Nintendo 3DS im Test: aufgeblasene 3D-Mobil-Konsole mit wenig Neuheiten

von Luke Westaway und Stefan Möllenhoff am , 13:03 Uhr

Pro
  • großes, helles Display
  • komfortables Design
  • gelungenes Tastenlayout
Con
  • schwer
  • größeres Display zeigt Grafikfehler auf
  • kein Ladegerät im Lieferumfang
Hersteller: Nintendo Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: BEFRIEDIGEND 6,0 von 10 Punkte
Fazit:

Mit der 3DS XL walzt Nintendo seine mobile 3D-Konsole auf ein größeres Format aus. Das gewachsene Display ist eine willkommene Neuerung, enttäuscht aber durch eine stagnierte Auflösung. Nachdem die größere Konsole merklich teurer ist als die Original-3DS und aus Kostengründen nicht einmal ein Ladegerät im Lieferumfang enthalten ist, sollten potenzielle Käufer auch die normale Nintendo 3DS in Betracht ziehen.

So wie die Nintendo DSi einst mit der DSi XL eine große Schwester bekam, kommt jetzt auch die erste 3D-Konsole der Welt auf die Streckbank. Aus der 3DS wird die Nintendo 3DS XL, aus der 3,0-Zoll-Anzeige ein stattliches 4,9-Zoll-Display. Ob der japanische Hersteller der bis dato eher mäßig erfolgreichen Daddelmaschine damit endlich zu Ruhm und Ehre verhelfen kann, verrät der Testbericht.

Mobile Spielekonsolen haben es zur Zeit nicht gerade einfach. Denn die bisherigen Platzhirsche in diesem Feld – Sony [1] und Nintendo – bekommen von den Smartphones kräftig Konkurrenz. Das hat zuletzt auch eine Studie von Flurry [2] eindrucksvoll dargelegt. Hatten iOS und Android [3] bei den Einnahmen durch mobilen Games 2009 zusammen noch 19 Prozent auf dem Zähler, wurden für 2011 bereits 58 Prozent avisiert, Tendenz steigend. Aber ist die Nintendo 3DS XL das richtige Mittel, um gegen Handys und Tablets anzustinken?

Design & Gaming

Das Offensichtliche zum Anfang: Die Nintendo 3DS XL ist viel größer als sein Vorgänger. Erfreulicherweise ist die mobile Spielekonsole aber nicht signifikant dicker geworden – in der Höhe hat das Gerät dafür gegenüber der regulären 3DS um zwei Zentimeter zugelegt. Damit passt sie zwar auch noch notfalls irgendwie in die Hosentasche – bequem ist allerdings etwas anderes. In der Praxis fühlt sich das Gadget in Handtaschen, Rucksäcken und großzügig dimensionierten Innentaschen am wohlsten.

Die Nintendo 3DS XL ist höher und breiter als sein Vorgänger, aber erfreulicherweise nicht dicker. [4]
Die Nintendo 3DS XL ist höher und breiter als sein Vorgänger, aber erfreulicherweise nicht dicker.

Nintendo hat die Gelegenheit ergriffen, die 3DS XL in puncto Design mit der anstehenden Wii U in Linie zu bringen. Zu vormals recht spitz zulaufenden Ecken wurden stärker abgerundet und verleihen dem gesamten System eine rundere und smoothere Erscheinung. Davon profitiert auch die Haptik: Die 3DS XL ist sehr bequem zu halten.

Eine Schattenseite hat das sprunghafte Wachstum aber dennoch. Die Konsole hat nämlich ein paar Pfund zugelegt. Der Zeiger auf der Waage zeigt jetzt 336 Gramm an, während die 3DS mit 235 Gramm etwa ein Drittel leichter war. Zum Vergleich: Selbst die riesige PlayStation Vita ist mit 279 Gramm merklich leichter. Beim Spielen selbst macht sich das zusätzliche Gewicht dann auch bemerkbar. Es fühlt sich an, als müsse man das obere Display ständig oben halten, was mittelfristig für schlappe Hände sorgt. Schade, dass Nintendo hier nicht ein paar Gramm einsparen konnte, denn eigentlich soll man sich ja aufs Spielen konzentrieren und nicht auf ermüdende Extremitäten.

