Ion Audio iCade Mobile im Test: Gamepad für iPhone und iPod Touch

von Scott Stein und Stefan Möllenhoff am , 18:08 Uhr

Pro
  • verleiht dem iPhone und iPod Touch Tasten
  • gut ansprechende Knöpfe
Con
  • klobig
  • billige Haptik
  • kein analoger Joystick
  • Zahl der unterstützten Spiele eingeschränkt
Hersteller: Ion Audio Listenpreis:
ZDNet TESTURTEIL: BEFRIEDIGEND 5,7 von 10 Punkte
Fazit:

Das iCade Mobile verpasst iPod Touch und iPhone ein paar Gaming-Tasten und katapultiert sie zurück in die Zeit von Sega Game Gear & Co.

Nur eine Konsole mit Tasten ist eine gute Konsole? Auf dem Touchscreen von iPod und iPhone macht Zocken keinen Spaß? Das iCade Mobile von Ion Audio verpasst den iOS-Boliden einen Satz Knöpfe und ein Steuerkreuz im Stile der 90er-Jahre-Daddelmaschinen – frei nach dem Motto: Nicht schön, aber effektiv. Wie sich das Ion Audio iCade Mobile in der Praxis schlägt, verrät der Testbericht.

Ion Audio ist kein Neuling mehr, was Gaming-Peripherie für Apple [1]-Geräte angeht. Der US-Hersteller hatte sich vor gut einem Jahr damit einen Namen gemacht, einen Aprilscherz des Gadget-Shops ThinkGeek Realität werden zu lassen: Das iCade [2] verwandelt das iPad in einen Retro-Arcade-Automaten im Miniatur-Format. Mit dem iCade Mobile nimmt die Firma jetzt auch kleinere iOS-Devices ins Visier.

Design

Wer aus irgendeinem Grund das Produktbild nicht gesehen hat und versucht, sich anhand der ersten Beschreibung das iCade Mobile vorzustellen, wird in erster Linie eines tun: Lichtjahre daneben liegen. Denn das Addon ist designtechnisch so weit vom iPhone entfernt, wie nur irgendwie möglich. Das 60 Euro teure Gadget ist lang, dick, schwer und besteht aus Plastik. Mit einem eingesteckten iPhone erinnert das seltsame Konglomerat etwas an einen Atari Lynx [3].

Mit dem Atari Lynx hat das iCade Mobile eine weniger schöne Gemeinsamkeit: Hüben wie drüben fehlt ein analoger Stick. Stattdessen gibt es lediglich ein Vier-Wege-Steuerkreuz auf der linken Seite des Displays. Rechts davon bringt Ion Audio vier weitere Tasten unter. Außerdem finden sich auf den Schultern zweimal zwei Feuertasten, von denen jeweils eine wie ein Abzug geformt ist. Was die Kompatiblität angeht, gibt es ebenfalls eine Enttäuschung: Das Sammelsurium an unterstützten Spieletiteln fällt recht übersichtlich aus. Ein universales Daddel-Gerät ersteht man mit dem iCade Mobile also nicht. Und nein: Street Fighter funktioniert nicht einwandfrei.

Das iCade Mobile verfügt über insgesamt vier Schultertasten. [4]
Das iCade Mobile verfügt über insgesamt vier Schultertasten.

Als das iCade Arcade Cabinet [2] für das iPad auf den Markt kam, war mit Sicherheit auch das clevere Design für den Erfolg verantwortlich. Der Kasten, in den der Anwender das iPad einschiebt, hat überhaupt keine Funktion, sorgt aber für den richtigen Flair bei Retro-Spielen – und sieht einfach klasse aus. Hier ergeben auch der altertümliche Joystick und die grobschlächtigen Tasten Sinn.

In tragbarer Form sieht die Geschichte aber anders aus. Wenn das iCade Mobile nicht gerade Erinnerungen an die frühen 90er Jahre und dessen Spielekonsolen wecken soll, reicht das D-Pad nicht aus. Wir erwarten mindestens einen analogen Joystick, besser sogar zwei, um moderne Spiele wie Ego-Shooter daddeln zu können. In der Praxis hält sich der Hersteller an Gameboy & Co. – unter den unterstützten Spielen finden sich in erster Linie Klassiker aus den 80er und frühen 90er Jahren sowie modernere, aber simple Indie-Titel mit Retro-Flair. Hier leistet der Controller gute Dienste, fühlt sich aber etwas billig an. Vielleicht fertigt Ion Audio ja dort, wo auch die PlayStation-Controller-Nachbauten herkommen.

