Leistung

Die Nikon D4 ist eine der schnellsten Kameras, mit der wir jemals das Vergnügen hatten. Die Digicam ist nach dem Einschalten quasi sofort einsatzbereit und fängt ohne messbare Verzögerung mit dem Knipsen an, wenn der Autofokus deaktiviert ist. Um bei optimalen Bedingungen auf das Motiv scharfzustellen, benötgit der Bolide zusätzlich 0,2 Sekunden. Erfreulicherweise bleibt diese hervorragende Marke für die Auslöseverzögerung auch im Zwielicht bestehen.

Zwischen zwei aufeinanderfolgenden Aufnahmen genehmigt sich die Kamera eine Verschnaufpause von 0,2 Sekunden, egal, ob es sich dabei um JPEG-, RAW- oder sogar TIFF-Bilder handelt. Der Serienbildmodus stemmt im JPEG-Betrieb satte 9,8 Fotos pro Sekunde und wird auch beim gleichzeitigen Aufnehmen von RAW- und JPEG-Dateien nicht langsamer.

Das Autofokus-System der Nikon D4 ist größtenteils hervorragend. Es findet sowohl im Einzelbild- als auch im Serienbildmodus schnell und üblicherweise zuverlässig den Fokus – sowohl bei statischen Motiven als auch während Schwenks. Der Verfolgungs-Autofokus lässt sich gelegentlich vom Hintergrund ablenken. Im Gegensatz zu manch anderen Kameras markiert die D4 aber auch bei aktiviertem kontinuierlichem Autofokus stets das gewählte Fokusmessfeld, also beispielsweise das mittlere Fokusfeld. Der Autofokus im Live-View-Modus ist leider – wie bei den meisten DSLRs üblich – enttäuschend langsam.

Eine der Annehmlichkeiten, die Kameras in dieser Klasse mitbringen, sind die beiden Speicherkartenslots. Die Nikon D4 bringt hier einen CompactFlash- und einen XQD-Einschub mit. Bei letzterem handelt es sich um einen neuen Standard, den bis dato noch kein anderer Hersteller übernommen hat. Positiv anzumerken ist hier, dass XQD-Karten sehr schnell sind – deutlich schneller als aktuelle SD-Karten. Das gilt jedoch auch für das CompactFlash-Format. Und nachdem wir bei der Nikon D4 keinen Performance-Gewinn feststellen konnten, ist der neue Standard durchaus etwas fraglich, da hier Kompatibilität verloren geht.

Bildqualität

Die Nikon D4 bietet zweifelsohne eine ausgezeichnete Bildqualität mit einem großartigen Rauschverhalten. Bis einschließlich ISO 1600 liefert die Kamera saubere JPEGs. Bei ISO 3200 ist ein erster Detailverlust sichtbar, mit ISO 6400 geschossene Bilder sind je nach Inhalt durchaus noch brauchbar. Deaktivieren wir die integrierte Rauschunterdrückung, so sehen wir bei ISO 1600 keine große Veränderung in der Bildqualität. Erst zwischen ISO 3200 und 6400 tritt eine deutliche Zunahme der Artefakte auf.

Im direkten Vergleich muss sich die Nikon D4 unterhalb von ISO 12.800 ihrer Vorgängerin D3S geschlagen geben, was die Artefakte angeht. Und auch wenn sich die D4 – was die reinen Messwerte betrifft – oberhalb von ISO 12.800 besser als die D3S schlägt, würden wir Empfindlichkeiten oberhalb von ISO 6400 in der Praxis nur für den Notfall empfehlen.


Hier haben wir von links nach rechts mit ISO 100, ISO 1600 und ISO 6400 fotografiert. Ein Klick auf die Thumbnails führt zu den Originalfotos.

Bei der Farbwiedergabe schlägt sich die Nikon D4 sehr gut. Mit den Werkseinstellungen ist die Sättigung ein wenig nach oben gedreht, jedoch nicht stark genug, um für eine Farbverschiebung zu sorgen. Allerdings kann es sich lohnen, die Einstellung für den Kontrast etwas nach unten zu schrauben, um eine bessere Detailwiedergabe in dunklen Bildbereichen zu erzielen. Wer das Farbprofil auf neutral einstellt, bekommt akkuratere Farben. Allerdings empfiehlt es sich, hier die Nachschärfung etwas nach oben zu regeln.

Die JPEG-Bildverarbeitung kommt bei intensiven roten Farben etwas ins Schleudern und sorgt hier für überbelichtete Details. Mit dem Umweg über das Rohdatenformat lässt sich dieses Problem jedoch einfach aus der Welt schaffen. Außerdem bietet die Kamera im RAW-Modus zahlreiche Details in unter- und überbelichteten Bildbereichen, die sich im RAW-Converter des Vertrauens wieder herausarbeiten lassen, ohne dass ein arges Rauschen auftritt. In der folgenden Fotostrecke gibt es mehr Details zur Bildqualität der Nikon D4 sowie zahlreiche Testfotos mit unterschiedlichen Einstellungen und ISO-Empfindlichkeiten.

Von der Videoqualität der Nikon D4 sind wir nur mäßig begeistert. Sie ist sehr gut, keine Frage. Aber für 6000 Euro erwarten wir eben mehr als „nur“ sehr gut. Bei guten Lichtverhältnissen wirken die Clips recht weich, weisen aber erfreulicherweise einen guten Tonwertumfang auf. Mit Artefakten wie Rolling-Shutter oder Moiré hat die D4 ebenfalls nicht zu kämpfen. Im Zwielicht respektive bei hohen ISO-Empfindlichkeiten bleiben die Aufnahmen immer noch ziemlich sauber und büßen in dunklen und hellen Bildbereichen nur wenige Details ein. Aber auch hier wirken die Videos einfach etwas zu weich.

Neueste Kommentare 

Eine Kommentar zu Nikon D4 im Test: rasantes Profi-Modell für Sport- und Reportage-Fotografen

  • Am 24. Juli 2012 um 14:33 von Lorenz Schmid

    Akkufach
    Vonwegen "Die Abdeckung des Akkufachs lässt sich jetzt vom Akku trennen."
    Das können alle meine "grossen" Nikons, angefangen bei der D2X über die D3-Serie und klar, jetzt auc die D4…

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