Bei den Bedienelementen gibt es gegenüber der kleinen Schwester keine Veränderungen – die Rufe nach einem zweiten Analog-Stick, wie ihn auch die PlayStation Vita mitbringt, wurden nicht erhört. In der Praxis vermissen wir den zweiten Joystick aber nicht unbedingt. Außerdem würde die Einführung eines zweiten Sticks bedeuten, dass etliche neuere Spiele unter Umständen nicht mehr zur alten 3DS kompatibel wären.

Wie bei der 3DS reagieren auch bei der XL-Ausführung die Bedienelemente ordentlich. Das linke, kreisrunde Pad spricht zwar nicht ganz so gut an, wie wir es uns wünschen würden. Doch die restlichen Tasten bieten die befriedigend robuste Haptik, die man vom Macher des NES erwartet.

Unser Testgerät sieht mit seinem schwarz-silbernen Kunststoffgehäuse recht unspektakulär aus. Wer sich mehr Pep wünscht, ist mit den Farbvarianten Rot, Blau und Silber besser beraten. [5]
Unser Testgerät sieht mit seinem schwarz-silbernen Kunststoffgehäuse recht unspektakulär aus. Wer sich mehr Pep wünscht, ist mit den Farbvarianten Rot, Blau und Silber besser beraten.

Display

Für bessere Bedienelemente braucht man sich die 3DS XL also nicht kaufen. Dafür hat Nintendo aber kräftig am Bildschirm geschraubt. Statt 3,0 Zoll misst die Anzeige jetzt 4,9 Zoll in der Diagonale. Außerdem ist das Panel erfreulich hell, klar und überzeugt mit tollen Farben. In der Praxis ist das riesige Display zwar erst einmal beeindruckend, doch es fällt schwer, den zusätzlichen Platz auch wirklich zu genießen. Denn leider hat Nintendo die Auflösung von 800 mal 480 beziehungsweise 800 mal 240 Pixeln im 3D-Modus nicht verbessert. Unterm Strich hat die Pixeldichte damit deutlich abgenommen.

Das Ergebnis davon ist, das viele Objekte auf dem Display merklich pixelig aussehen, und wir mehr als nur gelegentlich über gezackte Kanten stolpern. Die Nintendo 3DS konnte zwar nie mit gewaltigen Grafik-Feuerwerken punkten, doch verpixelt sahen Mario, Zelda & Co. auf dem kleinerem Bildschirm nie aus.

Allerdings muss man Nintendo zu Gute halten, dass sich die Auflösung wohl nicht so ohne weiteres nach oben drehen lässt. Denn schließlich hätte es dann wieder Probleme mit der Abwärtskompatiblität neuerer Spiele zur 3DS gegeben. Einzig eine Vervierfachung, wie sie Apple [6] bei seinen Displaydiagonalen durchführt, hätte hier weitergeholfen. Aber 1600 mal 960 Pixel auf 4,9 Zoll hätten wohl wiederum den Preisrahmen gesprengt.

Die meisten jüngeren Spieler dürften sich kaum an der etwas klotzigen Darstellung stören, solange der Rest stimmt. Aber wer hohe Ansprüche an die Wiedergabequalität stellt, sollte sich die Konsole vor dem Kauf zumindest einmal näher angesehen haben.

Das wird so ziemlich alles sein, was viele Käufer der 3DS XL erst einmal zu sehen bekommen. Denn im Lieferumfang ist kein Ladekabel enthalten. [7]
Das wird so ziemlich alles sein, was viele Käufer der 3DS XL erst einmal zu sehen bekommen. Denn im Lieferumfang ist kein Ladekabel enthalten.

3DS für drei Dimensionen

Fast eineinhalb Jahre nach dem Marktstart der 3DS klingt es zwar nicht mehr so spektakulär, aber die Nintendo 3DS XL verfügt immer noch über ein autostereoskopisches 3D-Display, das man bei anderen Herstellern vergeblich sucht. Autostereoskopisch bedeutet dabei, dass der Nutzer keine alberne 3D-Brille aufsetzen muss, um eine Tiefenwirkung zu erleben. Das erreicht der Hersteller dadurch, dass jeweils die Hälfte der Pixel auf dem Bildschirm nur vom rechten, und die andere Hälfte vom linken Auge zu sehen sind.

