle Full-HD-Auflösung von 1920 mal 1080 Pixeln der Bildquelle zu sehen. Auf der Gegenseite dimmen die Brillen das Bild ein wenig. Bei LCD-Fernsehern stellt das nicht wirklich ein Problem dar, Plasma-TVs und Projektoren dagegen schon eher. Während manche neueren aktiven Brillen recht leicht sind, macht sich das Gros dennoch deutlich auf der Nase bemerkbar. Außerdem sind die aktiven Brillen immer noch lächerlich teuer. Wer die Familie oder den Freundeskreis entsprechend bedenken möchte, legt hier locker noch einmal 50 Euro pro Brille auf den Tisch und wird jede Menge Geld los.

Nachdem beim Einsatz der passiven Technologie das Bild dauerhaft für das rechte und linke Auge geteilt werden, sieht jedes Auge nur 1920 mal 540 Pixel. Bei großen Bildschirmen oder geringem Betrachtungsabstand sind dann die schwarzen Zwischenzeilen sichtbar. Und selbst wenn sich diese nicht direkt bemerkbar machen, so wirken diagonale Linien etwas gezackt. Im Gegenzug ist das Bild merklich heller als bei aktiven 3D-Fernsehern, und die Brillen sind leicht und gleichzeitig sehr günstig.

Direkter Vergleich: Von links nach rechts sind hier passiver 3D-TV mit Brille, passiver 3D-TV ohne Brille und aktiver 3D-TV in Nahaufnahme zu sehen. [5]
Direkter Vergleich: Von links nach rechts sind hier passiver 3D-TV mit Brille, passiver 3D-TV ohne Brille und aktiver 3D-TV in Nahaufnahme zu sehen.

Die subjektive Sicht auf die Dinge

Die abfallende Helligkeit ist uns bei aktiven Brillen bislang nur negativ aufgefallen, wenn wir auf das Bild von ohnehin schon zu dunklen Projektoren geblickt haben. Nach etwa 15 Minuten gewöhnen sich die Augen an die geringere Helligkeit, und das Bild sieht nicht mehr explizit dunkler aus. Darüber hinaus sorgen die Brillen auch für scheinbar tiefere Schwarzwerte, was an sich gut ist, in den Schatten aber etliche Details vernichtet. Außerdem hat die aktive Technologie verstärkt mit Geisterbildern beziehungsweise Crosstalk zu kämpfen.

Wir persönlich können das Flimmern der Brillen nicht direkt wahrnehmen. Dass etwas Ungewöhnliches vor sich geht, können wir aber dennoch spüren. Manche Nutzer behaupten, sie können ein Flimmern sehen, und wir können das durchaus glauben. Während wir am Bild der aktiven Brillen nichts auszusetzen haben, sollte jeder potenzielle Käufer das in Frage kommende Modell vor dem Kauf einmal ausführlich im 3D-Modus ausprobiert haben.

Wenn HD keins mehr ist

Das 3D-Bild von passiven Fernsehern sieht dennoch besser aus. Das mag einerseits an der höheren Helligkeit liegen, andererseits auch daran, dass das Gehirn nicht zumindest unterbewusst gestresst ist durch den Flimmer-Trick – selbst, wenn dieser nicht direkt beobachtbar ist. Außerdem sind die leichteren Brillen einfach viel bequemer.

Auf der Gegenseite fällt die halbierte Auflösung aber einfach deutlich auf, ebenso wie die zackigen Kantenartefakte an diagonalen Linien. Der Fernseher muss dafür weder enorm groß sein noch der Beobachter mit der Nase direkt am Panel kleben, um beide Effekte zu beobachten. Wer sich einen passiven 3D-Fernseher kaufen möchte, sollte das Objekt der Begierde ebenfalls unbedingt vorher im Laden ausführlich probesehen – aus einer Distanz, wie sie auch der im heimischen Wohnzimmer entspricht.

Fazit

Einen Gewinner gibt es unter den 3D-Fernsehern aktuell nicht. Beide Methoden der 3D-Darstellung haben im Moment noch mit größeren Problemen zu kämpfen. Und auch die autostereoskopischen 3D-Fernseher, die gar keine Brillen benötigen, werden ihre eigenen Krankheiten mitbringen.

Was ist also zu tun? Man sollte sich gut überlegen, wie viel Zeit man tatsächlich damit verbringt, 3D-Filme zu gucken. Die allermeisten Anwender benötigen ihren Fernseher nach wie vor überwiegend für die 2D-Darstellung – und dementsprechend sollte hier eine hohe Bildqualität wichtiger sein. Echte 3D-Vielgucker könnten mit den passiven Geräten etwas besser fahren, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass entweder der Bildschirm klein genug oder der Abstand zum Fernseher ausreichend groß ist, so dass die Artefakte nicht auffallen.

Alternative: Auf die ersten (bezahlbaren) 4K-Fernseher mit vierfache Full-HD-Auflösung und passiver 3D-Technologie warten. Hier ist dann nämlich auch im dreidimensionalen Betrieb noch immer doppelte Full-HD-Auflösung übrig.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

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[3] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564541/passive_no_glasses.jpg

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564541/passive_with_glasses.jpg

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564541/passive_and_active_closeup.jpg