Hier ist das iCade Mobile neben einem Game Gear von Sega zu sehen. [5]
Hier ist das iCade Mobile neben einem Game Gear von Sega zu sehen.

Die Anschaffungskosten von 50 Euro für das iCade Mobile sind ganz schön hoch gegriffen. Für etwas mehr als das doppelte gibt es schon eine Nintendo DSi zu kaufen. Das Original-iCade für das iPad durfte sich die gehobenen Anschaffungskosten leisten – schließlich gab es hier ein flippiges und cooles Produkt für das Geld. Außerdem war die Verarbeitungsqualität auf einem deutlich besseren Niveau. Das D-Pad spricht zwar gut an, macht aber einen etwas losen Eindruck – und Retro-Titel wie Defender oder Joust einfach nicht so viel Spaß wie im Original.

Mit dem iOS-Gerät verbindet sich das iCade Mobile via Bluetooth. Zum Paaren drückt der Anwender alle vier Schultertasten und gibt anschließend einen Code mit Hilfe des Steuerkreuzes und der Tasten ein, die allesamt mit Zahlen versehen sind. Nachdem die Verbindung einmal erfolgreich auf diese Art und Weise hergestellt wurde, muss der Anwender in Zukunft lediglich das Gadget einschalten, und schon kann’s losgehen. Für die Stromversorgung des iCade Mobile sind zwei AA-Batterien erforderlich. Zum Tausch dieser ist es jedoch erforderlich, die Rückseite des Gehäuses abzuschrauben.

Besonders elegant ist die Halterung nicht: Man muss das iPhone in diese Gummi-Einfassung hineinpopeln. [6]
Besonders elegant ist die Halterung nicht: Man muss das iPhone in diese Gummi-Einfassung hineinpopeln.

Die Gummifassung für das iPhone beziehungsweise den iPod Touch fühlt sich billig an und dehnt sich etwas seltsam unregelmäßig rund um das Mobiltelefon. Für den iPod Touch ist ein zusätzliches Gummiteil im Lieferumfang enthalten, das das schlankere Gehäuse ausgleicht. Sobald das iOS-Gerät im Gehäuse steckt, fühlt es sich dort recht sicher an. Allerdings sind beim iPhone weder die Lautstärketasten noch Ein/Aus-Schalter erreichbar. Positiv anzumerken bleibt, dass sich das Apple-Gerät nicht nur im Quer-, sondern auch im Hochformat einsetzen lässt.

Eine Warnung noch zum Schluss: Zwar stehen für das iCade insgesamt mehr als 100 Spiele zur Verfügung. Doch nicht alle Titel arbeiten auch mit dem iCade Mobile zusammen. Das ist uns beispielsweise aufgefallen, als wir Super Crate Box spielen wollten. In Zukunft wird es hier sicherlich noch das eine oder andere Updates und mehr Auswahl geben, doch aktuell sieht die Realität etwas frustrierend aus.

[7] [8]

Mit dem iCade Mobile lässt es sich sowohl im Hoch- als auch im Querformat zocken.

Fazit

Für den Daddelfreak, der schon alles hat, könnte das iCade Mobile durchaus ein smartes, wenngleich teures Geschenk sein. Allerdings verfliegt der Überraschungseffekt schnell und es wird klar, dass Ion Audio aus dem iPhone keine PlayStation Vita macht. Wer unbedingt mit Buttons daddeln möchte, sollte sich eben doch einfach eine Vita oder eine 3DS kaufen.

Artikel von CNET.de: https://www.cnet.de

URL zum Artikel: https://www.cnet.de/41564781/ion-audio-icade-mobile-im-test-gamepad-fuer-iphone-und-ipod-touch/

URLs in this post:

[1] Apple: http://www.cnet.de/unternehmen/apple/

[2] iCade: https://www.cnet.de/tests/peripherie/41554714/testbericht/arcade_automat_fuers_ipad_icade_holt_die_spielhoellen_zurueck.htm

[3] Atari Lynx: http://de.wikipedia.org/wiki/Atari_Lynx

[4] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564781/ion_icade_mobile_35374672_02.jpg

[5] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564781/ion_icade_mobile_35374672_05.jpg

[6] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564781/ion_icade_mobile_35374672_06.jpg

[7] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564781/ion_icade_mobile_35374672_03.jpg

[8] Image: https://www.cnet.de/i/story_media/41564781/ion_icade_mobile_35374672_04.jpg