Damit das funktioniert, muss der Anwender jedoch genau gerade vor der Anzeige sitzen – Zuschauer haben ebenfalls Pech gehabt und sehen nur Pixelsalat. Wir sind uns nicht sicher, ob dieser Sweet Spot [8] bei der 3DS XL kleiner geworden ist. Größer als beim Vorgänger ist er jedenfalls nicht. Sobald man entweder seinen Kopf oder die Konsole etwas hin und her schüttelt, wird das Bild platt und verschmiert. Das ist nicht gerade ideal für holprige Auto- oder Zugfahren und windige Flüge.

Wie bei der 3DS funktioniert die 3D-Wiedergabe auf der 3DS XL gut. Der Effekt ist erfreulich klar und weist eine ordentliche Tiefe auf. Für die Tiefenwirkung gibt es auf der rechten Seite des Gehäuses übrigens einen Schieber, mit dem sich die Intensität des 3D-Effekts von viel über wenig bis aus regeln lässt.

Dieser Schieber rechts am Display dient zum Regeln der Intensität des 3D-Effekts. [9]
Dieser Schieber rechts am Display dient zum Regeln der Intensität des 3D-Effekts.

Software, Online & StreetPass

Auch wenn es etwas klobig aussieht, leistet Nintendos Menüsystem größtenteils sehr gute Dienste. Die Icons sind klar und deutlich, und der große Home-Button führt den Anwender jederzeit wieder zum altbekannten Startbildschirm zurück, sollte er sich in einem Menü verirrt haben.

Während das von Musik im klassischen Nintendo-Stil untermalte Interface Spaß macht, gibt es noch ein paar Elemente, die einen Feinschliff vertragen könnten. So ist das Einrichten einer WLAN-Verbindung beispielsweise unnötig umständlich. Auch wurden wir während dem Spielen eines Online-Games einmal mit der Meldung konfrontiert, dass wir ein Software-Update benötigen. Wo dieses herkommen soll oder gar einen Link an die entsprechende Stelle in Nintendos eShop sucht man hier dann jedoch vergeblich.

Darauf, dass der Nachwuchs das eigenständig herausfindet, sollte man sich lieber nicht verlassen. Wir mussten selbst einmal Google [10] bemühen und uns durch Foren wühlen, bis wir ein Spiel erfolgreich updaten konnten. Außerdem kommt es öfters mal vor, dass der Home-Button leider eben nicht den Notausgang aus einem Menü darstellt, sondern der Anwender trotzdem in einem Ladebildschirm oder manchen Menüs festhängt. Außerdem macht der integrierte Webbrowser bei der niedrigen Auflösung wenig bis gar keinen Spaß.

Online-Gamer dürfen sich mit etwas Glück fetzige Duelle gegen andere 3DS-Besitzer rund um den Globus liefern. Unseren Erfahrungen mit diesem und anderen Nintendo-Systemen nach gehört dazu allerdings ein wenig Glück. Immerhin verzichtet der japanische Hersteller bei der 3DS XL auf die lästigen Freundescodes der Wii. Dennoch sind uns zu viele Fehlermeldungen und Lags über den Weg gelaufen, als dass wir das Online-Gaming als eine der großen Stärken der 3DS oder ihrer großen Schwester XL hervorheben würden. Das ist schade, denn von einer modernen Konsole hätten wir hier deutlich mehr erwartet.

Bei den Features dürfte StreetPass [11] wohl das Highlight sein. Sobald sich auf der Straße, in der U-Bahn oder am Flughafen zwei Konsolen „begegenen“ beziehungsweise annähern, kommunizieren sie miteinander. So gibt es etliche Spiele, die die Funktion nutzen, darunter etwa die vorinstallieren StreetPass-Minigames, bei denen die Anwender Puzzleteile sammeln müssen.

Akkulaufzeit

Die Nintendo 3DS XL hat gegenüber der 3DS ordentlich zugelegt – davon hat auch der Akku profitiert, der nun beim Zocken zwischen 3,5 und 6 Stunden lang durchhalten soll. Das klingt auf dem Papier zwar nicht schlecht, reicht in der Praxis aber nicht unbedingt immer aus. Wer beispielsweise unterwegs ist, muss das System bei fleißiger Nutzung täglich aufladen. Und ein Interkontinentalflug dürfte die Stromreserven des XL ebenfalls problemlos voll ausschöpfen. Wer WLAN und 3D abschaltet, dürfte hier immerhin noch etwas mehr Reichweite erzielen.

Apropos Reichweite: Diese beträgt ab Werk erst einmal genau null. Denn Nintendo verzichtet freundlicherweise darauf, der mobilen Spielekonsole ein Ladegerät beizulegen. Wer nicht gerade bereits eine 3DS oder DSi besitzt, wird also wohl oder übel noch im Zubehör shoppen müssen, bevor es losgehen kann. Das wird sicherlich bei vielen Kindergeburtstagen für Enttäuschung sorgen, wenn dann eben nicht gleich mit dem Geschenk losgedaddelt werden kann.

Hier ist der Stylus zu sehen, der es sich mittelfristig in einer tiefen Sofaritze bequem machen wird. [12]
Hier ist der Stylus zu sehen, der es sich mittelfristig in einer tiefen Sofaritze bequem machen wird.

Kosten

Die Nintendo 3DS XL startet in Deutschland am 28. Juli. Bei diversen Online-Shops ist die mobile Spielekonsole für knapp 200 Euro vorbestellbar. Zum Vergleich: Das kleinere Modell wechselt derzeit für 150 Euro den Besitzer. Das ist zwar beides nicht megalomanisch teuer, allerdings muss man bei den Spielen ebenfalls noch einmal für deutliche Kosten rechnen – 30 Euro sickern für aktuelle Titel schnell mal aus dem Geldbeutel. Immerhin: Eine 4 GByte große Speicherkarte ist im Lieferumfang enthalten. Hier müssen Käufer also nicht noch einmal zusätzlich investieren.

Fazit

Die Jumbo-Version der 3DS ist genau dieses: eine vergrößerte Ausführung der eineinhalb Jahre alten Konsole. Das gewachsene Display ist hier die Hauptattraktion, allerdings müssen potenzielle Käufer mit einem sperrigeren und schwereren Gehäuse rechnen. Nachdem die Auflösung nicht mit der Bilddiagonale gewachsen ist, nimmt außerdem die Bildschärfe ab.

Wer noch keine 3DS besitzt, sollte sich auf jeden Fall auch noch einmal das kleinere Modell ansehen, das deutlich portabler und inzwischen auch merklich günstiger daherkommt. Außerdem stellt sich natürlich die Frage, ob es denn ein 3D-Display sein muss. Wenn nicht, ist der aktuelle iPod Touch, der derzeit ab rund 170 Euro den Besitzer wechselt, ebenfalls eine Erwägung wert. Hier gibt es nämlich tonnenweise kostenlose und sehr günstige Spiele, die inzwischen den Titeln aus dem Nintendo-Universum nicht unbedingt in so viel nachstehen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41564696/nintendo-3ds-im-test-aufgeblasene-3d-mobil-konsole-mit-wenig-neuheiten/

URLs in this post:

[1] Sony: http://www.cnet.de/unternehmen/sony/

[2] Studie von Flurry: https://www.cnet.de/blogs/alpha/abseits/41557076/game_over_fuer_nintendo_und_sony_android_und_ios_uebernehmen_den_mobile_gaming_markt.htm

[3] Android: http://www.cnet.de/themen/android/

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564696/440x330-nintendo-3ds-xl-3d-front.jpg

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564696/440x330-nintendo-3ds-xl-back.jpg

[6] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[7] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564696/440x330-nintendo-3ds-xl-3d-slide-2.jpg

[8] Sweet Spot: http://de.wikipedia.org/wiki/Sweet_Spot

[9] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564696/440x330-nintendo-3ds-xl-3d-slider.jpg

[10] Google: http://www.cnet.de/unternehmen/google-inc/

[11] StreetPass: http://www.nintendo.de/NOE/de_DE/systems/streetpass_und_spotpass_30821.html

[12] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564696/440x330-nintendo-3ds-xl-stylus.jpg